Mannheim
Compact Memory

Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1966-09-01 · 9 (Septiembre, 1966) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXVIII (1966)
Issue
9 (Septiembre, 1966)
Date
1966-09-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/8553624-8559645-9194703--4922-8559849
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

4 BOLETIN INFORMATIVO SEPTIEMBRE 1966 TRAEGHEIT DES HERZENS Von Rabbiner Manfred Lubliner Wenn die uns allen vertraute Melodie des Kol — Nidre verklungen ist, beginnt der “lange Tag”, der nur ein Ziel hat: Umkehr. Unser Gewissen wird aufgeruettelt, jenes wunderbare Kontrollsystem tritt in Funktion, dem in sittlichen Konflikten und Problemen die Selbstentscheidung Vorbehalten ist. Nicht in jedem Augenblick seines Lebens handelt der Mensch — auch nicht die hoechstentfaltete Persoenlichkeit — seiner eigenen Orientierung gemaess, und in die Wahl zwischen Gut und Boese, Wahr und Falsch, gestellt, beeinflusst von Trieben und Affekten, faellt er oftmals die falsche Entscheidung. Er versagt, er verfehlt das Ziel. Er hat’ ein schlechtes Gewissen, so sagt der Volksmund. Keiner ist frei von diesem schlechten Gewissen, der eine wird staerker, der andere schwaecher von den Gewissensqualen ergriffen. Sie zu ueberwinden ist der Sinn des grossen Tages, der uns immer wieder aufs neue aufruft, die richtige Wahl im entscheidenden Moment unseres Lebens zu treffen. Das menschliche Suendenregister ist gross. Wer wird es leugnen? Aus der Fuelle der Vergehen und Verfehlungen wollen wir eines herausgreifen: das der Verfasser des Al — Chet in die Worte gekleidet: “Vergib uns wegen unserer Verstocktheit des Herzens, wegen der Traegheit des Herzens”. In einem aufregenden Buch, das vor einiger Zfeit erschienen ist, wird uns das Verbrechen der Traegheit des Herzens in seiner ganzen Tragweite von Augen gefuehrt. Einst— ein Wort das in die Vergangenheit und Zukunft zugleich weist, einstmals geschah das Ungeheuerliche dass die Verantwortlichen zu schwe r e n Suendern werden liess. Wie es dazu kam? Einst, so erinnern wir uns, es war in den heissen schwuelen Sommertagen des Schicksalsjahres 1938. Nicht nur die Schwuele der Luft lastete auf uns, sondern der schwere Druck machte uns das Atmen fast unmoeglich. Die Luft war vergiftet und verpestet, trotz allem hellen Sonnenschein. Wir lebten in einer tiefen inneren Finsternis, wir bangten und zitterten um unser Leben, als wir ploetzlich eine menschliche Stimme zu vernehmen glaubten, die uns aus der Situation zwischen Leben und Tod zu einem neuen, freien Leben fuehren wollte; eine Sternstunde haette es fuer uns sein koennen. Damals, in den schicksalsschweren Julitagen, trafen sich auf Veranlassung des Praesidenten Roosevelt die Vertreter von mehr als 30 Staaten, um das Judenproblem zu einer Loesung zu bringen. Unser aller Augen waren fuer wenige Tage auf den franzoesischen Badeort Evian gerichtet, bangend und hoffend zugleich dass von dort aus ein Weg zu neuem Leben uns gezeigt werden wuerde. Auch der furchtbare Judenfeind benutzte diese Konferenz, um die wahre Absicht der Hilfsaktion zu erkunden. Die damalige Naziregierung entsandte einen weltberuehmte Wiener Arzt unter Anerbietung freien Geleites nach dort, mit dem Angebot, das in spaeteren Jahren noch einmal wiederholt wurde, einen jeden Juden fuer eine bestimmte Geldsumme in die Freiheit ziehen zu lassen. Das was spaeter grausige Wirklichkeit wurde hat sich hier zum ersten Mal angebahnt, dass der Mensch nur Sache und im besten Falle Handelsware ist. Der einst von Kaiser Franz Josef geadelte Arzt trat vor die Delegierten der freien Laender und sprach jene inhaltsvollen, schicksalsschweren Worte, die aus der Traegheit des Herzens, der Verstocktheit der Seelen, unverstanden, zu einer der tragischsten Anklagen der Menschheit wurden und die an einem jeden Jom- Kippur aufs neue in unser Herz eingegraben werden muessen, auf das nicht aus dem ehemaligen Einst ein neues Einst entstehe. Die Worte,/an die in Freiheit lebenden, lauteten: “Meine Herren Delegierten: Ihre Eintragung in das Gaeste. buch des Hotel Royal in Evian bedeutet die Eintragung in das Buch der Geschichte. Die Seiten werden zwar vergilben, aber nie verschwinden. Evian wird in die Geschichte eingehen als jener Ort, wo entweder das Gute die Waffen streckt oder die Waffen um des Guten willen ergreift. Alles Boese in der Welt geschieht unter der stillschweigenden Duldung des Guten. Nichts teuflisches in der Menschheitsgeschichte hat sich ereignet, ohne dass der Teufel den Boden abgetastet, seine Fuehler ausgestreckt, der Komplizitaet des Guten sich versichert haette. Mehr habe ich nicht zu sagen. Wollen Sie mitschuldig werden? “Und sie wurden mitschuldig. Ein tiefes Schweigen folgte diesen Worten. Ein Schweigen, mit soviel Gesichtern, dass es kein Gesicht mehr hatte. “Vergib”, so beten wir auch in diesem Jahr, “unsere Vergehen, die wir aus Traegheit des Herzens, aus falscher Duldsamkeit begangen ha. ben”. Traegheit des Herzens, ein laehmender Faktor der Weltgeschichte, eine schwere Last fuer die taeglich menschlichen Beziehungen, laesst keine Empoerung aufkommen ueber Unrecht, das andere erleiden und laesst uns zum fremden Unglueck schweigen. Weil sie damals schwiegen, in der entscheidenden Stunde, weil sie versagten, fuer das Gute, fuer das Recht fuer die Moral einzutreten, triumphierte (gewiss nur voruebergehend — aber welche Blutschuld) das Boese, das Teuflische und so wurden alle letztlich mitschuldig. Man fragt so oft, wo war Gott in dieser Schicksalsstunde und man darf vielleicht bescheiden antworten; wo war der Mensch in seiner Menschlichkeit in diesen Stunden der Pruefung. Deshalb ergeht an uns, an einem jeden Tag unseres Lebens die unsterbliche Mahnung des ewigen Buches, “jage dem Recht nach, damit du lebst und verteidige das Gute”, Jagen heisst sich bewegen, nicht mit verschraenkten Haenden Stillstehen sondern mit Dynamik und Einsatzbereitschaft, handeln, damit die Welt aus ihrer Unvollendung dem Ziel der Vollendung sich naehert, dank der Menschen des guten Willens, die bereit sind, im Ebenbild Gottes ihre Aufgabe auf dieser Erde zu erfuellen. VOM WESEN DES SUKKOT FESTES In der Geschichtsepoche, die mit dem Jahre 1933 zuende ging, hatte man sich in der westlichen juedischen Welt vielfach darum bemueht, das Judentum zu einer “Bekenntnisgemeinschaft” zu verengen. Die grossen historischen Feste Israels, einst Gipfelpunkte des religioes - nationalen Daseins, wurden in diese unglueckliche Entwicklung einbezogen. Je mehr man sich vom Zentrum juedischen Lebens entfernte, desto weniger wusste man mit Feiertagen zu beginnen, die an eine glorreiche Vergangenheit anknuepften. Man verstand bestenfalls noch die universalistische Bedeutung der erhabenen Bussfeste Rosch Haschana und Jom Hakippurim, obwohl auch diese Tage vom Leidensschicksal des Volkes . nicht zu trennen sind, doch was konnte dem modernen westeuropaeischen Juden z.B. Sukkot geben, das bedeutendste der Wallfahrtsfeste in biblischer Zleit, der tiefste Einschnitt im Ablaufe des juedischen Jahres? Was sagte dem Juden von 1900 die Laubhuet te mit der Erinnerung an den Schutz Israels waehrend der Wuestenwanderung? Und noch weniger vermochte der Gedanke an Ernte und Freude an der Natur Palaestinas dem von der Tradition abseits Lebenden zu gewaehren. Der Feststrauss war in den meisten der grossen Synagogen zu weniger als einem Symbol geworden, und die Sukka, auf den Hoefen der Gemeindehaeuser errichtet, haeufig liebevoll ausgeschmue, c k t, liess nur relativ wenige Besucher fuer kurze Zeit fluechtig an das charakteristische Merkmal von Sukkot erinnern. Das Grosse dieser Tage, ihre Schoenheit und ihr innerer Reichtum, ist seit der Epoche der Emanzipation nur einem kleinen Teile der sogenannten “Westjuden” bewusst geworden, waehrend in Osteuropa, mindestens bis zum ersten Weltkrieg, das Sukkot-Fest einen religioesen Hoehepunk't des ganzen Jahres bildete und so gefeiert wurde, dass die Erinnerung an das grosse Fest, wie Bibel und Talmud es ueberliefern, wachgerufen werden konnte. Das fuenfte Buch Mose, wenn es von Sukkot spricht, erwaehnt die Zeit “des Einbringens aus der Tenne und der Kelter” und es ist nur natuerlich, dass der Hebraeer angesichts des Erntesegens nicht nur an die Gegenwart und an Gott als den Spender alles Guten, sondern auch an die Vergangenheit dachte und den Ewigen als den “Schutz Israels” anbetete. An diesem Fest enthuellte sich dem Juden der alten Zeit der goettliche Heilsplan in seiner ganzen Groesse, und die Huette gestaltete sich ihm als das immer - lebende Symbol der Wanderschaften Israels. Man darf aber auch das grosse Erntefest symbolisch deuten im Hinblick auf die kuenftige Ernte in den Gefilden der Menschheit, in Verbindung mit der Hoffnung, dass die Saatenkeime der Liebe und der Gerechtigkeit, welche die juedische Lehre ausgestreut, einst aufgehen werden. Diese messianische Erwartung, die wir auch in der grandiosen Vision des Propheten Secharja vom 1. Feiertag vernehmen, knuepft in gewissem. Sinne an den Versoehnungstag insofern an, als der mit Gott und Umwelt versoehnte Jude die Verpflichtung in sich fuehlen soll, am Aufbau des Gottesreiches mitzuarbeiten. Hierzu tritt der schoene Gedanke, dass die “Zeit unserer Freude”, welche unmittelbar dem Jom Kippur folgt, die echt juedische Idee veranschaulicht, dass wahre Freude nur in einem reinen Herzen zu wohnen vermag, dass also ohne Friede keine Freude moeglich ist. Und ßch’iiesslich sei daran erinnert, dass einst am Sukkot- Feste der erste, der Salomonische Tempel, geweiht worden ist, das erste fest fundierte Heiligtum des Volkes im eigenen Lande, Sinnbild der nationalen Groesse, die “Wohnung des Ewigen”, der religioes geistige Mittelpunkt des Volkes. Seit dem Wiederbeginn der juedischen Kolonisation in Eretz Israel, seit rund achtzig Jahren, hat dieses Fest Von Curt Wilk der Freude an der Natur einen neuen Glanz erhalten, der sich auch auf Kreise erstreckt, die Sukkot nicht im streng traditionellen Sinne begehen, Der Stolz der Isrelis von heute auf das von ihnen Geschaffene findet vielfach seinen Ausdruck im Gebrauch von Feststrauss und Sukka auch dann, wenn das religioese Motiv nicht bestimmend ist. Und an die Stelle des zu Sukkot geweihten Tempels in biblischer Zeit sind Universitaeten, Jeschiwot, Forschungsstaetten getreten; das Land hat sein Aussehen veraendert: Jede neue Strasse, jede Waldpflanzung, alles was dem Aufbau Israels dient, ist reicher Erntesegen. So ist das Fest zu neuer Schoenheit und Bedeutung gelangt, Und eine freu d i g e Stimmung beherrscht das Land acht Tage lang. Gegenueber dem Schattendasein von Sukkot in der Diaspora, wird im Lande der juedischen Zukunft der Inhalt des Festes voll ausgeschoepft. Vielleicht fuehren eines Tages Wege zu uns, die es ermoeglichen, das Wesen von Sukkot auch bei uns neu zu erfassen. Grosse Auswahl in nationalen, auch Perser Teppichen finden Sie immer bei Teofilo Schneider Av. Bustamante 6 _ direkt am Plaza Italia — Fono 495243 Auch f.achmaennische Reparaturen und Reinigungen, MONEDA 1037 BIS ZUM 30 Recepción de AVISOS del BOLETIN INFORMATIVO Serenos 476-Of. 23 Catedral altura 1250-Tel. Horas de Oficina 9-13 y 87765 14-18

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.