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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1966-07-01 · 7 (Julio, 1966) · p. Seite 11

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXVIII (1966)
Issue
7 (Julio, 1966)
Date
1966-07-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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JULIO 1966 BOLETIN INFORMATIVO 11 DR. ABNER NECHUSCHTAN Beck Der Saenger sitzt, fanget an. Meistersinger. 1. Akt. “Fanget an” — Alles schien wieder einmal auffuehrungsreif: die Proben waren durchgestanden, die Szene war gestellt, die Musiker hatten ihre Instrumente gestimmt, die Saenger warteten mit der Komparserie auf das Stichwort. Aber sie hatten nicht damit gerechnet, dass einflussreiche Tel- Aviver — und andere Israelis — als “Merker” das' Spiel beckmesserisch noch vor seinem Beginn abklopfen wuerden. BESCHLUSS GEGEN EIN TABU Zum wer weiss wie vielten Male hatten sich die israelischen Philharmo n i k e r kuerzlich wieder die Frage nach einer Aufnahme der Ouvertüren zum Lohengrin, dem Tannhaeuser, des Waldweben - Idylle aus dem Siegfried, und symphonischer Dichtungen wie des Don Juan, des Till Eulens'piegel in ihre Programme gestellt. Fast einmuetig hatte sich ihr Vorstand dafuer ausgesprochen, Richard Wagner und Richard Strauss, den zehntausenden der Konzertbesucher des Hechal Hatarbut in Tel - Aviv, des “Tempels der Kultur", nicht laenger vorzuenthalten. Unter der Schockwirkung der von Goebbels befohlenen “Reichskristallnacht” war das Spielverbot hier im Lande vor etwa drei Jahrzehnten beschlossen worden, als die Synagogen in ganz Deutschland von entfesselten Horden in Brand gesteckt worden waren. Nicht nur seiner antisemitischen Schriften wegen — sie lagen zwei, drei Menschenalter zurueck — wurde die Musik Richard Wagners damals im juedischen Palaestina geachtet, sondern vor allem selbstredend, weil die Nationalsozialisten mit ihrem “Fuehrer” voran den “Ring der Nibelungen” und auch den “Tristan", die sie als Hohelieder germanischer Selbstbeweihraeucherung missverstanden, ebenso wie die deutschtuemelnden “Meiste rsinger” fuer ihre “Kulturpropaganda” beschlagnahmt hatten. Zwar konnte beim sozusagen besten Willen keine Teutomanie dem Komponisten des Rosenkavalier und der Ariadne in der Wahl seiner Operntexte unterstellt werden, wie auch nicht den kongenialen Dichtungen des keineswegs “arisch reinrassigen” Hugo von Hofmannsthal und des Juden Stefan Zweig; und ebensowenig war hier von irgendeinem Antisemitismus die Rede. Aber vorgeworfen wurde Richard Strauss, und das zweifellos mit Recht, dass er sich ohne moralische Hemmungen, aus ¡selbstsüchtigem Opportunismus, dazu hergegeben hatte, von Gnaden des Reichspropagandaministers, den er verachtete, an die Spitze der nazistischen “Reichsmusikkammer" zu treten. Der Vorstand der Philharmoniker nahm in Tel - Aviv zu diesen Begründungen des im Herbst 1938 gefassten Beschlusses meritorisch jetzt keine Stellung mehr. Ihm ging es um die kuenstlerimesser in sehen Auswirkungen. Stueckwerk bleibe ohne so epochale Gipfelleistungen nun einmal jede Musik, ob sie intern von den Mitgliedern des Orchesters geprobt oder oeffentlich dargeboten wird. So habe es sich im Lauf der Zeit denn auch immer eindeutiger herausgestellt, dass die Musiker selber, nicht anders als ihr Publikum, die kuenstlerische Rechnung des Vetos gegen die zwei Meister der Tonkunst zu begleichen hatten. So ungefaehr wurde argumentiert, und im Programmheft eines der letzten Konzerte lasen die Abonnenten, dass sie die “zwei grossen Richards der Musik” in der kommenden Saison, dem Jahre 1966/1967, nicht mehr vermissen werden. FREUNDE UND GEGNER IN JAHRZEHNTELANGEM WIDERSTREIT Bedenken gegen den alldeutschen Barden Richard Wagner waren den Stadtvaetern Tel - Avivs unter der Wortfuehrung ihres kreufebraven, von der Muse aber nicht gerade gekuessten damaligen Bürgermeisters, dem verstorbenen Meir Dizengoff, schon zwei Jahre vor der Verbotserklaerung gekommen, 1936, als Arturo Toscanini als gefeierter Gast eines' der ersten Konzerte des Orchesters dirigierte, das von seinem Freund Bronislaw Hubermann soeben aus Hitlerfluechtlingen geschaffen worden war. Sie suchten den Maestro in seinem Hotel auf um ihm die Absicht auszureden, das Vorspiel zum dritten Akt des Lohengrin spielen zu lassen. Sollten sie auf ihrem Einspruch bestehen, erwiderte er ihnen, werde er das Konzert absagen, auf die ihm zugedachten Ehrungen verzichten und sofort abreisen. Basta. Er, der seinem Italien aus Protest gegen Mussolinis Faschismus den Ruecken zugewandt habe, s'tehe schwerlich im Verdacht, mit dem Ueberduce “Hitler” zu liebaeugeln, aber in rein musikalischen Dingen lasse er sich umso weniger Vorschriften machen, als er die Drohung mit der “kochenden juedisch palaestinensischen Volksseele” fuer eine Fabel halte. Er setzte sich durch. Und statt der von den besorgten Lokalgroessen be~ fuerchteten Schmaehrufe, kannte der Applaus gerade nach diesem Lohengrin - Vorspiel keine Grenzen Ebensowenig kochte die Volksseele, als Jascha Horenstein gleichfalls ein Orchesterleiter von internationalem Ruf, um ungefaehr die gleiche Zeit die Ouvertüre zum. Tannhaeuser dirigierte. Unerspriesslicher veri i e f spaeter, fuenf Jahre nach der Gruendung des' juedischen Staates, eine Tournee des Violinisten Jascha Heifetz. Wie innig er seit jeher mit dem Land Israel verknuepft ist, bezeugt der kleine, altehrwuerdige Konzertsaal, der noch in der Zeit des englischen Palaestina - Mandats von den dankbaren Tel- Avivern auf seinen Namen errichtet worden war. Da er sich 1953, als er wieder einmal herkam, demzufolge wie zu Hause fuehlte, nahm er r SONDER-BERKHT FÜR DIS B.I. (TEL - AVIV) Zion keinen Anstand, auch mit einer Sonate von Richard Strauss aufzutreten. Die Kenner und Liebhaber guter Musik jubelten ihm zu; einer von den durch die Boykott - Parole auf gehetzten Jugendlichen aber, ein Halbstarker, der vermutlich noch nie eine Note von Richard Strauss gehoert hatte, ueberfiel ihn und schlug mit einer Eisenstange auf seine Geigerhaende ein. ' Gluecklicherweise trug der Kuenstier nur Hautabschuerfungen davon. Wieder einige Jahre spaeter unterrichteten sich die Philharmoniker in einer diskret veranstalteten Umfrage ueber die Stellung ihrer Abonnenten zu Wagner und Strauss. Obwohl die Veranstalter das! Ergebnis dieser Meinungsbefragung leider niemals publizierten, wohl um nirgends anzuecken erbrachte sie nach sicherem Vernehmen eine solche Mehrheit fuer die Aufhebung des Spielverbotes, dass der Vorstand den Don Juan des Richard Strauss auf das Programm des naechsten Abends zu setzen wagte. Doch hatte er nicht mit den Verfechtern des Boykotts gerechnet. Sie bessern vor dem Eingang des Konzertsaales in einschuechternd drohender Sprache gehaltene Flug’olaetter von hemdsaermeligen jun g e n Leuten verteilen und hinter den Kulissen ihre Beziehungen zum damaligen Justizminis t e r Pinchas Rosen, spielen, dass er um des Burgfriedens willen als Vorsitzender des oeffentlichen Beirats der Philharmoniker (Fortsetzung Seite 20) Hafen Eine Machtprobe im des “roten Haifa” Mit nicht weniger als voelliger Schliessung hatte die israelische Regierung noch vor kurzer Zeit dem Hafen der Stadt Haifa gedroht, den der ueberwiegende Grossteil des Aussenhandels dieses Landes benoetigt, soweit er auf den Schiffsverkehr angewiesen ist. Gegen Ende April waren die 17.00 Werftarbeiter, Schauerleute, Lasttraeger, die Loescher, Einlader und sonstigen Verfrachter, die Kranfuehrer und Magazinverwalter in einen “Streik verlangsamter Arbeit” getreten. Den Hafen hatten sie dadurch so stillgelegt, dass sechs Wochen spaeter etwa drei Dutzend Dampfer darauf warteten, dass die Reihe der Ab fertigung an sie kaeme, und zwo elf von ihnen nicht einmal an den Kais, sondern draussen neben den Molen. Andere hatten die Anker nach tagelangem, fruchtlosen Palavern mit ihrer Fracht von Einfuhrguetern inzwischen wieder gelichtet, oder ohne die tausende, zu ihrer Verschiffung nach Haifa gebrachten Kisten mit Orangen, Eiern, leichtverderblichem Gemuese usw. an Bord genommen zu haben... DAS DREIPUNKTEPRO¬ GRAMM DER HAFEN¬ ARBEITER Im wesentlichen war es folgendes, was die Streikenden in den Verhandlungen forderten, die jetzt endlich so zum Abschluss gebracht worden sind, dass sie ihre Arbeit im vollen frueheren Umfang wieder aufgenommen haben, statt nur eine einzige Tagesschicht —■ und noch dazu mit systematischer Langsamkeit - zu absolvieren Sie verlangten 1. ihre Arbeitsnormen denen anzupassen, die in den zwei kleineren Haefen Israels gelten, in Aschdod an der suedlicher liegenden Mittelmeerkueste und in Eilath am Golf von Akaba; 2. die Staffelung ihrer Grundloehne und Teuerungszulagen generell zu ueberpruefen und ihnen jetzt schon verbindliche Aufbesserungen dieser Bezuege mindestens in der Hoehe jener 10 Prozent zuzusagen, die von der Landesgewerkschaft, der Histadruth allgemein fuer den Juli vorgesehen sind: und 3. die Zusage, sie schon nach acht, und nicht erst nach dreizehn Jahren aus “Wochenloehnern” - mit der Lohntuete am Freitag Nachmittag — in Festangestellte mit monatlicher Entlohnung zu verwandeln. Der letzte, dritte Punkt stiess begreiflicherweise auf den geringsten Widerstand, als sich der Haifaer Arbeiter-Beirat, Haifas Bürgermeister Aba iChuschi, die Gewerkschaftsfuehrung im Tel- Aviver “Haus der Histadruth” und schliesslich, gar die Regierung nach und nebeneinander —ja, in einem mehr und mehr verwirrenden Durcheinander—* mit dem Fuer und Wider dieses Streikprogramms befassten. Schwieriger war das Draengen der Hafenarbeiter auf eine Herabsetzung ihrer "Normen” (Punkt 1), und am umstrittensten ihre Forderung, die Loehne und traditionellen Teuerungszulagen “umzustaffeln” und moeglichst ueber die fuer die Jahresmitte sowieso geplanten zehn Prozent noch hinaus zu verbessern. Das normale Tagespensum, die “Norm” der Dockarbeiter in Aschdod und Eilath duerfe und muesse unter der Haifaer “Norm” liegen, wurde geltend gemacht, weil es sich in beiden Faellen nicht um Haefen mit dem Vorbau breiter, hoher Wellenbrecher handele, sondern um ungeschuetzte, "offene Haefen”, in denen die Ein — und Ausladung von Fraehtguetern entsprechend anstrengender und zeitraubender sei. Ja, aber der erst vor kurzem gebaute Aschdoder Hafen, erwiderten die Wortfuehrer der Streikenden — mit einigem Recht—, verfuege weit besser als der alte Haifaer ueber moderne Installationen, die die physische Arbeit erleichtern. Die Bezuege der Hafenarbeiter Haifas? Einfache Werftarbeiter, wurde ihnen vorgerechnet, bringen es dort schon heute, noch vor der fuer den Juli vorgesehenen Teuerungszulage, im monatlichen Durchschnitt, einschliesslich der Ueberstunden, immerhin auf 1.150 Israelpfund (IL), Kistenverfrachter von Zitrusfruechten auf 2.300 IL und mitunter gar auf 3.500 IL, das Drei—, Vier— und fast Fuenffache dessen, was hier im Land an Loehnen und auch an Angestelltengehaeltern ueblich ist. Arbeitseinnahmen sind das in den Spitzenklassen von Ministergehaelten— Wollen sie noch hoeher hinauf, die Hafenarbeiter Haifas? Sie sind nicht allein aufs straffste in ihren sechs Sektionengewerkschaftlich organisiert, sondern bilden kraft ihres hochspezialisierten Koennens eine schwer, wenn ueberhaupt ersetzbare Elite der israelischen Arbeiterschaft, zugegeben. Berechtigt sie das indessen, ihre Monopolstellung derart auszunutzen? Sollte diesem Monopol nicht ein Verantwortungsbewusstsein gleichen Masses entsprechen, die Einsicht in die enormen wirtschaftlichen Schaeden eines solchen “Verlangsamungs-Streiks?”. SCHWERE WIRTSCHAFT¬ LICHE EINBUSSEN Ihre Weigerung, mehr als nur eine Tagesschicht zu machen, hatte den Warenumschlag im Hafen Haifas so gedrosselt, dass beispielsweise die Verladung von Ausfuhrgütern mit etwa 58.000 to im Mai gegen den gleichen Monat des Vorjahrs (116.000 to) auf die Haelfte herabgesunken war. Auf mehr als' zehn Millionen Dollar belaufen sich nach den bisherigen, noch unvollstaendigen Schaetzungen die dem hiesigen Wirtschaftsganzen zugefuegten Schaeden, wenn man die indirekten hinzurechnet, so den Rueckgang des Frachtgeschaefts der Haifaer Reedereien, die Annulierung von Exportauftraegen, die sich nicht zeitgerecht abwickeln liessen, ferner die von den internationalen Schiffahrts - “Konferenzen” zum Ausgleich der Verzoegerungen angedrohte und auch schon verfuegte 20 - prozentige Erhoehung der Frachtgebuehren und nicht zuletzt die Gefaehrdung ¡'wertvoller Geschaeftsverbindungen i m Ausland und sogar wahrscheinliche Verluste neuer auslaendischer Maerkte (Kanada!), zu dt. (Fortsetzung Seite 12)

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