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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1966-05-01 · 5 (Mayo, 1966) · p. Seite 12

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXVIII (1966)
Issue
5 (Mayo, 1966)
Date
1966-05-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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12 BOLETIN INFORMATIVO MAYO 1966 GEDANKEN ZWISCHEN ZWEI UND DREI LETZTE FORTSETZUNG DES ALPHABETS Bei dem folgenden Buchstaben koennen uns noch nicht einmal X-Strahlen helfen, um Material zu finden. In allen Nachschlagewerken und Lexica, selbst wenn man sie Xmal durchsucht, steht a u s s er der beruechtigten Xanthippe, der hysterischzaenkischen Frau Sokrates, wenig anderes. — Die Stele von Xanthos aus den Altertumsfunden von Lykien, ist eine der juedischen Geschichte weniger ruehml-ich. Die huebsche Gewohnheit, Xenien — Gastgeschenke zu machen, ist leider nicht mehr en vogue; es waere recht angenehm, unter der Serviette Xfache U e b e r raschungen vorzufinden. Da waere noch das Xylophon zu nennen, dessen Spieler ein Tausendsassa an Schnelligkeit und Praezision sein muss. —■ Xerxes, der Perserkoenig hat netterw'eise zwei X aufzuweisen. — Ein Xaver mit X-Beinen wuerde uns sehr nuetzlich sein; leider koennen wir keinen bestimmten, sondern nur einen X-Beliebigen nennen. — Im Zusammenhang mit dieser kopfzerbrecherischen Aufgabe ist es besonders a n z u e rkennen, dass “Weihnachten” in der englischen Sprache mit “Xmas” bezeichnet wird. — Ximena und Ximenez sind spanische Namen — und damit hat sich’s mit dem verflixten Buclystaben X. (Ausser einer Reihe lateinischer Pflanzennamen und chemischer Zusammensetzungen, die Ypso (oder ipso?) — facto uninteressant sind). Der erste Mensch, aus dessen Gliedern die Welt geschaffen wurde, hiess, laut einer eddischen Dichtung, Ymir. Um darueber mehr zu wissen, muesste man (por lo menos yo!) auf der Yale- Universitaet studieren. — Die Bezeichnung Yankee entstand circa 1765 als Spitznamen fuer die hollaendischen Siedler und bedeutet “kleiner Yan”. Auch der Name des Vorortes Yonkers bei New York ist natuerlich hollaendischen Ursprungs. — Wer Yoga treibt und fleissig Yoghurt isst, hat Chancen uralt zu werden. Mit einer eigenen Yacht zu fahren (ein Yawl Kutter waere zu gross), um auf dem Yapura (Nebenfluss des Amazonas), oder gar dem Yang-tse-kiang zu kreuzen, muss fast so schoen sein, wie eine tagelange Tour durch die Schoenheiten des Yellowstone — oder Yosemite-Parks.— Die erste bekannte chinesische Dynastie begruendete Yue, der Grosse, 2200 Jahre vor der christlichen Zeitrechnung; er wurde beruehmt durch seine gerechte Regelung der Wasserverhaeltnisse Chinas. Yao ist eine mythologische Kaisergestalt, die das goldne Zeitalter repraesentiert. Fuer Japan ist Yokohama zu nennen, als aeusserst wichtige Handelsstadt, auch das international gewordene Spiel Yo-Yo. — Fuer England moechte ich Yeats nicht vergessen; seine “Ideen von Gut und Boese” gehoeren zur Weltliteratur. Dass “Yard” vorerst noch das englische Laengenmass ist, wird mit dem Akzeptieren des metrischen Systems bald der Vergangenheit angehoeren. -» Als Letztes sei Ysop genannt, ein Kraut, das fuer priesterliche Reinigungs-Zeremonien gebraucht wird. “Von der Zeder bis zum Ysop” bedeutet: “Vom Hoechsten bis zum Geringsten”. Das Ziel ist zum Glueck nun erreicht; Z schliesst den Zyk'us der selbstauferlegten Zwangsarbeit. Zaudernd greift man am Morgen, im gemuetlichen Zimmer beim Fruehstueck zur Z e i t u ng. Jede Zeile sprich zur Zeit von Kampf, Krieg und zorniger Rebellion. Der ganze Erdball zuckt und zittert im Zeichen zerruetternder Zerwuerfnisse, es gibt kaum eine Zone, die nicht Zank und Zwiespalt zeigt. Ein trauriger Zustand, der Jedermann mit Zweifeln und Angst fuer die Zukunft erfuellt. Ost und West zensieren sich gegenseitig in zynischer Weise; Welten stehen zwischen ihnen, Zorn schwingt das Zepter ueber dem Zerrbild ihrer zeitweiligen Verstaendigungs-Versuche. Die zarte Ziselier - Arbeit, die fueher Ziel und Zeugnis fuer zweckmaessige, wuerdige Diplomatie war, der sparsame Wortgebrauch, der in zivilisierter Zunge sprach, ist einer zerfleischenden gegenseitigen Zerfetzung gewichen, die aus der feinen 7elebrierung einen in die Zoologie g e h o e r enden Zirkus machte. Der zersetzende Zug zur Superioritaet ist ewiger Zankapfel und Zentralpunkt aller Zwistigkeiten. E i ne r zeiht den Anderen, sich die Zibeben aus dem Voelker- Kuchen zu stehlen, ein zaeher Streit der satanisch zielsicher Zelle um Zelle des Erdballes zermuerbt. Vietnam, Indien, Santo Domingo, China (um nur Einiges zu zitieren) — ein Friedens-Zweig nach dem anderen zerbricht unter der Zuchtrute der Buergerkriege. Zaghafte Versuche zu helfen, werden mit Zeter und Mordio-Geschrei als Eingriffe in die Hoheitsrechte bezeichnet. Die Voelker duerfen Zaungaeste spielen und sollen moeglichst zahm zusehen, bis sich die Verhetzung, Zersetzung und Zerstoerung innerhalb ihres eigenen Zirkels zeigt. Man sucht ziemlich rat- und nutzlos nach einer (zufaellig) besseren Zeitungs- Nachricht. Hurrikan und Zyklon forderten hohen Zoll zu Meer und Land an Menschenleben. In Viña und Valparaiso rissen 1965 zischende Wellen des aufgewuehlten Meeres Zement-Bloecke von Zentner-Gewicht wie Zunder aus Mauern und Zaeunen; die Ziergaerten und Anlagen versanken in Schlamm und Wasser. Ein betrueblicher Zensus. Die Ziffer der Sachschaeden war um zichfaches groesser, als bei der Erdbeben-Katastrophe, die zuvor die Zentral-Zone betroffen hatte. — Bei Zermatt zerstoerte eine Lawine eine Arfo e i t er-Siedlung und zermalmte zirka 100 Menschen. Den zick-zack um Miami wuetenden Sturn, versuchte man durch chemische Mittel zu zaehmen. Wie zwerghaftwinzig und zerbrechlich der Mensch, trotz der fast an Zauberei grenzenden technischen Neuerungen, dem zuschlagenden Zufalls-Zorn der Natur ausgeliefert ist! Um nicht zu sehr in zwecklos-trauriger Zaehlung von Katastrophen zu versinken, nehmen wir Zuflucht zu einer Zigarette und machen eine scharfe Zaesur. (Es waere eine ziemliche Zumutung, zuletzt gar noch z. B. ueber zermuerbende Steuern oder Zins- und Zinses-Zins-Zahlungen zu zetern. Was zu viel ist, ist zu viel! Zehn ist eine Ziffer, die in juedischen Dingen eine erstaunliche Rolle spielt! Zehn Gebote, zehn Plagen, zehn verlorene Staemme (im Ganzen sind es zwoelf), zehn Maertyrer Roms und die Abgabe des Zehent waeren zitierbare Beispiele. — Koenig Salomon zog allen anderen Hoelzern Zeder und Zyprese aus Zion’s Bergen zur Zierde des Tempelbaues vor; mit Zimbeln und Harfen sang man in Israel’s Zelten von seiner Pracht und Schoenheit. Zwischen zwei und drei ist eine zeitlich kurze Spanne, (der Zeiger zeigt schon drei Uhr zwanzig!). Sie ist zu Ende und zugleich mit ihr diese zulaenglich (oder ZU LAEN- GLICH?) behandelte, Ziegel auf Ziegel aufgebaute Arbeit Der Zettel-Kram auf dem Schreibtisch, bisher zaertlich gehuetet, wird zerrissen, man findet, zurueckblickend, dass so ein Alphabet ohne Zweifel zeitraubend weitlaeufig ist und bittet zum Abschied zaghaft die Zuschauer (Zu-Leser gibt’s nicht) fuer die Monate-waehrende Zumutung um gnaedige Zensur. Von Chile, Israel und andern Sprach man vergnuegt von A (bis Z, Man liess Euch durch Geschichte wandern, Durch Gut und Boese, Haesslich, Nett; ■ Man suchte ungewohnte Sachen, Studierte Buecher, Texte viel, Mit Sachlichem, mit Ernst, mit Lachen, Kam endlich man an’s End’, an’s Ziel. Der Spass, den Ihr vielleicht empfunden, Ist Zweck, den man darin erseh’ Von 2 bis 3, plus Ueber stunden, Gruesst A-B-C-fach Ihr K.g Begegnung mit JOSEPH WULF Joseph Wulf gehoert zu jenen Zeitgeschichtsforschern, die sich der Aufklaerung ueber den Nationalsozialismus verschrieben haben. Als Jude strebt er eine Synthese dessen an, was historische Quellen ueber die NS-Zeit berichten und dem, was er als Widerstandskaempfer und Auschwitz-Haeftling unmittelbar erfahren hat: “Wenn es um das Dritte Reich geht, leide ich —so pflege ich es auszudruecken—, an “Archivitis”. Es gibt Themen, fuer die ich seit 15 und noch mehr Jahren Material gesammelt habe”. Wulf wurde im Jahre 1912 geboren. Er lebte in Krakau und wurde von vier Kulturen gepraegt: der ostjuedischen, der polnischen der franzoesischen und de^ deutschen. Es war eine Zeit,, in der Ostjuden das liebevolle Wort vom “Rebbe Schiller” praegten. Von dieser Hinneigung zu Deutschland weiss auch unser Gespraechspartner zu berichten, denn in seinem Elternhaus wurde nur d e u t sch gesprochen: “Von Goethe bis zur Krawatte — alies musste deutsch sein”. Der wohlhabende Vater, ein bedeutender Talmudist, ermoeglichte eine Ausbildung des Sohnes an den Universitaeten in Nancy, Paris und Krakau. Joseph Wulf studierte zunaechst Philosophie und —Landwirtschaft. In Mir, jener Stadt, aus der Israels Staat spraesident Schasar stammt, besuchte Wulf die bekannte Talmud-Hochschule. Noch heute lernt er taeglich eine Seite Talmud und Sohar. Wulfs enge Verbindung mit dem Judentum zeigt sich nicht zuletzt darin, dass er mit seinem in Paris lebenden Sohn nur jiddisch spricht, wie er auch mit Mare Chagall in dieser Sprache korrespondiert. Er arbeitet taeglich 14 bis 15 Stunden, Waehrend des zweiten Weltkrieges gehoerte Wulf zunaechst der juedischen Widerstandsbewegung in Polen an. Von 1941 bis 1943 lebte er in Ghettos, von 1943 bis 1945 war er im Konzentrationslager Auschwitz. Gleich nach der Befreiung wurde er Exekutivmitglied der zentralen juedischen historischen Kommission in Polen. Bis 1950 wirkte er in der Leitung des Centre pour l’histoire des Juifs Polonais in Paris. Ueber seine besondere Situation als juedischer Historiker, der seit 1952 in West- Berlin lebt, sagt Wulf: “Es war meine Sehnsucht, ueber das Dritte Reich gerade in Deutschland selbst und in deutscher Sprache zu vero e f f e ntlichen. Ausserdem stehe ich auf dem Standpunkt, dass ich mit meinem Thema in Deutschland grosse Luecken ausfuellen kann. Es ist uebrigens kaum moeglich, ueber das Thema Drit* tes Reich v o 11 s t aendig, gruendlich und praezise zu dokumentieren, wenn man Sprachen wie Polnisch, Hebraeisch und Jiddisch nicht Von Joachim Hemmerle beherrscht. Daher entstehen bei vielen Zeithistorikern Deutschlands gewisse Luekken, und deshalb bemuehe ich mich, in meinen Buechern fuer deutsche Historiker viel Dokumentarisches zu uebersetzen”. Naheliegend war es, im Hinblick auf die grausamen Verfolgungen in der NS-Zeit zu fragen: Koennen Sie als Verfolgter objektiv sein? Wulf erwidert: “Ich bemuehe mich, objektiv zu sein, nicht aber neutral” und betont: “Ich bin politisch nicht neutral”. Er verweist in diesem Zusammenhang auf einen Ausspruch des Historikers Hans Rothfels, der einmal meinte, bei einem Problem wie dem Nationalsozialismus koenne man einfach nicht neutral sein. Das aendert nichts daran, wie Wulf versichert, dass er sich um groesstmoegliche Objektivitaet bemueht. Imponierend ist die Zahl von Wulfs Veroeffentlichungen. Die Reihe beginnt im Jahre 1939 in Jiddisch, “Kritische Miniaturen”. Nach dem zweiten Weltkrieg kam zuerst in Buenos Aires ein Buch ueber J. L. Pérez in Jiddisch heraus. In Deutschland publizierte Wulf zunaechst mit Leon Poliakov zusammen die Serie “Das Dritte Reich und die Juden”, “Das Dritte Reich und seine Diener”, “Das Dritte Reich und seine Denker”. Dann schrieb er ein kleineres Buch “Vom Leben, Kampf und Tod im Ghetto Warschau” und zwei Studien “Die Nuernberger Gesetze” und “Heinrich Himmler”. 1959 erschien die Biographie “Raoul Wallenberg” und 1962 die bisher einzige Bormann-Biographie “Martin Bormann - Hitlers Schatten”. Vorher, 1961, noch “Das Dritte Reich und seine Vollstrecker; Die Liquidation von 500.000 Juden im Ghetto Warschau”. 1962 veroeffentlichte er “Lodz, das letzte Ghetto auf polnischem Boden” und 1963 die Studie “Aus dem Lexikon der Moerder — ‘'Sonderbehandlung' und verwandte Worte in nationalsozialistischen Dokumenten”. Dann schrieb Wulf die grosse Serie ueber Kunst und Kultur im Dritten Reich. Sein juengstes Buch ist: Yidd i s c he-Gedichte aus den Ghettos 1939 - 1945”. Wulf erhielt den vom Zentralrat der Juden in Deutschland gestifteten Leo-Baeck-Preis 1961. Hm Jahre 1964 wurde er mit der Carl von Ossietzky- Medaille durch die Internationale Liga fuer Menschenrechte, Berlin, ausgezeichnet. Zum Abschluss unserer Begegnung fragten wir Joseph Wulf nach seinen Zukunftsplaenen. Er berichtet, dass er die Herausgabe der “Tagebuecher eines Historikers 1955 - 1965” vorbereitet. Anschliessend will er die Geschichte des Chassidismus aufzeichnen. Auf dem Arbeitsprogramm stehen ausserdem Fernsehfilme zu zeitgeschichtlichen Fragen.

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