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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1966-05-01 · 5 (Mayo, 1966) · p. Seite 11

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXVIII (1966)
Issue
5 (Mayo, 1966)
Date
1966-05-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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MAYO 1966 BOLETIN INFORMATIVO 11 JOACHIM HEMMERLE: GESPRAECH MIT ARTHUR MILLER Ein fiktives Interview mit realem Inhalt Der amerikanische : Dramatiker Arthur Miller ist als Sohn juedischer Einwanderer aus Oesterreich in New York geboren. Pa die Eltern nicht die Mittel besassen, ihre beiden Soehne studieren zu lassen, musste er mit 17 Jahre einen praktischen Beruf ergreifen. 1934 hatte er soviel erspart, dass er seine Stellung aufgeben und die Universitaet von Mi chigan besuchen konnte, wo er vier Jahre spaeter sein Studium als , Bachelor of Art abschloss. Seitdem lebt er wieder in New York. Millers aelterer Bruder ist ein erfolgreicher SHandlungsreisender, seine juengere Schwester die bekannte New Yorker* Schauspielerin Jane Copeland. Miller war mit Marilyn Monroe verheiratet und lebt in dritter Ehe mit der aus Oesterreich stammenden Ingeborg Morath. Das folgende “Gespraech” ist zusammengestellt aus Aeusserungen Arthur Millers. Alle fett gesetzten Antworten sind authentisch, wenn auch — um den Charakter einer Interviews zu wahren — gelegentlich Umstellungen und Kuerzungen vorgenommen werden mussten. FRAGE: Arthur . Miller, Ihr politisches Engagement hat Sie nicht selten in Schwierigkeiten gebracht. In den fuenfziger Jahren wurden Sie wegen einer Aussage - Verweigerung vor ■ den Kongress — Ausschuss zur Untersuchung “unamerikanischer” Taetigkeit e n vor Gericht gestellt und sogar verurteilt... : . .MILLER: Dieses Urteil wurde 1958 vom Appelationsgericht verworfen. FRAGE: Zu einem Zeitpunkt also, als die antikommunistische Welle im Abklingen war. Diesen Aktionen fielen nicht nur Kommunisten zum Opfer — wie Ihr “Fall” beweist — sondern auch mancher, der die Mc¬ Carthy und seiner Clique genehmen Anschauungen nicht teilte. Ihre Rolle, Mister Miller, in diesem traurigen Schauspiel j der Intoleranz wurde einmal als “Testfall” von befreiender Wirkung bezeichnet. Sie verfoc h t e n Ihre Sache mutig und mit der Bereitschaft, lieber eine Gefaengnisstrafe auf sich zu nehmen, als Ihre lüeberzeugung /prleiszugebeni. Schon im Jahre ,1953 waren Sie gegen den Gesinnungsterror des fanatischen Senators Joseph R. McCarthy mit dem Drama “Hexenjagd” aufgetreten. Man hat es als ein | Tendenzstueck gegen McCarthy und seine Freunde angesehen, zu denen ja auch Barry Goldwater gehoert Worin sehen Sie Parallelen? MILLER: Die Hexenjagd war eine perverse Manifestation der Angst die sich aller Klassen bemaechtigte, als sich die Waage nach der Seite groesserer individueller Freiheit zu senken begann Sieht man ueber die .offenbare Schaendlichkeit des einzelnen hinaus, so kann man sie alle nur bedauern, wie man uns eines Tages bedauern wird. FRAGE: In Ihrem ijuengsten Schauspiel, “Zwischenfall in Vichy”, geht es um die Mitverantwortung jedes einzelnen an der Not des anderen und in Ihrem Roman “Brennpunkt” — erschienen 1945 — um den Antisemitismus. MILLER: Ich glaube, dass alle Menschen, die das Boesc in der Welt verurteilen, auch verstehen muessen, dass dieses Boese ohne ihre eigene Mitschuld nicht existieren koennte. FRAGE: Sie haben anlaesslich Ihres Deutschland- Besuches im Jahre 1964 neinem Verhandlungstag im Auschwitz-Prozess teilgenommen. Welches waren Ihre Eindruecke von diesem Verfahren? MILLER: Es schien mir, dass hier wie in allen Mordprozessen die Angeklagten immer mehr zu abstrakten Figuren wurden. Die Art, wie die meisten gelebt haben, seit sie beim Vormarsch der Alliierten untertauchten, beweist, dass sie durchaus imstande sind, sich ordentlich zu fuehren. Heute, da die Atombombe in so vieler Menschen Haende liegt, ist es ratsam, sich die Durchschnittlichkeit der meisten Angeklagten in Frankfurt genau einzupraegen. Es ist gewiss ein furchtbarer Gedanke, den niemand gern zu Ende denkt, aber wir leben ja nun einmal in einem Jahrhundert, in dem mehr Menschen (umgebraeht wurden als in jedem anderen Vielleicht ko.ennen wir unsere Ehr furcht vor den Millionen unschuldiger Toten nicht besser beweisen als mit der Untersuchung dessen, was wir vom Mord halten, und mit unserer, der Ueberlebenden, Verantwortung fuer die Zukunft. FRAGE»: Verantwortung... Vor kurzem wurde die Meldung verbreitet, dass Sie eine Einladung ins Weissc Haus ausgeschlagen ' haben, weil Sie die Vietnam-Politik Praesident Johnsons ablehnen. Insbesondere verurteilen Sie die Tatsache, dass von den amerikanischen Bombenangriffen jFra u e n und Kinder betroffen werden. ( MILLER: |Die beunruhigende und peinigende Wahrheit ist die Tatsache, dass der Mensch die eine Art von Mord tatsaechlich akzeptiert naemlich den Mord in der Verkleidung sozialer Notwendigkeit. Hierfuer ist der Krieg ein Beispiel: die Idee, Soldaten Moerder zu nennen, wird von allen Voelkern zurueckgewiesen. FRAGE: Vielleicht darf man behaupten, dass Sie in Ihrem Gesamtwerk nicht fuer eine nebulöse “Menschheit” pintreten, sondern fuer den einzelnen ¡Menschen. “Der Tod des Handlungsreisenden” — ein Schauspiel, fuer das Sie den Pulitzer — Preis erhielten , — schildert Leben und . Sterben eines Mannes, der in einer Scheinwelt lebt, ewig unterwegs sein muss und stets auf Ueberrtedungskunst angewiesen ist. In dem Kriegsdrama “Alle meine Soehne” fordern Sie Kriegsgewinnler in die Schranken. In .“Blick von der Bruecke” beschreiben Sie die soziale Lage italienischer Einwanderer New Yorks. Die “Unsicherheit menschlicher Verhaeltnisse” ist Tenor Ihres Schaffens, Welche Faktoren haben hierzu am meisten beigetragen? MILLER: Ich fing an Stuecke zu schreiben, mitten in der Wirtschaftskrise der dreissiger Jahre. Es zeugt fast von schlechten Manieren, wenn man heute von Wirtschaftskrise spr i c h t, aber sie ist nun einmal, ohne mein Verschulden oder Zutun, der Grund geworden, auf dem ich fusse. Was jene Zeit mir gab, war, so meine ich heute, der Sinn fuer eine unsichtbare Welt. Eine Wirklichkeit hatte ¡insgeheim, nach verborgenen Gesetzen, sich dem ¡kritischen Punkt genaehert und zur gegebenen Zeit die Illusionen zum Platzen gebracht. Vor dem grossen Krach dachte ich, “Gesellschaft” hiessen die reichen Leute der Zeitungsrubrik “Aus der Gesellschaft”. Nach dem Krach gezeichnete das Wort die fremden Maenner, die staendig bei uns anklopften und darum baten, die Fenster putzen zu duerfen, und manche von ihnen kippten am Hintereingang um vor Hunger. So brachten die Zeitumstaende mich schon frueh und unversehens dahin, dass mich der blosse Ablauf der Dinge faszinierte. Wie die Dinge zusammenhingen. Wie die (urspruegliche Persoenlichkeit eines Menschen veraendert wurde von seiner Welt. ,und (die schwerere Frage), wie er wiederum seine Welte veraendern koenne. Es war das praktische Problem, was man glauben muesse, um mit dem Leben fertig zu werden. Genug davon! Nur einen Gedanken moechte ich festhalten. Verstehen laesst sich nur, was man in seinen Zusammenhaeng e n versteht. Das war fuer mich die Lehre aus der grossen Krise. ... FRAGE; Sie , sagten einmal, ein Autor sollte sich nicht ins Exotische, Bizarre, Abnormale verlieren, sondern versuchen, das Menschenleben zu verstehen, wie es einmal ist. Welche Aufgaben sehen Sie fuer ein soziales Drama und das Theater der Zukunft? MILLER: Das neue soziale Drama wird den Menschen als soziales Wesen ansehen, aber ohne den kleinlichen Parteieifer mancher vergangener Dramen. Es muss und wird die gleichen grossen Fragen wie das antike Drama stellen. Ich glaiube fest daran, dass die Leute weiterhin ins Theater kommen werden, weil das Theater so einfach, so altmodisch geblieben ist Und dies ist der Grund, weshalb es trotz aller Grabgesaenge niemals wirklich sterben kann. Trotz unserer leuchtenden Steinfassaden, unserer bestrickenden Erfindungen und unseres neuen Spielzeugs, das die Erde in Millionen von Sternen zerblasen kann, stehen wir immer noch vor dem Tor, hinter dem die grossen Antworten warten. r - KUNST UND LITERATUR JOACHIM STUTSCHEWSKY 75 Jahre In einer Reihenfolge von Ereignissen feierte die Israelische Mus'ikwelt, Joachim Stutschewskys 75 Geburtstag. Unter anderem wurde in der zentralen Musikbibliothek im Hechal Hatarbuth in Tel- Aviv, eine retrospektive Stutschewsky-Ausstellung eroeffnet. Die Ausstellung zeigt Stutschewsky als in 4 verschiedenen Gebieten taetig als Komponist, als Cellopaedagoge, als Bearbeiter und Editor, als Musikforscher, In der Ausstellung finden wir eine grosse Anzahl gedruckter und noch im Manuskript vorliegender Kompositionen ein Produkt fast 50 jaehrigen musikalischen Schaffens. Ausser diesen finden wir natürlich seine schon lange weltberuehmten Cello Schulen von , Musikverlegern, wie Universal und Schott, gedruckt. Besonders interessant ist eine russische Ausgabe, sowie eine Neuausgabe Schotts aus den Jahre 1964. Ferner sind von grossem Interesse die diversen gedruckten Programme und Annoncen aus den 20- und 30er Jahren, Zeugen von Stutschewskys' umfassender kammermusikalischer und solistischer Aktivitaet in den grossen Musikzentren Europas. Im musikalischen Schaffen Joachim Stutschewskys erkennen wir 3 Epochen. Die erste, in der er vollstaendig unter dem Einfluss des jueaischen osteuropaeischen Folklore stand, die zweite, in welcher das '‘Israelische’' orientalisch gefaerbte Melo? klar und deutlich in seinen Werken spuerbar ist und eine letzte dritte Epoche, in der sich Stutschewsky immer mehr von folklorischen Einfluessen entfernt, sich modernere Ausdrucksarten aneignet, seine Musik mehr einen internationalen Charakter bekommt. Ein Jubilaeums-Konzert im Beth Brenner in Tel-Aviv, brachte hauptsaechlich Werke aus seiner ersten Epoche. Das zentrale musikalische Ereignis war ein Konzert im Museum in welchem Werke von 1950 an komponiert, zu Gehoer kamen. Als erstes hoerten wir eine 1950 komponierte Klaviersuite “Landschaften Israels”’ deren Teile Galillee, Negev, Jerusalem, Emek, heissen. Die Benennungen und der musikalische Inhalt des Werkes, sind typisch fuer die national-pastorale-orien taliseh orientierte israelische Musik dieser Jahre. Das Werk besitzt Charm, ist aber oft eklektisch und stellenweise banal. Die Suite wurde von der begabten jungen Pianistin Ilana Shapira eindrucksvoll gespielt. 2 Lieder aus dem Jahre 1959 zeigten die romantische Natur deg Komponisten. Sehr originell und eigenartig im Stil ist ein Liebeslied des im 15. Jahrhundert lebenden juedischen Poeten Moshe Ben Yoab. Beide Lieder wurden ausgezeichnet von dem Tenor Gerald Stern gesungen. Aries Sachs begleitete am Fluegel. 3 Miniaturen fuer 2 Floeten aus den Jahre 1964 zeigen, dass dieser ernste Mus'iker Humor und Witz besitzt. In Sharona und Hanoch Tel- Oren, dem brillianten Floeten-Duo aus Jerusalem, fand der Komponist ideale Internreten. Ein Klarinet-Soloünd Stuecke fuer diverse Instrumente, in welchen sich der Komponist mehr mit instrumentalen als' musikalischen Problemen befasst kamen auch zu Gehoer. Das zentrale Werk des Abends war die Kammerkantate “von Abend bis Abend durch die Fensterscheibe”, nach Text von Shlomo Sheinhold, fuer Sopran, Tenor, Deklamationsstlmme, Floete, Englisch Horn, Violine, Cello, Klavier und Trommel. In diesem Werke zeigt s'ich Stutschewsky wieder von einer anderen Seite denn diese Musik ist beschreibend, illustrativ, sogar etwas programatiseh. Das Werk besitzt wenig Kontrast und nicht immer Schienen uns die Instrumentalstimmen logisch und als urbedingte musikalische Notwendigkeit. Auch wirkt die Musik oft zu illustrativ, aber trotz dieser Schwaechen besitzt die Musik eine ausgesprochen poetische Stimmung. Sie ist zart und hauchig und es kann kein Zweifel daran bestehen, dass sie gefuehlt und inspiriert ist. Benjamin Bar- Am Tel-Aviv DER ANTISEMITISMUS... (Schluss von Seite 9) wertvoll. Sie ist es vor allem aufgrund ihres Wahrheitsgehalts. Sie ist es in Bezug auf “die oeffentliche Meinung im Ausland”, um die zu kaempfen man nicht muede werden darf, da sie der einzige Hebel ist, den man zugunsten der unterdrueckten Juden Russlands in Bewegung setzen kann. Die Erklaerung von Sir Bertrand ist ein grosser Ansporn auf diesem Weg, so wie es die ersten schwachen Anzeichen sind, dass solche und aehnliche Aeusserungen auf die Dauer ihre Wirkung doch nicht ganz verfehlen. ATSCHEKA

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