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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1966-05-01 · 5 (Mayo, 1966) · p. Seite 10

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXVIII (1966)
Issue
5 (Mayo, 1966)
Date
1966-05-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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10 BOLETIN INFORMATIVO MAYO 1966 Eine Ansprache zu Pessach 5726 W.I.Z.O. PESSACH, MAZZA UND MAROR Kuerzlich las ich eine charakteristische Anekdote: Ein jueöischer Pelzhaendler aus Warschau fuhr jedes Jahr zur Messe nach Leipzig. Einmal kam der vielbeschaef tigte Kaufmann sehr spaet zum Bahnhof. Da der Zug ue'oerfuellt war, uebergab der Billetverkaeufer ihm eine Fahrkarte erster Klasse. Wie ueblich stieg der Pelzhaendler in die dritte Klasse ein. Da sich jedoch die Farbe seiner Fahrkarte von der seiner Reisegenossen untersc h i e d, befuerchtete er, dass er einem Schwindler zum Opfer gefallen sei. Man gab ihm den Rat, sich unter der Bank zu verbergen, als sich der Kontrolleur naeherte. Aber der Beamte sah die Schuhe unter der Bank. Der Pelzhaendier wurde aufgefordert, die Fahrkarte zu zeigen, Zitternd uebergab er ihm das Billet. Der Beamte fragte ihn erstaunt “Das ist eine Fahrkarte erster Klasse. Warum verbergen Sie sich unter der Bank eines Wagens dritter Klasse? Wenn Sie schon ein Billet erster Klasse haben, koennen Sie doch auch in einem Wagen erster Klasse fahren”. In der Nacht eines 15. Nissan vor mehreren Jahrtausenden hat unsere Reise durch die Geschichte begonnen. Wir sind —trotz aller Verfolgungen und Vertreibungen— meist erster Klasse gereist. Zumindest haben Juden aus einem Abteilfenster erster Klasse in die Welt hinausgesehen. Unsere Feinde wollten uns waehrend dieser langen Fahrt am liebsten in der dritten Klasse reisen lassen. Das war jedoch kein Problem, solange wir auf unser erster Klasse-Billet stolz waren. Heute gibt es aber viele, die mit diesem nichts anzufangen wissen. Sie moechten sich am liebten unter einer Bank der dritten Klasse verstecken. An Pessach gedenken wir des Beginns dieser Reise. Die Symbole dieses Festes erzaehlen uns, wie wir mit unserer Fahrkarte erster Klasse weiter reisen koennen. Wieder liegt vor uns die Haggada des Pessach-Festes. In ihr finden wir einen Abschnitt, ueber den schon viel nachgedacht worden i s t. “Rabban Gamliel sagte: Wer nicht von jenen drei Dingen an Pessach spricht, ist als ob er seine Pflicht ueberhaupt nicht erfuellt haette, das sind Pessach, Mazza und Maror (Bitterkraut)”. Warum verlangt Rabban Gamliel, dass wir uns der Bedeutung dieser drei Symbole bewusst werden? Warum genuegt es nicht einfach die Mazza und das Bitterkraut zu essen?, i Was haben sie uns zu ver- SUCHE erfahrene Verkaeuferin fuer Vertrauensposten Camisería Osborn Moneda 1055 kuenden? Welches ist ihre Bedeutung auch noch fuer Juden unserer , Generation? Versuchen wir eine Antwort. Die Erinnerung des Pessach- Festes reicht bis in die Zeit der Knechtschaft in Aegypten zurueck. Das erste .Opfer wurde im Morgenrot der verwendeten Freiheit gebracnt, jedoch noch vor der 10. Plage, dem Sterben der Erstgeborenen i Aegyptens. Inzwischen sind Jahrtausende vergangen. Das juedische Volk hat viele ueberlebt, die uns, gleich Aegypten bedraengten. Manche waren noch grausamer. An ihnen bewies sich “die starke Hand und der Arm”. Israel lebt. Oftmals schien es dem Ende nahe. Der Tempel wurde zerstoert. Gotteshaeuser verbrannt. Das Pessach-Opfer wird nicht mehr dargebracht. Aber wir feiern das Fest in unverm inderter Treue. Wenn wir beim Seder die Vorschrift des Rabban Gamliel erfuellen, ist dies das Zeichen der Treue. Pessach wird zum Symbol der Kontinuitaet des juedischen Volkes ueber die Jahrtausende hinweg. Wir sind die gleichen, die sich in jenen Urtagen unserer Geschichte durch dass Pessach-Opfer zur Freiheit bekannten. Was kuendet uns die Mazza, die wir nicht nur essen, sondern von der wir auch sprechen sollen? Nach dem] Text der Hagada ist siedas Brot der Armut. Wir haben zu dieser Armut nuri noch eine sehr entfernte Beziehung. In ¡der Gesetzgebung der meisten Laender haben die Juden die Gleichberechtigung erlangt. A1 s freie Menschen nehmen wir, die wir in der ,westlichen He misphaere leben, in einer freien Welt am freien wett-i bewerb teil. Wir gemessen die Fruechte der Arbeit.] Nicht nur das Opfer des Pessach wird nicht mehr dar-] gebracht, sondern auch jdie1 Mazza als Brot der Armut scheint ihren Sinn verloren zu haben. Aber sie bleibt doch das Gebot auch unserer Gegenwart. Sie sagt uns: Auch wenn Du, Jude glaubst, Dich sicher zu fuehlen und Dir das Brot der Armut nur noch als eine Reminiszenz erscheint, vergiss nicht eine Lehre aus unserer langen Geschichte: Freiheit ist truegerisch. Die Geschicke koennen sich wandeln: Liebe ohne Illusionen. Versuche Dich von al 1 e r Selbsttaeuschung zu befreien. Wisse, dass niemandem Freiheit und Sicherheit garantiert sind. Jeder Generation ist der Klampf um diese Gueter aufs Neue auferlegt. Das dritte der , Symbole, ueber das wir an Pessach RUDI JELEN Feine Goldschmiede Arbeiten Moderne Aenderungen Uhren Reparaturen Staendige Auswahl von Schmucksachen Edif. Pza. de Annas Local 136, (entrepiso) Eingang MONJITAS 879 y 21 DE MAYO 583 Telefon privat 543S9 sprechen sollen, ist Maror - das Bitterkraut. Maror wird in zwei verschiedenen Formen genossen. Eimal essen wir es roh. Wir fuehlen den ' bitteren Geschmack in aller Schaerfe. Das zweite Mal wird der bittere Geschmack durch den Wohlgeschmack der Mazza mit Charoseth, i mit dem wir das Maror zu jj uns nehmen gemildert. Aber bitter bleibt Maror immer, l Dieses Bitterkraut hat uns 1 Juden in allen Zeiten begleitet. Manches Mal mussten i wir es in aller iSchaerfe ge- ■ niessen, manches Mal ver- 'suesst, wie in unserer Generation. Aber immer ist es i Pflicht, den Geschmack des ■Bitterkrautes zu spueren. ■' . jr > Es gibt viele unter uns, die sich der Illusion hingeben, dass es eine Sicherheit der juedischen Zukunft auch )ohne Maror gibt, auch ohne I Opfer, ohne den fuer man- Jche bitteren Geschmack der ipersoenlichen Verpflichtung. ||Es ist schmerzlich die Gleichgueltigkeit vieler Eltern in Fragen der juedischen Erziehung unserer Kinder zu beobachten. Wir haben kuerzlich die Eltern unserer schulpflichtigen Kinder zu einer Besprechung ueber paedagogische Fragen und des Religionsunterrichts eingeladen. Nur 5% der in Frage kommenden Eltern kamen. Mit Bitterkeit beobachten wir, dass die Mehrheit ¡ unserer Familien die juedi- "sche Erziehung ihrer Kinder auf eine Religio nsstunde von 60 Minuten in der Woche beschraenkt. Die Mehrheit unserer Kinder waechst nach der Bar-Mizwa oder Bat-Mizwa ohne jeglichen Kontakt mit den religioesen Quellen juedischen Lebens auf. Wir wissen, dass jeder seine Nachlaessigkeit in Fragen der juedischen Erziehung motivieren kann. Aber der Hauptgrund scheint uns zu sein, dass wir nur Charoset ohne Maror gemessen wollen. Wir suchen das Suesse des Lebens ohne das Bitterkraut. Aber die Kontinuitaet der juedischen Zukunft koennen wir ohne Maror, ohne manches persoenliche Opfer, nicht sichern. Maror erinnert uns also daran, dass wir nicht selbstzufrieden die uns gewaehrte Freiheit gemessen sollen. Auch in dieser Welt der Kontinuitaet der juedischen Freiheit ringen wir um die Geschichte. Sie ist das Ergebnis unserer Bereitschaft Judentum auch mit Maror zu gemessen. Wir feiern das Fest mit Pessach, Mazza und Maror. Damit bezeugen wir unseren Willen, fuer die Kontinuitaet des juedischen Weges zu leben, alle truege rische Selbstsicherheit zu ueberwinden :und schliesslich, erklaeren wir unsere Bereitschaft, dem Judentum auch einmal Opfer zu bringen. Das sind die Voraussetzungen fuer eine Reise erster Klase im Zuge der Geschichte des juedischen Volkes. Mit diesen Billet , erster Klasse setzen wir unseren Weg fort. Loewenstein Wie wir Ihnen schon mitteilten und auch aus unser an Inserat in dieser Ausgabe des “Boletín Informativo” ersichtlich ist, findet am Sonnabend den 28. Mai um 9 Uhr abends im Gemeindesaal eine grosse Veranstaltung statt, die auch diesmal wieder, wie es' bei unserer Veranstaltungen ueblich ist, eine ganz besondere Note traegt. Wir werden uns an diesem Abend an schoen gedeckten Tischen zu einem einfachen aber bekoemmlichen Abendessen setzen, dem ¡ein Cocktail vorausgehen wird. Vor unseren Augen aber werden in einer Bilderfolge kleine Szenen abrollen, die dem Leben dreier junger Paare nachgebildet werden, und den Zuschauer gebannt und gespannt halten werden. Im Rahmen dieser Bilderfolge wird unserem Publikum das Neueste und Geschmackvollste an Herren — und Damenbekleidung vorgefuehrt werden und wir sind sicher, dass diese Vorfuehrungen unserem Publikum einstimmig Bewunderung abringen werden. Wir haben die Veranstaltung “Er und Sie” benannt und sie steht unter dem Patronat der bekannten Firma Eagle— Cloth—Burger and Cía. Wir danken bereits auf diesem Wege Herrn José Burger fuer seine jederzeit bewiesene, tatkraeftige Unterstuetzung unserer Zwecke. Aber auch fuer den Unterhaltungsteil dieses Abends ist vorgesorgt, denn eine launige -Conference, gesprochen von Frau Susi Baron und Herrn Fritz Stein, sowie eine Einlage, geboten durch Herrn Pablo Krön, wird neben den uebrigen Genuessen auch noch geistige bieten. Die Musik an diesem vielfaeltiges. bietenden Abend wird als Untermalung den Darbietungen noch eine besondere Note verleihen. Kommen Sie alle und bringen Sie Freunde mit. PROGRAMM Gruppe Kaloniot: Montag, 2. Mai 5 Uhr nachm. Montag, 16. Mai 5 Uhr nachm. Gruppe Emunah Montag, 9. (Mai 5 Uhr nachm. Montag, 30. Mai 5 Uhr nachm. Gruppe Vera Weizmann; Montag, 9. Mai 5 Uhr nachm. Montag, 23. Mai 5 Uhr nachm. Gruppe Ahawah: Montag, 9. Mai 5 Uhr nachm. Montag, 23. Mai 5 Uhr nachm. Gruppe Hannah Maisei: Dienstag, 17. Mai 5 Uhr nachm. Gruppe Henriette Szold: Donnerstag, 5 Mai 5 Uhr nach. Mittwoch, 25. Mai 5 Uhr nachm. Ausnahmsweise Gruppe Golda Meir: Montag, 16. Mai 9 Uhr abends. Montag, 30. Ma’ 9 Uhr abends. Montag, 13. Juni 9 Uhr abends. Filme aus fernen Laendern Frau Else Biese Eine medizinische Plauderei Die Psalme Herr;Rabb. Loewenstein Gemuetlicher Tee Was werden wir im Jahre 2000 sehen? Frau Rosie Rubens 400 Jahre Schulchan Aruch Herr Rabb. Loewenstein Streifzug durch den isr. Alltag Frau Hannah Berliner Gemeinsam mit Gruppe Vera Weizmann 400 Jahre Schulchan Aruch Herr Rabb. Loewenstein Fragen und Antworten ueber Mexiko Frau Margot Kreisberg Franz Mendel spricht zu den Filmen: Frans Hals und Vincent van Gogh Was werden wir im Jahre 2000 sehen? Frau Rosi Rubens Warum verbreiten wir Ge- Genuechte? Her Dr. W. Bruenner Es spricht Herr Rabb. Lubliner

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