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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1966-05-01 · 5 (Mayo, 1966) · p. Seite 7

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXVIII (1966)
Issue
5 (Mayo, 1966)
Date
1966-05-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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V MAYO 1966 BOLETIN INFORMATIVO 7 Dr. Abner Nechuschtan, Tel - Aviv Eine Friedensoffensive mit Fragezeichen Das hatte die Knesseth noch nicht erlebt. Ihre Fenster schienen zerspringen zu wollen, zu so schneidendem Staccato steigerte David Ben Gurion seine Stimme, der als erster Sprecher der parlamentarischen Opposition — der Opposition, man stelle es sich , vor! — das Wort zur Debatte ueber das Budget des von Aba Eban geleiteten Aussenministeriums genommen hatte. Als er mit seiner Rede einsetzte, hatte des “Mister Israel” Nachfolger, der jetzige Ministerpraesident Eschkol, den Sitzungssaal ostentativ verlassen, genau, wie er selber es in frueheren Zeiten zu tun pflegte, wenn sein fahrender damaliger Widersacher (und jetziger Mitstreiter) Menachem ¡Begin von der rechtsnationalistischen “Frei heitspartei” gegen “Ben Gurions verhasstes System” wetterte. Nur muehsam bewahrte Herr Eban, neben dem nun unbesetzten , Platz am Regierungstisch, seine Fassung, kreidebleichen Gesichts. “Herr, haben Sie als Botschafter, als Chefdelegierter bei den Vereinten Nationen, und seit 1958 als Minister jemals auch nur mit einem Wort Ihre ¡Bedenken angemeldet — damals, zwei Jahrzehnte ist es bald her, als die kolossale militaerische Uebermacht sec h s arabischer ,Laender am Widerstand der fast ueber Nacht aus dem Boden gestampften Armee Ben Gurions zerschellte... und vor zehn Jahren, da der Plan des aegyptischen Machthabers, uns von der Sinai-Halbinsel aus zu ueberrennen, vom selben Ben Gurion zunichte gemacht wurde... und zwischendurch „sooft er sich genoetigt sah, an der jordanischen, syrischen Grenze des Landes Freischaerler- Gruppen der feindlichen Nachbarn fuer Mord und Sabotage zu bestrafen und einjzuschuechtern, da, n n”. Wie am Schnuerchen zaehlte der ergrimmte alte Mann, der wer weiss warum nach Vollbild de Gaulles diesmal gar in der dritten Person von sich sprach, aus seinem verbilueffend funktionierenden Gedaechtnis Daten und Geschehnisse auf. “Geschwiegen haben Sie, mitgemacht! Jetzt bezeichnen Sie mich mit denen, die so gesinnungstreu waren, die zu willenlosen Jasagern degenerierte Partei mit mir zu verlassen, — ja, jetzt nennep Sie uns im pariser “Le Monde” |Aventuristen, militaerische Abenteurer”. (Auf einen Zwischenruf Ebans): “Unterbrechen (Sie mich gcfaelligst nicht! Oder (wegwerfend), Sie koennen mich ■ unterbrechen, Herr, so oft Sie wollen!”. Hinzugefuegt sei hier, dass Eban ,auf diesen groben Klotz einen groeberen ■ Keil setzte, indem er einen viel feineren darauf setzte. In seiner 'Replik uebrerging ter Ben Gurion mit Stillschweigen und nannte als “ersten Redner” den Abgeordneten, der nach ihm gesprochen hatte; mit ihm, sagte er lakonisch, habe “die ¡ernst zu nehmende Debatte begonnen”. IMMER NOCH EIN HOMO NOVUS M; :it. Vernunftgruenden allein war dieser Ausbruch des “Alten mit der Silber - ,nen Loewenmaehne!” ebensowenig zu erklaeren, wie eine Woche vorher das Rededuell zwischen Herrn Eban und Schimon Peres, der mit seinem Freund Ben Gurion “in die Wueste , gegangen war” und das Le Monde — Interview namens der Austrittler zum Anlass genommen hatte, ein Misstrauensvotum gegen die Regierung -12 beantragen. Im Grund0 hatten sich Leute wie die Ben Gurionisten niemals , dazu verstehen koennen, Aba Eban voll zu aestimieren. ihn, der in den vierzig°r Jahren von aussen, vom Ausland zu ihnen geflossen war, statt sich wie die Maenner der Alten Garde aus palaestinensisch — juedischen Landarbeite r n und kleinen Gewerkschaftssekretaeren Schritt fu e r Schritt in Schluesselstellungen emporgedient zu haben. Als sie in den schwierigen Anfaengen, da der junge Staat seinen diplomatischen Aussend.ienst improvisieren musste, um Menschen mit Erfahrungen auf den internationalen Buehnen verlegen waren, hatten sie diesen ¡hochbegabten Orientalisten aus den Reihen der englischen Zionsfr e u n d e "geschluckt”; in London Washington, New York hatte er Furore mit seiner viel sprachigen Beredsamkeit gemacht, die ihm im Glaspalast der U. N. schliesslich den Ehrentitel eines “israelischen Churchill” einbrachte. Als er im Zuge eines der Revirements “in die Heimat zurueckkam”, die er vorher nur als ¡Besucher gekannt hatte, war es selbstverstaendlich oder wenn man will, unvermeidlich gewesen, ihn nach kurzer Wartezeit ins Kabinet zu nehmen Zwar war er — ebenso wie beispielsweise der in aller Welt bekannte Dr . Nahum Goldmann — davon ueberzeugt gewesen, dass es zur Herbeifuehrung des Friedens mit den Arabern nicht der '•«taatspolitischen Weisheit letzter Schluss sei, mit dem israelischen Hammer zu philosophieren, und an dieser Ueberzeugung hatte er wahrscheinlich auch als Minister festgehalten, aber noch war er auf dem ihm neuen, unvertrauten Feld der Innenpolitik und Parteipolitik zu unsicher gewesen, um seine Meinung laut werden zu lassen, wohl auch zu ehrgeizig, um aus der Reihe zu tanzen, und nicht zuletzt auch zu diszipliniert. Solange er mithin Order parierte, hatten sich die Veteranen der Staatsfuehrung und der massgeblichen Partei mit dem Neuling abgefunden, als den sie ihn weiterhin ansahen. i Ihre Sentiments und Ressentiments sind erst jetzt aufgebrochen, da er kein geringeres Erbe als das Goida Meirs luebernommen hat, das Aussenministerium, das Allerheiligste des Regierungsapparats neben dem Sicherheitsministerium. EBAN: DER “GEIST VON TASCHKENT” Ueber, den Widerstand der grossen, sehnsuechtig ifr,redenswilligen Bevoelkerungsmehrheit dieses Landes gegen jede Art militaerischen Abenteurertums hatte sich Aba Eban tatsaeehlich — so oder aehnlich— zu einem Korrespondenten des “Le Monde” geaeussert obwohl er abstritt damit den “Ben Gurionismus” gemeint zu haben, als er auf den Mistrauensantrag der Ben Gurionisten und einen parallel dazu eingebrachten der Partei Begins antwortete, indem er zur Erklaerung, bezw, zur Entschuldigung nachw i es, dass er das jetzt erst veroeffentlf.chte und .sinnentstellend gekuerzte Interview schon im November vorigen Jahres unmittelbar nach den ¡israelischen Neuwahlen als Resume . dazu gegeben hatte, bevor er sein neues Amt uebernahm. Es war von vornherein klar, dass die Antraege von der sicheren Mehrheit niedergesti m m t werden wuerden, ueber die Eschkols Regierungskoalition in der Knesseth verfuegt. Aber die Aussprache darueber veranlasste Herrn Eban, grundsaetzliche Gesich t spunkte seiner Aussenpclitik vorzutragen. Man nehme hinzu, was er im gleichen prinzipiellen Sinn eine Woche danach in seinen zwei Reden zur Eroeffnung und zum Abschluss der Parlamentsdebatte ueber da* Budget seines Ministeriums ausfuehrte, und i etwa folgendes schaelt sich, kurz zusammengefasst, als ¿eine “Linie” heraus: Erstens — er ist Optimist genug, davon ueberzeugt zu sein, dass sich (woertlich) “der Abscheu vor einer Verwendung der heutigen Vernichtungswaffen bei allen Grossmaechten (im gleichen Mass wie der Stand ihrer miilitaerischen Rues tlung steigert. Hand in Hand mi‘ den globalpolitischen Spannungen, deren Gefahren nicht geringzuschaetzen sind geht durch die ganze Welt eine seelische Erschuetterung, die zu internationalem Frieden draengt”. Zweitens — viel habe dieses, in seinen Ansaetzen mehr und mehr spuerbarc weltpolitische Klima von heute zu dem von Kossygin als ehrlichem Makler zustan degebrachten indisch - pakistanischen Vergleich ueber Kaschmir beigetragen, dem Abkommen von Taschkent* moegen dabei noch so viele Berechnungen der politischen Taktik des Kreml und der beiden Laender mitgespielt haben. Gewiss lasse sich der israelisch - arabische Streit damit nur sehr bedingt vergleichen, schon, weil es keinem der zwei dort beteiligten Parteien um die totale Vernichtung des anderen Staates ging, sondern nur um Landzuwachs in einem Grenzbezirk; und doch liesse sich denken, dass auch der Bereinigung unseres Konfliktes mit den Arabern frueher oder spaeter im “Geist von Taschkent” naehergetreten werden koenne. Zu den Voraussetzungen dieses Versuchs wuerde die Bereitschaft ■ beider Seiten gehoeren, den staatsrechtlichen und gebietsmäesSigeh status quo aller Laender des Nahen und Mittleren Ostens anzuerkennen. Die Verhandlungen waeren direkt zu fuohren, ohne die Zwischenschaltung einer der' Grossmaechte. Zumindest wahre keine von ihnen zur Vorlage, geschweige denn zur AuföTctroyierung eines verpflichtenden Schiedsspruches befugt, so dringend erwüenscht Ihre ‘'guten Dienste” nach dem Vorbild des sowjetrussischen Ministerpraesidenten sein wuerden. Drittens — ebenso waeren Verhandlungen mit Israel allerdings erst denkbar wenn sich in der Fueh-rung der arabischen Gegenseite die Einsicht durchsetzt, dass der Vielfalt der Vöelker des Nahen und Mittleren Ostens und ihrer Glaubensbekenntnisse ein “pluralistisches” kulturelles und demzufolge auch staatspolitisches Leben und Lebenlassen entsprechen muesste, statt der von Abdel Nasser (vertretenen Fiktion einer von ihm erzwungenen und beherrschten p a n a r a bischen Einheit. Nur dann werde dieses Laendergebiet (eine eigenstaendige Zukunft haben. Eban sieht — auch hier optimistisch — Ansaetze zu dieser Entwicklung in den Reihen der arabischen Intelligenzler, besonders , der libanesischen. Viertens — es versteht sich, dass Herr Eban auch die USSR in den Kreis der potentiellen “ehrlichen Ma. kler” einbezieht, und nicht nur die ¡drei ¡westlichen Grossmaechte, deren Hauptstaedte er in den ersten Wochen nach seinem Amtsantritt besuchte, um sich in Paris, Washington und London mit den Aussenministern zu ¡beraten. Soweit verlautete, stimmten auch die Amerikaner seiner Tasch kent — Theorie zu, obwohl anzunehmen ist, dass sowohl Praesident Johnson, der ihn trotz aeusserster Inanspruchnahme im Weisscn Haus empfing, wie Staatssekretaer Rusk Vorbehalte gegen d i e Eventualitaet aeusserten, das streben der Russen nach einem Mitspracherecht im mitteloestlichen Raum auf diesem Weg gewissermassen zu legalisieren. Jedenfalls wies ¡der Aussenminister nach den in die Oeffentlichkeit gelang teu Informationen ueberall auf seiner Rundreise naeüdrueeklich darauf hin, dass er seine Aufgabe nicht nur darin sehe, an der Aufrechterhaltung oder notfalls der Wiederherstellung des israelisch-arabischen Gleichgewichts der imilitaerischen Kraefte zu arbeiten. Fuenftens — andererseits jedoch: um die nationale Sicherheit und Ruestung Israels ist die Regierung Eschkol um keinen Deut weniger besorgt, als es in der Aera Ben Gurion geschah. Herr Eban legte in der Knesseth besonderen Wert auf diese Feststellung, und fuegte .in vollem Einklang mit dem hundertfach geaeusserten ¡Credo seiner Amtsvorgaengerin Frau Meir hinzu, dass das ruestqngsmaessige Gleiehgewicht bis auf weiteres däs wirksamste Abschreckungsmittel gevg e n Nässers Parole der “Ausradierung” des juedischen Staates bilde. “Unser Ziel ist es, die unabdingbaren Erfordernisse der Landesverteidigung mit dem Wuhsen naeh Cö-Existehz zu harmonieren’* eine typisch Ebaiisöhe Formel! DIE BEN GURIONISTEN; GEFAEHRLICHE ILLUSIONEN! Nur in groben Umrissen, wie gesagt, , konnten _ die Grundsaetze des neuen Aussenmihisters hier umris.>eii werden. Als Sprecher des “Äiteh” bezeichhete sie sein Jüenger, Schimon Peres, von dem schon gesprochen wurde, der fruehere Vize-Sicherheitsminister in der Knesseth wie in der Tagespresso als ein ¡Kartenhaus von nah e z u selbstmoerderischen f|eibisttaeuschung<'en: Von einer auf echten internationalen Frieden gerichteten “seelischen E l - schuetberung” sei in unserer, von globalpolitischen Gegensaetzen wie nur je zerrissenen Welt nichts zu spueren. Aba Eban “traegt Taschkent” wie eine Robe des dernler eri, obwohl je nes Abkommen inzwischen schon wieder wer weiss wie fatal durchloechert sei. Mit der Beschwoerung des “Geistes von Tächkent” lade er die grossen Maechte einschliesslich der Sowjetunion, die dem juedischen Staat alles andere als freundlich gesinnt ist, feermiich ein, sich de facto nicht nur als “ehrliche Makler” zu betaetigen sondern zu Zwangsschlichtern aufzuwerfen, die dem kleinen Israel am Ende die unzumutbarsten iugestäeiidnisse aufzwingen wuerden Nasser beherrsche die Szene im Lager der Araber, und nicht die hoffnungslose Minderheit arabischer Intellektueller, die im selbstgewaehlten englischen und amerikanischen Exil oder ¡bestenfalls im vergleichsweise liberalen Beirut ebenso, wie Eban in Jerusalem, von einem “kulturellen und ethnographischen Pluralismus im ¡Mittie. ren Osten” traeumen. Und schliesslich: innenpolitisch sei es mehr als bedenklich, mit der Gegenüberstellung friedenswilliger Eiern ent* und “militaerischer Abenteurer” dem Entstehen zweier schroff voneinander getrennter Gruppen der israelischen Bevoelkerung Vo r - schub zu leisten. Auf manche dieser an seine Friedensoffensive gehefteten Fragezeichen ist Herr Eban die Antwort bisher in der Tat schuldig ¡geblieben. Im letzten Grunde zeichnc-t sich hier , der Unterschied zwischen den — vielleicht provinziell verengten - Realisten der alten, Ben Gurionschen Schule und einem Mann ab, der nach seinem so ganz anders gearteten herkunfts — und bildungsmaessigen background zur Umwertung auch bisher undiskutabler Werte der israelischen Aussenpolitik entschlossen ist. Sollten ihm nicht aber auch seine Kritiker diese Chance geben?

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