Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXVIII (1966)
- Issue
- 4 (Abril 1966)
- Date
- 1966-04-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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ABRIL 1966 BOLETIN INFORMATIVO 5 DIE KONFERENZ VON LA HABANA, LATEINAMERIKA UND ISRAEL Der chilenische Senat war im vergangenen Monat föahauplatz einer hochinteressanten Debatte ueber die sogenannte Tr ¿kontinentale Konferenz von La Habana. Wie erinnerlich, hatten sich bei derselben die Vertreter kommunistischer und mit den Kommunisten verbuendeter Parteien aus einer Reihe Laender Asiens, Afrikas und Lateinamerikas getroffen. Einige der Delegationen, wie im Falle der sowjetrussischen oder aegyptischen, trugen offiziellen oder zumindest offizioesen Charakter und ihr'e Thesen deckten sich mit de nen, die ihre jeweiligen Regierungen im allgemeinen Vorbringen. Andere, wie im Falle der Delegierten , der Kommunistischen und der Sozialistischen Partei Chiles, vertraten einen Teil der parlamentarischen Opposition ihrer Laender. Eine dritte Gruppe, vom Typ der Terroristen von Venezuela, repraesentierte die bewaffnete Subversion. UNKLARE LEGITIMATION Schon die Frage also, nacn welchen Gesichtspunkten die Delegationen ausgewae h 11 wurden und von wem ueberhaupt?!—, legt die Tatsache bloss, dass es sich um eine recht bunt zusammengewürfelte Tagung handelte. Trotz des Versprechens, ein staendiges Buero —in Hanoi— einzurichten und sich wieder zu treffen, kann von der Gruendung einer neuen Internationale nur schwer die Rede sein. Dazu sind die .Interessengemeinschaften zwischen vielen der Anwesenden zu kuenstlich konstruiert und die Bindungen zu lose; selbst .wenn man davon ausgeht, dass alle Teilnehmer im grossen Ganzen .die kommunistische Generallinie akzeptierten, muss man hinzufuegen, dass der Ausschluss von Rotchina und Jugoslawien, d. h. der beiden, infraroten und ultravio letten, Extremen des kommunistischen ßpek t r u m s auch diese Definition einschraenkt und auf die internen iGegensaetze bezogen erscheinen laesst. So holten sich die Russen als wichtigste Beute nicht etwa die Rhetorisch zwar erschuetternden, inhaltlich aber belanglosen, ¡antiamerikanischen Besch 1 u e s s e nach Hause, sondern den Ausschluss Chinas und die Attacken Castros ob des Ausbleibens der Reislieferungen. Fuer diesen wieder ging es darum, im roten Lager Anerkennung zu finden, sowohl als Gastgeber wie ais Mentor der bewaffneten Bubversion iin (Latteinamerika, eine Politik, die im Uebrigen den Wuenschen der abwesenden Chinesen , weit mehr entspricht als denen der anwesenden Russen. Die Araber schliesslich waren, wie , immer, ausschliesslich erschienen, , um sich eine anti - israelische Resolution girieren zu lassen, bereit, als Gegenleistung ihre quantitativ so wertvolle Unterstuetzung ungesehen allen Sonstigen Initiativen (angedeihen zu lassen. Ebensoweit aber wie von der Tradition der Internationale war die Konferenz davon entfernt, auf das Erbe von Bandung Anspruch erheben zu koennen. Denn wenn auch die meisten Beschluesse an die unglueckselige Konferenz von 1853 anklingen, so darf doch nicht vergessen werden, dass es damals die Vertreter von Regierungen waren, die es versuchten, zum Zwecke der Befreiung von Klassen, Voeikern und Rassen eine “farbige Front” zu bilden. Ben Bella war der letzte, der diese Koalition zu festigen versuchte: mit seinem Sturz im Vorjahre war es zuende damit. Mao, fuehrend in Bandung, war jin La Habana ausgeschlossen, Nehru ist tot, Sukarno erledigt, Ben Bella und Nkrumah sind gestuerzt, die Bandaranaike nach Hause geschickt, Nassers Prestige /auf dem Gefrierpunkt und Tito, dem diese Gesellschaft zweifellos mehr und mehr zuwider wurde, hat sich von ihr zurückgezogen. VIETNAM UND LATEINAMERIKA Im Zentrum der Debatten standen zwei Themen. ¡Das erste war Vietnam, sowohl weil es zweifellos das aktuellste und wichtigste aber internationalen Probl eme darstellt, wie um der Einstimmgkeit willen, die dabei ohne Schwierigkeiten zu erzielen war'. Jugoslawien haette diese Einstimmigkeit ein wenig trueben koennen. Dazu “Gramma”, Organ der Kommunistischen P arte’ Kubas: “Die jugoslawische Regierung hat in der Praxis die imperialistischen Forderungen unterstuetzt die im Schilde fuehrten, die Demokratische Republik von Vietnam zu Verhandlungen zu zwingen, ohne vorherige Bedingung des Rueckzugs der Yanki-Truppen..Der Einfachheit ,— und der Einstimmigkeit— halber wurde also Jugoslawien nicht zugelassen. In Bezug auf Lateinamerika wurde in grossen Zuegen der bewaffnete Aufstand nach cubanischem Rezept empfohlen, speziell in Bezug auf Venezuela, Perú, Brasilien u. a. Chile ist noch nicht ganz so weit; Senator Allende: ‘‘Wenn die Reaktion bewaffnete Gewalt gegen das Volk anwendet, dann...” Aber eine allgemeine Versteifung der ¡oppositionellen Taetigkeit auf politischer, . parlamentarischer und vor allem gremialer Basis sei auch hier am Platze wie ueberall in Lateinamerika, dessen Voelker zu vertreten i die in La Habana versammelten Herren > behaupteten, Legitimation hin, Legitimation her. Die Organisation der Staaten Amerikas (OEA) protestierte bei U. Thant (siehe “B. T.’” Maerz 1866), Castro reagierte mit Beleidigungen, wobei die meisten seiner vergifteten Pfeile nach Santiago zielten. Hier spitzte sich zur gleichen Zeit der zweigleisige Kupferstreik zu: der legale bei der Braden Copper und der wilde Streik im Norden bei der Anaconda, der schliesslich zur Tragoedie von El Salvador fuehrte. Bei der tagelangen Debatte, die sich im hiesigen Sen a t darueber entspann, analysierten die Vertreter der Christlich - Demokratischen Regierungspartei die Zusammenhaenge zwischen den in La Habana ausgegebenen Losungen und dem Klima von Streitbarkeit und Provokation, das ihrer Ansicht nach zu den blutigen Zwischenfaellen im Norden gefuehrt hatte. Der Senator Renán Fuentealba, der den Vorsitz der CDP waehrend der Zeit der Praesidentschaffe-Wahlkampagne 1964 innehatte, widmete dabei im Rahmen seiner hochinteressanten Ausführungen ein ganzes Kapitel dem THEMA ISRAEL Wir zitieren ihn. “Ueber Palaestina gab es einen besonders wichtigen Beschluss (in La Habana;. In ihm wird die “kolonialistische und zionistische Usurpation des palaestinensischen Territoriums und die Aggression gegen sein Volk1’ verurteilt. Es wird zu Protokoll gegeben, dass man “die lUmstaende, unter denen Isr'ael Palaestina aufgezwungen wurde” und die Rolle “Israels im Dienste des Kolonialismus und des Neokolonialismus in seine rn Kampf gegen die Kraefte der Befreiung, des Fortschritts und des Friedens in der Region” studiert habe. Schliesslich werden eine Reihe von Beschluessen gefasst, die in ihrer Gesamtheit dem Staate Israel das Recht, als solcher zu bestehen, abstreiten. Einige Absaetze...: “Man ist der Ansicht, dass der Zionismus seiner Natur nach eine imperialistische Bewegung ist, mit aggressiven ,und expansionistischen Absichten und der in Bezug auf seine Methoden eine rassistische und faschistische Struktur hat. Man ist der Ansicht, dass der zionistische Emigrantenstaat ein imperialistischer ¡Brueckenkopf ist, ein nuetzliches und gehorsames Instrument fuer die imperialistische Aggression und die wirtschaftliche, politische und, kulturelle Durchdringung und dass er als solches eine Bedrohung der Sicherheit und des Weltfriedens und ein Hindernis fuer den Fortschritt in , der Region darstellt. Man verurteilt die zionistische Bewegung und die Existenz Israels in dem besetzten Gebiet von Palaestina. Man verlangt den Abbruch der politischen Beziehungen zu Israel, geine wirtschaftliche und kulturelle Blockade und seinen Ausschluss aus den internationalen Organisationen. ., ¡Senator Allende (Sozialistische Partei): “... zwei Dinge: Chile (gemeint ist die chilenische Delegation in La Habana) stimmte gegen den Ausschluss von Jugoslawien und enthielt sich in der Kommission im Fahc Israel der Stimme”. Senator Teitelboim (Kom- MONATSSPIEGEL munistische Partei): “...die chilenischen Delegierten (eine praezisere Definition!) widersetzten sich diesem Beschluss (betr. Israel), da sie ihn als Ungeheuerlichkeit (monstruosidad) erachteten. Das war das Wort, das , si¡j gebrauchten. Es ist berechtigt, denn wir koennen nicht ein Land als Ganzes verurteilen”. “Fuer die Gruendung ,des Staates Israel stimmten in den Vereinigten Nationen mehrere Laender, darunter die Sowjet — Union. Die sozialistischen und kommunistischen Delegierten zur Trikontinentalen Konferenz waren der Ansicht dass das Verschwinden jenes Staates nicht gerecht, sondern seine Existenz ein legitimes Recht des Volkes von Israel sei. Natuerlich wurde auch eine Kritik, die auch ich teile, an der zionistischen Leitung und ihren reaktionaeren Elemente n geuebt. Tatsaechlich gibt ,es auch in Israel Klassenkampf: es ist ein kapitalistischer Staat, in dem es Ausbeuter und Ausgebeutete gibt und wo politische Parteien der Rechten, des Zentrums ¡und der Linken existieren. Daher koennen sowohl ¡Sozialisten wie Kommunisten ... nicht mit allen politischen Parteien Israels einverstanden sein. Ebenso wenig koennen sie alle ableh nen. Trotzdem respektieren sie das Recht dieses Volkes, als Staat zu existieren. Das war unsere Position ... und ich kann sagen, dass;sie mit der der kommunistischen und sozialistischen Volksbewegung der drei Kontinente, die dort teilnahmen, uebereinstimmt, speziell mit der Argentiniens. Ich muss allerdings hinzufuegen, dass bei der Konferenz Sektoren teilnahmen, weder kommunistische noch sozialistische, sondern nationalistische der Dritten Welt. Und innerhalb des arabischen ¿Nationalismus... vertrat man den Standpunkt —den wir nicht teilen— des pausenlosen Kampfs gegen den Staat Israel. Wir weichen von diesem Standpunkt ab, da wir ihn abscheulich (abominante) finden, aber es gelang ihm. sich in der Konferenz durchzusetzen, weil er demokratisch (democráticamente i mehr Stimmen erhielt... Senator Fuentealba. “...Der heftige Angriff der Trikontinentalen Konferenz gegen Israel ist ganz besonders schwerwiegend, weil er eine neue Welle von Judenverfolgungen im reinsten nazistisch — hitleristisclien Stil ausloesen kann. Der Beschluss, dessen wichtigste Teile ich... zitiert habe ist der einzige, der den Bestand eines Staates in seinen Grundlagen selbst angreift. I Alle anderen Beschluesse unDer.sche j d, e n) zwischen Regierung und Volk, ieugnen aber nicht das Recht auf Existenz des jeweiligen Staates. Hier aber wird kein Unterschied , gemacht. Alles deutet darauf hin —und darin stimmen zahlreiche Beobachter ueberein—, dass dies der Freis war, der fuer die Anwesenheit der Delegierten der arrbischen Laender gezahlt werden musste“. Um die Ungeheuerlichkeit der Resolution die der zweite Mann der KFCh, Senator Teitelboim, nicht ansteht, zuzugeben, klar vor Augen zu fuehren, zitierte Senator Fuentealba abschlies send einige Kommentare der KP Israels und der Mapam. Aus der Wehklage der Kameraden: “Es gibt keinen Platz fuer uns in den Reihen der Kaempfer. Man nimmt uns jede Hoffnung. Man spricht uns das Recht auf die Existenz ab. Was sollen wir tun? Uns umbringen?” Dagegen mit Wuerde, wenn auch bitter enttaeuscht, “AI Hamischmar”: “...Nennen wir die Dinge beim Namen: das Schicksal des juedischen Volkes, der Bestand des Staates Israel, wurden ausgehandelt im Tausch gegen ¡'irgendwelche taktische Abkommen. Die Konferenz hat uns in ein Tauschobjekt verwandelt; das Leben von Millionen Juden gegen irgendeine Konzession, um Einstimmigkeit bezueglioh wir wissen nicht welcher Entscheidung zu erlangen, um, wie ¡wir annehmen, Unstimmigkeiten zwischen gewissen Delegationen zu vermeiden”. SCHWAECHUNG DER ARABISCHEN POSITION Der Wisch, den die arabischen Delegierten aus La Habana im Triumphflug gen Mekka trugen, mag der letzte dieser Art sein, den sic in Inner internationalen Konferenz, und moegen deren Akkreditive noch so erbaermlich zusa m m e n g eklaubt sein, ergattern. Alle Welt hat die Nase voll davon. In Lateinamerika, unmittelbar beruehrt durch den Sitz der Tagung, erhob sich nicht nur die Stimme eines so autorisierten Sprechers der Regierungsfraktion, wie dies im Falle Chile geschah. Uruguay ging weiter: die Regierung selbst protestierte und veroeffentlichte e‘- n e n Solidaritaetsbeschluss mit Israel. In Peru tritt die Presse fuer Abbruch der Beziehungen piit Aegypten ein und Venezuela erwaegt, seine guten Beziehungen mit den Arabern —gemeinsame Oelinteressen!— im Zuge eigner Vermittlungsaktion zu (verwerten. (Fortsetzung Seite 6)