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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1966-03-01 · 3 (Marzo, 1966) · p. Seite 10

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXVIII (1966)
Issue
3 (Marzo, 1966)
Date
1966-03-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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10 BOLETIN INFORMATIVO MARZO 1966 V orbilder kebraeischer und griechischer U eher lief erung, Wenn Urvater Abraham abends am Lagerfeuer auf dem Wege in das gelobte Land seiner Wandergruppe, seiner Frau Sara, seinem Neffen Lot und den “Seelen, die sie in Har an (in Mesopotamien) gewonnen hatten” (Genesis 12, 15 ff.) Geschichten erzaehlte, so waren es selbstverstaendlich diejenigen die er und seine Vorfahren in Mesopotamien gehoert hatten, wo sie in Ur und spaeter in Haran sesshaft waren. Er erzaehlte Geschichten von der Erschaffung der Welt, dem Paradies, der Sintflut, dem Turm von Babylon und andere — wohl auch schon Geschichten seines eigenen Clans, und sicher von seinem neuen Gotte, der ihm befohlen hatte, in das Land Kanaan zu ziehen, wovon auch die fuer diesen Glauben schon in Mesopotamien “gewonnenen” Seelen hoeren wollten und sollten. Dabei ist es nicht von Belang, ob Abram —Abraham— wirklich eine historische Person war oder nicht. Jedenfalls kann es keinem Zweifel unterliegen, dass im Anfang des zweiten Jahrtausends (v. d. gew. Zeitrechnung) eine Gruppe semitischer Staemme unter einem Anfuehrer, der Abram oder Abraham, wie der Tenach sagt, oder .Abira"1 "H-vr A>ws*mraroa wie in mesopotamischen Dokumenten zu lesen ist, sicn — ebenso wie zu derselben Zeit andere grosse Voelker oder einzelne Staemme — auf die Wanderung begeben haben. Mesopotamien war seit tausend Jahren ein Land hoher Kultur. Abraham hatte schon viel gesehen: die grossen Stufentempel, die belebten Staedte, die grossen Plastiken., die Bewaesserungsaniagen, er hatte viel gehoert und sicher von vielen umlaufenden, vielleicht sogar z. T. s c h on niedergeschriebenen E r zaehlungen vernommen. Die Erinnerung daran, dass er aus Aram Naharaim kam, wurde in der juedischen Tradition treu bewahrt. Der Spruch (aus Deuteronomium 26,5), “ein wandernder Aramaer war mein Vater”, ist auch in die Hagadah uebernommen worden, um die erste Wanderung nach Kanaan neben der Auswanderung aus Aegypten im Volksgedaechtnls festzuhalten. Es ist keine Tradition eines anderen Volkes bekannt, nach der dieses auf goettlichen Befehl in ein ihm bestimmtes Land gezogen ist. Die Geschichte von der Sintflut, die Abraham aus M e s opotamien mitgebracht hatte, war sicher die eindrucksvollste : beim Turmbau in Babel stuerzt nur dieser ein — und die Menschen zerstreuen sich, bei der Sintflut dagegen geht alles zug’-unde, “Juerme und Menschen. Die Geschichte von der Sintflut ist ueberhaupt wohl eine der bewegendsten fuer die gesamte Menschheit; sie findet sich in den Ueberlieferungen aller Voelker. Fraser in seinem Buch “Folklore of the Old Testament” (London 1923) fuehrt ca. 70 Beispiele an. Aber das interessante fuer uns ist, dass die biblische Geschichte in allen Einzelheiten genau mit der mesopotamischen (sumerisch-babylonischen) Ueber- 1 i e f erung uebereinstimmt Der mesöpotamische Noah heisst Utnapischtim; er wird wie Noah auf gef ordert, eine Arche zu bauen, die er mit seiner Familie besteigt unter Mitnahme von Tieren. Ein starker Regen setzt ein, die Flut dauert eine bestimmte Zeit, die Arche findet auf einer Bergspitze ihren festen Platz. Dann werden Rabe und Taube ausgeschickt. Opfer dargebracht. Ein Unterschied besteht lediglich darin, dass Utnapischtim und seiner Frau die Unsterblichkeit gegeben wird, waehrend Noah das Versprechen erhaelt, dass die Erde nicht wieder durch eine Flut zerstoert werden soll. (Hierbei sind die in Einzelheiten verschiedenen sumerischen und babylonischen Berichte und die beiden Versionen der Bibel zusammengefasst). Das mesopotamische Vorbild hat auch auf die einzelnen griec h i s c hen Flutgeschichten eingewirkt, insbesondere auf die von Deukalion, dem Stammvater der Hellenen, der auf Grund der Warnung seines Vaters Prometheus, dass Zeus beschlossen hatte, die Welt durch eine Flut zu z°rstoeren, eine Arche baute, die er mit seiner Frau Pyrrha bestieg, und so gerettet wurde. Die Arche schwamm neun Tage auf dem Wasser, bis sie auf dem Berg Parnassos sich verankerte. Auch hier wurde eine Taube zur Erkundung ausgeschickt. Zeus versprach, nie wieder durch eine Flut die Erde zu zerstoeren. Interessant ist; dass von Noah erzaehlt wird: “Noah fing an, einen Weinberg zu pflanzen” (Genesis 9, 20). Ebenso hat auch Deukalion etwas mit Wein zu tun, denn sein Name bedeutet: “jemand, der mit frischem Wein segelt”, al so ein “’Weinreisender”. (Wein stellt ein bedeutendes Produkt im antiken Handel dar.) 2. Wenn die Israeliten auf ihrer Wanderung durch die Wueste von Aegypten nach Kanaan — etwa 600 Jahre nach der Zeit Abrahams — abends am Lagerfeuer sassen und sich Geschichten erzaehlten, so waren es wohl im wesentlichen solche, die sie in Aegypten gehoert hatten. Auch in Aegypten gab es viel zu sehen — z. B. die Pyramiden standen schon ca. 1.500 Jahre — und viel zu hoeren. Die Staemme hatten nach dem Bericht der Bibel (Genesis 15, 13; Exodus 12, 40) vierhundert Jahre und mehr dort gelebt, aber selbst wenn man (mit Elias Auerbach: Wueste und Gelobtes Land, Bd. I, S. 66) annimmt, dass ihr Aufenthalt dort bedeutend kuerzer war, muessen sie von den aegyptischen Ueberlieferungen stark beeinflußt, gewesen sein. Sicher hatten sie auch ihre eigenen Traditionen gesam- TV’“,t. denn sie waren ja nun schon ein staerkeres Volk (Exodus 1) als die Abrahamgruppe und haben gewiss von den Vorvaetern gewusst und erzaehlt. Der aegyDtische Einfluss zeigt sich ganz be- ^T'ders in der Josefsgeschichte, die nicht nur in AegyDten ihren Schauplatz hat, sondern auch in vielen Einzelheiten den aegyptischen Hintergrund genau widergibt. Aus aegyptischen Quellen ist bekannt, dass besondere Beamte eingesetzt waren, um Vorratsspeicher fuer die Zeit der Not zu errichten und diese zu verwalten. Es gibt Berichte von Grenzbeamten, die von dem Eintritt beduinischer Staemme zur Zeit der Duerre handeln. Ein beruehmtes Wandgemaelde aus dem Grab von Beni Hassan (ca. 1800 v. d. gew. Zeitrechnung) stellt eine beduinische Handelskarawane dar, die nach Aegypten kommt. Aehnlich, wie wohl auch die Midianiter hinabgezogen sind, die Josef von seinen Bruedern erhandelten und ihn spaeter in Aegypten zugleich mit anderer Ware dem Pot iphar verkauften (Genesis 37, 28 ff.) Besonders typisch ist ebenfalls, dass die Leichen von Jakob und Josef nach aegyptischer Sitte einbalsamiert werden (Gen. 50, 2 ff., 26). Manche identifizieren sogar Josef mit einem in den Amarnabriefen genannten hohen Beamten des Pharao mit Namen Janhuma (wie Heinrich Margulles in seinem Buche: Der Pharao Josefs, Dwir Verlag; deutsch Erdmann Verlag, Herrenalb). Janhuma hatte einen Kollegen, den wir bei Thomas Mann in seinem Joseph-Roman als den Zwerg Dudu am Hofe des Potiphar vorfinden, der von Anfang an fuer Josef Partei nimmt und ihm zu seinem Aufstieg verhilft. Gerade eines der Hauptmotive der Geschichte, der Versuch der Frau des Potiphar, Josef zum Ehebruch zu veranlassen, hat sein Vorbild in einer alten aegyptischen Ueberlieferung, die schon dreihun - dert Jahre vor der Josefsgeschichte aufgeschrieben wurde, naemlich in der Erzaehlung von den beiden Bruedern Anubis und Bata, die zusammen in einem Hause lebten. Der aeltere der Brueder, Anubis, hatte eine Frau, die wollte Bata verfuehren. Es gelang ihr aber nicht. Und so wie die Frau des Potiphar verklagte sie ihn bei ihrem Manne, der seinen Bruder daraufhin vertrieb. Auf diese Geschichte wiederum geht die bei Homer erzaehlte Episode von Bellerophon (Ilias VT, 350) zurueck. Ihm gaben die G o e 11 er “Schoenheit und maennliche Reize”, so wie es von Josef heisst: “Er war schoen von Gestalt und schoen von Antlitz” (Gen. 39,6). Dem Bellerophon stellte Anteia, die Frau seines aelteren Bruders nach; auch er weigerte sich, und auch sie verklagte ihn bei ihrem Manne, dir nun ebenfalls seinen Bruder aus dem Hause jagte. 3. Wenn die von Mosche ausgesandten Kundschafter in Kanaan besonders grosse Menschen, “Riesen” gesehen haben wollen und darueber voller Furcht berichteten (Num 13, 33), so werden sie sich wohl an die uralten Sagen erinnert haben, die zu den Traditionen der hebraeischen Staemme gehoerten, und von denen uns ein letzter Rest in Gen. 6, 1—4 erhalten ist. Dort wird berichtet, dass die Gottessoehne auf die Erde kamen, sich die Toechter der Menschen zu Frauen nahmen und mit ihnen die “Riesen”, die Helden der Vorzeit, zeugten. Fuerwahr ein urzeitlicher Rest in dem doch sonst auf den Monotheismus hin gereinigten Text, sozusagen wie ein unbehauener Stein im angelegten Garten; entsprechend den wohl auch den Israeliten bei ihrer Einwanderung auffallenden, aus der Vorzeit stammenden grossen unbehauenen Megalithsteinen, wie sie noch heute u. a. im Kibbuz Schamir im Galil zu finden sind. Und um beim Wort zu bleiben, wie Graves (Hebrew Myths) es ausdrueckt: “ein Stein des Anstosses (stumbling block) fuer die Theologen”, denn wenn dort von Gottessoehnen gesprochen wird, so kann doch vom monotheistischen Standpunkt aus schwerlich eine Mischung zwischen ihnen und den Toechtern der Menschen als denkbar angesehen werden. Im Gegensatz dazu bilden die Verbindung en zwischen goettlichen und menschlichen Wesen geradezu ein Hauptthema der griechischen Sagen. Diese “Mischehen” nahmen nach der Ueberlieferung des Mythos zeitweilig so ueberhand, dass Zeus drohte, die Menschheit zu vernichten, wenn die Goettinnen nicht aufhoerten, sich Partner unter den Menschen zu suchen. Er konnte aber seine Absicht nicht durchfuehren, da schon zahlreiche Hochzeiten vorbereitet waren, z. B. die zwischen der Meeresgoettin Thetis und Peleus (ihr beider Sohn Achilles war der Held des trojanischen Krieges). Uebrigens galt das Verbot des Zeus nur fuer Goettinnen und nicht fuer die Ehen der Goetter mit menschlichen Frauen, und insbesondere nicht fuer ihn selber, wie es Heine so schoen ausdrueckt in seinem Gedicht “Fuer diQ Mönche” T)n^t snrieht er von “ties p-piVm Jovis Brunst imd F r e v e ltaten, wie er als Schwan die Leda hat verfuehrt. die Danae als Regen von Dukaten”. In den griechischen Sagen stammen die Riesen, die “Zyklopen”, ebenfalls von ein°r solchen “Mischehe” ab, zwischen dem Gott Poseidon und einer Nymphe, und sie Von Albert Bauer sind es, die die grossen Steine (“Megalithen”), die zyklopischen Mauern auf richten. Polyphem verschliesst seine Hoehle mit einem Stein, den zweiundzwanzig Wagen nicht haetten von der Stelle bewegen koennen. (Riesensagen gibt es bei vielen Voelkern; bekannt ist z. B. Burg Nieäeck im Eisass als die Burg der Riesen.) Die Vorbilder fuer die hebraeischen und griechischen Sagen ueber diese Art. Mischehen stammen auch hier aus Mesopotamien und Aegypten. Eine sehr alte aegyptische Geschichte handelt davon, wie der Gott Amon den Goetterboten Thotis zum Tempel in Karnak schickt, um eine ihm aufgefallene besonders schoene Frau zu holen. Thotis findet sie, es ist die Gemahlin des Koenigs Thutmoses I, und bringt sie dem Gott Amon, der die Gestalt ihres Gemahls angenommen hatte. Das Motiv gelan te auch nach Ras-Schamra, dem alten U'arit, einer Stadt in Nordsyrien, die seit 19?9 ausgegraben wurde. Da ei kamen zahlreiche Tonta ein, sowohl politischen als literarischen Inhalts zum Vorschein. Auf eini'en von ihnen wird berichtet, dass der Goft El zwei mensc liehe Frauen verfuehrt habe; sie brachten zwei Soehne zur Welt, deren Namen auch in der Bibel erscheinen. Ueberhaupt sind die ugaritischen Epenvon groesster Bedeutung fuer die Erklaerung biblischer Texte. Das Epos von Kreta ist ein Vorbild fuer die hebraeischen und griechischen Geschichten von Sara, resp. Helena, die besonders behandelt werden sollen. Aber auch dabei muss, wie bei den Vergleichen zwischen Homer und der Bibel, gesagt werden, dass die hier angefuehrten drei Beispiele eben nur drei von vielen sind. (‘M. B.”) PLAKATKUNST IN ISRAEL (Schluss von Seite 9) werden, dass die harten klaren, kubistischen Formen durch ein freieres, mitunter leichteres, Formspiel ersetzt werden. Ja, einigen Kuenstlern ist es gelungen ihren Stil zu vermenschlichen, und einen gewissen humoristischen Ton in ihren Werken zum Ausdruck zu bringen. Selbstverstaendlich sind die besten Plakate diejenigen, die von wirklichen Kuenstlern angefertigt wurden. Hier muesste in erster Linie Jean David erwaehnt werden, dessen flacher, dekorativer Kubismus ausserordentlichen Einfluss auf die dekorative Kunst der fuenfziger Jahre ausuebte. Ebenso Nahum Guttmann, dessen Aquarelle ausgezeichnete Tourismus-Plakate abgeben und der junge Yigael Tumarkin, der erschuetternde und bittere Collagen fuer Theater Plakate geschaffen hat. Obwohl naturgemaess der groesste Teil der Propagandakuenstler ihren Stil dem Thema entsprechend aendert, ist die Tendenz zu einer eigenen Note in den Werken der meisten repraes e n t ativen Plakatzeichner und Maler unverkennbar. Nun aber ein einzigartiges Phaenomen. Normalerweise spiegelt die Gebrauchskunst den Geschmack des Konsumpublikums wider. Die israelische Plakatkunst, mit ihrem hohen Standard ist hier eine Ausnahme. Die Bevoelkerung ist ausserordentlich gemischt und ein grosser Teil von ihr fuer feinere kuenstlerische Nuancen der Plakate nicht vorgebildet. Es ist in diesem Zusammenhang interessant,, dass bisher kein Versuch sichtbar geworden ist, die Plakatkunst dem Publikumsgeschmack anzunaehern, was naturgemaess die k o m merzlelle Wirksamkeit beeintraechtigt, und, obwohl irnmer wi^d^r verlangt wird, dass die Plakate sich nicht nur an die wirtschaftlichen und intellektuell hoeher stehenden Schichten richten sollen ist dies bis heute der Fall, mit dem entsprechenden Verlust an Ansprache an die grossen Massen ,die wenig Verstaendnis fuer technische Vollkommenheit und hochentwicke Iten Geschmack besitzen. m (Aus einem Artikel in “Ariel”)

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