Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXVIII (1966)
- Issue
- 3 (Marzo, 1966)
- Date
- 1966-03-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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MARZO 1966 BOLETIN INFORMATIVO 7 Einj Don Quichote des Friedens Von Dr. Abner Nechuschtan, Tel-Aviv “Abie, Abie! ” Unabsehbar stauten sich hysterische Massen schwitzender, schreiender, jubilierender Menschen am Spaetnachmittag dieses ersten Maerz vor dem sonst so vornehmen ruhigen Tel- Aviver “Hilton” um Abraham ben Joseph (genannt “Abie”) Nathan, den gluecklich aus a e g yptischem Feindesland zurueckgekehrten 38 jaehrigen frueheren Piloten der israelischen Luftwaffe, ihren neuesten “Helden”. An einen Aprilscherz haette man denken koennen, haette er sich genau vier Wochen spaeter in den wackligen “Steerman” AXALA gesetzt, einen der 1927 (!) gebauten einmotorigen Doppeldecker, wie jenen, mit dem Oberst Lindbergh damals ueber den Atlantik geflogen war. Und doch war es ihm so ernst gewesen, “von Mann zu Mann in Kairo mit Abd el Nasser ueber den Frieden zu reden”, wie es ihm vorigen Herbst bitterer Ernst gewesen war, als er die Stammgaeste seiner geraeumigen gutgehenden Imbiss-Stube “California^”, an der verkehrsreichsten Strassenecke Tel-Avivs, ihn zu waehlen auf forderte, um ihn als Abgeordneten in die Knesseth zu schleusen, und sie und gleichzeitig die ganze Boheme der Staedte des Landes, Halbwuechsige, Halbstarke, Beatnicks aller Sorten, eine Petition fuer “sofortigen israelisch-arabischen Frieden” unterzeichnen liess. Als Moechtegern-Parlamentarier war er durchgefallen, der “Koenig der Steaks”, wie er sich von seiner Kundschaft gerne nennen laesst, obwohl er besagtes Flugzeug in den Wochen des Wahlkampfs auf einem Autoparkplatz in der Naehe seines Restaurants von den Passanten beaugenscheinigen liess: nur auf 2135 Stimmen hatte er es gebracht, kaum mehr als ein Fuenftel des fuer die Knesseth erforderlichen Mandats. Aber seine Eingabe sei, so behauptete er zunaechst, von 60.000 Petenten unterzeichnet worden. Und als er sich nach seiner Landung in Port Said vor dem Gouverneur des Kuestenorts und den Beamten seines Flugplatzes mit diesem Schriftstueck quasi legitimierte, liess “Abie” seine Phantasie schweifen und rundete die Zahl der Zeichner grosszuegig nach oben auf 100.000 ab. Idealismus und Geltungstrieb Gewiss — ein Phantast. Waere er das nicht, haette er sich auf dem abgelegenen, im Besitz einer Privatgesellschaft befindlichen kleinen Flugplatz im letzten Moment wohl eines anderen besonnen, als sich dieser “Bruchkiste” anzuvertrauen, die zu nichts mehr verwendet wird als zu kurzen Exerzitien von Flugschülern, und zur Luftbestaeubung von Feldern gegen Pflanzenschaedlinge. Es sei dahingestellt, ob zu seiner Phantasterei mehr naiver Idealismus tritt, oder ein solcher Geltungstrieb, dass er sich nicht scheute, das Odium eines Operettenhelden auf sich zu laden, eines “laecherlichen Komoedianten;” nach der Lesart der aegyptischen, syrischen, jordanischen Leitartikler und Rundfunksprecher. Doch bedarf es schwerlich eines Beweises damer, dass sie inrerseits ihre Phantasie sinnlos strapazierten, sofern sie Abba Eoan, den auf formgebundene Diplomatie spricnwoeruncn eingeschworenen Aussenminister Israels, oder sonst jemanden in dieser Regierung beschuldigten, unter der Hand zu einer so abenteuerlichen “Friedensmission” beigetra^en zu haben. Allenfalls haetten die luftpolizieilicben Behoerden “Abie” Nathan diesen —. ip-d jeden anderen — Flugplatz vorsorglich sperren koennen, da seit laengerem bekannt wTar, mit welchen Plaenen er sich trug. Was ihnen vorgehalten werden kann, waere mithin nur, dass sie ihn nicht ernst nahmen. Als er ploeflieh auf°estiegen war, mobilisierte die Luftwaffe zu seinem Geleit, bis zur Landesgrenze, zwar einige Dueseniae°er, tat aber nichts, um ihn durch Luftmanoever der “Tets”, wie es selbstredend unschwer moe^lich gewesen waere, oder gar durcv’ Warnungs-Salven zur Umkehr zu noetigen. Eitel Freundschaft in Port Said Ebensowenig nahmen ihn die Aegypter glücklicherweise ernst. Statt ihn ab-uschiessen, als sich die Maschine mit dem englisch, hebraeisch und arabisch von ihm auf den Rumpf gemalten “Schalom”, “Peace” dem Suezkanal naeherte, liessen sie ihn ruhig landen — wahrscheinlich auch, weil der fixe Reporter eines Tel-Aviver Boulevardblattes, der als einziger von ihm ins Vertrauen gezogen worden war, die Sensation dieses ‘Friedensfluges” schon einige Minuten nach dem Abflug in alle Welt gefunkt und gekabelt hatte. Der Gouverneur von Port Said wusste also, wes Geistes Kind der Ankoemmling war, alles andere als ein ’’israelischer Aggressor, Spion oder Saboteur”. Da “Abie” im persischen Abadan, seiner Geburtsstadt, hinreichend Arabisch gelernt hatte, und Englich waehrend seiner Schulzeit in Indien, wohin seine Eltern spaeter aus^ewandert waren, standen der Verstaendigung keine sprachlichen Schwierigkeiten waehrend des kurzen Verhoers entgegen, dem er zunaechst unterzogen, und in dessen Verlauf ihm freilich sofort und buendig mit.geteilt wurde: n°m, nach Kairo koenne er allerdings nicht weiter- A'-d ei Nasser habe leider keine 7“?t fuer ihn: er habe so schnell wie moeglich, soaetestens am kommenden Tag, narb Haus zurueckzufliegen. Es folgten zwischen ihm und den Beamten, die ihn als “Kuemmerer’ alias Aufpasser ueb ernahmen, ge°-enseiti gemeinolaetzige Bekomplimentierungen: “Ihr glaubt,, wir haben Atombomben, wir glauben. Ihr habt welche — ahes Unsinn, was wir alle wniien. ist ja nur Friede und Eintracht... seht diese Liste mit so und so viel tausend Unterschriften, und dergleichen. Hoechst gentlemanlike wurde er dann bewirtet; mehrere Stunden spielte er Poker und Rummy mit seinen neuen Freunden, die ihn dauernd gewinnen liessen; spaeter eskortierten sie ihn zu einem Bummel durchs abendliche Port Said (nur in einen Nachtklub wollten ihn seine Begleiter lieber nicht lassen, wie sie ihm auch keine Zeitungsleute nahekommen liessen) — und als er sich in einem bildschoenen Pyjama, den sie ihm extra gekauft hatten, im Kontrollturm de° Flugplatzes schliesslich schlafen legen wollte, siehe, da erkundigte sich der Gouverneur in seiner Fuersorge h o e c h s tpersoenlich durchs Telefon bei ihm, ob ihm das Bett auch angenehm sei... Und bevor er seine “Friedenstaube” am naechsten Vormittag wieder bestieg, nachdem aegyptische Techniker Benzin getankt und einige -Lanauiigsscnaed n an der Bespannung der Fluegel ausgebessert hatten, kam es foermlich (so berichtet er) zu einer Verbruederungs- Szene, mit allgemeinem herzlichen Schalom, Auf Wiedersehen, Hope to see you again... Welche Idylle! Weiss Gott, die begabtesten Textautoren des einfallsreichsten Musical koennen es nicht besser ausdenken! H<',d°nVerehrung aus Friedenssehnsucht Aber nicht so, mit spoettischem Achselzucken, reagierten hier in Israel weite Kreise in ihrer unstillbaren Friedenssehnsucht auf diesen Don Quichote des Friedens. Es zeigte sich, noch bevor er in Port Said niederging, an der bedrueckten Stimmung, die sich ihrer spuerbar bemaechtigte, als es in der Falschmeldung einer Nachrichten-Agentur hiess, er sei dort bei einer Notlandung seiner gefluegeiten Rosinante toedlich verunglueckt, wenn nicht gar abgeschossen worden. Und welche Wellen schlug der Enthusiasmus des “Mannes auf der Strasse” am naechsten Tag! Viele hunderte harrten ihres “Abies”, stundenlang, auf allen Flugplaetzen des Landes. Als er schliesslich eintraf, wurde er von der Polizei anfaenglich zwar mit der formell unanf e c h t b aren Begruendung inhaftiert, Israels Grenzen ohne Erlaubnis verlassen zu haben, nach einer Kautionsstellung von 100 Israelpfund, einer Lappalie, alsbald selbstredend ab“r wieder freigelassen. Im Triumph geleitete ihn eine riesige Kavalkade von Kraftwagen, Jeeps, Motorradlern an die Tel-Aviver Str ar> doromenade zum Hilton-Hotel, dessen smarte Direktion sich beeilt hatte, dem Rueckkehrer die aus vier luxerioesen Raeumen bestehende Fuersten-Suite fuer beliebig lansre Zeit honoris causa anzubieten; auf allerlei “Parties”, die dort und anderwaerts an diesem Abend des 1. Maerz stattfanden, musste er — uebermuedet und unrasiert, wie er war — Autogramme am laufenden Kugelschreiber geben, Ansprachen halten; weitere Ehrengaben — so der grossen Konfektionsgeschäfte — folgten, B1 u m e n a rrangements in Huelle und Fuelle, Pressekon¬ Et S0N0ER-BERICHT FUR DU B.I. ferenzen, Radio—, Zeitungs— Interviews... der Anderthalbtageflieger war der Held des Tages geworden. Dass er ueberdies zu ehrgeizig ist, um sich damit zu fcegnuegen, als “Eintagsflieger” umschwaermt und rasch wieder vc| jessen zu werden, machte er den Journalisten im “Hilton” klar, als er ihnen anvertraute, er waere zur Fortsetzung seiner Friedens-O u v e r tueren gleich nach Beiruth weitergeflogen, wenn sein Benzinvorrat nur gereicht haette. Auch an den jordanischen Koenig Hussein denke er in diesem Zusammenhang. Nicht genug damit, will er sich, nicht zwar im Regierungsauftrag, sondern als privater “Peacenik”, wie ihn eine nordamerikanische Zei- ✓ tung dieser Tage genannt hat, mit gleicher Absicht auf eigene Faust, Rechnung und Gefahr “zu den westlichen Staatsmaennern” begeben. “Man lebt nicht nur von Steaks allein; wir brauchen Frieden” — so erklaerte er soeben, und die vox populi weiss er in seinem Streben nach dem Frieden, diesem erhabenen Gut, auf seiner Seite. Gewiss, all das klingt aufs hoechste dilettantisch, utopisch, laecherlich. Aber manchmal ist’s ja nur ein kleiner Schritt nicht nur vom Erhabenen zum Laecherlichen, sondern auch umgekehrt, vom Laecherlichen zum Erhabenen. Und dass die Volkesstimme die “vox dei” ist, die Stimme Gottes, soll sich zumindest in diesem Lande Israel mitunter schon ereignet haben. CDMUNIDAD, VALPARAISO: JUEDISCHE SCHULE IM NEUEN GEBAEUDE Nachdem am vergangenen Rosch Baschono—Fest der Rohbau der neuen Synagoge in Vina del Mar uebergeben werden konnte, in dem seither unsere Gottesdienste stattfinden, ist waehrend der Sommerferien ein weiterer Abschnitt ,des Bauvorhabens fertiggestellt worden das Gebaeude der Juedischen Schule. Stolz erhebt es sich neben unserer Synagoge, ein Zweckbau, bei dem dennoch die Schoenheit seiner Form auffaellt. Im Stil an die Synagoge angeglichen, fuegt er sich dem Komplex der Gcjbaeude unseres Gemeinde-Zentrums ein. Die zwoelf Klassenraeume sind hell und luftig, grosse Gaenge, entsprechende Nebenra e u m e und ein geraeumiger Schulhof geben unserer Jugend einen idealen Platz fuer ihre Studien. Die Uebergabe des Neubaus fand im Rahmen einer einfachen Zeremonie am Sonntag, den 13. Maerz statt. An den Akt schloss sich ein Mittagessen im Hotel O'Higgins an. Die eigentliche Einweihung wird jedoch erst in einigen Monaten stattfinden. Schule und Synagoge bilden in der Erziehungsarbeit unserer Gemeinde eine Einheit. Das findet auch aeusserlich seinen Ausdruck: das Sprechzimmer unseres Rabbiners verbindet die beiden Bauten mit einander. Und nach )der Uebergabe des Schulgebaeudes wird die Arbeit an der Synagoge wieder aufgenommen werden. Zunaechst wird der Oraun hakaudesch der Synagoge ausgebaut werden, sodann soll die Beleuchtung in Angriff genommen werden. Gleichzeitig beginnt der Vorstand der Gemeinde mit der Renovierung unseres Gemeindehauses. Der zweite Stock des grossen Gebaeu des an der Alvarez wird neben dem Sitzungssaal des Direktoriums und Raeumen fuer unsere Frauen-Organisationen unserer Gemeinde- Jugend den Rahmen fuer ihre Arbeit geben. Besondere Sorgfalt wird auf die Ausgestaltung des Lesesaales unserer Bibliothek verwandt werden, wo in Zukunft juedische Zeitschriften aus aller Welt aufliegen werden. In unserem Gemeindehaus sind Glaubensgenossen, die sich voruebergehend in Vi¬ ña del Mar aufhalten, herzlich willkommen. Das Restaurant im Gemeindehaus empfiehlt sich efoanfialls allen Besuchern. GEMEINDE-SEDER IN VINA DEL MAR Wie in frueheren Jahren Der erste Seder-Abend veranstaltet unsere Gemeinfaellt auf Montag, den 4. de auch am bevorstehenden Aoril der zweite Seder — Pessach-Fest zwei Gemein- Abend auf Dienstag, den 5. de-Seder in unserem Ge- April. meinde Haus in der Avda. Wir bitten alle diejenigen, Alvarez 490. die an einem der Seder — Abende teilnehmen wollen, Beide Abende werden von sich schon jetzt anzumeljunseirem ‘Gemeinde-Rabbiden. Die Anmeldungen koenner, Herrn G. Friedlaender nen vorgenommen werden; gegeben. Am ersten Abend 1) Im Sekretariat der Gewerden die Erklaerungen in meinde, Fono 80373. deutscher, am zweiten Abend 2) Bei Herrn Leo Weglein, in spanischer Sprache gege- Fono 84773, Kultusderzerban werden. nent unserer Gemeinde.