Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXVIII (1966)
- Issue
- 2 (Febrero, 1966)
- Date
- 1966-02-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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FEBRERO 1966 BOLETIN INFORMATIVO GOLDA MEIR’S SCHWANENGESANG Von Dr. Abner Nechuschtan, Tel-Aviv Wie regelmaessig in den letzten beiden Wochen des inzwischen zu Ende gegangenen Jahres schien das Plenum der israelischen Volksvertretung, der Knesset in Jerusalem, seine Sitzung auch am '29. Dezember vor halbleerem Haus absolvieren zu wollen. Aber als sich herumsprach, dass die Aussenministerin im Begriff stehe, zwei parlamentarische Anfragen ueber das neuerdings wieder fieberhaft gesteigerte Wettruesten der arabischen Laender des Mittleren Ostens zu beantworten, unterbrachen die in den Fraktionszimmern und am Buffet gescharten Abgeord neten ihre langwierigen Palaver ueber die Bildung der Koalitionsregierung, die Levi Eschkol, der Ministerpraesident, nach 'unvorhergesehenen Schwierigkeiten mit den Keligioesen inzwischen als mehr oder minder wetterfestes Gebilde unter Dach und Fach gebracht hat Auch deshalb fuellte sich der Sitzungssaal im Nu, weil gerade bekannt geworden war, dass Golda Meirs Entschluss feststehe, dem neuen Kabinett nicht mehr anzugeboeren. Man wollte sich, sozusagen, den Schwanengesang der Frau nicht entgehen lassen, die der Aussenpolitik Israels ein Jahrzehnt lang den Stempel ihrer unbeirrbaren iUeber^eugung aufgepraegt hatte, dass sich die Araber “nur mit unserer Staerke versoehnen werden” — sie und letzten Endes die gesamte Aussenweit. AEUSSERST BEDENKLICHE TATSACHEN Um ihre Inter(pellationen zu begruenden, konnten sich die beiden Fragesteller, der eine aus dem rechtsnationalistischen Oppositionslager, der andere als Sprecher der links vom Regierungsblock stehenden radikalen Sozialisten, im Grunde darauf besehraenken, auf die Fuelle der Berichte hinzuweisen, die die hiesige. Presse tagelang darueber veroeffentlicht hatte. Sie differierten nur in den Schlussfolgerungen, die sie aus diesem Tatbestand zogen. In der Tat, er ist alarmierend genug, mag man solchen Meldungen als Aussenstehender, dem gerade hier wirklich zuverlaessige Informationen fehlen, noch so reserviert gegenueb erstehen. Auch dann scheint kein Zweifel mehr daran erlaubt, dass die wesentlichen Maechte, die Vereinigten Staaten, England und auch Frankreich, beschlossen bezw. schon damit begonnen haben, Aegypten, Jordanien, den kleinen libanesischen Staat, die Nachbarn des juedischen, grosszuegig mit Zerstoerungswaffen aller Art zu beliefern, und ebenso Saudien und den Irak, die Israel zwar nicht unmittelbar benachbart, aber genau so feindlich gesinnt sind. Aegypten wird jetzt — so verlautete aus New York Mitte November — aus Frankreich u. \x. .Jagdflugzeuge modernster Bauart beziehen, nachdem es von der Sowjetunion im letzten Jahrzehnt bereits 200 MIG’s mit Duesenantrieb ¡erhalten hatte, doppelt so viel wie Israel, das sich in der gleichen Zeit nur 100 solcher "Jets“ von aüslaendischenLie feranten verschaffen konnte. Zudem stehen den 25 mittelschweren “Taktischen Bombern” der israelischen Luftwaffe, nach derselben Meldung, nicht weniger als 100 im Besitz der Aegypter gegenueber, deren Streitkraef te unter Einschluss freilich der im Jemen weiterhin “gebundenen” 70.000 Mann auf zehn Divisionen gsschaetzt werden. Drei von -ihnen sind als Panzerdivisionen mit 1200 Tanks armiert dem Doppelten - auch hier - des Panzerbestands der israelischen “Verteidigungs — Armee”, wie eine international anerkannte Autoritaet vom Rang des britischen ‘Institute for Strategie Studies” (ISS) im November meldete. Auch die Tanks kamen, wie 'die MIG IDuesenjaeger, bekanntlich aus der UdSSR, waehrsnd die Vereinigten Staaten zum Ruestungsaufbau Abdel Nasers bisher kaum beigetragen haben. Aber dass sie ihre Lieferungen von Weizen und anderen Lebensmittel - Ueberschuessen an Aegypten jetzt in grossem Ausmass wiedeiaufnehmen werden, haelt man in Jerusalemer Regierungskreisen fuer noch bedenklicher als den Umstand, dass sich kuenftig anscheinend auch das dem juedischen Staat traditionell befreundete Frankreich in das “arabische Waffengeschaeft” einschalten wird. Denn diese amerikanischen Lebensmittelsendungen setzen, so argumentiert man hier, selbstredend entsprechende Teile des aegyptischen Devisenvorrats zum Erwerb weiterer Kampfflugzeuge, Panzer usw. frei, ja, unter Umstaenden sogar der Fernraketen um die Nassers Militaers seine russischen Freunde seit Jahr und Tag immer wieder angegangen sind. Jordanien sicherte sich in Paris wie in London, angeblich, ganze Staffeln von Kampfflugzeugen: franzoesische Mirage - Jagdflieger und — fuer 30 Millionen Pfund Sterling — 27 UeberschalJii-Due^enjaeg'er ( Mach dhlnferceptors!"’) der englischen Lightning-Serie. Wie gesagt, sind alle diese Meldungen unbestaetigt. Dagegen steht fest, dass die Amerikaner inzwischen begonnen haben, den drei Panzerbrigaden des Koenigs Hussein 100 M-48 Tanks, die beruehmten “Patton-Tanks” zu liefern. Der Libanon verhandelt zufolge einer, wenn auch wohl noch der Bestaetigung harrenden Beiruther Meldung in Frankreich ueber den Erwerb von 24 Mirage— III Kampfflugzeugen. Saudien wird von den Vereinigten Staaten und Grossbritannien mit einem komp 1 e tten Luftverteidigungssystem im Kaufwert von 400 oder, nach einer anderen Lesart, sogar 500 Millionen Dollar versorgt werden. Zur Lieferung von ganzen Geschwadern der eben schon erwaehnten Lightning-Duesenjaeger verpflichtet sich die englische Flugzeugindustrie, waehrend auf die USA Geschuetzbatterien der bekannte Hawk-Luftabwehrraketen in unbestimmter, jedenfalls aber betraechtiicher Zahl, entfallen werden. Dazu tritt ein hochkaraetiges saudisch — arabisches Abkommen fuer eine Kriegsflotte des Koenigs Feisal im- Roten Meer. Lightning jetfighter wird — sicherem Vernehmen zufolge — ebenso der Irak erhalten , um ihn als letzten der arabischen Staaten dieser Liste zu nennen, die sich durch Hinweise auf die z. Zt. schwebenden Verhandlungen syrischer Offiziere mit den tschechischen Skodawerken, auf Algerien, Libyen und den Sudan im uebrigen noch erweitern liessen. ARGUMENTE UND UND GEGENARGUMENTE Waehrend in Jerusalem von den Interpellanten und der Aussenministerin auf diese und andere Tatsachen desselben Zusammenha n g Bezug genommen wurde empfing Mr. Dean Rusk, der Staatssekretaer, in Washington den dortigen israelischen Botschafter. Vermutlich bemuehte er sich, die Sorgen seines Besuchers vor allem mit folgenden drei Argumenten zu beschwichtigen: 1) Der Sicherheit des Staates Israel tue es nach der fachkundigen Meinung der amerikanischen Mitte i o s tstrategie keinen Abbruch, dass der Westen dort in derart grossem Stil jetzt als Waffenlieferant in Erscheinung tritt. Im Gegenteil, den Israelis werde es — indirekt — zugute kommen, dass sich Abd el Nasser nun ohne ¡Zweifel genoetigt sehen werde, als Empfaenger des faktisch beinahe geschenkten Weizens der Amerikaner ihre Warnungen vor seinem , Aggressionspl'aenen weniger als vorher in den Wind zu schlagen. Ueberdies habe er sich logischerweise weit mehr als Israel von den Flugzeugen, Panzern, den Radar-Installationen, Torpedobooten usw. bedroht zu fuehlen, die die angelsaechsischen Maechte und Frankreich seinen notorischen Gegenspielern im arabischen Lager liefern, dem jordanischen und vor allem dem saudischen Koenig. 2) Es sei ja ein entscheidendes Motiv all dieser Waffeniieferungsvertraege, das Ruestungsmonopol zu bre chen, dass sich die Russen mit einigen ihrer Satellitenstaaten im Mittleren Osten verschafft hatten. Vom Nildelta bis zum Persischen Golf, westlich wie oestlicii von Suez, auf der Arabischen Halbinsel mit der Kronkolonie Aden als einem ihrer heute “nasseristisch" aufgeputschten Brennpunkte werde es demnaechst infolgedesssen unweigerlich zu einer atmosphaerischen Beruhigung kommen. 3) Bis auf weiteres koenne auf jeden Fall keine Rede davon sein, dass die United States, Grossbritannien und Frankreich das zwischen ft SONDER-BERICHT FUR DAS B. I. Israel und den arabischen Staaten bestehende Gleichgewicht der militaerischen Kraefte erschuettern, weil sie das Rüstungspotential der Araber anreichern. So etwa argumentierte Aussenminister Rusk nach a 11 e’r W ahrscheinlichkeit. Der israelische Botschafter duerfte darum aehnlicli geantwortet haben, wie Frau Meir, die ihn zu dieser Demarche beauftragt hatte, am gleichen 29. Dezember 1965 in der Knesseth: “Ich kann dem Verlangen der zwei Fragesteller nur zustimmen, dass die USA und andere Laender wirtschaftliche Hilfe, die sie Aegypten leisten, davon abhaengig machen, dass es seine Poiitik der Kriegsvorbereitungen fallen laesst, die auf die Zerstoerung eines Nachbarstaates abzielen. Das ist eine voellig vernuenftige Forderung”. “Nasser widerlegt unsere Besorgnisse nicht, indem er erklaert, jetzt werde er noch keinen Krieg mit uns fuehren, sondern erst irgendwann spaeter. Er fuerchtet die Niederlage,- nur so laesst sich dieser Satz verstehen”. “Solange die arabischen Laender dieser Region unter aegyptischer Fuehrerschaft weiter und immer weiter aufruesten, sind wir gezwungen, uns militaerisch stark genug zu halten, um die Aggressoren abzusch recken Und wir haben alles Recht, von den grossen Maechten im Osten wie im Westen, die die Araber mit Waffen versehen, dringend zu verlangen, dass sie es beim guten Willen nicht bewenden lassen, den Frieden des mitteloestliche.n Laendergebiets zu sichern, sondern die offen bekundete friedensfeindlieben Absichten der Ladnder berücksichtigen, denen sie dieses Ruestungsmateriai zur Verfuegung stellen”. ATOMFREIE ZONE? Doch nachdem Golda Meir die seit bald zwei Jahrzehnten unentwegt verfolgte Grundlinie der israelischen Sicherheitspolitik mit diesen nahezu gemj Binplaetzi g e; n und vom Haus einstimmig akfclamierten Feststellungen zum wer weiss wievielten Mal skizziert hatte, liess sie es sich nicht nehmen, auch noch auf eine andere Bemerkung des linksradikalen Fragestellers einzugehen. Die Regierung, hatte er verlangt, solle sich bei dieser Gelegenheit buendig gegen die Herisfrellung und gar die Verwendung von Atombomben im Nahen Osten einschliesslich des juedisehen Staates erkig/eren. Moeglicher weise hatte sich dor Interpellant daran erinnert, dass sicii das britische “ISS” in seiner schon erwaehnten Veroeffentlichung zu der mehr als gewagten Behauptung verstiegen hatte, den israelischen Physikern sei es ' an sich, rein technisch, heute zu Zutrauen, “pro Jahr eine Atombombe zu konstruieren”. Besser haette er getan, sich auf den Minister Jigaei Alon zu beziehen, der zu den bestunterrichteten Militaer-Experten des bisherigen — und kuenftigen — Kabinetts Eschkol gehoert. Herr Alon hatte Mitte Dezember auf einer oeffentlichen Kundgebung in London ¡woertlich ausgefuehr|t: “Israel wird auf keinen Fall der erste Staat sein, der Atomwaffen in den Mittleren Osten bringen wird; doch werden wir es auch keinem unserer Nachbarn erlauben”. Bis zur Atomwaffe gehe der Ehrgeiz der fuer die nationalstaatliche Sicherheit verantwortlichen Maenner in Israel nicht, fuegte er hinzu,- ihnen genuege es reichlich, sich nicht in dem ihnen von den Arabern aufgedraengten Riiestungs,wettlauf mit “konventionellen Waffen” ueberrunden zu lassen. Genau das hatte Frau Meii im Sinn, als sie den Sprecher des linkssozialistischen Fluegels mit polemischer Zuspitzung fragte, warum er nicht so, wie grundsaetzlich sie selber, fues eine totale Abruestung des;hiesigen Laenderblocks eintrete, statt das Gespenst unkonventioneller Waffen heraufzubeschwosren, ueber die Aegypten bis heute ebenso wenig wie Israel verfuegt. Und damit zog sie die Summe der Erfahrungen j all der Jahre ihrer Amtsfuehrung. Saldiert man ihre Erfolge und Fehlschlaege in dieser Zeit, kann sie fuer sich gelten machen, viel zur Staerkung des inirirnationalenr Ansehens >Ts raels beigetragen zu haben. Doch das allem sonst vorangehende Anliegen der Aussenpolitik ihres Staates, den Frieden mit den benachbarten Laendern, konnte sic allerdings nicht .erzwingen. Er wird erst erreicht werden, wenn sich die Araber, mit Abdel Nasser voran, “mit unserer Staerke versoehnen” es ist das der Weisheit letzter Schluss dieser bewundernswerten, so realistisch denkenden wie andererseits muet terlich gefuehlsbetonten Frau die aus behuetetem Elternhaus vor bald einem halben Jahrhundert als Landarbeiterin hierher gekommen war und aus Alters — und Ge- ,7 meine V tsruecksiehten nach ein e r hochdistinguierten Laufbahn jetzt aus den oeffentlichen Diensten scheidet.