Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXVIII (1966)
- Issue
- 1 (Enero, 1966)
- Date
- 1966-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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ENERO 1966 BOLETIN INFORMATIVO 7 Dr. Abner Nechusehtan (Tel - Aviv) EIN ZWEITES HAIFA f Wieder einmal ist in diesem Land der —• begrenzten Unmoeglichkeiten auf Sand gebaut worden, buchstaeblich und gleichwohl im offenbaren “W i d.e r s p ruch” zum herkoemmlichen Sinn des gefluegelten Wortes. Tel-Aviv entstand, mit sei nen 600.000 oder 640.000 Einwohnern von heute, vor einem guten halben Jahrhundert aus dem Nichts. Ebenso hat sich der Kuestensand 45 K i 1 o m eter suedlich dieses staedtischen “Wasserkopfes'’, unweit des arabischen Fischerdorfes Ishdud, das frueher einmal an der Fluesschen-M uend ung des Lachisch gestanden hatte, in einem knappen Jahrzehnt zur Hafenstadt Aschdod verwandelt, in der jetzt schon etwa 30.000 Menschen leben. Und kuerzlich wurde dieser Hafen in Betrieb genommen. Fast in den gleichen Wochen des Fruehsommers 1948, als zwischen Juden und Arabern noch um den Besitz Haifas gerungen wurde, stellte irgendwer in der “Provisorischen Regierung” des geradc ausgerufenen Staates Israel, vielleicht David Ben Gurion selber, sich und seinen Mitarbeitern ueberraschend die Frage, ob ein “zweites Haifa” frueher oder spaeter nicht gerade dort gebaut werden solle, auf halbem Wege zwischen Jaffa, dem uralten Joppe, und dem genau so altehrwuerdigen Gaza. In ihrer Mehrheit lehnten sie es wahrscheinlich z u n a e chst ab, unwirsch die einen, mit nachsichtigem Laecheln fuer derartigen Phantasieen die anderen, dieser Zukunftsmusik in einem Augenblick zu lauschen, da die Vorhut der Invasionsarmee des aegyptischen Koenigs Faruk mit dem jungen Abd el Nasser als einem der Regimentskommandeure soeben vor Ishdud gelangt war. Doch als dem Unabhaengigkeitskrieg, wie ihn die Israelis nennen, nach erstaunlichen Waffenerfolgen der blutjungen juedischen Armee spaeter ein, wenn auch labiler Friede gefolgt war, kam der Fragesteller auf seine Idee zurueck. Und jetzt fand sie den Widerhall, der ihr gebuehrte. ORTSWAHL AUS ZWINGENDEN GRUENDEN Etwa so duerfte er argumentiert haben; —Wir sind davon durch drungen, dass der Staat eine Zukunft hat— selbstredend, da der grosse Aufwand der zwoelf Monate unseres Unabhaengigkeitskrieges sonst sinnlos vertan waere. Dann aber ist die Annahme nicht zu utopisch, dass die Kapazitaet des Haifer Hafens irgendwann kuenftig fuer die Bewaeltigung der Einfuhren und vor allem der Ausfuhren nicht mehr ausreichen, und dass es zweckmaessig werden wird, weiter im Sueden ein Ventil fuer diesen Gueterumschlag zu schaffen. An die betraechtlich grosse, laengst zur Bluete entwickelte Orangenzone zwischen Tel Aviv und dem Negew haben wir vorsorglich zu denken und an den Negew selbst, der der Aufschliessung harrt und in Rechnung zu stellen, um wieviel billiger sich der Transport der Zitrusfruechte und Phosphate, auf wer weiss wie lange Zeit unsere massgeblichen Exporte, f. o. b. “free on board” standortmaessig stellen wird, wenn sie aus dieser Orangenzone und aus dem Negew nicht mehr hunderte von Kilometern in noerdlicher Richtung nach Haifa, expediert werden muessen. Jaffas Hafen, den vor der Kueste Gesteinmassen wie der “Felsen der Andromeda” blockie ren, wird dazu ebensowenig wie der am noerdlichen Rand Tel-Avivs 1936 improvisierte Nothafen ausreichen, den die unwiderstehlich wachsen d e Grossstadt mehr und mehr von allen Seiten einzwaengen wird. Aber auch Aschkalon kommt nicht in Frage: es liegt dem von den Aegyptern beherrschten Gazastreifen zu nahe, als dass einlaufende und ausfahrende Schiffe bei der geringsten Fehlnavigation nicht mit v o e 1 kerrechtlichen Schwierigkeiten zu rechnen haettcn. Kurz, pure Logik zwingt zur Wahl dieses Ishdud. Die Kueste ist dort ebenerdig genug, der Meeresstrich davor felsenfrei, mit einem sanft zu den Duenen ansteigenden sandigen Grund, der sich verhaeltnismaessig l‘e i c h t zum Tiefhafen unseres “zweiten Haifa” ausbaggern lassen wird. “Den Finger drauf, das nehmen wir... VON DER PLANUNG ZUR VERWIRKLICHUNG Aber natuerlich, es war wesentlich einfacher gesagt als getan. Nach den ersten ernsthaften o z e a nographischen, topographischen, ingenieurstechnischen, planwirtschaftlichen und nicht zuletzt finanziellen Sondierungen — sie nahmen 12 Monate in Anspruch — brachte das Verkehrsministerium, als die fuer das Ganze von Anfang an zustaendige Instanz, ein mehr oder minder handgreifliches Projekt 1952 zwar vor die Regierung, aber diese Empfehlungen bestaetigte sie erst nach w e i t e r en vier (!) Jahren. Und es wurde Oktober 1960, bis es auch nur fuer die erste Konstruktions- Phase, den sogenannten “Orangen-Kai” zu einer Ausschreibung kam, an der sich neben einheimischen Firmen sieben auslaendische i m Wunsch beteiligten, sich dieses ersten Teilauftrages zu versichern, eines Objekts, fuer das amerikanische und franzoesische Sachverfctaendige Kosten von immernin 50 Millionen Dollar vorveranschlagt hatten. Den Zuschlag erhielten drei franzoesische Kontraktoren im Verein mit der “Ueberseeischen Hafenbau-Gesellschaft” der “Solei Boneh”, des international renommierten, seit Jahrzehnten als Baugenossenschaft der hiesigen Histadruth taetigen gewerkschaftlichen Unternehmens. Der Vertrag, der am 31. Maerz 1961 gluecklich unterzeichnet wurde, konnte indessen — es versteht sich — nur den allgemeinen Rahmen fuer den Bau der Hafenanlagen abstecken, und fuer die Ausbaggerung der Kuestenzone .eines Bassins von mehr als einem Quadratkilometer, mit dem Ziel, einen von zwei Wellenbrechern geschuetzlen Hafen von solcher Tiefe zu schaffen, dass dort am (.vorher erwaehnten) “Orangenkai” Frachter bis zum Rggistergehalt von 50.000 to. anlegen koennen. Von allem sonst abgesehen, brachten unvorhergesehene Schwierigkeiten den Terminplan, die “time-table” schon in Verwirrung, als diese Wellenbrecher, wahre Molen nach ihren Ausmassen, in einer Laenge von zunaechst 2.200 bezw. 900 Metern, als Bastionen von 4 Meter Hoehe ueber dem Meeresspiegel an ihrem aeussersten Ende bis zu neun Metern an der Kueste in die See getrieben wurden. Dazu waren bisher 2,5 Millionen Tonnen Quadern und Felsbloecke vonnoeten. Und waren sie aus nahe gelegenenen haeufiger aber aus ferner liegenden israelischen Steinbruechen muehsam herangeschleppt worden, spuelten die Wellen sie mehr als einmal hinweg, so sorgsam sie mit zehntausenden vierfuessigen “Tetrapoden” in den Meeresgrund einbetoniert wurden. Kann es da Wunder nehmen, dass das erste Schiff, das gegen Ende November an besagtem “Zitrus - Landesteg” Anker warf, die schwedische “Vingaland” mit einer Ladung von 1600 to. Zucker, den Hafen mit einer Verspaetung von (genau) zehn Monaten und 21 Tagen eingeweiht hat? Ob sich das Verkehrsministerium indessen auf die Zahlung der Konventionalstrafe versteifen wird, die ihm infolgedessen zusteht, wird von Kennern bezweifelt. Wie hoch sie auch sein mag; sie verliert an fiskalischem Gewicht im Verhaeltnis zu den 75 Millionen Dollar, die allein fuer die erste Hafenbau — Etappe, inzwischen aus den anfangs geschaetzten 50 Millionen geworden sind, und sich gar auf 120 Millionen erhoehen werden, wenn sich die fuer das kommende Jahrzehnt vorgesehenen Erweiterungen an diese “Zitrus — Phase” anschliessen werden. Damit dann sieben bis neun Sohiffe —so heisst es— allein am “Orangen — Kai” Platz finden, der momentan gerade fuer eine “Vingaland” ausreichte, oder fuer den englischen Frachter, der zur Aufnahme von 29.000 Kisten mit Orangen und Grapefruits in den Tagen, da dieser Artikel geschrieben wurde, in Aschdod eintraf, nachdem der Schwede abgedampft war. Etwa vier Millionen to. Frachtgueter statt der bescheidenenen 600.000, die momentan die Leistungsgrenze der vorlaeufig noch weniger als 1000 Hafenarbeiter umfassenden Belegschaft bilden, werden sich in diesem Hafen dann pro Jahr Umschlagen lassen, 1 1|2 Millionen mehr als die fuer das Jahr 1970 vorgesehenen. Und damit wird Aschdod dem Haifaer Hafen, durch den heute an die 80 Prozent der auf Schiffen verfrachteten Ein— und Ausfuhren Israels gehen, in der Tat gleichwertig zur Seite stehen. DIE STADT IM WERDEN HINTER DEM HAFEN IM WERDEN Das Starkstromwerk, das 40 Prozent des israelischen Elektrizitaetsbedarfs 1 i e f ert und der 68 Meter Leuchtturm von Neve Junis, der seine weissen Lichtsig nale dreimal in der Minute aufs Meer ausstrahlt, fesseln als erste Wahrzeichen den Blick des Ankoemmlings, wenn er IM WERDEN f-m SONDER-BERICHT WM FÜR DAS B. I. I —1 von der suedwaerts nach le, die draussen in der Welt Aschkalon fuehrenden sögenur noch an zwei anderen nannten “Kuesten - Chaus- Stellen produziert wird, see” rechterhand nach dieser ja, wer diese Stadt im Wer- Stadt abbiegt. Wie im Hafenden hinter dem Hafen im gelaende selbst wird auch Werden .eines der typischen dort unentwegt Zement ge- Wagnisse und Wunder des mischt, gezimmert, gehaemjuedischen Aufbaustaates mit mert, genietet, gebastelt: tagoffenen Sinnen auf sich wirein tagaus laermt’s nur so ken laesst, wird es nicht in in den Strassen der zwei oder das Bereich von Wunschdrei noch keineswegs aus traeumen verweisen, dass die ihrem Geburtsstadium getre- Aschdoder Lokalpatrioten tenen Wohnbezirke, zu defuer 1980 eine Verzehnfanen spaeter vierzehn weitere chung der heutigen Bevoelals Segmente von Haeuserkerung, auf 300.000 Seelen bloeks rings um das staed- Voraussagen. Und als die ertische Zentrum treten sollen, sten siebzehn fuer den Ha- Alles ist noch' im Werden, fenort bestimmten Familien, aber nichts ist, scheint es, Neuankoemmlinge aus Gott mehr in Frage gestellt. Neweiss welchen Laendern “jueben dem Hafen saugt die Indischer Zerstreuung und Bedustriezone am Nordrand der drueckung”, die erst wenige Stadt immer mehr Arbeits- Tage vorher an die Gestade kraefte an. Von den sieben ihrer Volksheimat gelangt fuehrenden Unternehmen waren, vor nun neun Jahren dieser Zone seien die Spinnean der Kueste von Ishdud relen des nordamerikaniden Autobussen der Jcwish sehen Wirtschaftsmagnaten Agency entstiegen, da hatten C. Rogozin (Seiden — und sich einige von ihnen verzagt, Nylongewebe) genannt, und verzweifelt beim naechsten die ebenso grosszuegig ange- Morgengrauen auf Schusters legten Werkstaetten der en- Rappen in noerdlicher Richglischen “Leyland - Motors”, tung nach dem grossen Tclin denen von 320 Arbeitern, Aviv davonzumachen begonzumeist Einwanderern der nen, von dem sie noch bei letzten Jahrzehnte, die ohne sich zu Hause so viel Verfachliche Schulung hierher heissungsvolles gehoert hatkamen, die Chassis von Auten. Dann wurden die “Austobussen und schweren ruecker” anderen Sinnes — LKW’s montiert werden, tau- und haben im Hafen als Vorsend im jetzigen Jahresausarbeiter, Kranfuehrer, Barstoss. Ebensowenig fehlen kassenschiffer, Schauerleute, hier chemische Industrieen. Trimmer, und in der Stadt In den Laboratorien eines als eben so gut bezahlte dieser Werke, der mitteloest- Handwerker, als Kleingewerliehen Zweigniederlassung bet reibende, Ladenbesitzer, des amerikanischen Monsanals g 1 u e c k lieh zufriedene to-Konzerns, wird “Acrilan” Aschdoder Wurzel geschlahergestellt, synthetische Wolgen. Ihr Treffpunkt in Santiago Restaurant BELLEVUE Huérfanos 886, Ecke Estado — Tel. 392034 im 12. Stock des Astor-Gebaeude. Tee-Salon Coppelia Providencia 2211, Tel. 40450, Santiago Wir erwarten Sie mit unseren bekannten Spezialitaeten in unserem gemuetlichen Salon