Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXVIII (1966)
- Issue
- 1 (Enero, 1966)
- Date
- 1966-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 BOLETIN INFORMATIVO ENERO 1966 ZEHN JAHRE BAR-ILAN UNIVERSITAET Von Herbert Freeden - Jerusalem “Hier werden Generationen der Zukunft von den Wassern der Weisheit schoepfen... und zugleich die Thora und unser Volk lieben lernen". Diese Worte des verstorbenen Dr. P i n c h a s Churgin, dem Gruender und ersten Presidenten der Bar-Ilan-Univeisitaet, stehen als Motto ueber dem Eigang zur grossen Aula. Zehn Jahre sind vergangen, seit in Ramat Gan, der Gartenstadt bei Tel Aviv 19 Professoren und 90 Studenten in 31 Kursen zusammenkamen, um eine Bruecke zwischen zwei scheinbar unvereinbaren Gebieten des Geistes zu finden — zwischen Religion und Wissenschaft, Glauben und Erkenntnis, Tradition und Forschung. Seit damals ist die Zahl der akademischen Lehrkraef t e auf 320 gestiegen, die der Kurse auf 633 und die der Studenten auf 2.000 — wobei hunderte von Kandidaten wegen Raummangel zurueckgewiesen werden mussten. Die Idee ist gewagt, gewissermassen experimentell und einzigartig im juedischen Leben: eine weltliche Universitaet, die der Erforschung der wissenschaftlichen Wahrheit dient, und gleichzeitig auf den Vorschriften der juedischen Lehre basiert. Nach der Tradition ,steht die Erde im Zentrum des Universum, der Mensch ist die Zentral - gestalt der Erde, vis-a vis Ihm, der ihn in seinem Ebenbild geschaffen hat. Die moderne Wissenschaft hat mit der Zentralitaet der Erde aufgeraeumt, aehnliche und weit groessere kosmische Koerper entdeckt, und damit die Geschichte der Schoepfung neu geschrieben und die Beziehung von Mensch zu Gott beruehrt. “Wir behaupten nicht, alle Antworten zu wissen, und auf manche Probleme gibt es keine Antworten. Was wir anstreben, ist eine Synthese zwischen Wissenschaft und Religion", sagt Pinchas Spieiman, Direktor der Informationsabteilung der Universitaet, ein Amerikaner, der sich in Israel niedergelassen hat. Als wir ueber die Diskrepanz zwischen dem juedischen Kalender und den Feststellungen der Geologen ueber das Alter der Erde sprechen, fuegt er hinzu: “Unsere Weisen waren vorsichtig in ihrer Definition des Zeitbegriffes — das Zeitelement und seine Messung sind Aenderungen unterworfen und zu einem erheblichen Masse unbekannt”. Zwei Forschungsprojekte, die von der naturwissenschaftlichen Fakultaet durchgefuehrt werden - Versuche, aus Sojabohnen billige Nahrungsstoffe herzustellen und Karpfen in Abwaessern zu zuechten — unterscheiden sich nicht um ein Iota von denen anderer wissenschaftlicher I n s t i tutionen: was anders ist, ist das Programm, juedische Werte zum integralen Bestandteil der Persoenlichkeit jedes Studenten zu machen, gleichgueltig was sein Fach ist. Seit ihrer Gruendung wurde die Bar-Illan Universitaet von zwei entgegengesetzten Seiten angegriffen - von den Liberalen und den Ultra — Orthodoxen. Die Liberalen bezweifeln die Moeglichkeit zu unvoreingenomm e n e n wissenschaftlichen Ergebnissen zu gelangen, wenn die Marschroute, die dahin fuehrt, sich an das religioese Dogma halten muss. Die Ultra-Orthodoxen sind in ihrer Kritik noch radikaler, denn Bar-Ilan ist keine Jeschiwa, und sie lehnen weltliche Erziehung grundsaetzlich ab, noch dazu auf co-educations- Basis. 60% der Studenten in Ramat Gan sind Maedchen, ein hoeherer Prozentsatz als auf anderen Universitaeten, weil die Geisteswissenschaften im Studienplan dominieren, die von Maedchen erfahrungsgemaess den Naturwissenschaften vorgezo gen werden. Alle Einwaende haben dis Universitaet nicht von ihrer Zielsetzung abgelenkt, eine Generation von Forschern und Wissenschaftlern heranzuziehen, die mit den Lehren des Judentums vertraut ist. Ob nun ein Student Mikrobiologie oder Psychologie studiert, moderne Sprache oder Chemie, Soziologie oder Mathematik, ungefaehr ein Viertel seiner Vorlesungen und Seminare muessen juedischen Faechern gewidmet sein: Bibel, Talmud, juedische Geschichte, Hebraeisch und juedische Philosophie, Auf diese Weise will Bar-Ilan als Trainingsstaette fuer kuenftige Fuehrer juedischer Gemeinden in der Welt dienen. Die Universitaet, nach dem verstorbenen Rabbi Meir Bar-Ilan genannt, einer der leitenden Persoenlichkeiten des Welt-Misrachi, war von der Misrachi - Organisation von Amerika gegruendet worden. Bald stellte sich heraus, dass ein solches Lehrinstituü nicht im Rahmen einer politischen Bewegung arbeiten kann, und es wurde ein unabhaengiges Kuratorium gebildet, aus juedischen Persoenlichkeiten in Amerika und Israel, dem Dr. Joseph H. Lookstein, als Gesehaeftsfuehrender Praesident vorsteht. Mit allen akademische Angelegenheiten beschaeftigt sich der Senat, mit einem Rektor an der Spitze (Gegenwaertig Prof. Joschua Schaechter). Waehrend mehr Studenten sich bewerben, als die Universitaet fassen kann, wird es immer schwieriger, akademische Lehrkraefte zu finden. Dem Geiste Bar-Hans entsprechend werden religioese Lehrkraefte bevorzugt, die 90% des Lehrkoerpers ausmachen. Auf Gebieten, auf denen ein weltanschaulicher Konflikt nicht zu erwarten ist, wie in bestimmten naturwissenschaftlichen Kurs e n, werden auch nicht-orthodoxe Akademiker beschaeftigt. Es herrscht ,so wird immer wieder betont, Lehrfreiheit. Die akademische Struktur ist der amerikanischer Universitaeten nachgebil d e t, von denen auch das Bewertungssystem von Punkten uebernommen wurde. Es ist deshalb leicht fuer Absolventen ,ihre Arbeiten auf amerikanischen Hochsc h u 1 e n weiterzufuehren, oder fuer amerikanische Studenten, einige Zeit in Ramat Gan zu studieren. Von 300 auslaendischen Studenten sind 85 aus Amerika. In 22 Faechern koennen die Studenten ihre Schlussexamina machen,- Im vergangenen Jahr erwarben 140 Studenten den B. A. bezw. den M. A. Titel. Natuerlich haben nicht alle Fakultaeten die gleiche Reputation. Hervorragend und zugleich numerisch am groessten ist die Abteilung fuer hebraeische Literatur, an deren Spitze Prof. Baruch Kurzweil steht, Traeger des Bialik — Preises. Die Paedagogische Fakultaet hat relativ mehr Lehrer fuer Hoehere Schulen ausgebildet als die anderen Universitaeten Israels und viele Lehrer aus allen Landesteilen nehmen an den paedagogis chen Auffrischungskursen teil. Ein neues, aus 25 Raeumen bestehendes und mit modernsten Einrichtungen ausgestattetes Haus steht der experimentellen und klinischen Psychologie zur Verfuegung. Eine wichtige Rolle spielt auch das Institut fuer Kriminologie, das gemeinsam mit den Mini- Die wichtigste Aufgabe der israeli sehen Wirtschaft vor zehn , .Jahren war, die Aufnahme von vielen Tausenden von neuen Olim ihre Einschaltung in den Arbeitsprozess, wobei es sich meistens uni Olim handelte, die ohne jede Mittel ins Land gekommen waren. Die kleine israelische Wirtschaft, die sich auf keine eigenen Naturschaetze stützen konnte, musste sich überschnell entwickeln, um dieser Aufgabe gerecht werden zu koennen. Zugleich musste jedoch auch eine Wirtschaft aufgesteilt werden, die rentabel und lebensfaehig sein wuerde, und im internationalen Konkurrenzkampf mitmachen konnte. Diese Entwicklung benoetigte eine genaue Planung und eine etapp e n w e i se Verwirklichung, wobei der Akzent auf die Industrialisierung des Landes gelegt wurde. Obwohl die Regierung, oeffentliche Institutionen und Gesellschaften den groessten Anteil bei der Last der Entwicklung des Landes zu tragen hatten, wurde immer darauf geachtet, alle interessierten Gremien, und besonders auch die private Initiative an Auf und Ausbau des Landes teilhaben zu lassen. Die Entwicklung wurde nie zum Monopol eines Sektors oder einer begrenzten Gruppe oder Schicht der BevoelJkerung. Wenn die wirtschaftliche Entwicklung mit genauer und sterien fuer Polizei und Wohlfahrt Kurse veranstaltet. Die Hebraeische Universitaet in Jerusalem hat natuerlich einen besonderen Status und wird zum erheblichen Teil vom Staat subventioniert. Die Tel Aviv Universitaet erhaelt Zuwendungen von der Munizipaiitaet. Bar Ilan ist unabhaengig und nur 40% des laufenden Budgets werden vom Staat getragen, wozu noch kleinere Beitraege der Jewish Agency kommen. Unab-' haengigkeit ist ein kostspieliger Luxus, und die “Freunde der Bar -Ulan Universitaet" in Amerika -und Europa muessen die Finanzen fuer ihr Wachstum auf bringen. Von grosser Bedeutung ist darueber hinaus die offizielle amerikanische Hilfe — das Gebaeude fuer Physik wurde von dem “American Counterpart Funds" errichtet, und die neue Bibliothek mit 500.000 Baenden ist eine Spende der Wurzweiler-Stiftung in New York. 18 Gebaeude — unter ihnen zwei Studentenheime — stehen auf dem gruenen Campus, der durch einen schmalen, weissen Turm kontrollierter Planung begann, so gaben ihre Erfolge in den letzten Jahren etappenweise die Moeglichkeit, eine weitgehende Liberalisierung zu verwirklichen, die ebenfalls für die Erfolge bei der Entwicklung zeugt. Bei einer Zwischenbilanz der Wirtschaftsentwickiung, vor vier Jahren, 1961, wurden folgende Voraussagungen gemacht, die weitgehend eingetreten sind. 'Jß 1. Die Bevoelkerung wird bis 1965 ca. 2,5 Millionen erreichen. '•¥ 2. Die Stromproduktion wird 710000 KW|St. ausmachen. * 3. Die landwirtschaftliche Produktion wird den Eigen bedarf gaenzlich decken und ausserdem einen Export von 120 Millionen Dollar jaehrlich ermoeglichen. * 4. Die industrielle Produktion wird 4000 Millionen Pfund ausmachen. * 5. Neue Industriezweige werden entstehen, wie die petrochemische Industrie, Elektronik und Metallurgie, etc '■¥ 6. Zusaetzliche 60.000 Arbeiter werden in der Industrie beschaeftigt werden. * 7. Der direkte Export wird 350 Millionen Dollar, der indirekte Export 280 Millionen Dollar, d. h. zusammen ca. 2|3 Milliarde Dollar ausmachen. sfs 8. Die Reserven an Devisen werden bis auf 1|2 Milliarde Dollar steigen. * 9. Investoren aus dem Auslande werden ihre Partnerschaft an der israelischen Wirtschaft ausbauen. Inzwischen sind die vier charakterisiert wird — von seiner Spitze kann man an klaren Tagen vom Mittelmeer bis zum Jordantal sehen. Innerhalb der naechsten zwei Jahre sollen weitere vier grosse Gebaeude errichtet werden. Es gibt eine moderne Mensa und ein Gesellschaftshaus, in dem getanzt, gesungen, gespielt, musiziert und diskutiert wird. Die Synagoge ,so wurde mir gesagt, ist der einzige oeffentliche Platz, an dem Jungen und Maedchen getrennt sind. Waehrend der naechsten Zukunft will die Universitaet lediglich die bereits bestehenden Fakultaeten konsolidieren und erweitern - mit einer Ausnahme: der Errichtung einer Zweigstelle in Ashkelon, die sich in der Hauptsache auf Paedagogik konzentrieren soll. Der Regierungsausschuss fuer Hochschulbildung schaetzt, dass es in acht Jahren ueber 50.000 Studenten in Israel geben wird, und dass jede Hochschule ihre Kapazitaet bis dahin verdoppeln muss. Die Bar-Ilan Universitaet hofft, dieses Ziel bereits bis zum Jahre 1970 zu erreichen. Jahre vergangen und heute koennen wir schon ein Fazit ziehen, wie weit diese Vor aussagungen verwirklicht wer den konnten; * 1. Die Bevoelkerung ist tatsaechlich bis auf sogar 2,6 Millionen gestiegen. * 2. Die Stromerzeugung hat 720000 KW|St. erreicht, wobei eine weitere Kraftstation, die sich im Bau befindet, uns die Millionengrenze ermoeglichen wird. *3. Die Versorgung des Landes an landwirtschaftlichen Produkten ist wohl gedeckt, es besteht ein Ueberschuss und der Export erreicht 100 Millionen Dollar. * 4. Bei der industriellen Produktion werden wir 5,7 Milliarden Pfund (laut den Preisen von 1960) erreichen. Bei den jetzigen Preisen macht die Produktion 6,5 Milliarden Pfund aus. * 5. Die geplanten neuen Industriezweige wurden aufgebaut, ausgebaut und begannen sogar schon ihre Waren zu exportieren. $ 6. Die Industrie hat mehr Arbeiter als geplant aufgenommen und wird 1965 insgesamt 230000 Arbeiter beschaeftig haben. * 7. Der Gesamtexport von 750 Millionen Dollar wurde 1965 erreicht. * 8. Die Reserven an Devisen machten, am 31. Dezember 1965 mehr als geplant, d. h. 650 Millionen Dollar aus. * 9. Die auslaendischen Investitionen sind von 53 Millionen im Jahre 1961 auf 181 Millionen Dollar im Jahre 1964 gestiegen. Erfolge und Aufgaben der israelischen Wirtschaft