Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXVII (1965)
- Issue
- 12 (Diciembre, 1965)
- Date
- 1965-12-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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BOLETIN INFORMATIVO DICIEMBRE 1965 6 Dr. Abner Nechuschtan (Tel—Aviv) Militaerisehe Mohrenwaesche... nach neun Jahren Aus 16 Dakotas “wird ein Fallschirm] aeger - Bataillon am “D-Day” — dem 29. Oktober 1956 — bei Sonnenuntergang ueber dem Milta- Pass abspringen”, auf dem Plateau der Sinai-Halbinsel, nur vierzig Meilen von der Stadt Suez entfernt und — wichtiger — ebenso nahe dem naechsten grossen aegytischen Flugplatz. Der englische Colonel Robert Henriqü^s, einer der bestqualifizierten zeitgenoessischen Militaerschriftsteller, hat diese Anordnung, woertlieh so, in seinen 1 9 5 7 erschienenen 190 Hour to Suez als erste Phase des Planes bezeichnet den das Oberkommando der von Ben Gurion geschaffenen “Verteidigungsarmee” Israels damals unter der Leitung seines Chefs Mosche Dajan ausgearbeitet haette. Fast auf den Tag sind jetzt neun Jahre vergangen, seit dieser Engiaender von den G e n e r alstaeblern des beruehmten einaeugigen juedischen General derart ins Vertrauen gezogen wurde, dass sie ihm den Operationsplan bis in letzte Einzelheiten enthuellten, und als Frontberichterstatter Beobachtungen machte, die ihren Niederschlag in der bisher besten fachmaennischen Darstellung des kurzen Dramas jenes englisch - franzoesisch israelischen Vorstosses gegen Abdel Nassers Aegyten gefunden haben. Jetzt liess M. Dajan dieser Darstellung einen eigenen Bericht folgen, das in Tel— Aviv —hebraeisch— erschienene, 215 Druckseiten starke “Tagebuch des Sinai-Feldzuges”. RUECKSCHAU OHNE SCHOENFAERBEREI Schon deshalb fasziniert diese Rueckschau mindestens so wie das Buch des Obersten Henriques oder allenfalls auch die seinerzeit gleichfalls als bestinformiert bezeichne- -en “Sscrets de l’Expedition d’Egypte” der Freres Bromberger in Paris, weil der “Sieger von Sinai”, Mosche Dajan ,mit der hierzulande vorherrschenden Me i n u n g aufraeumt, dass dieser Feldzug, sein Feldzug, ein in der strategischen Anlage wie in der taktischen Durchfuehhung gleich fehlerloser “militaerischer Spaziergang an den Kanal von Suez gewesen sei, und an die Bucht von Tiran, zwischen dem Golf von Akaba und dem Roten Meer. Es nimmt dem “Tagebuch” nichts von seiner kriegsgeschichtlichen Bede u t u n g, dass der Verfasser selbstredend keine Müsse gehabt haben wird, mehr als nur Bruchstuecke schon waehrend der stuermischen “Hundert Stunden nach Suez” zu Papier zu bringen, den Haupt teil ohne Zweifel also hinterher aus den Akten oder dem Fundus seiner Erinnerungen hinzugefuegt haben duerfte. Wer mit der hier im Lande sprichwoertlichen, oefter ironisch gewuerzten Wortkargheit des “typischen Soldaten Dajan” und andererseits damit vertraut ist, dass er der Letzte waere, sich ein Blatt vor den Mund zu nehmen, der kann nicht daran zweifeln, dass die Aufzeichnungen, wann immer sie entstanden, von der ersten bis zur letzten Zeile authentisch sind — so lakonisch ist ihr Stil, und so schonungslos die Kritik an den Versagern von damals. Ebenso tut es ihnen keinen Abbruch, dass Dajan sowohl die politische Vorgeschichte wie das gleichfalls hochpolitische, ja globalpolitische Nachspiel vor dem Wiederabzug der israelischen Truppen aus der Sinai-Halbinsel fast ganz mit Stillschweigen uebergsht. Eine der markanten Ausnahmen, die diese Regel bestaetigen, ist sein scharf geschliffener Kommentar zu FLUGABKOMMEN MIT SKANDINAVIEN In Jerusalem wurde mit Vertretern der skandinavischen Laender hinsichtlich eines neuen Luftfahrtsabkom mens Verhandlungen eroeffnet. Israel ist an diesem Abkommen sehr interessiert, da allein im Jahre 1965 nicht weniger als 13.000 Touristen aus diesen Laendem Israel besuchten und die Zahl der Touristen aus Skandinavien alljaebrlich um 2000 Personen ansteigt. :Es gibt erst seit April 1964 regulaere Flüge der Fluggesellschaften SAS und El Al. Die Einstellung der Israel- Regierung ist, dass christliche Pilger auch in Zukunft die freie Wahl haben sollen, ob sie zu verbilligten Preisen in Gruppenflügen auf den regulaeren Linien der Fluggesellschaften oder m i t Charterflugzeugen nach Israe’ gelangen wollen Der Zweck des Abkommens ist, eine Reihe zeitweiliger und kurzfristiger Uebereinkommen abzuloesen u. eine permanente Basis der Luftfahrtbeziehungen zwischen Israel und dem Skandinavien- Block zu schaffen. Das Verkehrsministerium hat alle Massnahmen ergriffen, um auch die Touristik israelischer Studenten Ins Ausland zu foerdern und ihnen zu sehr vorteihaften Bedingungen Gruppen- und Einzelflüge zu ermoegllchen. Im allgemeinen belaeuft sich die Ermaessigung für Studenten auf 30% und den Studenten steht frei, sich jedem beliebigen Fluge auf jeder Linie und zu jeder Zeit anzuschliessen. Diese E rleichterungen sind einer Reihe von Uebereinkommen zu verdanken, die das Verkehrsministerium mit einigen Laendern Europas abschlcss Zusaetzlich zu dieser Moeglichkeit steht es dem Studenten auch frei, sich wie in vergangenen Jahren an Charterflügen zu beteiligen. (“Canfit””) S0NDER-BERKHT FÜR DH B dar absurden, kurz vor dem Feldzug ausgekochten Idee des britischen Middle East- Kommando, das irakische Kabinett zur Detachierung einer Division Ins jordanische Kcenigreich zu ueberreden, an die oestliche Grenze des juedischen Staates, mit dem die Engiaender gemeinsame Sache gegen Aegyten machen wollten... Dajan: “Ich muss gestehen, abgesehen vom Heiligen der Welten, gelobt sei ER, sind nur noch die Engiaender imstande, Dinge derart zu komplizieren”. Fehlbeurteilungen und folgenschwere Missverstaendnisse, den Uebereifer einzelner wie umgekehrt die Entschlussunfaehlgkelt anderer Truppenkommandeure - einen dieser Zauderer setzte Dajan an Ort und Stelle ab — nimmt er nach der neunj aehrigen Schweige pause ebenso aufs Korn wie organisatorische Maengel, die mit dem, ln groesster Eile und Geheimhaltung erforderlich gewordenen Einzug der Reservisten begannen und sich hier und da in einem manchmal tragischen Wirrwar des Nachschubs fortsetzten. Einmal, zwei oder dreimal seien gar israelische Streitkraefte, in dem von Wuestenstaub verdunkelten Gelaenae, aufeinander losgegangen, so im flagrantesten Fall eine Tank-Kompagnie gegen eine andere, von der sie in fuenf Minuten acht Panzer abschoss. KRITIK AM KRITIKER Ebenso Kriegsgeschichtler des In- und Auslands wie die israelischen Offiziersanwaerter von heute sind Herrn Dajan zu Dank dafuer verpflichtet, dass er Maengel des Feldzugs vom Oktober-November 1956, die bisher unbekannt geblieben waren, aufgedeckt hat. Allerdings haben sie ihn nach dem Erscheinen seines Buches aber auch schon daran erinnert, dass er als ausschlaggebender, ja, als in praxi einziger Planungs— und Operationschef nicht nur formell fuer diese Campagne verantwortlich war, sondern die Schuld an Fehlern ebenso auf sich nehmen muss, wie er sich andererseit den schliesslicben Sieg ja als sein ureigenstes Verdienst zuschreiben duerfte. Mehr oder weniger scheint er sich selber darueber klar zu sein Sein Platz sei, er gibt es an sich beispielweise zu waehrend der Woche jener Gefechte im Hauptquartier statt an den diversen Frontabschnitten gewesen, die er ununterbrochen visit i e r t e, und weiss seinen Kritikern darauf nichts als dies zu antworten: “Vielleicht haben sie recht, aber, ich bin entweder nicht imstande oder nicht willens, mich anders zu verhalten’. Nun, es kann keine Frage sein - haette er so, wie an seiner Stelle jeder andere Hoechstkommandierende, in seiner Zentrale schon deshalb ausgeharrt, um alle Faeden ln der Hand zu halten, und sein Leben nicht in waghalsigen Jeep— Streifzuegen durch die Sinai-Steppe aufs Spiel gesetzt, mitten durch tausende fluech tender aber noch bewaffneter aegytischer Soldaten, s o haette dies und das vermutlich besser geklappt. Und nicht zuletzt: dann haette es wohl auch weniger Gefallene ln den Reihen der Jugend gegeben, die ihm, Dajan, auf Gedeih und Verderb anvertraut worden war. Schon haben sich die von seinen Enthüllungen schockierten Eltern mit der tragisch umflorten Eindringlichkeit eines antiken Chors zu Wort gemeldet. Sie verlangen von Ihm buendigen Aufschluss darueber ob sich der Tod ihrer Soehne auf den Schlachtfeldern von Sinai, vor bald einem Jahrzehnt, wirklich in keinem Fall vermeiden liess... POLEMIK UM DIE ERSTE PHASE Selbstverstaendlich, das sind im Grunde zu gefuehlsbetonte, und in der Sache zu allgemein formulierte Vorhaltungen, als dass sich ihr Fuer und Wider unanfechtbar klaeren Hesse. Aber mindestens so lebhaft wird Kritik dort am Kritiker Dajan geuebt, wo es um Einzelheiten geht, die sich eher nachpruefen lassen, weil es konkrete Anhaltspunkte dazu gibt. Viel von dem, was der Generalstabschef des Sinai- Feldzuges bemaengelt, bietet dem Kenner der Dinge hier allerdings nichts Neues. Ein Beispiel: Dort, wo Mr. Henriques in seinen “100 Hours to Suez (wie eingangs erwaehnt die “Erste Phase” des Dajanschen Feldzugsplan behandelte, hatte bereits er hinzugefuegt nur bedingungsweise sei es der zustaendigen Luftbrigade gestattet worden, Einheiten zur Verstaerkung der ueber dem Milta-Pass abgesprungenen Fallschirmjaeger einzusetzen, als diese Gruppe in unerwartete Schwierigkeiten geraten war. Aus Camouflagegrue nden naemlich sollte ein gross angelegtes Gefecht zunaechst noch vermieden werden. (“Die Kolonne war in einen Hinterhalt geraten”, wie es die Brueder Bromberger in ihren “Geheimnissen von Suez” ausdrueckten). Die Order aber, sich bis auf weiteres zurueckzuhalten, habe der kommandofuehrende Offizier unter dem Vorwand umgangen, nur “rekognoszieren” izu wollen. Da er voraussehen musste, dass die zwei als Vorhut von ihm “nur zur Rekognoszierung” eingesetzten Kompagnieen “fast sofort in ausserordentlich heftige Nahkaempfe verwickelt werden wuerden” (Col. Robert Henriques), sei dies eigenmaechtige Vorgehen “eine besonders abwegige Form der Befehlsmissachtung ge w esen. So Mosche Dajan. Wort fuer Wort. Der post festum so heftig getadelte Ariel Scharon, der als hoher Offizier noch heute in aktivem Dienst steht, wollte den nach seiner Ueberzeugung ungerechten, und noch dazu in aller Oeffentlichkeit gegen ihn erhobenen , Vorwurf begreiflicherweise nicht widerspruchloi hinnehmen. Er bat seine Vorgesetzten um die Erlaubnis, eine Entgegnung im — halbamtlichen — Sprachrohr der Armee, also ln der Presse, zu publizieren. Sie wurde Ihm erteilt, obwohl es —wie wqhl ln den allermeisten Laendernhier bisher unverbruech liehe Regel war, Meinungsverschiedenheiten ml 111 a erischer Natur oder gar ins Persoenliche gehende Auseinandersetzungen , zw i s c h e i) Offizieren unter keinen Umstaenden in Zeitschriften und Zeitungen gelangen zu lassen. Dem jetzigen Chef des Generalstabs, dem Brigadier Jizehak Rabin, duerfte der Entschluss nicht , leicht geworden sein, von dieser guten Tradition ln einem Fall abzuweichen, in dem der beruehmteste seiner Vorgaenger, M. Dajan, eine der Parteien ist. Nach aller Wahrscheinlichkeit tat er es, um die Rücksichtslosigkeit wettzumachen, mit der der Autor des “Sinai-Tagebuches” dem damals blutjungen, leidenschaftlich zum Entsatz seiner bedraengten Kameraden entschlossenen Offizier nun die Allelnverantwortung dafuer aufbuerdet, dass es am MUta-Pass anno 1956 verfrueht zum Zusammenstoss mit dem Feind gekommen war. Zwar verbietet es der militaerische Corpsgeist seit eh und je, wie schon gesagt, Interna an die grosse Glocke zu haengen. Aber ungleich staerker verlangt er bekanntlich von den Kommandotraegern, sofern sie nur von persoenllchem und soldatischem Gesinnungsadel erfuellt sind, sich loyal zu Kameraden zu beziehen, und womoeglich noch loyaler zu Untergebenen. Gegen diesen Ehrenkodex versuendigte sich Mosche Dajan, und uebrigens nicht nur an dieser einen Stelle seiner Rueckschau, ln flagrantem Gegensatz zu seinem heutigen Nachfolger, der dem derart blossgestellten Offizier seinen Schutz angedeihen liess. Noblesse obligel Es sollte dem Autor des “Tagebuches” — ins Tagebuch geschrieben verden.