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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1965-11-01 · 11 (Noviembre, 1965) · p. Seite 8

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXVII (1965)
Issue
11 (Noviembre, 1965)
Date
1965-11-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 BOLETIN INFORMATIVO NOVIEMBRE 1965 RUCK NACH RECHTS gewerkschaftlichen M a chtfaktor aufgestiegene Rechtsfluegel strebt diesen Wandel offen an. Eine Holdinggesellschaft der Histadruth beschaeftig mit ihren fast 2.000 Erwerbsgesellschaften heute ca. 30% aller Arbeitenden im Lande,- ein Drittel des Volkseinkommens resultiert aus diesen Wirtschaftsbetrieben, in denen die Landesgewerkschaft zugleich Arbeitgeber und Arbeitnehmer ist. Begins Gewerkschaftspolitiker wollen alle diese Unternehmungen, f a k t isch das staerkste Rueckgrat der Histadruth, entweder verstaatlichen oder "privatisieren” und auch Institutionen wie ihre Krankenkasse sollen ihr genommen werden. Mit einem Wort, sie soll sich nach dem Muster der englischen Trade Unions auf rein gewerkschaftliche Tagesaufgaben beschraenken, und dabei ueberdies auf moeglichst jede zentral geleitete Geschaeftsfuehrung verzichten. Dann aber waere sie fuer die werktaetigen Massen so unattraktiv und finanziell so geschwaecht, dass sie als gleichwertiger Gegenspieler der Unternehmerschaft ausfiele. Soziale Unruhen, die dem Wirtschaftsleben des juedischen Staates je laenger desto abtraeglicher wuerden, koennten sich daraus entwickeln. Man kann der Alten Garde der fuehrenden Gewerkschaftler heute ihre schweren Sorgen also nachfuehlen, mag man ihnen auch am Niedergang ihres Einflusses in der Histadruth noch so sehr die Mitschuld angesichts der gewissen nicht wenigen lohnpolitischen, taktischen und auch massenpsychologischen Fehler geben, die zum Wahlresultat des 19. September beigetragen haben. AM VORABEND DER KNESSETHW AHLEN Und das sind jetzt nicht ihre einzigen Sorgen, Die Gewerkschaftsfunktionaere, die die Histadruth all die Jahre hindurch in der Hand hatten, sind mehr oder minder ja personengleich mit der Elite der groesseren Arbeiterparteien. Sie geben sich keiner Taeuschung daruetoer hin, dass diese Wahlen allgemein als Generalprobe zum 2. November aufgefasst werden, an dem zur Knesseth, der israelischen Volksvertretung gewaehlt werden wird. Sie fragen sich, ob sich der eine, der erste Wahlsieg des nationalistischen Rechtsfluegels dann nicht wiederholen wird, und ob die Bildung und Zusammensetzung d'fef kommenden Regierung -davon nicht in Mitleidenschaft gezogen werden wird, ja die Wahrung der demokratischen Grundlage des Staates Israel, seine innenpolitische Stabilitaet, und in der Folge mit seiner aussenpolitischen Manoevrierfreiheit auch sein internationales Ansehen. Es ist nicht zuletzt die Frage, ob Eschkols Mapai auch noch als Rumpf - Mapai, wie sie hier wiederholt genannt wurde, aus den Knessethwahlen stark genug hervorgehen wird, um ihn weiterhin als den Chef einer Koalition ueber mehr als 60 Stimmen verfuegen zu lassen, mehr als die Haelfte der 120 Abgeordneten. Die Chance hat er schon deshalb, weil zu dieser Volksvertretung — wie zu jeder — selbstredend unter einem anderen Gesichtswinkel als dem des engeren gewerkschaftspolitischen Standpunkt und Interesses gewaehlt wird. Aber obwohl die Histadruthwahlen den Optimismus Ben Gurions und seiner Freunde gedaempft haben, ist es auch denkbar, dass die Magie seines Namens genug Knessethwaehler Anziehen wird, um ihn zu einem wirksamen Stoerungsfaktor der Bemuehungen seines Amtsnachfolges Levi Eschkol zu machen, die alte oder eine neue Koalition zusammenzubringen. Dasselbe gilt zweifellos fuer Menachem Begin, d e s s en “Cheruth" vom Beitritt des rechtsbuergerlichen T e i ies der frueheren Liberalen Partei seit einiger Zeit noch verstaerkt worden ist. Dass er in den Neuwahlen zur Volksvertretung aehnlich gut abschneiden wird, wie kuerzlich im Wahlkampf der Landesgewerkschaft, liegt schon deshalb im Bereich des Moeglichen, weil jeder erste Erfolg dieser Art nach einem oft genug bestaetigten innenpolitischen Bewegungsgesetz weitere beguenstigt. Auch er also koennte, wie “Mister Israel”, das positive Ergebnis der Bemuehungen Eschkols in Frage stellen, nach den Wahlen vom. 2. November zur Neubildung der Koalitionsregierung zu gelangen. Doch sei bezweifelt, ob der bisherige Oppositionsfuehrer selbst dann an die Spitze dieses Staates treten wird, wenn seine “Freiheits - Partei” auch in der Knesseth zur zweiten Stelle aufniecken sollte. Den Weg zur Macht wuerde ihm dann nach aller Wahrscheinlichkeit eine ad hoc aus dem gemeinsamen Widerstand gegen eine solche Regierung geborene Volksfront saemtlicher Linksparteien von Ben Gurions “Arbeitern Israels” ueber Eschkols Rumpf - Mapai und die ihr engstens liierten “Partei der Arbeitseinheit” bis zur israelischen S. E. P., der orthodox - marxistischen “Mapam”, versperren, mit der Beteiligung auch der linksbuerg e r liehen “Unabhaengigen Liberalen” — Rechtsschwenkung hin, Rechtsschwenkung her. Torten Sandkuchen , Galletas Queque Inglés Pasteles 100% Schlagobers (Soprole) Hochzeitstorten Fábrica de Pasteles R %# •___rr Vienesa RODOLFO AIGNER Portugal 552 Fono 36320 ZWEI ASPEKTE... DAS NEGERPROBLEM Am 6. August fuehrte Praesident Johnson seinem Lande ein praechtiges Schauspiel vor, und Millionen von Menschen haben es ansehen koennen. Es handelte sich um die Unterzeichnung eines Gesetzes, dass die farbige Bevoelkerung befaehigen sollte, das Wahlrecht, das ihr auf dem Papiere bereits seit dem Jahre 1870 zustand, auch wirklich auszuueben, Beide Haeuser des Kongresses hatten es mit grosser Mehrheit angenommen, und nun sollte der Praesident seine Unterschrift unter den Entwurf setzen, die es zum Gesetz machte. Dafuer hatte sich der Praesident einen grossartigen Rahmen ausgesucht. Waehrend seine Vorgaenger die ihnen vom Parlament vorgelegten Entwuerfe ohne besondere Feierlichkeiten ln ihrem Arbeitszimmer zu unterschreiben pflegten, hatte Johnson, der sich sehr gut auf theatralische Wirkungen versteht, schon bei frueheren Gelegenheiten aus diesem Akte eine grosse Zeremonie gemacht, aber immer noch innerhalb des Weissen Hauses. Jetzt kam er zu diesem Zwecke in den grossen Saal des Kapitols. Zu seiner Rechten stand die Statue des Sklavenbefreiers A b r aham Lincoln, zu seiner Linken die Bueste George Washingtons. Vor einem ausgewaehlten Publikum von 800 Personen, darunter die Parlamentarier, die hoechsten Beamten des Landes und die Vorkaempfer der Negergesetzgebung, vor den Fernsehapparaten und den Aufnahmegeraeten des Rundfunks sprach der Praesident der Vereinigten Staaten ueber die Bedeutung dieses Aktes. Er bezeichnete ihn als einen Triumph der Freiheit, der jedem Siege auf i r gendeinem Schlachtfelde gleichkomme. “Heute”, so sagte er "verschmelzen und vermischen sich die Geschichte der Neger und die amerikanische Geschichte”. Dann begab sich Johnson, von einem kleineren Gefolge begleitet, in das Praesidentenzimmer des Kapitols. In dem gleichen Raume und ebenfalls am 6- August hatte Abraham Lincoln im Jahre 1861 ein Gesetz unterzeichnet dass die zum Dienste in der suedstaatlichen Confoederation gezwungenen Negersklaven befreite und die allgemeine Sklavenbefreiung vorbereitete. Hier erfolgte nun die Unterschrift des neuen Gesetzes. Johnson hatte nur seinen Namen unter das Dokument zu setzen, ab^r er verwendete dazu fuenfzig Federn, welche den hochgestelltesten Teilnehmern des Aktes als Andenken ausgehaendigt wurden. Das Gesetz bedeutet einen wirklichen Fortschritt auf dem Wege zur vollen Gleichberechtigung der farbigen Bevoelkerung. Bisher war in den Suedstaaten nur ein geringfuegiger Prozentsatz von ihr in das Wahlregister eingetragen worden, weil der Weg dorthin mit zahlreichen Hindernissen versehen war. Die Haupthuerde war eine Pruefung ihrer politischen Vorbildung, welche die gleichen Staaten von ihnen verlangten, in denen Weisse auch dann registriert wurden, wenn sie weder lesen noch schreiben konnten. Die Pruefung war so schwer, dass auch Neger mit abgeschloss e n er Universitaetsbildung sie nicht bestanden. Damit hat das Gesetz vom 6. August aufger aeumt! Auf Grund seiner Bestimmungen hat die Bundesregierung in den besonders widerspenstigen Staaten, die Registrie rung ihren eigenen Beamten uebertragen, und diese haben bereits jetzt nuetzliche Arbeit geleistet. Voraussichtlich wird auf diese Weise mindestens eine Million Neger das, Wahlrecht erhalten. Wenn man aber erwartet haette, dass sich durch eine so entschieden negerfreundliche Haltung der Regierung und des Parlamentes die Stimmung der farbigen Bevoelkerung bessern werde, so waere das ein Irrtum gewesen. In dem gleichen Monat, in dem das Gesetz erlassen und mit seiner Anwendung begonnen wurde, kam es zu den schwersten Negerkrawallen, welche die traurige Geschichte der Differenzen zwischen schwarz und weiss in der letzten Zeit aufzuweisen hat. Am schlimmsten war es in Los Angeles, wo Militaer und Polizei erst nach fuenftaegigen Kaempfen, grossen Verwuestungen und tausend Braenden die Ruhe notduerftig wiederherstellen konnte; aber auch in anderen Staedten gab es schwere Ausschreitungen . Auf die Frage nach der Ursache dieser Aufstaende, die der weissen Bevoelkerung ganz unerwartet kamen, hat es zahlreiche Antworten gegeben: die Isolierung der Farbigen in ghettoartigen Distrikten, ihre Diskriminierung bei der Besetzung von Arbeitsplaetzen, die Hoffnungslosigkeit, der Jugen3, die keine Zukunftsmoeglichkeiten zu haben glaubt, ja selbst die drueckende, feuchte Hitze, die in Los Angeles beim Ausbruch der Feindseligkeiten herrschte. Die Neger hatten sich nun aber mit allen diesen Dingen, bei denen die Schuld durchaus nicht nur auf der Seite der weissen Bevoelkerung liegt, in ihrer grossen Mehrheit seit hundert Jahren abgefunden, ebenso wie sie sich in den frueheren Jahrhunderten weitgehend mit der Sklaverei abgefunden hatten und die treuesten Diener ihrer weissen Herren gewesen waren. Der wirkliche Grund liegt tiefer: waehrend die farbige Bevoelkerung seit alten Zeiten von der Ueberlegenheit des weissen Mannes tief innerlich ueberzeugt war, hat sie diese Ueberzeugung jetzt verloren. Der Weisse ist fuer sie nicht mehr der naturgegebene Herr, dem man sich willig unterzuordnen hatte, sondern der Feind, der ihnen ihre naturgegebenen Rechte verweigert. Diese Sinnesaenderung ist allmaehlich gekommen und hat sich nicht auf die Vereinigten Staaten beschraenkt. Sie wurde sichtbar seit dem 1. Weltkriege, als Frankreich den Deutschen starke Einheiten farbiger Truppen aus seinen Kolonien entgegenstellte und diese die Erfahrung mit nach Hause brachten, dass die Weissen garnicht die Halbgoetter seien, als die sie in Afrika auftraten, dass man ihnen nicht zu gehorchen brauche, sondern gegen sie kaempfen und sie gefangennehmen koenne wie die A n g eh o e rigen eines f e i ndlichen Nachbarstammes. Sie verstaerkte sich nachdem diese Soldaten als Mannschaften der franzoesischsn Besatzungstruppen in Deutschland ihrerseits als Herren und Sieger auftreten konnten. Dann kam der epochale Zusammenbruch der Kolonialmaechte in Afrika und die Begruendung zahlreicher selbstaendiger Negerstaaten, deren Vertreter gleichberechtigt mit den Vertreter der Grossmaechte in der UNO sitzen. Alles das ist von den Negern der Ver einigten Staaten mit grosser Aufmerksamkeit beobachtet worden, hat ihr Selbstgefuehl verstaerkt und sie mit einer tiefen Unzufriedenheit ueber ihr eigenes Schicksal erfuellt. Die Folge dieser veraenderten Einstellung ist, dass sich die farbige Bevoelkerung der Vereinigten Staaten mit Teilkonzessionen nicht mehr zufrieden gibt. Auch die vollkommene rechtliche Gleichstellung genuegt ihr nicht mehr. Sie will noch ganz andere Dinge, die sie ohne schwere Auseinandersetzungen nicht erreichen wird. Ja, angesicht der Tatsache, dass sich die farbige Bevoelkerung viel staerker vermehrt als die weisse, denken manche Heisssporne an den Tag, an dem die Farbigen selber die Herren in den Vereinigten Staaten sein werden. Statt der Verschmelzung der Negergeschichte mit der amerikanischen Geschichte, die der amerikanische Praesident bereits am 6. August fuer gekommen hielt, wird es nur zu wahrscheinlich ein neues Kapitel der Kaempfe zwischen beiden Volksteilen geben. Sie werden sich nicht auf die Verein igten Staaten beschraenken. CASA 0. 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