Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXVII (1965)
- Issue
- 8 (Agosto, 1965)
- Date
- 1965-08-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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AGOSTO 1965 BOLETIN INFORMATIVO 9 Dr. Abner Nechushtan, Tel-Aviv: Israels grosser alter Mann im Allein^an^ “Verstehen Sie das?” Vor wenigen Tagen war es. Nebeneinander, wie es der Zufall will, standen wir Zwei in der truebe gestimmten Menge, auf dem Gehsteig der schmalen Gasse, die der “Alte Friedhof” an ihrer einen Seite begrenzt, eine kleine, Ehrfurcht gebietende, halb und halb schon verwitterte Ruhestaette, von deren Existenz die wenigsten Tel-Aviver heute etwas ahnen, wenn sie —nur einen Steinwurf entfernt— durch die verkehrsreiche Ben J e h u d a Strasse laermen. Eben hatten im Gefolge des Sargs, mit der irdischen Huelle Mosche Scharetts, die Witwe und seine Kinder, der Staatspraesident und die Regierungsmitglieder unter dem Vorantritt ihres Chefs Levy Eschkol, das Friedhofsportal durchschritten, Dr. Nahum Goldmann von der weltzionistischen Bewegung, Parlamentarier, viele hohe Offiziere, Militaer— und Landesrabbiner, Oberrichter, Notabein... Und nur einer hatte gefehlt: David Ben Gurion, dessen vertrautester Mitarbeiter der Tote schon anderthalb Jahrzehnte lang vor der Gruendung des Staates und dann als erster israelischer Aussenminister, und gelegentlich auch als Ministerpraesident gewesen war. “Ben Gurion war nicht dabei — verstehen Sie das?” Fassungslos b 1 i c kte mein Nachbar mich an. Und ob ich es verstand. Dieser Scharett hatte als Kavalier vom Scheitel bis zur Sohle, der er zeitlebens war, keine “Flucht in die Oeffentlichkeit” angetreten, als “Mister Israel”, bis dahin sein Freund, ihn im Sommer 1956 ohne den mindesten, der Oeffentlichkeit sichtbaren objektiven Grund fast ueber Nacht in die politische Wueste geschickt hat.te; er hatte sich damals ein anderes, seinen geistigen und kuenstlerischen Interessen und seiner ebenso bedeutenden organisatorischen Begabung gemaesses Wirkungsfeld gesucht. Zur oeffentlichen Auseinandersetzung mit dem Mann, der ihn derart rigoros misshandelt hatte, entschloss er sich zum ersten Mal im letzten Februar, als Ben Gurion in seinem unbaendigen Drang zur Rueckkehr an die Spitze üer Regierung die grosse Partei, die fuehrende des Staates, zu spalten begann. Ein vom Tode schon gezeichneter, liess er sich in seinem Rollstuhl zur Tribuene des Delegiertentages der (mehrheitssozialistischen) M a pai heraufheben und sagte ihm die denkbar bittersten Wahrheiten. Und als “der Alte” diesen Machtkampf mit der Behauptung auf die Spitze trieb, er und nur er habe Wahrheit und Gerechtigkeit gepachtet, hatte Mosche Scharett der Tagespresse als sein letztes Wort vor kurzem noch folgende schneidende Erklaerung zugehen lassen: “Ich halte es fuer meine Pflicht, festzustellen, dass ich zu denen gehoere, die auf Grund ihrer Erfahrungen — so gewiss sie Ben Gurions grosse Verdienste anerkennen— in ihm keineswegs das Modell eines unverbruechlich wahrheitsliebenden Menschen sehen, dem um die Gerechtigkeit zu tun ist, der sich kameradschaftlich zu seinen Mitarbeitern verhaelt und die sittlichen Werte unserer Bewegung in seiner Persoenlichkeit verkoerpert”. —und hatte die Augen nahezu ln der gleichen Stunde geschlossen, da der Andere der Mapai, die sie beide vor dreieinhalb Jahrzehnten gegruendet hatten, mit dem Entschluss untreu wurde, an der Spitze seiner Anhaenger im November mit einer eigenen Kandidatenliste an den Neuwahlen zur Knesset teilzunehmen, der in Jerusalem tagenden Volksvertretung. BEN GURION UEBER DEN RUBIKON Mit aller Schaerfe begannen schon jetzt die Auseinandersetzungen zwischen den beiden Gruppen, die gestern noch im selben Parteilager gestanden hatten, der Map ai-Mehrheit Eschkols und den bengurionistischen, Sezessionisten, mehr als ein Vierteljahr vor diesen Wahlen in erregten Volksversammlungen, in denen es hier und da zu Handgreiflichkeiten kam, und in den oertlichen Behoerden mit einem Rattenschwanz von Int r i g en und gegenseitigen Verdaechtigungen Draussen haelt sich von der Mapai' sehen Prominenz, durch die sich das unheilvolle Schisma zieht, ungeachtet seines wiederholt bekundeten “Bengurionismus” nur Mosche Dajan, der volkstuemliche Sieger vom Sinai; er ist wohl zu ehrgeizig, um auf die hueben und drueben noch unsicheren Karten zu setzen. Ohne Zweifel wird Ben Gurion dem von Ministerpraesidenten Levy Eschkol gefuehrten, an sich seit langem in den Bezirken und Ortsgruppen gut eingespielten Parteiapparat manchen Abbruch tun. Zwar wird die neue Liste in der naechsten Knesset, in der die Mapai heute mit 42 von 120 Abgeordneten vertreten ist, es schwerlich auf mehr als 7, 9 oder bestenfalls 12 Mandate bringen. Aber schon diese Einbusse wird Herrn Eschkol die Neubildung seiner Regierung nach den Wahlen selbstverstaendlich entsprechend erschweren. Folgerichtig ist inzwischen denn auch der Druck gewachsen, unter den ihn seine Koalitionsparteien schon jetzt stellen, weil sie damit rechnen, auch von Ben Gurion umworben zu werden — zur Linken der Mapai die Radikalsozialisten von der “Partei der Arbeitseinheit” (“Achdut Ha’avodah”) und auf dem rechten Fluegel des Regierungslagers die gesetzestreuen “Religioes-Nationalen”. ESCHKOLS DILEMMA Ohne sich daran zu stossen, dass sie mit der Mapai vor einiger Zeit feierlich zu einem parlamentarischen und gewerkschaftlichen Kartell sich zusammengeschlossen hatten, machten sich die “Arbeitseinheitler” b e r e its den Umstand zunutze, dass der Ministerpraesident sie fuer seine Koalition nach dem November doppelt und dreifach brauchen wird. Kostbare Wochen liesen sie mit ihrem Versuch verstreichen, ihn und Frau Golda Meir, seine Aussenministerin, zum Veto gegen den Vorschlag Professor Erhards und des Auswaertigen Amtes in Bonn zu zwingen, den Ministerialdirigenten Dr. Rolf Pauls als Botschafter hierher zu senden. Eschkol hatte sich eine Bioesse anfangs schon dadurch gegeben, dass er diese Frage ueberfluessigerweise, da im Widerspruch zu jeder und auch der hiesigen aussenministeriellen Verfahrenspraxis, seinem Kabinett zur Entscheidung vorlegte, obwohl er wissen musste, MINISTERPRAESIDENT |LEVI ESCHKOL Unter verstaerktem Druck r m SONDER-BERKHT FÜR DAS B.I. dass ein Einvernehmen dort an der Allergie der Minister jener Partei gegen alles scheitern wuerde, was auch nur e n t f ernt an Hitlers “Wehrmacht” erinnert, und fast ebenso an Golda Meirs bis heute nicht ganz verwundenem “Deutschland-Komplex”. Noch abtraeglicher war es dem Ansehen Eschkols, als er die Verantwortung dann der Knesset aufbuerden wollte, die als rein gesetzgebende Koerperschaft dafuer konstitutionell selbstredend unzustaendig war und die Beschlussfassung deshalb mit Recht an das Kabinett zurueckverwies. Da w e i tere Ausweichmanoever schlechterdings unmoeglich geworden waren, besann er sich schliesslich darauf, dass die Erteilung —oder Verweigerung— solcher Agreements zum Aussenministerium ressortiert. Innerhalb von 2-3 Tagen bestaetigte Jerusalem Dr. Pauls, und dann auch Bonn Herrn Ascher Ben Nathan als Botschafter —nachdem von der hiesigen und der westdeutschen Presse unverhaeltnismaessig viel politisches Porzellan zerschlagen worden war. Um es nicht dazu kommen zu lassen, haette Eschkol die Affaire formgerechter behandeln, und vor allem couragierter anpacken muessen, ohne sich um die Querkoepfe der “Achduth Ha’ avodah” zu kuemmern, die bezueglich Deutschlands geschworene Antimilitaristen sind. t.e der Ministerpraesident sein Regierungs— und Parteibuendnis mit ihnen ohne einen so ernst zu nehmenden Konkurrenten wie Ben Gurion auf das Spiel gesetzt. Aber im gleichen Mass, in dem eben diese Konkurrenz heute schon ihre Schatten auf die Aussichten der von ihm geleiteten Mapai in den Herbstwahlen wirft, verstaerkte sie seine taktische und —genau so wichtig— seine psychologische Abhaengigkeit von den jetzigen Koalitionspartnern. Aus diesem Dilemma Eschkols suchten auch die “Religioes-Nationalen” Kapital zu schlagen. Ploetzlich begannen sie, auf den Erlass eines zusaetzlichen “Gesetzes ueber Schab bat-Ruhe” zu draengen. Da sich die auf religioese. U e b erlieferungs treue nicht f e s t g e 1 egte Mehrheit des Kabinetts dagegen wehrt, in dieser Frage den Burgfrieden zu erschuettern, wie er seinerzeit im Wege eines interparteilichen Gentlemen - Agreement erzielt worden war, nehmen die Auseinandertzungen unter den Ministern momentan noch ihren Fortgang. Wahrscheinlich wird das Ergebnis eine Gesetzes-Novelle sein, die als Kompromiss nur einem Teil der Wuensche des religioesen Lagers Rechnung tragen, und es im Grunde bei der bisherigen Praxis belassen wird, einem ziemlich chaotischen Durcheinander rabbinischer Verbote und der Beduerfnisse z. B. des mo- Nochmals: vielleicht haet- (Fortsetzung Seite 12) DAVID BEN X5URION Der unbaendige Drang zur Rueckkehr sásS äilSSiSS ïîîîs: SKSÏÎ. SS5ÍS! Mâê Él lili llill