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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1965-08-01 · 8 (Agosto, 1965) · p. Seite 7

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXVII (1965)
Issue
8 (Agosto, 1965)
Date
1965-08-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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AGOSTO 1965 BOLETIN INFORMATIVO 7 DIE AMERIKANISCHE AUSSENPOLITIK IN KRISE Einer der Maenner, die dem verstorbenen Praesidenten Kennedy am naechsten standen, sein Ratgeber Arthur M. Schlesinger Jr. wird demnaechst ein Buch ueber dessen kurze Regierungszeit veroeffentlichen. In einem von der Zeitschrift “Life” veroeffentlichten Artikel, in welchem der Autor selbst ueber dieses Buch schreibt, behauptet er, dass Kennedy im Herbst 1963 den Entschluss gefasst habe, nach den Wahlen 1964 einen neuen Staatssekretaer zu ernennen: “Kennedy hatte immer gewuenscht, dass jemand wie McNamara eines Tages diesen Posten einnehme, um aus dem Staatsekretariat einen tatkraeftigen Sozius im Unternehmen der auswaertigen Beziehungen zu machen”. Das Attentat aenderte den Kurs in dieser Angelegenheit —wie in so vielen anderen. Praesident Johnson, der so manchen engen Mitarbeiter seines Vorgaen'gers ins Privatleben zurueckschickte, behielt Rusk bei. Es ist gut moeglich, dass ihn u. a. dazu der Wunsch bewog, diesen Mann mit der unmittelbaren, frischen und zweifellos grossen Erfahrung an der Spitze eines Ressorts zu belassen, das ihn selbst nicht mit der gleichen Fas zination anzog wie die innenpolitischen. Denn es war diesem letzteren Gebiet, dem er seinen Eifer, seine konstruktiven Ideen und seine (unermuiedllche Arbeitskraft zuerst zuwandte: der Schaffung dessen, was er “die grosse Gesellschaft” nennt (als Ziel leichter zu definieren und zu verstehen als d i e sogenannten “neuen Grenzen” Kennedys), mit seinem “Krieg gegen die Armut”, den vollen Buerger— und Wahlrechten fuer die farbige Bevoelkerung, Steuere nmessigungeh und Ausweitung der Wirtschaft, sozialer und aerztlicher Fuersorge. Es ist bewundernswert, welch gr o ss e Wegstrecken er in seiner immerhin noch sehr kurzen Regierungszeit auf diesen Gebieten schon zurueckgelegt hat. POLITIK UND KRIEG Aber die Ruhe, um die Fruechte dieser Erfolge zu geniessen, die ist ihm nicht vergoennt. Denn inzwischen ist die amerikanische Aussenpolitik in eine tiefe Krise geraten. Und dies vielleicht, obwohl er Dean Rusk auf seinem Posten belassen hatte Mehr deutet aber darauf: weil er es getan hat. Unter Kennedy noch haette vielleicht “jemand wie Mc Ñamara” die brennendsten Probleme in Ordnung bringen koennen. Heute kann es vielleicht nur noch McNamara selbst, womit —so paradox es klingt— nicht unbedingt der Verteidigungs- Minister gemeint ist. Es koennte naemlich auch ein anderer sein, aber die Personalunion in der Leitung des Aussen— und des Verteidigungs — Ministeriumg muesste wohl der Auftakt fuer die neue Marschmusik sein, deren -Komposition Praesident Johnson nun schon nicht mehr laenger hinauszoegern kann. Dabei soll man sich ganz klar darueber sein, dass die gefaehrliche Krise, in der sich die amerikanische Aussenpolitik heute befindet, nicht von ungefaehr kommt, keineswegs mit Johnson und noch nicht einmal mit Rusk beginnt. Ihr eigentlicher Ursprung sollte vielleicht in der Zeit des Ersten Weltkriegs zu suchen sein, als ein idealistischer Praesident —Wilson— mit genialen weltverbessernden Ideen die USA. zum ersten Mal mit _ Aufgaben konfrontierte, füer die sein Land und seine Leute noch nicht reif waren Die drei republikanischen Praesidenten, die ihm folgten —Harding, Coolidge und Hoover— versuchten, das Land auf das Niveau ihrer eigenen provinziellen Mittelmaessigkeit zurue ckzuschrauben, was sie mit ihrem mittelbaren Nachfolger Eisenhower verbindet. G emeinsam ist ihnen auch, dass die gewaltigen Krisen, die sie durch ihre Unfaehigkeit heraufbeschworen, von zwei absolut genial zu nenn e n d e n demokratischen Staatsmaennern gemeistert wurden: Roosevelt und Kennedy. Und diesen wieder ist —ausser so vielen anderen Dingen, welche in diesem Rahmen zu analysieren zu weit fuehren wuerde— gemeinsam dass ihre Nachfolge von zwei anderen Demokraten angetreten wurde, die zum Segen fuer ihre Mitmenschen mehr praktisch als genial veranlagt sind, einen gesunden Menschenverstand haben und mit beiden Beinen auf der Erde stehen: Truman und Johnson. Natuerlich wiederh ölen sich keine Situationen auf so simple Weise, aber die nicht hinwegzuleugnende Analogie sowie der Druck der Notwendigkeit berechtigen doch zu einer Hoffnung: Dass es Johnson gelingen moege, sich in Fragen der Weltpolitik von den Traumgebilden des —das Wort sei wiederholt: genialen— Kennedy und dessen nicht immer genialen Mitarbeitern frei zu machen, so wie es dem einfachen Truman gelang, in Griechenland und Korea einige der Folgen der katastrophalen Ru s sl a n d —Politik des Sgenialen Roosevelt einzudaemmen. FATALE DUALITAET Dazu waere, wie gesagt, die Ernennung eines einzigen Mannes an der Spitze des Aussen— und Vertieidigungsdezernats ein erster wichtiger und richtiger Schritt. Fuer Clausewitz war der Krieg noch die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln. 150 Jahre spaeter ist diese Formulierung nicht mehr richtig. Sie ist weit mehr zugespitzt, dramatischer. Die Politik ist zum Kriege geworden und der Krieg zur Politik. Intuitiv hatte das die Mehrheit des amerikanischen Volkes verstanden, als sie zweimal hin- Kerefinanddr ¿inen General; ,”ium Praesidenten waehlte: die vernichtenden Urteile der Waffenkameraden ueber seine Taetigkeit als Krieger waren damals noch nicht veroeffentlicht und die Untaetiakeit als Maxime der P o 1 itik demonstrierte er erst, als es schon geschehen war. Und es war bestimmt der gleiche Gedankengang, der Praesident Johnson seinerzeit dazu bewog, den General Maxwell Taylor als Botschafter nach Saigon zu schicken, wobei es sich unserer Beurteilung .entzieht, ob der negative Ausgang dieser Initiative (denn bekanntlich ist nun Cabot Lodge nach dort zurueckgekehrt) auch auf ein Konto persoenlicher Unfaehigkeit zu buchen ist oder auf die Unentschlossenheit, das gleiche Kriterium djer Vereinheitlichung militaerisc her und politischer Strategie auf die hoechste ministerielle Ebene zu projizieren. Am anschaulichsten fuer die fatale Dualitaet des augenblicklichen Zus t a n d s sind wohl fuer uns die Beispiele aus unserer unmittelbaren und mittelbaren Umgebung. Das unmittelbare ist die Tragikomoedie des ‘^Camelot” — Projekts: eine vom Pentagon finanzierte sozialpolitische Un tersuchung, die in Chile durchgefuehrt werden sollte und deren Autor, sofern er nur einen Spionage-Roman auf eigene Rechnung geschrieben haette, ob seiner Stuemperei niemals einen Verleger haette finden koennen. Der ganze Plan hatte durch den Ausgang der Wahlen in Chile jegliche Aktualitaet eingebiiesst, was die verantwortlichen Generaele nicht daran hinderte, Millionen dafuer zur Verfuegung zu stellen. Das tollste an der Geschichte aber ist, dass entweder das Verteidigungsministerium es unterliess, das Aussenministerium zu informieren oder letzteres, den Botschafter in Chile: Tatsache ist, dass« dieser mit Recht entruestet protestierte,- dass die kommunistische Presse den Humbug zu einer Spionage—Affaire erster Ordnung aufbauschte und dass schliesslich Praesident Johnson selbst seine beiden Mitarbeiter in oeffentlichen Noten auffordern musste, EfchÄuss mit diesen Kindereien zu machen. SANTO DOMINGO Tragischer ist allerdings das andere Beispiel: Santo Domingo. Wie ist es moeglich, dass mehr als drei Monate nach dem Landen der Marine - Infanterie dort noch keine Loesung in Sicht ist? In manchen Aspekten muss man sich bei der Beantwortung dieser Frage auf Mutmassungen stuetzen, andere entsprechen einer allgemeinen Analyse der Tendenzen der amerikanischen Aussenpolitik, viele aber sind durch Tatsachen belegt. Legt man alle Steinchen vorsichtig zusammen, so ergibt sich folgendes Bild: Die Aufstaendischen wollten Ende April den rechtmaessigen und abgesetzten Praesidenten Bosch zurueckbringen. Bosch mag ein Phantast sein oder schwach —oder beides—, aber er ist kein Kommunist. Das lclgtische waere gewesen, den. Dingen ihren Lauf zu lassen. Haette Bosch nach seiner Reuckkehr zur Macht mit Catstro und Castristen gemeinsame Sache gemacht, so waere immer noch Zeit dazu gewesen, zu intervenien. Die Angst, es koenne dazu zu spaet werden, “wie in Cuba” ist unberechtigt. Kennedy MONATSSPIEGEL ist in Cuba zweimal gescheitert, nicht weil es zu spaet, sondern weil er von Skrupeln geplagt -war, fuer die in der heutigen Welt kein Platz ist. Am Tage, da Castros Groessenwahnsinn ihn dazu verleitet, wieder eine Konjunktur wie jene der russischen Raketen heraufzubeschwoeren, wird es wieder keineswegs zu spaet sein. Im Gegenteil: wenn die Vereinigten Staaten, wie es scheint, entschlossen sind, mit Waffengewalt das Entstehen einer zweiten kommunistischen Regierung auf dem amerikanischen Kontinent zu verhindern, so besteht die Gefahr vielmehr darin, dass sie zu frueh eingreifen. Bei all den sozialen Unruhen, Regierungswechseln und Umstuerzen bekaemen sie mehr zu tun, als sie bewaeltigen koennen. Aber ihr Botschafter in Santo Domingo hat zweifellos bereits am ersten Tag des Aufstands einen alarmierenden Bericht losgelassen. In Washington wurde dieser Bericht allzu kritiklos ievaluiert und Praesident Johnson entschloss sich zur Intervention. Wer nun glaubte, dass die Krise auf eine zwar wenig elegante, aber immerhin eindeutige Loesung zusteuerte, sah sich schwer enttaeuscht Auf die wahrscheinlich falsche, aber anscheinend energische Tat folgte eine fast unglaublich anmutende Serie von Halbheiten, Rueckzuegen und Unterlassungen, die bis zum Tage, an dem diese Zeilen geschrieben werden, andaluern. Dazu gehoert der Versuch der Bemaentelung der Intervention durchdie OEA —fuer den lateinamerikanischen Betrachtter fuer den er hauptsaechlich bestimmt ist. ohnehin sinnlos und mehr als fadenscheinig—, die Schaffung einer anruechigen Schattenregierung die mangelnde Unterstuerzung derselben, teilweiser Ruecjfczug der Truppen. die Duldung naralleler Verhandlungen mit Einmischung des Sicherheitsrates der UNO und andere Konsequenzen einer fast unerklaerlichen Unentschlossenheit. In dem in unserer vorigen Ausgabe abgedruckten Artikel des ehemaligen amerikanischen Botschafters in Aegvoten. John S. Badeau. auf den wir noch ausfuehrlicher zurueckkommen werden (*) kommen einige Konzepte zum Ausdruck. die den .Stehluessel bu diesem politischen und psychologischen Raetsel Liefern koennen. Sie beziehen sich zwat speziell auf den Nahen Osten, lassen sich aber im vorliegenden Rail ebenso anwenden. So begruesst der Autor die amerikanische Haltung in der Suez—Angelegenheit als i-inen praktischen Beweis ihrer Unparteilichkeit und warnt an anderer Stelle die Vereinigten Staaten ¡davor, das zu werden, “was Grossh ri lau nien einmal war. naemlich der Polizist der Welt”. Wen man nicht unparteilich ist —und wie koennten sie es ohne kollekt i v e Selbstmordgedanken sein?!— und gezwungenermassen Polizist spielt, dann muss man es ohne Komplexe tun. Vom moralischen Standpunkt aus laesst sich die Intervention in Santo Domingo ebenso wenig recht - fertigen wie die Einfahrt der russischen Tanks in Budapest- Der Unterschied liegt nicht in der Moral sondern im Grad der politischen Entschlossenheit: waehrend Ungarn wenig-e Wochen spaeter schon kaum noch ein propagandistisches, aber ganz gewiss kein politisches Fak tum mehr war, so wird es Santo Domingo mehr und mehr und in einem denkbar unguenstigem Sinne: als Belastung des Prestiges der USA, als Brutstaette des Kommunismus als Giftbrunnen fuer die Beziehungen innerhalb des Kontinents, als nicht mehr zu loeschende Hypothek auf der Zukunft der OEA. Fuer eine unmoralische Politik gibt’es nur eine Rechtfertigung: den Erfolg. Nicht die Moral, an die doch Keiner glaubt, nicht die Unpartei lichkeit .nicht die Ablehnung der Rolle des Polizisten, den man doch spielt: einzig und allein der Erfolg. Die Russen hatten Erfolg in Budapest und darauf kam es an- Nachdem sie einmal gelandet waren, durften sich die USA nicht mehr auf Diskussionen darueber einlassen ob das Karibische Meer fuer sie ein Mare Nostrum sein darf oder nicht. Sie hatten so gehandelt, ob es dies sei. Hatten Kennedys versprengte Ratgeber, die gleichen, die zweimal vor den letzten Konsequenzen in Cuba zurueckgeschreckt waren, noch, einmal Einfluss gewonnen? War es Rusk oder.dem Prae sidenten selbst aufgegangen dass Bosch und vielleicht selbst Caamano nicht der Kommunist ist, als den man ihn beschrieben hatte? War ihm vor seinen Imbert und Wessin mit Recht speiuebel geworden? Das kann kein Mensch wissen. Aber keine dieser Betrachtungen haette nun, da die Dinge bereits so weit gediehen waren, noch um sich greifen duerfen. Da zu war es diesmal wirklich zu .spaet. Und zu spaet war es auch, um den in diesem Fall ganz offensichtlichen Rivalitaeten zwischen Statte Department und Pentagon so freies Spiel zu lassen. Experten aller Aemter kamen und gingen; ElLsworth- Bunker, der Mann des State Denartment in der OEA, der General Cyrus Vance vom Verteidigungsministerium waren nur di? Prominentesten unter ihnen bis auch der engste Ratgeber des Praesidenten, Mac George Bundy, anscheinend nicht mehr sagen konnte, welcher von den vielen Kot— chen den karibischen Brei so bitter verdorben hatte. Das Exempel zeigt aber, dass ein einziger Kuechench-ef ernannt werden sollte. Und dass dieser, was noch viel wichtiger ist, nach ei nem klaren, einheitlichen und erprobten Rezept kochen muss. (Fwsetzimg Seite 10)

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