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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1965-07-01 · 7 (Julio, 1965) · p. Seite 21

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXVII (1965)
Issue
7 (Julio, 1965)
Date
1965-07-01
Page
Seite 21 (sequence 21)
Language
German
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JULIO 1965 BOLETIN INFORMATIVO 21 JDHN S. BADEAU DIE VEREINIGTEN STAATEN UND AEGYPTEN In dem nachfolgenden, teils woertlich, teils auszugsweise wiedergegebenen Aufsatz versucht der Verfasser, die Gruende fuer die wechselnden Beziehungen der Vereinigten Staaten zur Vereinigten Arabischen Republik (Aegypten) darzulegen. Der Verfasser, John S. Badeau, war frueher amerikanischer Botschafter in Aegypten und ist heilte Direktor des Near and Middle East Institute, Columbia University; von 1945—1953 war er Praesident der amerikanischen Universitaet in Kairo. Der Aufsatz erschien im Januar-Heft 1965 der "Foreign Affairs”. In seinem einleitenden Kapitel stellt der Verfasser die w e chselnden Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Vereinigten Arabischen Republik etwa seit den Tagen der ßuez-Affaere dar. Waehrend die Vereinigten : Staaten die ¡Massnahmen der Vereinten Nationen gegen das Suez-Unternehmen von England, Frankreich und Israel unterstützten und das Unternehmen zum Misslingen brachten, gaben sie damit, wie der Verfasser sich ausdrückt, “einen praktischen Beweis ihrer Unparteilichkeit in den Streitigkeiten im Mittleren Osten”. Diese Politik wurde dann von der Eisenh owe r-Administration mit der Wiedereinführung wirtschaftlicher Hilfe gestützt. Merkwürdigerweise erwaehnt der Verfasser in diesem Zusammenhang nicht den schweren Fehlschlag der Politik des früheren Aussenminister Dulles, hinsichtlich der Beihilfe zur Errichtung des Aswan-Dammes, einer Politik, die Sowjetrussland die erwünschte Gelegenheit gab, sich in grossem Stil anstelle der Vereinigten Staaten im Mittleren Osten festzusetzen. Er bezeichnet den g e s unden wirtschaftlichen Fortschritt Aegyptens als wünschenswertes amerikanisches Ziel. Es wird dargestellt, dass ein kulturelles Abkommen im Jahre 1962 abgeschlossen wurde, dass ferner nach 11-jaehrigen Verhandlungen im Jahre 1963 ein “Investment Guarantee Agreement” mit den Vereinigten Staaten zur Anregung und zum Schutz amerikanischer Geschaefts-Interessen in Kraft trat. Als Folge zeigte sich ein maessigender Einfluss Aegyptens auf die extremeren Kraefte in Afrika und Asien, und die aegyptische Presse begann, ein annaehernd objektives, manchmal sogar sympathisches Bild der amerikanischen Politik zu geben. Die gegenwaertige Krise in den Beziehungen zwischen den beiden Staaten wird von dem Verfasser folgenderart dargestellt: “Es ist eine Vertrauenskrise, die laufend die amerikanischen Bfeziehungen mit der U.A.R. bedroht. Obgleich die Gegenseitigkeit der Interessen fortgesetzt besteht, fragen sich die Vereinigten Staaten, ob sie im Lichte der kürzlichen Ereignisse der U.A.R. vertrauen können, einem vernünftigen Kurs der Kooperation dauernd zu folgen —oder ob sie vitale amerikanische Interessen ln der arabischen Welt je nach ihrer Laune schaedigen wollen. Und kann die U.A.R. sich darauf verlassen, dass die Vereinigten Staaten ihren gegenw&ertigen Kurs fortsetzen —oder könnte der erratische Wind wechselnder Administrationen und Wahlmanöver die amerikanische Aussenpolitik von ihrem Kurse abbringen? Es ist der .Zweifel über diese Fundamente der amerikanisch-aegyptischen B e z iehungen, der eine Krise zwi schen den beiden Nationen hervorgerufen hat. BEIDE STAATEN SIND NERVOES Ein Grund .für solche Zweifel ist der tatsaechliche Erfolg der kürzlichen Politik. Jede von den Parteien glaubt sie spiele nunmehr eine bedeutende Rolle im nationalen Interesse des anderen —eine Rolle, in welcher die “Faehigkeit, zu verwunden” gross ist. Amer ikanische Nahrungsmittel bilden einen massiven Beitrag zum Wohlergehen Aegyptens und sie sind ein Hilfsmittel, auf dem das nationale Budget der U. A. R. laufend basiert ist. Waehrend das Land ohne diese Nahrungsmittel auskommen koennte (wie die Nach wehen von ßuez zeigen), würde die Zurückziehung unserer Nahrungsmittelverkaeufe trotzdem ein ernstes wirtschaftliches Problem aufwerfen. Weiterhin beeinflusst die Haltung der Vereinigten Staaten die Regierungs- und privaten Kreditquellen in westlichen Laendern, von denen die U.A.R. im Zusammenhang mit der von ihr dringend benötigten Hilfe in fremder Waehrung abhaengt. So ist die U.A.R. nervös über alles, was einen plötzlichen Wechsel in der amerikanischen Politik bedeuten könnte und sie prüft sorgfaeltig und mit Misstrauen jede amerikanische Kundgebung. Aber die Vereinigten Staaten sind ebenfalls nervös was Aegypten anbetrifft. Die U. A. R. und ihr Praesident sind die einzige wirklich machtvolle Kraft in der arabischen Welt. Mit der grössten und aufs modernste ausgerüsteten arabischen Armee, dem staerksten Propaganda-Apparat und einer ungehinderten Anziehungskraft auf arabische Massen, hat Praesident Nasser ein Potential, das von keiner Nation ausser Acht gelassen werden kann, die Interessen im Mittleren Osten hat. Er hat die Macht, amerikanische Interessen in erheblichem Masse zu schaedigen — wie die Antwort auf seine Forderung nach der Liquidation der amerikanischen Luftbasis in Lybien zeigte. Es ist nicht einfach eine Frage der Macht oder der Ambition; Nasser verkörpert die sozialrevolutionaeren und politisch zur Selbstbestimmung draengenden Kraefte, die in den meisten Laendern des Nahen Ostens am Werke sind. Wenn diese .Kraefte, unter dem Zauber der Führung Nassers, gegen amerikanische Interessen in Lybien, Jordan und Saudi-Arabien aufgehetzt werden, können sie sehr viel Unheil anrichten, selbst wenn sie die Position der Vereinigten Staaten endgültig nicht total , zerstören könnten”. Nach dieser fast dramatisch anmutenden Schilderung der Gründe des Misstrauens zwischen den beiden Laendern geht der Verfasser dazu über, die einzelnen Stadien der Entwicklung zu analysieren und kommt zu dem Schluss, dass in weniger als einem Jahrzehnt die Vereinigten Staaten vier verschiedene politische Wege gegenüber Aegypten beschritten haben, was bei den Aegyptern den Eindruck hervorrief, dass amerikanisch^ A k t i onen unvorhersehbar seien, nicht auf klaren Prinzipien aufgebaut — tatsaechlich nicht einmal auf einem bestaendigen Gesichtspunkt hinsichtlich der eigenen Interessen A m e r i kas. “Was Grossbritannien einmal war, sind die Vereinigten Staaten nunmehr geworden — der Polizist der Welt”, das ist das Gespenst der amerikanischen Macht im Mittleren Osten. Ein anderer Faktor ist der Verdacht — so stellt der Verfasser weiter fest — dass die Vereinigten Staaten zu oft im Bunde sind mit den Kraeften des “Imperialismus und Neo-Kolonialismus”. Diese Identifikation mit dem Imperialismus wird von den Aegyptern besonders in den Interessen und Assoziationen der Vereinigten Staaten mit den arabischen Regierungen gesehen, die für diese als “reaktionaer” gelten. Die Betrachtungen über dieses Pro blem kulminieren in der folgenden Zusammenfassung: DER BRENNPUNKT: DIE FRAGE ISRAELS “Diese Ursachen des Misstrauens werden durch das Problem in den Brennpunkt gerückt, das unsere Bezie hungen zur arabischen Welt ununterbrochen und heftig bedraengt — die Frage Israels. Es gibt viele Aspekte zu dieser verwirrenden Affaere, aber soweit sie die amerikanische Aussenpolitik betrifft, ist das Herz der ganzen Angelegenheit der Glaube der Aegypter (und der meisten der übrigen Araber) dass Israel eine Veto-Macht in der amerikanischen Politik gegenüber der arabischen Welt ausübt. Welches Verstaendnis der Realitaeten des arabischen Lebens es auch in amerikanischen Kreisen geben mag und wie konsequent den amerikanischen Interessen bei einer mindestens un parteiischen Politik den Arabern gegenüber gedient werden mag, der Aegypter ist überzeugt, dass wenn es darauf ankommt, Israel und seine Verteidiger die Staaten zwingen können, ihre Interessen in den Vordergrund zu schieben. Daher glaubt der Aegypter, dass keine ausg e w o g e ne amerikanische Politik gegenüber den Arabern von Dauer sein kann. Früher oder spaeter würde sie den israelischen Interessen zuwiderlaufen, und wenn dieser Fall eintritt, würde die Regierung der Vereinigten Staaten nicht die Macht haben, an ihrem Kurs festzuhalten”. Der Verfasser geht dann dazu über, die Reaktionen der Amerikaner auf die aegyptische Politik aufzuzeigen. Er zaehlt fünf Zwischenfaelle auf, die in den letzten zwei Jahren Amerika besonders erregt haben: Aegyptens Unterstützung des Staatsstreiches im Yemen, die mit einer bescheidenen Hilfe für die Republikaner im Yemen begann und mit der vollen militaerischen Besetzung des Landes endete; die Lieferung aegyptischer Waffen .und Techniker an Algerien in seinem Grenzstreit mit Marokko; die Lieferung von leichten Waffen an die Regierung von Zypern und der warme Empfang von Erzbischof Makarios in Kairo, die beide zeigten, dass es der U.A.R. mehr darauf ankommt, Unruhen zu fördern, anstatt sie zu besaenftigen; der vierte und vielleicht ernsteste Zwischenfall war die Forderung Nassers auf Beendigung der Rechte der englischen und amerikanischen Basen in Lybien; und der fünfte, die fortgesetzte aegyptische Kampagne gegen die Südarabische Föderation (Aden) und die britische Schutzmacht. Alle diese Faelle bestaetigen die amerikanische Meinung, dass die U.A.R. sich stets in die Angele genheiten anderer Laender mischt. Badeau beschaeftigt sich dann mit der Staence und der Ausrüstung der aegyptischen Armee, die er als die staerkste und am besten ausgerüstete in der arabischen Welt bezeichnet, und mit der weitreichenden aegyptischen Propaganda; er meint dazu dass dies alles sehr viel Geld koste. Aber die Hauptsache sei, dass Aegypten es sich nicht leisten könne, die Rolle der dominierenden Macht in diesem Gebiet zu spielen und zugleich seinen inneren Kampf gegen Ignoranz Armut und Rückstaendigkeit zu gewinnen. Das amerikanische Misstrauen gegen , die U.A.R. werde auch genaehrt durch die Tatsache der fortdauernden Konzentration der politischen Macht in den Haenden Einzelner. Wenn es sich auch nicht um einen Polizeistaat nach dem vollen Miuster in kommunistischen Laendern handle, so habe das persönliche Regime doch eine tiefe Wirkung auf die Gesellschaft, es bestehe eine Atmosphaere unvorhersehbarer Aktionen und begrenzter Freiheit. Und nun faehrt der Verfasser fort: NASSER UND DIE KOMMUNISTISCHE WELT “Dieser .Verdacht steht in Beziehung zu einer anderen amerikanischen Frage an die U-A.R., naemlich über ihre Beziehungen zu der kommunistischen Welt. Die extremere Feststellung, dass Nasser mindestens ein Crypto-Kommunist ist, und dass Aegypten tatsaechlich, wenn auch nicht auf eigenen Wunsch, ein kommunistischer Satellitenstaat ist, kann als s c h 1 e cht informiert und “wishful thinking” abgetan werden. Aber welches auch immer ihre Intentionen seien die U.A.R. hat, wie die Amerikaner es sehen, sich gefaehrlicherweise in die ¡Gefolgschaft des Sowjetsystems begeben. Die aegyptische Armee ist von Kopf bis Fuss mit Sowjet-Waffen ausgerüstet. Das macht die Nation gaenzlich abhaengig vom guten Willen der Sowjets, was die Lieferung von Ersatzteilen und Nachlieferungen anbetrifft. Tatsaechlich gibt das Monopol der Sowjets auf das Hauptmachtinstrument .des aegyptischen R e g i m es — naemlich auf die militaerische Macht — den Russen ein absolutes Vetorecht auf gewissen Gebieten der aegyptischen Politik, wenn es ihnen wert erscheint, es zu gebrauchen. ... Schliesslich bleibt Israel. Von Kenntnis und gefühlsmaessigen Bindungen aus gesehen erstreckt sich die Haltung des Amerikaners von der Betrachtung Nassers als des Drachens, der Israel verschlingen will, sobald er nur stark genug ist, bis zur nüchternen Erkenntnis, dass die fortgesetzte Feindseligkeit der U.A.R. Israel gegenüber der Schlüssel zur arabischen Haltung ist, die auch eine noch so entfernte Möglichkeit von Friedens-Diskussionen zu erwaegen ablehnt. Und diese Tatsache beeinflusst, viele Amerikaner, die keineswegs Vorkaempfer Israels sind. Insoweit als der arabisch-israelische Disput eine andauernde Quelle der Spannugn und des Konflikts darstellt, bedeutet das Fehlen einer Lösung eine dauernde Bedrohung der Ruhe, des Fortschrittes und der Stabilitaet des Mittleren Ostens. Viele Amerikaner wünschen eine Lösung, nicht weil sie die Araber oder Israel begünstigen, sondern weil sie der Alarme und Unternehmungen vollstaendig überdrüssig sind, die periodisch die Welt in Unbehagen versetzen. Wenn die U.A.R. ihre Führerschaft in der arabischen Welt für eine gradweise Annaeherung an Israel ausüben wollte, würde jedermann leichter atmen”. (Fortsetzung Seite 22)

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