Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXVII (1965)
- Issue
- 7 (Julio, 1965)
- Date
- 1965-07-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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JULIO 1965 BOLETIN INFORMATIVO 11 MARTIN BUBER - EIN LEBEN IM DIALOG Unerwartet erreicht uns die Nachricht vom Hinscheiden dieses Meisters in Israel. 87 begnadete Jahre wurden ihm geschenkt. Wer ihm in seinem Leben begegnet ist, dem bleiben diese Stunden unvergessen. Ich erinnere mich jenes Tages, an dem Martin Buber vor den Hoerern des Breslauer Rabbiner-Seminar sass, um an dieser historischen Staette — es war wohl im Jahre 1935 — einen Vortrag zu halten. Er fragte uns, worueber er sprechen sollte. Einer der Hoerer bat ihn, sich ueber seine Stellung zum juedischen 'Religionsgesetz zu aeussern. Sehr zoegernd, ja widerwillig, kam er diesem Wunsche nach. Darueber koenne er nur in einem sehr Kleinen Kreis sprechen, in dem ein Dialog moeglich waere. Aber schliesslich rang er sich durch. Da sprach der Buber, den Franz Rosenzweig zur Stellungnahme ueber das Gesetz herausgefordert hatte. Er hatte “auf diese Herausforderung direkt und privat nur sehr kurz reagiert”. (Ernst Simon, “Martin Buber und das deutsche Judentum” in dem Sammelwerk “Aufstieg und Krise” S. 77). Ich erinnere mich nicht mehr an die Einzelheiten seines Selbstgespraeches. Ich weiss nur noch, es war eine aufwuehlende Stunde. Redner und Hoerer verstanden sich nicht. Seine Reaktion war die eines tief in der Seele verwundeten Denkers. Er spuerte, dass unverstanden blieb, was ihm Herzensanliegen war. Vor allem waren es Kollegen aus dem Osten, denen seine Gedankengaenge fremd blieben. Uns war jedoch Buber in seinen Schriften schon frueher begegnet. Was wussten wir jungen Studenten von Martin Buber? Am 8. Februar 1878 in Wien geboren, kam er mit 3 Jahren zu seinen Grosseltern nach Lemberg. In der Hauptstadt Galiziens stiessen die damals wichtigsten Stroeme juedischen Geisteslebens aufeinander: Chassidismus, Rabbinismus (Mitnagdim) und Haskala. Der Grossvater, Salomon Buber, war selbst eine ueberragende Persoenlichkeit der Haskala, die sich in die Welt des Midrasch vertiefte und viele Werke veroeffentlichte. Dort begegnete Martin Buber zum ersten Mal einer ihm ganz neuen Welt: Dem Chassidismus in der Auspraegung der Sadagorer Chassidim. Dann ging er mit 18 Jahren auf die Wiener Universitaet. Sein Studienprogramm zeigt schon die Weite seiner Interessen: Philosophie, Literaturgeschichte, Kunstgeschichte, Psychologie und Nationaloekonomie. In diesen Jahren entfremdete er sich dem Judentum. Aber durch die entstehende zionistische Bewegung kam er ihm aufs Neue nah. Auf dem 3. Zionistischen Kongress nahm er 1899 zum ersten Mal das Wort. Schon damals ging es ihm nicht um “das Programm einer Partei, sondern das ungeschriebene Programm einer Bewegung”. Zu seinem 60. Geburtstag schrieb im Jahre 1938 Hugo Bergmann, der Professor fuer Philosophie an der Hebraeischen Universitaet von Jerusalem in der “Juedi- Von Rabbiner Egon Loewenstein sehen Rundschau”: “Mit gluehenden Wangen haben wir jungen Menschen um 1900 seine Aufsaetze in der “Welt” gelesen. Von dort ertoente sein Ruf: “Wir sehen das Wesen und die Seele der Bewegung in der Umgestaltung des Volkslebens”. Seit damals sprach er stets sein Wort, auch dann, als er nicht mehr aktiv in der zionistischen Bewegung taetig war’.’ Wieso konnte Martin Buber gerade in jenen Jahren der Jahrhundertwende auf eine breite Schicht der juedischen Intelligenz einwirken? Es war die Zeit in der Rabindranat Tagore den Nobelpreis erhielt. Klabund dichtete Li Tai Pe und das Tee-Buch war ein Bestseller. Man genoss Tolstoi und Dostojewsky. Vor diesem Publikum würde durch ihn der Chassidismus fiuer Westeuropa emanzipiert. Dem fortschrittseeligen juedischen Buerger erschien die Welt in einem rosigen Licht. Mitten hinein in diese scheinbare Sicherheit wagte es ein Jude in Februar 1912 zu rufen: “Wir leben im Chaos. Doch wir fuehlen, dass wir nicht zu sterben brauchen, dass wir noch nicht sterben koennen, weil unser Geist noch die Gewalt zu neuer Schoepfung hat”. Diese Worte sprach Martin Buber in einer Zeit in der es schien, als ob sich die Emanzipation des Westjudentums vollzogen hatte. Nicht zuletzt schien er selbst der hervorragendste Repraesentant dieser Emanzipation zu sein. Er, ein west-oestlicher Jude, bezeugte das Ostjudentum vor der westlichen Welt”, nach der so treffenden Formulierung Ernst Simons. Damals moegen viele seine Werke mit aesthetischem Snobismus gelesen haben, ohne sich durch ihn ernsthaft verpflichtet zu fuehlen. Von 1923-1933 hatte er einen Lehrstuhl fuer Religionswissenschaft in Frankfurt am Main inne. Auf dem 12. Zionistischen Kongress im Jahre 1921 in Karlsbad, dem ersten nach der Balfour-Deklaration nahm er zum Araberproblem in Palaestina Stellung. Schon damals ist sein Ideal die Sicherung eines freundschaftlichen Einvernehmens mit den Arabern, ja, eine umfassende bruederliche Solidaritaet. Wir sollen eingedenk bleiben, dass wir ein semitischer Stamm sind und Palaestina ein vorderasiatisches Land ist. Aber 1938 sollte Hugo Bergmann schreiben: “Buber ist bis heute Palaestina fremd geblieben”. Dagegen erfuhr sein Wirken den Hoehepunkt in den Jahren des Untergangs des Judentums in Deutschland. In dieser Schicksalsstunde half er, die “Autoemanzipation” zu vollziehen. Seine Formulierung des Zionismus und Wiederentdeckung des Chassidismus liess viele die Unmittelbarkeit juedischen Lebens wiederfinden. Inmitten des Zusammenbruchs wies er den Weg zum Dialog mit Gott, Welt und Mensch, und als Sonderfall des Menschen, mit dem Juden. In der “Mittelstelle fuer juedische Erwachsenenbildung” wurde 1933 von ihm der geistige Widerstand des deutschen Judentums gegen die nationalsozialistische Tyrannei gegruendet” (Ernst Simon). Zum Kern dieses lehrenden und lernenden Widerstandes wurde immer mehr die Lehre selbst, die Heilige Schrift, deren Uebersetzung er zusammen mit seinem Freund Franz Rosenzweig vorgenommen hatte. So wie am Anfang dei Emanzipation die Mendelssohnsche Bibeluebersetzung steht, gehoert diese zum Abschluss dieser Epoche. Ihm war in diesen Jahren die schwere Aufgabe zuteil geworden, den moralischen Wirrwar zu klaeren, Illusionen zu zerstoeren, die altneuen Werttafeln aufzurichten. Er suchte das schier Unmoegliche zu vollbringen, die immer mehr zunehmende Entrechtung durch innere Haltung zu ueberwinden. Im April 1933 sagte er den Juden in Deutschland: “Wenn wir unser Selbst wahren, kann nichts uns enteignen. Wenn wir unserer Berufung treu sind, kann nichts uns entrechten. Wenn wir mit Ursprung und Ziel verbunden bleiben, kann nichts uns entwurzeln und keine Gewalt der Welt vermag den zu knechten, der in der echten Dienstbarkeit, die echte Seelenfreiheit gewonnen hat”. (“Die Stunde und die Erkenntnis”, 1936, S. 15). Es gab und gibt viele, die die Berufung Israels anders verstehen als Martin Buber Aber was er in jenen Jahren seines Lebens als Erzieher gewesen ist, bleibt in der Chronik des Weltvolks Israel fuer immer eingemelsselt. 1938 ging er nach Palaestina an die Hebraeische Universitaet Jerusalem. Dort hat er noch oft seine. Stimme erhoben und viele Schriften und Buecher herausgegeben. Er wurde zum Repraesentanten des ewigen Israels vor der Welt des Geistes. Ich erinnere mich eines Kollegs, das unser unvergesslicher Lehrer Isaak Heinemann im Sommersemester 1935 ueber den juedischen Religionsphilosophen des Mittelalters, Gaon Saadia, gehalten hat: “Vergleichen wir eine Abhandlung Saadias in ihrem Ton mit einer Abhandlung von Martin Buber. Koennten Saadias Saetze bei Buber bestehen? Auch Buber argumentiert. Er will nicht ueberreden, sondern ueberzeugen. Ist die Art Saadias zu ueberzeugen auch die Art Bubers? Saadia ueberzeugt durch Logik. Er loest die Religion in ein Rechenexempel auf. Dagegen ist bei Buber etwas vitales vorhanden, was der Ratio widerstrebt. Die Lebensstimmung Saadias ist so klar, so nuechtern so durchsichtig. Sie ist wie die Freude an einem kuehlen Trunk an einem heissen Tage, der uns erfrischt. Bei Buber ist es die Freude an einem Wein, der uns erfrischt und erwaermt zugleich. Gut moebl. Zimmer mit Fruehstueck und Telefon, gute Lage 2ii vermieten. Anfragen Tel.: 254970 Wohl kaum ist je die Stellung Bubers in der juedischen Welt des Geistes eindeutiger formuliert worden. Er gehoert nicht in die Reihe der grossen Rationalisten, die mit Saadia beginnt und in Hermann Cohen ihren Hoehepunkt und zugleich —nach Franz Rosenzweig— ihren grossen Ueberwinder hat. Die dialogische Welt Bubers beginnt mit Jehuda Halevy und Schlomo ib Gabirol und wird hoffentlich in der Wirklichkeit Israels weiterleben. Sein Dialog fuehrte ihn zum religioesen Sozia lismus, als der Verwirklichung der gerechten Gemeinschaft der Menschen im Dienste Gottes. Sein Aufruf an Israel war, die Urzelle einer wahren Mens chengemeinschaft zu werden, die der Welt zum Vorbild der Loesung ihrer menschlichen und sozialen Probleme als Diener Gottes wird. Buber selbst wird nicht mehr sprechen. Umso lauter soll die Stimme seines Werkes vernehmbar bleiben und verwirklicht werden. AUS DER ISRAELISCHEN PRESSE DIE POLITISCHE AUSRICHTUNG DER ISRAEL-PRESSE Regierurigskoalition: DAVAR, Histadruth, pro-Mapai: JERUSALEM POST, unabhaengig, pro-Mapai; LAMERCHAW Achduth-Awoda: HAZOFE, Nationalr-Religioes: OMER, Histadruth. Opposition: CHERUTH, Revisionisten: HAAREZ. unabhaengig, pro-Liberal: HABOKER, Liberal; AL HAMISCH- MAR, Mapam; KOL HAAM, Kommunisten; SCHEARIM, Poale Agudat Israel; HAMODIA, Agudat Israel. DR. GOLDMANNS ERKLAERUNGEN ZUR LAGE DER JUDEN IN DER U.R.S.S. Haboker wendet sich scharf gegen die Auffassung, welche der Praesident der Zionistischen Weltorganisation und des Jüdischen Weltkongress, Dr. Nahum Goldmann, über die Behandlung der Lage der Juden in der Sowjetunion öffentlich verkündet hatte. (Siehe: “El pueblo judio ante la URSS”). Die Zeitung stellt fest, dass Goldmanns Auffassung, man müsse sich der Sowjetunion in dieser Frage weit ruhiger gegenüber verhalten und in stiller Einzeldiplomatie versuchen, Fortschritte zu erreichen, weil man sonst den Juden nur schade, völlig unrichtig sei. Gerade in einer Zeit, in welcher alle bedeutsamen jüdischen Institutionen und Organisationen in klarer und unmissverstaendlicher Form für die sowjetischen Juden und die Besserung ihrer Situation eintreten, streut Dr. Goldmann mit solchen Erklaerungen Sand in das Getriebe, das zweifellos gewisse Erfolge zeitigt. Cheruth aeussert sich in demselben Sinne, bringt allerdings die Gründe und Stellungnahme noch haerter heraus. Die Zeitung stellt fest, dass es für den Presidenten der Zionistischen Weltorganisation und des Jüdischen Weltkongresses nicht angebracht sei, derartige Erklaerungen abzugeben, da damit die Lage der Juden in der Sowjetunion nicht gebessert wierde. Wenn überhaupt das Ziel, naemlich die wirkliche nationale Gleichberechtigung der Juden in der Sowjetunion und die Oeffnung der Tore dieses Landes zur Alijah seiner Juden nach Israel jemals erreicht werden könne, so nur durch klare und immer wieder einsetzende Kritik an der negativen Lage, in welcher sich die Juden dieses grossen Landes befinden. Jeder andere Weg ist nur dazu geeignet,'Schaden anzurichten. Jérusalem Post drückt sich zwar reservierter aus, ist aber ebenfalls der Ansicht, dass nicht durch die Unterdrückung jeglicher Kritik an der Regierung und den Behörden der Sowjetunion angesichts ihrer Haltung den Juden ihres Landes gegenüber eine Besserung der Lage der sowjetischen Judenheit erreicht werden kann, sondern sicherlich nur dadurch, dass man sich in jeder Hinsicht bemüht, die Einstellung und Massnahmen der Behörden den Juden in der Sowjetunion gegenüber einer weltweiten öffentlichen Analyse und Kritik zu unterziehen. Hamodia ist die einzige Zeitung, die sich völlig mit den Ansichten Dr. Goldmanns identifiziert und feststellt, dass er die Meinung der Agudat Jisrael ausgesprochen hat. Nur durch eine völlig stille Diplomatie ist es, nach Ansicht des Blattes, möglich, den Juden in der Sowjetunion zu helfen; nur wenn man alle Vorsicht walten laesst, kann eine wirkliche Besserung der Lage erreicht werden. Der augenblickliche Weg des Laermes führt, wie die Zeitung meint, in jedem Falle zu einer Verschlechterung der Lage der Juden in Russland und ist deshalb in jeder Hinsicht abzulehnen.