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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1965-07-01 · 7 (Julio, 1965) · p. Seite 9

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXVII (1965)
Issue
7 (Julio, 1965)
Date
1965-07-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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JULIO 1965 BOLETIN INFORMATIVO 9 Schatten lieber dem “ 11 Von Dr. Abner Nechushtan, Tel-Aviv SONDER-BEKKH? Das Ministerium fuer Handel und Industrie, das fast zwei Jahre lang von Finanzminister Pinchas Sapir “Nebenamtlich” verwaltet worden war, erhielt endlich einen eigenen Herrn mit dem gleichfalls zur sozialdemokratischen Mapai gehoerenden Ch. Zadok, einem Anwalt nach seinem “Ausgangsberuf. Und schon* weil er als Ausnahme, die die Regel bestaetigt, nicht aus dem Kreis der gewerkschaftlichen Funktionaere hervorgegangen ist, atmeten Unternehmer, Grossisten usw. in der Hoffnung auf, kuenftig nicht mehr so wie bisher ans Gaengelband obrigkeitlicher Eingriffe in ihre Preis—, Produktions— und Absatzpolitik genommen zu werden. Gegen Herrn Sapir war es fast unmittelbar vor dem Amtsantritt des neuen Ministers denn auch foermlich zu einem Aufstand der Industriellen auf ihrer letzten Generalversammlung gekommen, die der bisherigen Verbandsfuehrung erbittert vorwarf, sich gegen seinen “planwirtschaftlichen Sozialimus” nicht ¡hinreichend zur Wehr gesetzt zu haben, und zu ihren neuen Wortfuehren Fabrikanten und S y n d icl freiwirtschaftlicher Auffassungen aus dem Lager des bürgerlichen Rechtsfluegels gewaehlt hatte. Wie mit einigem Recht auf dieser Tagung dargelegt worden war, sei die Industrie von der Regierung so rigoros gezwungen worden, die Verteuerung der Erzeugungskosten einschliesslich saemtlicher Lohnzulagen der Arbeiter zu uebernehmen, dass die Gewinnraten fast ausnahmslos an die Grenze der Rentabilitaet zurueckgegangen seien. Welches Paradox einer von Sozialisten geleiteten, weltanschaulich also gegen jeden “unproduktiven Zwischenhandel” eingenommenen Wirtschaftspolitik: "verdient hatten in Wirklichkeit nur der Finanzsektor und vor allem die Dienstleistungszweige. Doch wenn die Industriellen hoffen, besser bei Herrn Zadok aufgehoben zu sein, der in seiner Partei freilich als Verfechter eines nuechternen, von planwirtschaftlichen Neigungen erheblich freien Standpunkt gilt, so haben sie ihre Rechnung offenbar ohne David Horowitz gemacht, den Praesidenten der “Bank Israel”, der Staatsbank. IMPORTUEBERSCHUSS ALS SCHRAUBE OHNE ENDE An erster Stelle befand sich unter den Aktenstoessen, die der neu ernannte Minister fuer Handel und Industrie auf seinem Schreibtisch vorfand, zweifellos der Uebersiohtsbericht, den der Bankpraesident — reichlich verspaetet— beinahe in der Woche der Ernennung Zadoks, gegen Ende Mai, zur Entwicklung der israelischen Wirtschaft im Jahre 1964 veroeffentlicht hatte. Zwar stiegen, wird dort mit Befriedigung festgestellc, das Nationalprodukt und parallel dazu das sog. Bruttosozialprodukt im vor igen Jahr um je etwa ein Zehntel des Volumens von 1962/ 1963 weiter an; und dank der unverminderten Prosperitaet, deren Nutzniesser weite —wenn auch nicht durchgaengig saemtliche— Bevoelkerungsgruppen sind, konnten die ueberschuessigen Arbeitskraefte derart absorbiert werden, dass die Zahl der Arbeitslosen (1962 : 3,8%, 1963: 3,4%) im Berichtsjahr auf 3,3% gefallen war. Aber —das “Loch” im Aussenhandel, zwischen Exporten und Einfuhren, ueberschritt 1964 mit 528 Millionen Dollar zum ersten Mal die ominoese Spanne einer halben Dollarmilliarde, nachdem das Defizit der Handelsbilanz ein Jahr vorher immerhin nur 404 Millionen Dollar betragen hatte. Es haette damals. 1963, ohne die im Februar 1962 vorgenommene Abwertung des Israelpfundes etwa 40 Millionen Dollar mehr im Hinblick darauf betragen, dass sich die Warenausfuhren von 1953 an jeweils um 18, die Importe aber um nur 11% gesteigert hatten. Doch war die Gleichsetzung von drei Israelpfund mit dem Dollar, die dem Export im Jahre 1963 noch zugute gekommen war, auf das naechste Jahr, 1964, eben schon ohne Fernwirkung gewesen. So Herr D. Horowitz in seiner Rueckschau. Er fuhr etwa fort: Die voruebergehende Verkleinerung des “Handels- Defizits” in zwei aussenhandelsstatistisch relativ “guten” Jahren, 1962 und 1963, hatte dazu gefuehrt, die Devisenreserven der Banken in jenen 24 Monaten um 200 Millionen Dollar anschwellen zu lassen. Zum Vergleich —seit 1959 hatten sie sich im Jahresdurchschnitt um jeweils nur 80 Millionen Dollar gesteigert. Das Quantum der umlaufenden Zahlungsmittel war im Ergebnis der entsprechend erhoehten Devisen-Umwechslungen deshalb bis Ende 1963 um ein praezedenzloses Mehr von nicht weniger als 66% angeschwollen. Und nun: wie in einen Circulus vitiosus regte die dergestalt erhoehte Geldfluessigkeit (von der Inflation ganz abgesehen) die Einfuhr sowohl von Fertigwaren und Konsumguetern wie von Rohmaterialien und Halbfabrikaten an, die zur Hers tellung inlaendischer Gebrauchsartikel benoetigt werden. Die Erzeugungskosten dieser, und dann wie ueblich saemtlicher Produktions — und Verbrauchsgueter zogen daraufhin so an, dass die Faehigkeit der einheimischen Industrie in Mitleidenschaft gezogen wurde, auf den Weltmaerkten zu k o n k u r r i eren. Ueberdies blaehte die Plethora des Zahlungsmittelumlaufs die Kaufkraft und damit den hiesigen Preisstand so auf, dass die Fabrikanten es auch deshalb vielfach vorzogen, ihre Waren auf den hiesigen Maerkten abzusetzen, auch wenn sie an sich fuer die Ausfuhr bestimmt waren. Waehrend sich die im Export erzielten Preise 1963 und 1964 durchschnittlich nur um je 1,5% erhoehten, verbesserten sie sich im Inland voriges Jahr um weitere 4%, nachdem die Erhoeliung im Jahre 1963 bereits 8% betragen hatte. Es nimmt unter diesen Umstaenden - so der Staatsbankpraesident - nicht Wunder, dass sich die Stundenloehne der Arbeiter im vorigen Jahr, seinem Berichtsjahr, ungeachtet des um 120 Millionen Dollar gestiegenen “Lochs” der Handelsbilanz, nominal wieder ebenso um 11% erhoehten, wie es 1963 bei einem weit weniger unguenstigen Stand des Aussenhandelsdefizits der Fall gewesen ist. Bei Zugrundelegung des Index der Leta e n s h altungskosten, also real, steigerten sie sich um Immerhin 5,6%. Ebensowenig konnte es ausbieiben, dass der Zuwachs des privaten Konsums 1964 die Nettoeinnahmen — nach den Steuerabzügen — zum ersten Mal seit laengerer Zeit ueberstieg, waehrend die allgemeine Sparbewegung zugleich ruecklaeufig wurde. DIE STAATSBANK IM GEGENANGRIFF Um dem fatalen Aufeinander von Importerhoehungen, anschwellender Geldfluessigkeit und entsprechenden in- 1 a e n d ischen Absatzsteigerungen auf Kosten des Exports mit bankpolitischen M i 11 ein entgegenzutreten, sorgte der Chef der “Bank Israel” seit dem letzten Jahre noch drastischer als vorher insbesondere dafuer, den Kreditmarkt einzuschraenken. Zwar konnte die Staatsbank nicht umhin, wie sein letzter Bericht ausweist, auch 1964 eine Erweiterung der Industrie— und Handelskredite um 86 Millionen Israelpfund zuzulassen; aber das fiel kaum ins Gewicht beim Vergleich mit den im gleichen Jahr aus dem Ausland gekommenen Kapitalzufluessen, insgesamt 600 Millionen Dollar an Investitionen und auch an Einnahmen durch israelische Staats anleihen und durch Spenden. Erwaehnenswert ist hier uebrigens, dass die Regierung nur wirklich produktive Kapitalanlagen auslaendischer Investitoren gestattet. Dass sich diese Anlagen —in erster Linie durch ameri kanisch-juedische Geschaeftsleute — von 1963 zum Vorjahr dennoch nur von 125 auf 120 Millionen Dollar senkten, erklaerte der B a n k p raesident mit der unaufhaltsamen wirtschaftlichen Expansionskraft des Landes, die von Luecken und Verschlechterungen der Handels — und Zahlungsbilanz nicht beeintraechtigt werden koenne. (Doch rechnet er fuer 1965, dieses Jahr, FÜR DAS B.I. " - mit auslaendischen Investitionen in einer Hoehe von nur 95 Millionen Dollar). Zugleich verschaerfte Herr Horowitz die den Banken auferlegte Liquiditaetsgrenze noch, ohne sich vom Unwillen der davon selbstredend in erster Linie betroffenen Industriellen beirren zu lassen, die sich vermutlich sehr irren, wenn sie sich vom neuen Minister fuer Handel und Industrie, Ch. Zadok, d i eserhalb Erleichterungen erhoffen. Die Banken haben heute nicht weniger als 69% der Depositen als liquide Mittel zurueckzuhalten, wenn sie in Ausnahmefaellen auch 22% davon als “gelenkte Kredite” auf Grund von Gen e h m i gungen verwenden duerfen, die ihnen die Staatsbank zur Foerderung industrieller und landwirts c h aftlicher Entwicklungsvorhaben der Regierung von Mal zu Mal in umstaendlicher Prozedur erteilt. Aber auch von den 31% der Depositen, die ihnen nach eigenem Ermessen zur Kredithergabe verfuegbar sind, muessen die Banken einen Teil de facto in gewissen Regierungsanleihen, u. dgl. anlegen. In Wirklichkeit ist ihr freies Kreditgeschaeft also auf ein Minimum gesenkt. Da das Zinsgesetz einen Hoechstsatz von nur 11% gestattet, entstand nun freilich, ein “grauer Markt” von W e c h s elvermittlungen, in den sich nicht wenige der Privatbanken, aber sogar auch halboeffentliche Institute wie eine Gesellschaft des Wohnbauministeriums eingeschaltet haben. Dort werden 15% und mehr Zinsen verlangt und gezahlt. Umso weniger glaubt der Praesident der “Bank Israel” nur auf die kreditpolitische Karte setzen zu sollen. In sei nem Uebersichtsbericht fuer 1964 plaediert er ausserdem, ¡fiskalpolitisoh, mit Nachdruck fuer eine defizitfreiere Gestaltung des Staats ■ haus haltes, wenn irgend moeglich ohne die ueblich gewordenen spaeteren Zusatzbudgets, die den Etat n a chtraeglich verschleiern und verschlechtern. Ferner fordert er aeusserste Sparsamkeit vom behoerdlichén Apparat in allen seinen Zweigen. Endlich haelt er es —drittens— fuer erforderlich, die Steuereinnahmen des Staates — und der Kommunen — nicht ueber das Nationaleinkommen hinaus anwachsen zu lassen, wie es im Jahre 1964 der Fall war, sondern stabil zu halten. EIN ERSTES POSITIVES ERGEBNIS Es liegt im Bereich des Moeglichen, dass die bisherigen M a s s n a h men der Staatsbank mit den Forderungen, auf deren Beachtung der Praesident draengt, zur Verminderung des Aussenhandelsdefizits beitragen und damit die Gefahr bannen werden, die dem so oft geruehmten israelischen Wirtschaftswunder von heute drohen. Zwar verfiel der Finanzminister P. Sapir, zweifellos reinem Wunschdenken, als er es kuerzlich fuer “durchaus denkbar” erklaerte, die Warenexporte bis zum Ende dieses Jahrzehntes auf 750 Millionen Dollar zu steigern und das Minus der Handelsbilanz bis 1970 auf 150 Millionen Dollar herabzudruecken. Immerhin aber ueberstiegen die Einfuhren im ersten Drittel dieses Jahres den Warenexport nur noch um 95 Millionen Dollar, waehrend sich das Defizit vom Januar bis zum April 1964 auf 138 Millionen belaufen hatte. Es koennte bedeuten, dass sich die Eingriffe des Herrn Horowitz in die Kreditgebahrung und seine gesamte monetaere Praxis positiv auszuwirken beginnen. Indessen, nicht bei ihm liegt die letzte Entscheidung. Sie ist eine Sache der hohen Innenpolitik, die sich in der Mapai, der groessten hiesigen Partei, und damit im Staatsganzen eben jetzt zu den denkbar bittersten Auseinandersetzungen zwischen dem wieder zur Macht draengenden David Ben Gurion und seinem Amtsnachfolger, dem Ministerpraesidenten Eschkol, zugespitzt hat. Die Entscheidung wird auch fuer die wirtschaftliche Stabilitaet dieses Landes davon abhaengen, welche Regierung es nach den im November faelligen Neuwahlen zur Knesset, der Volksvertretung in Jerusalem, erhalten wird. 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