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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1965-06-01 · 6 (Junio, 1965) · p. Seite 16

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXVII (1965)
Issue
6 (Junio, 1965)
Date
1965-06-01
Page
Seite 16 (sequence 16)
Language
German
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16 BOLETIN INFORMATIVO JUNIO 1965 NEO-NAZIS TREIBEN IHR UNWESEN Das bedrohliche Anwachsen des Kechtsradi^aiismus in der westdeutschen Bundesrepublik ¡sc bereits haeufig angeprangert worden, und die Welt verfolgt naturgemaess diese Entwicklung dort mit besonderem Missbehagen. Man musste erst kuerziich von der Gruendung einer neuen '‘Nationaldemokracischen Partei” Kenntnis nehmen, in aer der berechtigte Ex-Nazi Adolf von Thadden eine prominente Bolle spielt. Diese Partei strebt danach, das Sammelbecken aller Unzufriedenen zu sein, und damit wieder ein Faktor in Bonn zu werden. Es waere jedoch kurzsichtig und verfehlt anzunehmtn, dass die Rechtsradikalen nur in Deutschland ihr Unwesen treiben. Gerade in der letzten Zeit trafen Meldungen aus anderen Laendern Europas ein, von den USA ganz zu schweigen, die bereits in Rockwell ihren “Fuehrer” gefunden haben, der die dunkelsten Elemente um sicn schart, sie mit der entsprechenden Uniform ausstaueu und zu Aktionen gegen Juden und Neger einsetzt, ganz nach dem Vorbild der Rollkommandos von SA und SS. Kann man sich damit beruhigen, dass die USA bereits soviel Exzentriker, Abenteurer und Psychopathen auf der politischen Buehne “verdaut” haben, dass auch Rockwell und sein Anhang vermutlich keinen erheblichen Einfluss gewinnnen und a la longue keinen grossen Schaden anrichten werden, so erscheint doch die Situation in einigen westeuropaeischen Laendern gefaehrlicher. Sei es die raeumliche Naehe zu den neuen Zentren nationalsozialistischer Propaganda, wie z. B. Malmoe in Schweden, oder, wie nicht anders zu erwarten, Nassers Kairo — sei es dass Europaeer ueberhaupt "anfaelliger” fuer den Nazi-Virus sind, — die Tatsache laesst sich nicht aus der Welt schaffen, dass politisch Halbgebildete und Halbstarke sich zu Kreisen, Gruppen, Konventikeln und Parteien zusammenschliessen und offenbar auch ueber erhebliche geheime Geldquellen verfuegen mit keinem anderen Ziel, als die Juden zu diffamieren und getreu dem Hitlerschen Vorbild eine Absorderungs — und schliesslich Vernichtungspolitik der juedischen Bevoeikerung der betreffenden uaenuer emzuleiten. IN ENGLAND Der Zwischenfall in den ein juedischer Taxichauffeur in London und die Frau des britischen Nazifuehrers Coilin Jordan verwickelt war, hat weit ueber England hinaus Aufsehen erregt. Dieser Taxichauffeur, der 42jaehrige Wolf Bussei, hatte der Frau die mit einem Hakenkreuz “verzierte” Kette vom Hals gerissen und war wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe von 3 Pfund sowie zu Schadenersatz in Hoehe von einem Pfund Sterling verurteilt worden. Als sie ihn zu einer Taxifahrt mieten wollte hatte er ihr zugerufen:, “Scheren Sie sich weg ich bin Jude, und Sie sind ein stinkendes Naziweib’’ Vor Gericht verteidigte sich Bussei damit dass seine Nerven mit ihm durchgegangen seien, als Mrs. Jordan ihm zurief: "Wenn Sie wirklich Jude sind, was tun Sie dann ausserhalb des Ofens?”. Die Anhaengerschaft der Jordans begnuegte sich aber nicht mit dem Strafverfahren, sondern ging noch zu einer direkten Aktion ueber und steckte die Wohnung der Familie Bussei in einem londoner Vorort in Brand. Das Feuer wurde jedoch rechtzeitig entdeckt und nur die Eingangstuer und ein Balkon beschaedigt. Die britischen Nazis, die heute nicht mehr mit der Mosley-Gruppe vor Beginn des Zweiten Weltkrieges zu vergleichen sind, streben ganz offen die Vertreibung der Juden aus England an. Sie vertreten einen eindeutig hitleristisch ausgerichteten Rassenstandpunkt und sind auf die Reinhaltung des “arischen Blutes’’ bedacht. Das ist ihre ganze Lehre. Es ist klar, dass sie bei dem englischen Volkscharakter an sich in Grossbritannien keine grossen Aussichten haben, aber in dem Masse ,in dem sich die wirtschaftliche Lage breiter Bcvoelkerungsschichten verschlechtern koennte, wuerde auch dieses Gesindel Aussicht haben, mit Erfolg im Trueben zu fischen. FLUCHT VOR ANTISEMITISMUS Berlin.— Wladislaw Tikocinski, der jüdische Chef der polnischen Militaermission in Westberlin, erklaerte den nordamerikanischen Behoerden, er habe hauptsaechlich wegen des, “wachsenden Antisemitismus in Polen” um Asyl gebeten, wie aus informierten lokalen Quellen verlautete. Ein nordamerikanisches Flugzeug brachte Tikocinski nach Westberlin, wo die USA- Beamten mitteilten, dass sein Gesuch um Asyl geprüft werde. _ Dies ist seit Jahren die erste Flucht eines hohen kommunistischen Diplomaten in Westberlin. Tikocinski bekleidete Ministerrang. Er war vorher polnischer Botschafter in Rom gewesen und früher Mitglied der internationalen Waffenstillstandskommission in Korea Seine Gattin begleitete ihn nicht, und ein 17 Monate altes Kind blieb bei der Mutter, wie ein USA- Sprecher bekanntgab (JTA). FRANKREICH Auch in Frankreich gibt es eine neo-nazistische Bewegung, so unwahrscheinlich dies anmutet in einem Land das auf eine so ruhmvolle freiheitliche Tradition zurueckblicken kann, vor allem aber in einem Land, das selbst d i e Nazibesetzung durchmachen musste und oamit auch den Gestapoapparat zur Genuege kennengelernt hat. Fuer Frankreich ist es bezeichnend dass sich die Bewegung vor allem aus Halbwuechsigen rekrutiert. Vor kurzem wurden Hunderte von Hakenkreuzen an die Haeuserwaende in Calais und der umliegenden Doerfer geschmiert. Der Polizei ist es gelungen einige der Taeter zu verhaften, aber sie ist immer noch auf der Suche nach dem Oberhaupt dieser Bande, einem 27 Jahre alten Pariser mit Namen Jean-Claude Monnet, angeblich ein entfernter Verwandter des grossen Malers gleichen Namens. Diesem jungen Nazi Monnet unterstehen angeblich 12 "Sturmtrupps” und ¡er selbst schreibt seine Version von "Mein Kampf’’ eine Geschichte von "Mohammed ueber Nietzsche zu Monnet” Dass die in Calais verhafteten Halbstarken Fernstecher von einem franzoesischen Kriegsschiff sowie elektrische Ausruestung aus Laeden und ein Messer aus einem Pfadfinderzelt gestohlen haben, mag an sich noch als Lausbubenstreich mehr oder weniger entschudigt werden. Das sie gleichzeitig eine Liste mit den Namen aller in Calais lebenden Juden angelegt haben, erscheint bedenklich. UND HOLLAND Auch in Holland haben sich Neo-Nazis zu organisieren begonnen. Einer der eifrigsten Verfechter des ‘’germanischen Staatsideals” ist ein gewisser J. ter Haar der zur Zeit der deutschen Okkupation in der SS. gedient hat. Schon vor dem Krieg, als die Nationalsozialisten in Holland zeitweise ueber 50.000 Mitglieder zaehlten und in den Provinziallandtagen acht Prozent der Sitze hatten, machte ter Haar von sich reden, blieb aber ein Anhaenger der Niederlaendisch - Reformierten Kirche. Erst jetzt wurde er aller seiner kirchlichen Ehrenaemter enthoben. In Utrecht untersuchen die Justizbehoerden das Treiben des ehemaligen hollaendischen SS-Offiziers Paul van Tienen, der unweit des frueheren Hauptquarti e r s der niederlaendischen Nazis einen Buchhandel betreibt, nachdem er sich bis vor einigen Jahren in Den Haag mit dem Verkauf neonazistischer Literatur in den Niederlanden befasst hatte. Paul van Tienen hat insgeheim das antisemitische Buch “Adolf Hitler — Sein Kampf gegen die Minusseele” von W. von Asenbach in Umlauf gesetzt. Nach einer Information'der internationalen Organisation der Widerstands kaempfer in Bruessel verbirgt sich hinter diesem Pseudonym der heute in Aegypten iebende fruehere Adjutant von Dr. Josef Goebbels, von Leer. Amsterdamer Journalisten hatten den Utrechter Buchhaendlei in eine Falle gelockt und ihn danach “wegen Beleidigung einer Volksgruppe” angezeigt. Das neonazistische Buch enthaelt u. a. die Passage, es sei auffallend, dass viele Darstellungen des Satans einen Judenkopf zeigten. In der niederlaendischen Oeffentlichkeit haben die Vorkommnisse einiges Unbehagen verursacht. Man erinnert sich selten daran, dass die nationalsozialistische Bewegung unter dem utrechter Ingenieur Mussert viele Jahre lang ein gefaehrlicher Faktor im politischen Leben Hollands gewesen ist. Die NSB hatte vor dreissig Jahren starken Aufschwung genommen. Nach einer Mitgliederkrise, die sich 1937 abzeichnete, brachte ihr der deutsche Einmarsch in die Niederlande ueber 20.000 Anbaenger ein. Ihre Spuren sind auch heute noch nicht ausgewischt. In der Oeffentlichkeit wagt der Rest der inzwischen alternden Nationalsozialisten nicht aufzutreten. Man trifft sich in geheimen Zirkeln, auch zu deutschen Tarnorganisationen bestehen Verbindungen. Waehrend des Krieges hatten sich neuntausend Hollaender freiwillig zur SS-gemeldet. Sie wurden auf dem Balkan und in der Sowjetunion eingesetzt. (Semana Israelita) AUS DEM JISCHUW AUFSTAND IM WARSCHAUER-GHETTO Wie wir schon in unserer vorigen Ausgabe berichteten, gedachte die Kollektivitaet auch in diesem Jahre wieder des Aufstands im Warschauer-Ghetto. Im Verlauf einer gutbesuchten Trauerfeier im grossen Saal des Gemeindehauses und nachdem Herr Kantor Farba begleitet vom Chor des Círculo Israelita das El Mole Rachamim gesungen hatte, wuerdigte der israelische Botschafter, Herr Dr. Uri Naor, die Opfer des Kampfes und die Bedeutung des juedischen Widerstandes gegen die nazistische Ausrottungsmaschine. Alsdann sprach der Praesident des Comité Representativo, Herr Gil Sinay, der auf die Notwendigkeit verstaerkter Solidaritaet zwischen den verschiedenen Jischuwim des Weltjudentums hinwies, um die Wiederholung einer derartigen Katastrophe zu ver hindern. Anschliessend bezog sich der Praesident der Federación Sionista, Herr Hermann Schachner, auf die geschichtlichen Zusammenhaenge des Aufstands Danach sprach der General- Sekretaer der Federación. Sionista, Herr Max Epstein. Seine Ausführungen gipfelten in dem Wunsch, dass der Mensch nie wieder zum Wolfe des Menschen werden möge. Im Namen der Jugend sprach Herr Eyzer Klorman. SONDERPROGRAMM IN RADIO MINERIA Anlaesslich der 20. Wiederkehr des Kriegsendes und der Befreiung der Todeslager, brachte Radio Sociedad Nacional de Minería ein Sonderprogramm, in dessen Verlauf der Botschafter Israels in Chile, Dr. Uri Naor, interviewt wurde BEZALEL SHERMAN NACH SANTIAGO Professor Bezalel Sherman, leitendes Mitglied der nordamerikanischen Sektion des juedischen Weltkongress, wird in Baelde Chile besuchen. MOSHE LEWIN IN CHILE Fuer wenige Tage besuchte der Vorsitzende der Jugend- und Hechalutz Sektion der Jewish Agency, Herr Mosche Lewin unseren Jischuw. In einer Unterhaltung mit dem Presidenten unserer Gemeinde, Herrn Dr. Hans Reich, und dem Pro-Sekretar der SCI B'n’e Jisroel Herrn Kurt Loebel erklaerte Herr Lewin seine Bereitwilligkeit, die Bemuehungen der SCI um das Engagement eines Jugendfuehrers zu unterstuetzen und sagte unseren beiden Vertretern zu, dass er sogleich nach seiner ¡Rueckk'ehr nach Israel, sich mit diesem Problem befassen wuerde. ZADOK ESHEL IN DER FEDERACION SIONISTA Die Federación Sionista de Chile empfing Herrn Zadok Esnel, Vertreter des Departamento de Alijah der Jewish Agency, der fuer kurze Zeit in Santiago weilte. f RAESIDENTIN DER WIZO IN SANTIAGO Frau Hanna Levin, Praesidentin der Wizo-Israel und Mitglied der Exekutive der Welt-Wizo, war zwischen dem 29. Mai und 4. Juni in Santiago. JOM HAAZMAUT IN VALDIVIA Im Rahmen einer Festveranstaltung, an der der 1. Sekretaer der Israelischen Botschaft Herrn Itiel Pann und Herr Rabbiner Egon Loewenstein teilnahmen, gedachte die Comunidad Valdivia des 17. Jahrestages der Staatswerdung Israels. BESUCH IN LOS ANGELES Einer Einladung des Centro David Ben Gurion Folge leistend besuchte Botschafter Dr. Naor Los Angeles. NEUES HAUS DER COMUNIDAD SEFARADI Am, 27. Mai wurde das neue Gebaeude der Comunida Sefaradi in Santiago, Avda. Lyon 837, feierlich eingeweiht.

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