Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXVII (1965)
- Issue
- 6 (Junio, 1965)
- Date
- 1965-06-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 BOLETIN INFORMATIVO JUNIO 1965 GEDANKEN ^1 ZWISCHEN 2 UND 3 ) Von A bis Z. EINE GEHIRNAKROBATIK UND SPIELEREI Am Anfang war das Wort so faengt die Bibel an. Eine begruessenswerte Annehmlichkeit, wenn man sich das Aliphabeth als Aufgabe ausgewaehlt hat. Der erste Mensch hiess Adam und der erste unserer Stammvaeter war der alte Abraham; das kann kein absoluter Zufall sein. Auch dass die Ammenmilch unser allererster appetit-anregender Aperitif 'ist. (Es ist Ansichts-Angelegenheit, wie der Alkohol im spaeteren Leben einen Ausgleich dafuer ausmacht). Der Apfel ist als erste Frucht allbekannt; die Schlange musste sich sehr abmuehen, ihn unserer Ahnin Eva anzudrehen. Allerdings hatte sie keine Ahnung, dass damit der Anfang zur Austreibung aus dem arkadischen Paradies gegeben war. Der Abwurf der ersten Atombombe Amerikas auf Hiroshima zeitigte den abrupten Abbruch des Kriegszustandes; so hat absurderweise ein Massen-Attentat den Frieden gebracht. Arturo Alessandri's Sohn, Jorge, hat waehrend seiner ganzen Amtsiperiode nicht soviele Anhaenger aufzuweisen gehabt, wie am Tage seines Abtretens. Alameda und Ahumada sind zwei Hauipt-Geschaefts-Adern unserer Stadt und Atacama eine wichtige Provinz des Landes. Hat man einmal Ja und Amen gesagt, kann man am Abend beruhigt zu Bett gehen. Und somit nehmen wir Abschied vom A und sind bei B angelangt. Baal war der Herr und Beschuetzer Babylons, Barbarosa ein Barbar mit rotem Bart. — Den Splitter oder Balken im Auge des Naechsten soll man nicht zum Selbst-Betrug benuetzen, sondern ihn mit dem Balsam der Bruderliebe behandeln. — Bargeld lacht bei weitem immer noch am breitesten; ein Bankkonto voll davon beruhigt bestens. — Die Beschneidun s ist ein wichtiger Bestandteil und biologischer Beweis des juedischen Bekenntnisses seit biblischen Zeiten. Der Barches ist ein typisch juedisches Brot; der Name bedeutet '‘Segen". — Beinahe haetten wir uns mit Bolivien in die Brennesseln gesetzt; die Begebenheit war recht brenzlich, wurde aber beigelegt. Man braucht sich wegen bergablaufenden Wassers nicht gleich zu bekaempfen. — Im Hoehepunkt der Bewunderung stand der Besuch Papst Paul’s in Bombay, wo er zu den Brahmanen ■ und Buddisten d i e Botschaft der Bruderliebe brachte. - Dass die Bibel das Buch der Buecher war und bleibt, ist bekannt. — Die Boerse in Bandera bedenkt uns mit bedauerlichen Berichten; die Kurse bewegen sich ins Bodenlose, was sich in ganz Chile bemerkbar auswirkt. — Nach A haben wir nun genug B besungen, und mit Chile sind wir ins C gerutscht. Das ist ein recht charaktervoller Typ, der wenig Seiten im Lexikon einnimmt, und einen einigermassen vernuenftigen Satz mit Camaien-Gemaelden, Canadol, Capry 1-Saeure, Curcunin, Chalzodon oder Colloporen zu bilden, muss man der Phantasie Carte blanche geben. Es handelt sich dabei nicht um Chiffre - oder Code-Worte. Die Christenheit feiert mit vielen Choraelen Weihnachten; unser schoenes Chanukka ist chronologisch ein wesentlich aelteres Fest. — Aus China kam im Mittelalter die Cholera; heute fuerchtet man, dass von dort Chaos ueber die Welt kommt. — Hat man Cholesterol in chronischer Form, gehoert Courage dazu, Creme zu essen. — Eine Hauptattraktion von Viña ist der Croupier. Wenigen gelingt im Casino ein wahrer Coup. — Zum Chapeau Claque gehoert Champagner in Christall— Kelchen: manche ziehen Café in huebschen Ceramik- Tassen vor. — Clan und Cliquenwesen hat schon oft einen stolzen Chef zum Clown gemacht. — Chamaeleon und Chinchilla wechseln die Farbe (letzteres allerdings nur, wenn man es in die Sonne legt); mit ersterem bezeichnet man auch changierende Charaktere. — Vom Cid haben eine Menge Leute erst durch den Film, auch Celluloid-Streifen genannt, erfahren. Churchill, Caesar und auoh Cassius waren wesentlich bekannter. In Curacautín, im Sueden Chile’s gab es Marannen-Colonieen, die 1919 um Aufnahme in die juedische Colectividad baten. — Benjamin Cohen, aus Concepción, war Chile's Vertreter bei den Vereinigten Nationen, Cumming und Carrera sind nicht immer Strassen oder Hotels gewesen; von ihnen und der Cueca chilena weiss man in Deutschland wenig. Durchschnittlich darf man wohl sagen, dass die Buchstaben b und E die meist gebrauchten des deutschen Alphabets sind. Deshalb duerfte es nicht schwer sein, aus Beiden das Beste zu machen. Fuer die juedischen Division fangen wir mit der Diaspora an; da gaebe es Dutzende von Dingen und Daten, die man darbieten könnte, wenn dies das Thema waere. Doch soll hier nur als kurzes Det a i 1 einiger bedeutender Dichter, Denker oder Diplomaten, die durch ihre Dienste fuer das Judentum Dank verdienen, gedacht werden; Benjamin Disraeli, Ernest Da Costa, Abraham Darom, Michael Danon, Salomon Da- ZUM 5D DEM TODESTAG EMIL RATHENAUS Hinter das Gedenken an Dr. Walther Rathenau, den Aussenminister der Weimarer Republik eines der ersten Opfer des Rassenwahns und der chauvinistischen Verhetzung, ist die Erinnerung an den sehr bedeutenden Vater. Emil Rathenau, zuweilen zurueckgetreten. Sein 50. Todestag am 2. Juni 1965, gibt Veranlassung dieses grossen Industriellen, der zur Bluete Deutschlands wesentlich beitrug, zu gedenken. Emil Rathenau, geboren zu Berlin im Jahre 1838, stammte aus einer jener Familien, die dem Zuge der Zeit Folge zu leisten glaubten am besten dadurch, dass sie sich sehr weitgehend assimilierten, ohne ihr Judentum ganz preiszugeben. Er wurde Ingenieuer, damals, in der Mitte des vorigen Jahrhunderts, ueberaus selten unter Juden, und heiratete die Tochter eines rheinischen Bankiers. Zunaechst hatte der junge Techniker und Physiker einen Misserfolg, als eine von ihm begruendete Maschinenfabrik zusammenbrach. Doch sein klarer Blick und sein Sinn fuers Praktische gaben ihm eine piera, Israel Davidson, Zwi Diesenbruck, Meir Dizengoff, Menajem Doletzky, Salomon Dubno, Simon Dubnow, Leon Dujovne, Salomon ben Simon Durán (genannt Rashbash) und als letzter Alfred Dreyfus, dessen Degradierung ihn zum beispielhaften, deutlichen, erstmalig oeffenlichen Opfer diabolischer, dreister Diffamation werden liess, und vielen Juden determinant die Augen fuer die daemonische Drohung und Dynamik des planmaessig durchgefuehrten Antisemitismus oeffnete. — Der Dybuk, das Drama von Anski, bleibt fuer diejenigen, die es in einer Darstellung der Habima erlebt haben, eine Denkwürdigkeit von Dauer. — Jede Konkurrenz wird ohne Diskussion disqualifiziert, wenn man bei einem Stellungs- Disput ein Doktorat oder Diplom einer internationalen Dolmetscherschule demonstrieren kann. — Die Differenz a prima vista zwischen einer Dame und einem Daemchen ist, selbst fuer einen durchtriebenen Don Juan, durch die oft dilettantisch-drollige, derb dekorative Bemalung, die die heutige Mode diktiert, schwierig definierbar. — Dante, der Dichter der ‘-Divina Comedia”, durchwanderte nach seiner Deportation aus Florenz ganz Italien. — Die Danziger Frage diente den kriegswuetigen Deutschen als Vorwand, das Debakel des zweiten Weltkrieges zu entzuenden. Rubén Dario’s inspirierte Dichtung oeffenete der spanischen Lyrik neue Wege. — Carlos Dávila, Direktor des "Diario La Nación" diplomatischer Vertreter Chile’s in Washington, erzwang in den Dreissigerjahren (1932) Praesident Montero's Demission durch einen Staatsstreich zusammen mit Puga und Grove. Zu dritt regierten sie drei Monate. — Und damit waere das D als Erledigt zu betrachten. (Fortsetzung folgt) K.g neue Chance: Emil Rathenau erkannte frueh die Bedeutung der Edisonschen Erfindungen und errichtete, auf ihnen die "Allgemeine Elektrizitaetsgesellschaft” (A E. G.). Dies geschah im Jahre 1887. Sein organisatorisches Genie entwickelte dieses Unternehmen innerhalb von zwei Jahrzehnten zum groessten Werke dieser Art im Deutschland vor 1914. Die Gesellschaft verfuegte i m Jahre 1908 ueber ein Kapital von etwa 400 Millionen Mark und beschaeftigte zu jenem Zeitpunkte an 70.000 Arbeiter und Angestellte. Damit hatte die A. E. G. die viel aelteren Unternehmungen von Siemens und Krupp eingeholt und sich den Weltmarkt erobert. Im Jahre 1903 begruendete er gemeinsam mit Werner von Siemens die “Telefunken Gesellschaft fuer drahtlose Telegraphie m. b. H.”. Er foerderte den elektrischen Schnellverkehr, die Entwicklung von Dampfturbinen und den Bau grosser elektrischer Maschinen. Der Ausweitung des Telefons und der Edisonschen Gluehbirne gehoerte seine besondere Aktivitaet. S o wurde Emil Rathenau bahnbrechend fuer die Mechanisierung der Welt, ein Wirtschaftskapitaen ganz grossen Ausmasses. Doch der geniale Lenker der Wirtschaft galt als eine harte, im privaten Leben kleinliche, Natur der gewissermassen "jeden Pfennig umdrehte”, ehe er ihn ausgab. Bei seinen mehrfachen Begegnungen m i t Kaiser Wilhelm II. verbarg er nicht seine selbstsichere demokratische Natur und betonte seine Zugehoerigkeit zur juedischen Gemeinschaft, obwohl er keine religioesen Interssen hatte. Niemals draengte er sich in christliche gesellschaftliche Kreise hinein, und er verhalf oftmaSs j'.uedischen Menschen zu Anstellungen in seinen Betrieben. Ais seine einzige Tochter ihm mitteilte, dass sie einen Christen juedischer Abstammung, Andree, heiraten wolle, verlangte er als Vater, dass die Trauung im Tempel der Berliner Juedischen Reformgemeinde stattfindg. Der Sohn Walther, den es zur Schriftstellerei und zu den Geisteswissenschaften zog, musste gemaess dem vaeterlichen Willen Chemie und Physik studieren, eben solche Faecher, welche die Grundlage der Elektrizitaetswissenschaft bilden. Spae, ter. als sich der Vater von der Vielseitigkeit der Interessen des Sohnes ueberzeugen konnte, war er damit einverstanden, dass dieser die Naturwissenschaften verliess, um einen leitenden Posten in den Unternehmungen auszufuellen, der ihm noch Zeit liess, seine hohen schoengeistigen Begabungen zu entfalten. Die A. E. G. wurde schliess lieh eine Aktiengesellschaft, doch der alte Emil Rathenau verwaltete den Betrieb bis ins hohe Alter hinein wie seinen eigenen Besitz. Bis in seine letzten Lebenstage, zu Anfang des ersten Weltkrieges blieb der Alte die treibende Kraft, obwohl der Sohn bereits Praesident des Aufsichtsrats geworden war. Emil Rathenau starb in dem Augenblick, als sein grosses Werk im Begriffe stand, in mitten der Kriegswirtschaft eine entscheidende Rolle zu spielen. Was dann kam, der Zusammenbruch des Reiches, die Republik, Aufstieg und tragisches Ende des Sohnes, sollte er nicht erleben. Er starb 77-jaehrig zu Berlin. Seiner Witwe, Frau Mathilde, die ihn lange ueberlebte, machte Wilhelm II. einem persoenliehen Beileidsbesuch. 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