Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXVII (1965)
- Issue
- 6 (Junio, 1965)
- Date
- 1965-06-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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JUNIO 1965 BOLETIN INFORMATIVO 7 DER TAG DES GEDENKENS DER HITLER-OPFER Saemtliche Zeitungen widmeten ihre Leitartikel dem Tage des Gedenkens an die Opfer der Hitlerjahre. Dawar erklaerte, an allen Orten, an denen es Juden gibt, ist das Gedenken an die Opfer der Hitlerzeit lebendig. Aber nur in Israel kann das Andenken an sie in staatlichem Rahmen begangen werden, und unser Staat muss daher dafür sorgen, dass diese Generation entsprechend gewürdigt wird, Besondere Aufgabe ist es für uns, der Jugend die Erlebnisse der Katastrophengeneration zu erklaeren und ihr Verstaendnis für die Geschehnisse der Hitlerzeit beizubringen. In diesem Jahre kommt dem Gedenktag mehr Bedeutung zu als früher, denn wir stehen vor Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu Deutschland. Es handelt sich um die Normalisierung der Beziehungen zwischen Staaten, und vielleicht glaubt jemand auch, dass es sich um Normalisierung auf Volksebene handelt, um Verzeihen im Herzen der Juden, die diese Nation bilden. Daher muss erneut klar gesagt werden, dass es für die Verbrechen der Nazis gegen die Juden kein Verzeihen und kein Vergessen gibt. An diesem Tage müssen wir das Gedenken der Opfer der Mörder besonders eindringlich würdigen. Haaretz, ist der Meinung, dass das Hinschlachten von sechs Millionen Juden mit dem Begriff Katastrophe (Schoa) nicht gleichbedeutend ist. Katastrophe ist eine völlige seelische Kapitulation. Es handelt sich nicht nur um den physischen Untergang sondern, der Mensch hat aucn den Willen zum Leben verloren, und diese Erscheinung tritt nicht nur bei Einzelnen sondern auch bei einer ganzen Gemeinschaft auf. Das Heldentum ist dem gegenüber Lebensbejahung. Paradoxerweise führt auch das Heldentum zum Tode, aber es handelt sich um einen aktiven Tod und dieser Weg ist mit, Lebensbejahung verbunden. Es besteht eine tiefe Logik in der Paarung beider Begrife. Am Gedenktag würdigen wir diejenigen die dahin gingen, ohne noch einen Funken Lebenswillen zu besitzen und wir rühmen diejenigen, die die Hoffnung noch nicht aufgegeben hatten —auch unter den furchbarsten Umstaenden, — die den Lebenswillen der grossen Mehrheit ihrer Schicksalsgenossen, gebrochen hatten. Lamerehaw ist der Meinung, dass wir das Andenken an die Jahre der Katastrophe hochhalten und vorallem unsere junge Generation über sie informieren müssen. Weil wir zerstreut waren und als Schwache unter den Völkern lebten, konnten wir uns nicht wehren. Unsere junge Generation muss auf den grossen Wandel hingewiesen werden, der inzwischen eingetreten ist. Die Völker Europas traten für uns nicht ein und unternahmen nicht e i n mal Rettungsmassnahmen, als solche noch möglich waren. Al Hamischmar betont die Notwendigkeit der Erziehung der jungen Generation, die den Kontakt mit dem Schicksal der vorigen Generation nicht verlieren darf. In der Welt gibt es auch heute noch Antisemitismus, und solange dieser weiter wuchert wird unser Volk keine Ruhe haben. Hazofeh ruft das Volk auf, sich am Tage des Gedenkens seiner Pflicht bewusst zu werden. Wir sind es den Opfern der H i 11 e r-Epoche schuldig, uns als Nation zu festigen und uns um die geheiligten Werte zu sammeln, die uns unsere Tradition gegeben hat. Die Jerusalem Post schreibt, dass wir ein Volk der Erinnerung sind, weil wir in unserer Geschichte immer in der Zerstreuung lebten. Da uns fast in unserer gesamten Geschichte eigener Boden und Grenzen fehlten, klammerten wir uns 2.000 Jahre an mystische Grenzen eines “verheissenen” Landes, und wir traeumten den Traum vom Ende der Tage. In unserer Generation hat sich das Bild gewandelt, und die Ironie des Schicksals will es, dass die Schaffung des Staates Israel unsere Faehigkeit zum Gedenken und sich Erinnern gemindert hat. Heute begehen wir den Tag des Gedenkens an die Hitler- Opfer. Diese Erinnerung wurde zu einem “geregelten Kult”, mit eigenen Tempeln, mit einer wachsenden Bürokratie und eigenem Budget. Die Jerusalem Post weist auf den Unterschied zwischen Tischa beaw und diesem Gedenktag hin. Tischa beaw wurde immer mit dem Willen begangen, ihn zu überwinden oder wenigstens einmal durch einen Tag der Freude zu ersetzen. Aber der Gedenktag an die Hitler-Opfer scheint mit jedem Jahre mehr ein blosser Tag zur Verewigung für das Wühlen im Unglück zu werden. Das ist keine Ehrung der Maertyrer und Helden, keine wirkliche Würdigung ihres Andenkens, keine Wiedergutmachung für die Verluste des jüdischen Volkes kein Trost für die Ueberlebenden und kein Nutzen für die Zukunft unseres Volkes. Das jüdische Volk baute seiner Tradition nach keine Toten- Monumente sondern unsere Antwort auf den Tod war Legung von Grundlagen für das künftige Leben. Cheruth ist der Meinung, dass die ganzen Feiern am Gedenktag nur einen Sinn haben, wenn wir aus der Vernichtungs-Epoche unsere Lehren ziehen. Die Hauptlehren muss sein: Immer daran denken und nie vergessen. EINE NEUE KULTURSTAETTE Dawar: Mit der feierlichen Eröffnung des Israel-Museums hat die Hauptstadt eine neue Kulturstaette ersten Ranges erhalten. Die Tatsache, dass 43 Nationalmuseen dem Israel-Museum unsterbliche Werke geborgt haben, und die Teilnahme von D i rektoren internationaler K u n s t i n stitutionen und Kunstkritiker bedeutet gewissermassen eine Anerkennung der Hauptstadt als Kunst und Kulturzentrum unserer Zeit, Gleichzeitig aber ist sie ein Vertrauenskredit, der uns zu einer grosser Anstrengung für die Entwicklung dieses Museums verpflichtet, damit die Fortsetzung keine Schande über den Beginn bringe. Wrie wir die Initiative loben und anerkennen müssen, die bisher entwickelt wurde —und in diesem Zusammenhänge muss man die besondere Leistung Teddy Kolleks hervorheben— so muss man wissen, dass dieser kulturelle Besitz die Regierung, die Jerusalemer Stadtverwaltung und das breite israelische Publikum zu einem konkreten Ausdruck ihrer Anerkennung verpflichtet: ihm jede Hilfe zu seiner weiteren Entwicklung und Erhaltung zu leisten. Haboker: Die Einweihung des Nationalmuseums in Jerusalem ist ein feierliches Ereignis, das seine Wirkung auf dass kulturelle und künstlerische Leben im Lande hinterlassen wird, Dieses Museum ist ein Glied in der Kette unserer Bindungen mit den Kunstzentren der Welt. Wir sind uns darüber klar, dass die Sammlungen dieses Museums noch bescheiden sind, aber wenn es einmal besteht, so können private und öffentliche Sammler ihre Bindung an diese Kunststaette beweisen. Haaretz: Der Billy Rose- Kunstgarten wird dem israelischen Publikum die Kunst der modernen Bildhauerei nahebringen und ihm damit einen neuen Zugang zur internationalen Kunst geben. Dem gleichen Ziele werden auch zeitweilige Ausstellungen dienen, die die Leitung des Museums veranstalten will. Es ist zu hoffen, dass sie sich dabei nicht auf Themen beschraenken wird, die mit unserer nationalen Kultur verbunden sind. Wir müssen unser Erbe p f 1 e g en gleichzeitig aber auch einen Sinn für den allgemeinen Wert der Kunst entwickeln. Jerusalem Post: Israel ist ein genügend junger Staat, um auf vielen Lebensgebieten Neuanfaenge machen zu können. Das Israel-Museum, das offiziell eröffnet wird, erfreut sich der Hilfe der kultivierten Kunstwelt. Das Blatt erwaehnt die historische Leistung von Boris Schatz, der vor 60 Jahren das Bezalei- Museum gegründet hat, und würdigt sodann die Leistung Teddy Kolleks bei der Errichtung des Israel-Museums. Die Errungenschaft Israels kann vielleicht am besten mit den Worten einer auslaendischen Besucherin gekennzeichnet werden, die an einer Vorh&sichtigung des Museums teilnehmen durfte. Als s.ie aus einem Fenster des Museums biickte, aus dem man nach Norden und Süden blicken konnte, sagte sie: “Diese Leute müssen verrückt sein. Von drei Seiten sind sie von Feinden umgeben, und sie bauen Museen”. £5 AUS DER ISRAELISCHEN PRESSE DER NEUE BLOCK Dawar: Die Aenderung, die sich mit der Errichtung des Blocks der zwei Rechtsparteien auf der politischen Landkarte Israels vollzogen hat, dürfte keine positive Wandlung mit sich bringen, weder im gesellschaftlichen noch im staatlichen Leben. Das einzige Positivum, das aus diesem Zusammenschluss haette entstehen können, wurde mit dem Preis einer Spaltung der Liberalen Partei bezahlt. Die Liberale Partei, die vor vier Jahren aus dem Zusammenschluss der Progressiven mit den Allgemeinen Zionisten entstanden war, hat sich wieder gespalten, da ein Teil dieser Partei sich mit Oheruth zusammenschliessen wollte. Man kann nicht wissen, ob die neue Gruppierung Bestand haben wird, aber es ist klar, dass die gemeinsame Basis sehr schmal ist. Die politischen Grundüberzeugungen der beiden, Teile des Nationa 1-Liberalen Blocks sind verschieden, und auch in sozialen Fragen gibt es wesentliche Meinungsverschiedenheiten. die vielleicht in der Opposition nicht zu stören brauchen, aber keine gemeinsame Basis für eine Zusammenarbeit in der Regierung bilden können. Jerusalem Post: Sollten die naechsten Knessethwahlen auch nur eine relativ geringfügige Schwenkung nach rechts bringen, so würde der Block der Rechten (wie er allgemein genannt wird, obwohl Cheruth und die Liberalen energisch bestreiten, “rechts“ zu sein) imstande sein, mit den religiösen Parteien eine Regierung zu bilden. Tatsaechlich allerdings glauben die realistischeren Führer der neuen Kombination nichts anderes als dass sie die staerkste Oppositionspartei werden können. Hazofeh: Der Block Cheruth und Liberale, der an den Wahlen für die Knesseth und die Ortsbehörden mit einer gemeinsamen Liste auftreten wird, will eine Alternative für die Regierung bilden und wird sich mit dieser Parole an die Waehler wenden. Das Abkommen hat bekanntlich die Liberale Partei, die aus den Allgemeinen Zionisten und den Progressiven bestanden hatte, gespalten, und die letzteren bilden wieder eine eigene Partei, die den Namen “Unabhaengige Liberale“ traegt. Die Bildung grösserer Blocks vor den Wahlen bedeutet eine Neuerung in Israel. Auf der Linken werden auch Mapai und Achduth Haawodah als gemeinsamer Block auftreten, und diese beiden Listen werden zu beweisen suchen, dass die Wahl zwischen einem rechten und einem linken Block zu treffen ist. Diese polare Teilung ist für den Staat nicht wünschenswert, der eine möglichst breite Koalitionsregierung braucht. Die Bürger Israels haben es abgelehnt, einer einzigen Partei die Mehrheit zu geben. Die Parole einer Alternative ist bisher nicht angenommen worden und es besteht auch keine Aussicht darauf, dass dies in Zukunft geschehen wird. Das national-religiöse Lager tritt für eine Sammlung aller Kraefte, für eine Koalition ein, Gegenüber den beiden weltlichen Blöcken, ist es wichtig, dass die religiöse und traditionelle Oeffentlichkeit sich organisiert dass sie moeglichst grosse Aussichten besitzt, ein entscheidendes Wort mitzureden. Haaretz: Die neuen Partner müssen ein Wahlprogramm ausarbeiten, eine Kandidatenliste für die Knesseth aufstellen und einen Apparat bilden, der die Propaganda führt und die Waehler mobilisiert. Diese prosaischen Aufgaben werden den Prüfstein für die Faehigkeit der Führer des neuen Zusammenschlusses bilden und Antwort darauf geben ob ein aktionsfaehiger Zusammenschluss dieser Parteien möglich ist. Die Faehigkeit, Waehler zu überzeugen und zu mobilisieren bildet die erste Etappe der Aufgabe, die Cheruth und die Liberalen sich gestellt haben, um das Wesen und die Zusammensetzung der Regierung in Israel zu aendern. Al Hamischmar setzt sich mit der rechten Listenverbindung zwischen Cheruth und Liberalen auseinander und zeigt sich davon überzeugt, dass es Cheruth sein werde, die letztlich den Sieg in dieser Verbindung davontragen wird. Die Zeitung betont, dass der linke Block der Mapai und der Achduth Haawodah keineswegs ausreichen könne, um den Einfluss der rechten Verbindung in entscheidendem Masse auszuschalten und warnt vor den Folgen, die gerade die jetzige innenpolitische Entwicklung haben kann. Das Blatt beschuldigt die Achduth Haawodah an dieser Entwicklung Schuld zu tragen, da sie eine Verbindung mit Mapam haette eingehen sollen. Kol Haam nimmt zu dem Block zwischen Liberalen und Cheruth Stellung und erklaert, diese beiden Parteien hoffen für ihre Listenverbindung mehr Stimmen zu erhalten als sie beide zusammen besaessen, da sie aus der allgemeinen Enttaeuschung, welche im Lande über die Regierung und ihre Politik herrscht. Kapital zu schlagen erwarten. Die Zeitung betont auch, dass der linke “Maarach” (Verbindung) zwischen Mapai und Achduth Haawodah ebenfalls versucht, eine Alternative zu den bisherigen Zustaenden darzutellen, man müsse abwarten, ob ihm das gelingen kann. Die Zeitung schlaegt eine breite Front aller Arbeitergruppen vor, welche die Probleme des Staates zu lösen imstande waere.