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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1965-06-01 · 6 (Junio, 1965) · p. Seite 5

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXVII (1965)
Issue
6 (Junio, 1965)
Date
1965-06-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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JUNIO 1965 BOLETIN INFORMATIVO DER BANKROTT DER ARABISCHEN LIGA In der ganzen Welt hat sich in den letzten Monaten eine Entwicklungstendenz akzentuiert die wohl nur schwer oder garnicht auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen ist: die des Bruchs der Allianzen. Die grossen Blocks, die sich nach dem 2. Weltkrieg gebildet hatten, krachen ausnahmslos alle in ihren Fugen! So hat sich die russischchinesische Allianz in eine erbitterte Feindschaft verwandelt; das westliche Paktsystem wird von de Gaulle auf militaerischem, diplomatischem und wirtschaftlichem Gebiet Stueck fuer Stueck abgebaut; die Organisation der Amerikanischen Staaten hat durch die nordamerikanische Intervention in der Dominikanischen Republik einen Schlag erlitten, von dem sie sich in absehbarer Zeit nicht wird erholen koennen; die sogenannte Maechtekonfere n z der Entwicklungsländer von Bandung kann die Fiktion ihrer gemeinsamen Interessen nicht einmal mehr zum Z!weck. der Einberufung einer neuen Tagung vorgaukeln und auf dem Gebaeude der Arabischen Liga kraechzt der Pleitegeier sein schadenfrohes Lied. EIN GRABGESANG Dazu einige treffende Worte: "Die arabische Welt ist von Misstrauen und vom Widerstreit der Interessen unterminiert. Jeder arabische Staat verfolgt seine eigenen Ziele und fuerchtet alle anderen. Der Argwohn und die inneren Widersprueche treten besonders klar anhand von Tatsachen wie der Weigerung, Truppen anderer arabischer Staaten das Recht auf Durchmarsch' oder Statio nierung im eigenen Lande zu gewaehren, zutage. Es gibt Ggensaetze zwischen Irak und Syrien, zwischen Syrien und der Vereinigten Arabischen Republik zwischen der Vereinigten Arabischen Republik und Saud5- Arabien. Der Libanon laesst ueberhaupt keine arabischen Streitkraefte in seinem Territorium zu. Selbst Kriege fuehren die arabischen Staaten gegen einander, wie dies im Jemen der Fall ist. Und jedesmal, wenn die Arabische Liga zu einer Tagung Zusammentritt, tadelt und greift man sich gegenseitig an und ein jeder schiebt die Schuld auf alle anderen”. Der Autor dieses Kommentars sitzt nicht im israelischen Aussenministerium, er ist noch nicht einmal Redaktionsmitglied einer juedischen Zeitung. Aber er ist trotzdem gut informiert und man kann sogar sagen, er muesste es eigentlich wissen. Es handelt sich naemlich um Nasser. Wer seinen Augen nicht traut oder es in der Tagespresse nicht gelesen haben sollte, kann Teile der hiermit auszugsweise widergegebenen Rede unter den Kabeln ailer Agenturen aus Kairo vom 1. Juni nachprue fen: der aegyptische Staatschef hielt sie vor einer Versammlung arabischer Exilgruppen, um sie ueber die Ergebnisse der soeben beendeten Konferenz der Arabischen Liga zu informieren. Dass diese Ergebnisse klaeglich und mager gewesen sein muessen wie eh und je, laesst sich dem resignierten Ton seiner Ansprache unschwer entnehmen. Das Neue besteht darin, dass man die Sinnlosigkeit des Betrugs, dies durch hochtrabende Erklaerungen, Drohungen, Versprechungen zu bemaenteln, nun langsam einzusehen beginnt. Nachdem die halbe Welt jahrelang verzueckt und idiotisch auf des Kaisers neue Kleider gegafft hat greift jetzt die Erkenntnis um sich, dass er splitternackt ist. Worin sich also der ganz offenkundige Bankrott der arabischen Einheit von dem Niedergang der anderen Allianzen und Gruppierungen unterscheidet, ist vor allem in dem Umstand, dass nie viel mit ihr los war. DIE LETZTE KONFERENZ Auf der am 31. Mai beendeten letzten Konferenz dieser sogenannten Liga in Kairo —die moeglicherweise fuer lange Zeit oder fuer immer die "letzte” Konferenz bleiben mag— hatten sich die Mitgliedstaaten mit drei dringenden Problemen zu befassen. Drei dringende: das heisst, abgesehen von den unzaehligen chronischen die wie Nassers Aggresionskrieg im Jemen sich nun schon jahrelang hinschleppen. Das erste war die Verwirklichung der Drohungen fuer den inzwischen eingetretenen Fall der Aufnahme voller diplomatischer Beziehu n g e n der BRD mit Israel. Die Register einer ganzen chromatischen Skala von Repressalien waren gezogen worden: vom Abbruch aller Beziehungen mit der Bundesrepublik ueber e inen weltweiten Wirtschaftsboykott gegen deutsche Waren bis zur Anerkennung der Deutschen Demokratischen Rep u b 1 i k von Pankow, eine wahre Hoellenmusik fuer Aussen- -ministers Schroeders zarte Ohren. Doch wie sah das Maeuslein aus, dass bei dem Kreissen der Berge geboren wurde? Drei von den dreizehn Staaten der Liga, naemlich Tunesien, Marokko und Libyen machten ueberhaupt nichts mit, von Boykott und Beziehungen zu Pankow kann vorerst gar keine Rede sein und der Abbruch der Beziehungen der zehn Mitteloststaaten mit Deutschland ist ganz strikt auf das diplomatische Terrain beschraenkt. Das heisst, man wird die konsularen Beziehungen aufrecht erhalten die kulturellen und last not least, die ach so teuren wirtschaftlichen, was die Bereitschaft beinhaltet, weiter finanzielle und technische Hilfe in grosszuegiger Forment gegenzunehmen. D £ s s man kein Prophet sein muss um eine baldige Rueckkehr zu normalen diplomatischen Beziehungen zwischen den levantinischen Hauptstaedten und Bonn vorauszusagen, ist auch Nasser und seinem neu entdeckten Hang zur Offenheit zu verdanken. So ln einem Schreiben ari Kanzler Erhard: "Aegypten ist daran interessiert sich die deutsche Freundschaft auch weiterhin zu erhalten”. Punkt Zwei war Bourgiba. Es galt inzwischen nicht nur seinen ketzerischen V o 1schlag mit Israel zu verhandeln zu entkraeften, sondern ihm ueberhaupt auf der brei ,ten Ebene des innerarabischen Machtkampfes entgegenzutreten Nachdem e r naemlioh einige Wochen nach seinen explosiven Erklaerungen in Ruhe hatte verstreichen lassen, offensichtlich um die Reaktion darauf abzuwarten und zu pruefen, war er in richtiger Einschaetzung der Lage weiter gegangen. Nasser, so hatte er verlauten lassen, missbrauche das Palaestina-Profolem zur ¡Schaffung einer persoenlichen Vormachtstellung in der arabischen Welt. Tunesein sei ein selbstaendiger statt, nicht gewillt sich zu einem Satelliten Aegyptens degradieren zu lassen und werde den Sitzungen der Arabischen Liga fernbleiber» solange es dort nicht moeglich sei, ein vernuenftiges Wort zu reden. Zu seinen Vorschlaegen betreffs Israels bekenne er sich weiter. Nasser musste begreifen, dass die Antwort auf eine solch unverbluemte Herausforderung ueberzeugend zu wirken hatte. Wenn er zuliess, dass Bourgiba weiter in die Kerbe des Friedens mit Israel hauen durfte, wuerde damit am Ende sein ganzer arabischer Einheitsbaum mitsamt dem schoensten Ast auf dem er selbst sitzt, gefaellt werden. Seinem Schlawiner Achmed Schukeiri, dem ordinaersten aller arabischen "Diplomaten” und Praesidenten der "Palaestinensischen Befreiungsarmee” wurde die Ehre zuteil, Tunesiens Ausschluss aus der Arabischen Liga zu verlangen. Wer eine erhitzte Diskussion erwartete, sah sich enttaeuscht. Der Delegierte von Marokko wies auf die Unzulaessigkeit des Antrags hin, da der Ehrenwerte Schukeiri nur als Beobachter und nichts als Delegierter zugelassen sei. Dem Seufzer der Erleichterung äuit idem diese1 Bemerkung aufgenommen wurde, scheint Nasser entnommen zu haben, äass er fuer die interr(9 Auseinandersetzung! mit Bourgiba nicht mehr geruestet ist. Wie immer, wenn er sich ebenbuertigen Gegnern gegenueberge stellt sieht, ging er zur Tagesordnung .ueber. DAS DRITTE PROBLEM hiess, wie immer, Israel. So wie es nun schon seit Jahren keine arabische Melodie gibt in der es nicht im Fortissimo der Drohungen oder im Pianissimo der Handlungen als Grundton mitklingt, abgeleiert bis zur Litanei eines orientalischen Gebets, so wie es auch in der deutschen und der tunesischen Partitur gestanden hatte, so sollte noch einmal der Versuch einer einheitlichen Orchestierung unternommen werden. Wie oft hatte man sich schon, trotz aller Streitigkeiten bruesten koennen, in puncto Israel sei man sich einig! Vergeblich! Zu stark war Nassers Position schon geschwaecht, zu offen lagen die unueberbrueckbaren Gegensaetze zu Tage, zu stark hatte Bourgibas Mahnung zum Frieden gewirkt, als dass man sich jetzt noch ueber die Verteilung der Rollen in der abgedroschenen Farce haette einig werden koennen. Und da ereignete sich in der Nacht vom 27. Mai die israelische Kommando—Aktion gegen die drei jordanischen Stuetzpunkte, die von der Weltpresse im ersten Moment als groesste militaerische Akion in der Region seit der Sinai-Kampagne angesehen wurde. Die Einschaetzung erwies sich als falsch, erstens weil die Aktion nicht im entfernte sten so gross war und zweitens weil es in der Hauptsache gar kein militaerisches Unternehmen war. Es war ein politisches und als solches, genial. Eschkol hatte den Moment einer arabischen "Gipfelkonferenz” in Kairo ausgesucht, um den Jordaniern eine Ohrfeige zu versetzen. Wenn sie jetzt nicht irgendwie reagierten, musste es auch dem Duemmsten ihrer zahlreichen Koenige und Praesidenten daemmern, dass er sich im Ernstfall auf die andern nicht wuerde verlassen koennen. Und wie reagierten sie? Die Jordanier erklaerten, nichts unternehmen zu wollen, um nicht den Beschluessen der in Kairo tagenden Konferenz vorzugreifen. Und die Konferenz erklaerte, geheime Beschluesse darueber gefasst zu haben, wie man kuenftigen israelischen Angriffen entgegnen werde. Siebzehn Jahre lang halten sie jetzt schon Konferenz auf Konferenz ab, um Israel zu vernichten, mit dem Resultat, die Antwort auf eine israelische Repressalie, die waehrend einer Konferenz stattfindet, fuer die naechste Repressalie und die naechste «Konferenz zvu vertagten! Kann man sich ein klaeglicheres Eingestaendnis der lUnfaehigkeit, ein totaleres Fiasko ueberhaupt vorsteilen? Dem Praesidenten von Libanon, der vielleicht garnicht der Duemmste ist, daemmerte es auch-: zuverlaessigen Nachrichten zufolge sollen die Ableitungsgrabungen an den libansischen Quellen des Jordan an Elan ganz erheblich eingebuesst haben und ihre Einstellung wird aller Voraussicht nach nicht das Resultat eines israelischen Waffengangs sein muessen, nicht einmal eines Waffenspaziergangs. So trennte man sich in Kairo t missmutig und entzweit, und ueberliess der Weltpresse die Aufgabe, die ganze schmutzige Waesche und das ganze zerbrochene Porzellan aus den Orgien tausendundeiner Nacht arabischer Einheitsfiktion zu sortieren. EIN WENDEPUNKT Man darf also getrost annehmen, dass die Gefahr fuer Israel in der Form, in der man sie bisher sah, naemlich der einer einheitlichen militaerischen Aktion seitens der Araber, ueberwunden ist. Nachdem sie im Februar dieses Jahres, dem Monat der Schroeder’schen Kapitulation vor Nasser, auf dem Hoehepunkt war, ist seitdem dessen Prestige "0 sehr erschuettert, Bourgibas Friedensoffensive von solch latenter Wirksamkeit, die Weltsituation so veraendert, dass man von einem tatsaechlichen Wendep unkt sprechen kann. Aber es waere naiv und straeflich leichtsinnig, zu gla üben, dass von hier an die Gefahr fuer Israel ueberhaupt gebannt sei. Nasser bleibt unser gefaehrlicher, unversoeh n 1 ioher und maechtig bewaffneter Feind, der —wie ihn eine deutsche Zeitung nennt "Adolf vom Nil”. Er ist ein Realpolitiker und wenn er heute einsieht, wie er es einzusehen scheint, dass es mit seinem arabischen Imperium Essig ist, wird er sich anderweitig umsehen. Die Risse in den weltweiten Blocks bieten ihm noch mehr Gelegenheiten als er schon ehedem immer wahrgenommen hat, einen gegen den anderen auszuspielen. Die Russen schicken ihm mehr Kriegsflugzeuge als er Piloten und mehr Kanonen als er Schuetzen auf die Beine stellen kann. Die Chinesen wetteifern mit ihnen um seine Gunst. Und das State Department sieht nach wie vor in ihm eine Garantie fuer Stabilitaet und... gegen den Kommunismus, wie London und Paris vor 30 Jahren von seinem Vorgaenger vom tausendjaehrigen Reich eine Stabilitaet, die im Zweiten Weltkrieg und ein Bollwerk gegen den Kommunismus, das mit den Russen an der Elbe endete, erhofften. Auch von dem Bankrott der Arabischen Liga scheint man in Washington noch nicht viel gemerkt zu haben und man haelt* weiter an einem vermeintlichen Rue stungsgleichgewicht fest, das schon laengst durch die roten Waffen fuer Nasser zu Israels Ungunsten gestoert ist. Die vielen neuen Fronten also bieten dem aegyptischen Diktator ein ganze Reihe von Möglichkeiten und Chancen. Aber nicht nur ihm. 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