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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1965-05-01 · 5 (Mayo, 1965) · p. Seite 9

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXVII (1965)
Issue
5 (Mayo, 1965)
Date
1965-05-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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MAYO 1965 BOLETIN INFORMATIVO 9 Eine Friedensoffensive Chabib Bourgibas Von Dr. Abner Nechuachtan (Tel-Aviv) Leicht ist es im allgemeinen nicht, Golda Meir so zu reizen, dass ihre geistesgegenwaertige heitere Gelassenheit in die Binsen geht. Aber nachdem sie den Abgeordneten der Knesseth unlaengst den Voranschlagihres Aussenministeriums vorgelegt hatte, brachte die halb — und die ganz kommunistische Linke es waehr e n d der Budgetdebatte trotzdem fertig. Und Chabib Bourgiba war, versteht sich, das Stichwort der Fragesteller und Zwischenrufer, der tunesische Staatspraesident, der zwei, drei Wochen vorher auf einer Pressekonferenz in der Jerusalemer Altstadt — als Gast des jordanischen Koenigs — zum allerersten Mal an das jahrzehntelange Tabu unversoehnlicher arabischer Israelfeindschaft geruehrt hatte. Die Aussenministerin: “Ist jemand von Ihnen imstande, mir die wirklichen Absichten Bourgibas einleuchtend zu erklaeren? Bitte, ich fordere das ganze Haus heraus. Welche Loesung schlaegt er vor?”. Ein Abgeordneter der linksradikalen Mapam: “Jedenfalls nicht Krieg als Loesung”. Die Aussenministerin: “Hat Bourgiba Sie zu dieser Erklaerung ermaechtigt?”. (Nach einem Wortwechsel mit arabischen Mitgliedern der kommunistischen Fraktion, in steigender Nervositaet, zu einem zweiten Abgeordneten der Mapam): “Ich frage Sie, was sollen wir tun? Wissen Sie was — ich werde dem Kabinett Vorschlägen, Sie zu Bourgiba reisen zu lassen, oder Sie zu veranlassen, ihn hierherzubringen”. (Mit beissender Ironie): “Ja, fahren Sie doch nach Tunis und versuchen Sie dort Ihr Glueck mit juedisch-arabischen Friedensverhandlungen”. Der erste Mapam-Abgeordnete: “Warum kommen Sie ihm nicht mit einem konstruktiven Gegenvorschlag?”. Die Aussenministerin: “Sie und Ihre Parteifreunde fahren so oft zu volksdemokratischen Konferenzen ins Aus land. Und ich gebe zu: wenn Sie zurueckkommen, berichten Sie mir korrekt von Ihren Begegnungen. Aber ich habe noch nie von Ihnen gehoert — und sicher wuerden sie sowas doch nicht geheim halten— dass Sie auch nur einen verhandlungsbereiten Araber, einen einzigen...”. Derselbe Mapam-Abgeordnete: “Bourgiba”. (Gelaechter im Sitzungsaal). Die Aussenmin isterin: (nun so aufgebracht, dass ihre hierzulande sprichwoertliche “maennliche Logik” sie im Stich laesst): “Ah, Sie also sind es, der Bourgiba die Dinge, die er da vorschlaegt, in den Mund gelegt hat. Ich wundre mich ueber Sie, mein Herr, dass Sie mir das bisher verschwiegen haben”. Zwischenruf von kommunistischer Seite: “Darf ein Aussenminister, der die Verantwortung fuer den Frieden traegt, sich so gehen lassen? Halten Sie das fuer eine ernste Stellungnahme?”. DER PLAN: RUECKKEHR ZUR PALAESTINATEILUNG Die Sensation seiner Jerusalemer Rede hatte Ch. Bourgiba in weiteren Erklaerungen und in Interviews, die er ihr in raschem Nacheinander in Istanbul, Beirut, Athen und Paris folgen liess, zu einer unverkennbar sorgsam geplanten Friedensoffensive erweitert. Sie bezieht sich im Kern auf den Ende 1947 von den Vereinten Nationen gefassten Beschluss nebeneinander zwei Staatsgebilde in dem Gebiet zu schaffen, das als Mandatsland Palaestina bis dahin von Grossbritannien verwaltet worden war. Jetzt endlich sei dieser Beschluss zur Gaenze durchzufuehren. Neben dem juedischen Staat, der dann im Mai des folgenden Jahres tatsaechlich ausgerufen wurde, war damals ein arabischer geplant gewesen. Bekanntlich aber hatten sich die Teilnehmer der Arabischen Liga, statt ihn zu schaffen, des gesamten Landes in einem Krieg versichern wollen, der die “Juden ins Meer treiben” sollte. Kann man die Uhr der Zeit um fast zwei Jahrzehnte zurueckstellen? Ch. Bourgiba hatte den Mut oder die Einsicht, den politischen Fuehrern Aegyptens, Syriens, Jornaniens, des Lioanon zuzurufen: nachdem nichts aus Eurer hundertfach wiederholten Drohung geworden ist, den “zionistischen Fremdkoerper” zu beseitigen, versucht es, zur Ko-Existenz mit ihm zu gelangen. Jener Entschliessung der UN hatten die Juden, ohne zu zoeg e r n, vorbehaltlos zugestimmt. Fordert also von ihnen, jetzt auf dieselben Gebietsteile ihres Staates zu verzichten, die die palaestinensischen Araber erhalten haetten, wenn es statt des Palaestina-Krieges von 1948- 1949 zu einer friedlichen Regelung gekommen waere. Das Problem der arabischen Fluechtlinge Hesse sich dann endlich zu einem wer weiss wie grossen Teil loesen — endlich laege es in ihrer Hand, als Rueckkehrer oder “Draussenbleiber” selbst ueber ihr Schicksal zu bestimmen. Und nicht nur das. Mehrfach hatte der tunesische Staatschef etwa folgendes hinzugefuegt: den Arabern werde es auch dann nichts schaden, mit diesem Projekt an die Vereinten Nationen heranzutreten, wenn sich die Israelis weigern sollten, ihren Staat im suedlichen Negew, in seinem Zentrum (Jaffa) und im Norden von Nazareth bis herauf nach Galilaea freiwillig zu amputieren und in seiner Lebensfaehigkeit entsprechend zu erschuettern. “Im Streben nach der Anerkennung Eures 1 9 4 7 verbrieften Rechtes wuerdet dann Ihr Araber •— und nicht mehr die Juden, Israel — auf die Sympathien der Welt rechnen koennen”. So der gewiegte tunesische Politiker. Und wer skeptisch genug war, hoerte foermlich den Nachsatz, obwohl Chabib Bourgiba ihn auszusprechen natuerlich viel zu klug war: “...auf die Sympathieen der Welt, selbst wenn Ihr nolens volens Euer Recht am ANTES DEL INVIERNO IMPERMEABILICE SUS TECHOS DEFECTUOSOS CON TAPAfiSTERAS ANDINA AHUMADA 66 EXPOSICION 750 F NOGUERA 32 « SN DIEGO 231 SONDER-BERKHT FÜR DAS B Ende mit Machtmitteln zu erkaempfen haben solltet, weil die Gegenseite auf ihrem voelkerrechtswidrigen Nein beharrt”. ISRAELISCHE REGIERUNG WARTET AB Nicht nur in jener Parlamentsdebatte zeigte sich, dass Frau Golda Meir, zu den Skeptikern g e h o e r t. Andererseits verhaelt sich die Regierung deren Aussenpolitik sie leitet und zur Eroeffnung der vorher erwaehnten Aussprache der Knesseth in umfassender Darstellung vortrug, zur Friedensoffensive des Tunesiers keineswegs so radikal ablehnend wie die rechtsnationalistische “Freiheitspartei” in deren Sprachrohr, der “Cheruth”, dieser Tage zu lesen stand: “Alle welche davon traeumen, Israel zu einem Anhaengsel des nasseristischen Imperiums zu machen, alle, die das Wesen der juedischen Renaissancebewegung verkleinern wollen, sind aus ihren Loechern hervorgekrochen, als sie diese schlauen, gewundenen und gefaehrlichen Erklaerungen des tunesischen Praesidenten... gehoert haben... Wir wissen nicht, ob diejenigen, die von diesen Vorschlaegen so begeistert sind, wirklich so naiv sind oder sich nur so stellen... Der Preis des Friedens, den er von uns verlangt, waere der Verlust unserer Selbstaendigkeit”. Regierungsseitig wurde auch kein Bedenken gegen die vor einigen Tagen bekannt gewordene Absicht der Mapam laut, den Abgeordneten Barsilai, einen ihrer besten Koepfe, der inzwischen zu einer Parlamentarier-Tagung ins Ausland gereist ist, zur Kontaktaufnahme mit Vertrauensleuten Chabib Bourgibas zu veranlassen. Im Wortwechsel, der hier auszugsweise nach dem Sitzungsprotokoll wiedergegeben wurde, hatte Frau Golda Meir es eben diesem Abgeordneten nahegelegt, “zu Bourgiba zu reisen” — was so gesehen also keine Improvisation --“wesen sein muss, sondern ernster gemeint sein koennte. Die “Arbeiter-Einheitsnartei” ging aber noch weiter. Demonstrativ trat sie soeben mit einem “Friedensplan” hervor, der als Antwort auf Bourgibas Vorschlaege gemeint und bezeichnet ist, und sich von ihnen im Grunde nur darin unterscheidet, dass er von keinem arabischen Staat und dementsprechend auch von keinem israelischen Gebietsverzicht spricht. Identisch aber ist dieser “Friedenspilan” mit dem tunesischen von der Klausel, die “die Ruecknahme eines Teiles der arabischen Fluechtlinge nach Israel” versieht, bis zum Fernziel einer Foederation des juedischen Staates mit seinen Nachbarn. Die Regierung Eschkol wird nicht offiziell unternommenen Versuchen, Bourgibas wirkliche Motive abzutasten, keine Schwierigkeiten in den Weg legen; aber sie ist klug genu" in Antworten ihrer Minister auf seine Friedensoffensive nicht ueber allgemein gehaltene Komplimente hinauszugehen, schon um seine innerarabische Position nicht unnoetig zu schwaechen, und damit die Moeglichkeit seiner Einflussnahme auf arabische Wortfuehrer wie Abdel Nasser. Mithin ist es zur Stunde zweifelhaft, ob man diesen Plan im amtlichen Jerusalem ueberhaupt als Verhandlungsgrundlage ansieht. In der sicher betraechtlichen Zeitspanne, die bis zu seiner Gestaltwerdung erforderlich sein duerfte, koennte er ja tragisch ueberholt werden, wenn die Syrer und in ihrem Schlepptau die Libanesen und Jordanier das bekannte Projekt, die Quellen des Jordan abzuleiten, mittlerweile so bedenkenlos vorantreiben, dass die Israelis schlechterdings nicht laenger Gewehr bei Fuss Zusehen wollen, wie ihnen das Lebenselixier des Wassers genommen wird. In mehreren vielbeachteten Zeitungsauisaetzen trat im Hinblick darauf der einflussreiche fruehere Generalstabschef Mosche Dajan, der Sieger des Sinaifeldzuges von 1956 vor kurzem sogar dafuer ein, wie in diesem Feldzvso auch jetzt wieder das Praevenire zu spielen... Gluecklicherweise haben Levi Eschkol und seine Minister nichts fuer solche Wagnisse uebrig, obwohl es dem kuerzlich im Auftrag des amerikanischen Praesidenten Johnson nach Israel gekommenen Averell Harriman nicht gelang, sie auf die Zusage festzulegen, unter keinen Umstaenden mit militaerischen Massnahmen gegen die arabische “Wasser- Obstruktion” vorzugehen, Dennoch gibt sich die Regierung selbstredend keiner Taeuschung darueber hin, wie verheerend ein Krieg auch, wenn Israel siegt, fuer saemtliche Beteiligten heute werden wuerde, da die Ruestungen hueben und drueben intensiv wie nie zuvor, Tag fuer Tapf. mit den modernsten Vernichtungswaffen verstaerkt werden. Waere Chabib-Bourgibas Friedensoffensive die Alternative — selbst, wenn sie zum gegebenen Zeitpunkt an empfindliche israelische Zugestaendnisse geknuepft sein wuerde? Die Aussenministerin. Frau Golda Meir, irritierte es zwar betraechtlich, als die Linksopposition sie im Parlament zwingen wollte, ihre Karten aufzudecken. Und doch laesst sich leicht ermessen, welche Aufmerksamkeit die Regierung Israels jetzt diesem ersten, von arabischer Seite gekommenen Versuch widmet, endlich die Vernunft statt blinden Hasses sprechen zu lassen.

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