Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXVII (1965)
- Issue
- 5 (Mayo, 1965)
- Date
- 1965-05-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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MAYO 1965 BOLETIN INFORMATIVO 7 BOURGIBA: SILBERSTREIFEN ÄM ARABISCHEN HORIZONT Ein Araber spricht von Frieden - Ein neues Denken - Der Inhalt der Bourgiba-Erklaerungen - Nahe und ferne Perspektiven - Die Reaktion in Israel und den arabischen Laendern - Hintergründe der Initiative - Die Friedensoffensive als Funktion im arabischen kalten Krieg - Nassers Pyrrhus-Sieg. “Jedermann weiss, dass ein Krieg zwischen den arabischen Staaten und Israel unmoeglich ist... Man darf nicht immer von Dingen reden, die man doch nicht tun kann... Es grenzt an Demagogie, den Fluechtlingén aus Palaestina seit siebzehn Jahren die baldige Rueckkehr zu versprechen, ohne etwas wirklich Konkretes zu tun...” Ideen, die durch ihre Einfachheit, Klarheit und Richtigkeit schon fast wie Binsenwahrheiten klingen. So besteht auch die Sensation keineswegs darin, dass sie ausgesprochen wurden, sondern wer sie aussprach: C'habib Bourgiba, Praesident von Tunesien, Mentor der Regierungspartei Neo-Destour und durch die Bedeutung seines Landes im Rahmen der arabischen Welt einflussreiches Mitglied der “Arabischen Liga”. Es sind jetzt ungefaehr zwei Monate vergangen, seit er seinen Staatsbesuch in Jordanien ausnutzte, um in der Altstadt von Jerusalem —mit Augen, und Sinn nach Israel gewandt— den ersten Fuehler auszustrecken. Mit Kriegen, so ungefaehr sagte er, lassé sich keines, aber auch wirklich kein einziges der Probleme unserer Zeit loesen. Das sei nur durch Verhan dlungen moeglich. Den Namen Israel sprach er nicht aus, aber bei dem Wortlaut seiner Erklaerungen und dem Ort, an dem er sie abgab, konnte er sich das leisten, ohne der Phantasie seiner Zuhoerer zuviel zuzumuten. Dann war er noch weitere fuenf Wochen unterwegs, besuchte fast alle arabischen Laender einschliesslich Aegypten, wo er Unterredungen mit Nasser hatte.. Hier und dort liess er Aeusserungen im gleichen Sinne fallen, ohne eigentlich auf eine. Replik zu stossen, deren Autor gleiche oder aehnliché Kategorie beizumessen waere. So machte auch die anfaengliche Vorsicht und Diskretir-i einer z u n e h menden Klarheit Platz. Bis - er dann, nach Tunis zurueckgekehrt, am 22. April in einer Versammlung seiner Partei nicht nur das Kind beim Namen nannte, sondern auch inhaltlich entschieden weiter ging. Am Tage darauf gcwaehrte /er franzoesischen Presse-Korrespondenten ein Interview, das laut Version der Tageszeitung “Le Monde” und der Wochenschrift “Nouvel Observateur” seinen Gedankengang noch mehr praezisiero Ungefaehr laesst sich der Wortlaut seiner SUKZESSIVEN ERKLAERUNGEN folgendermassen z u s ammemassen- 1) Ein Krieg ist urnnoeglich: “Jedermann weiss, dass ein Krieg unmoeglich ist. Ihm wuerde binnen weniger Stunden von den Grossmaechten ein Ende gesetzt werden. Die Verein igten Staaten sind entschlossen, mit der gleichen Festigkeit sowohl einer Aggression durch Israel wie gegen Israel entgegenzutreten”. 2) Ein Sieg ist unmoeglich: “Man darf nicht immer wieder davon reden, dass man die Juden ins Meer werfen will, da man es ja doch nicht kann. Und wenn man auf - hoert, davon zu reden, dann wuerde vielleicht das allein ausreichen, um mit ihnen einen modus vivendi zu finden”. 3) Freunde der Araber lehnen anti-israelische Politik ab: “Ich habe seit langem den Eindruck, dass die Araber in der Israel-Frage selbst bei ihren besten Freunden auf Widerstand stossen. 'Jugoslawien ist nicht, das einzige Beispiel. Da ist zum Beispiel Cuba: hat denn Fidel Castro etwa keine diplomatische Beziehungen zu Israel?" 4) Antizionismus fuehrt zu -Antisemitismus: “Im Falle Palaestina fuehrt der Hass dazu, dass man Antizionismus mit Antisemitismus verwechselt, was bei clen Massen einen Fanatismus erzeugt, dar sehr gefashrlich an dem Tage sein wird, an dem man schliesslich doch wird verhandeln muessen”. 5) Die Fluechtlinge sind betrogen worden: “Es grenzt an Demagogie, den Fluechvlingeh aus Palaestina scit siebzehn Jahren die baldige Rueckkehr in die Heimat zu versprechen, ohne etwa s wirklich Konkretes und Wirksames ' zu tun, was cha Chancen der Rueckkehr vergroessern koennte”. 6) Man soll verhandeln: “Ein Ausgleich kann auf dem Verhandlungswege gefunden werden. Die Verhandlungen sollen in einer neutralen Hauptstadt, beispiel-.- weise Rom, stattiinden. Ein Erfolg ist nur mit gutem Willen und beiderseitiger Bereitschaft zu Konzessionen nördlich. Darm kann man auch in einer snaetersn Phase, zur friedlichen Koexistenz von Arabern und Juden gelangen. wirtschaftliche Beziehungen anknuopfen und als N a t i enen Zusammenarbeiten”. 7) Die Verband!.ungsgruml- age': “Die angestrebte Kompromissioesung sollte in der Anerkennung Israels durch die arabischen Staaten bestehen, wenn Israel dafuer bereit ist sich dafuer auf die Grenzen des UNO-Teilunvsbeschlasses von 1947 zurueckzuziehen und die arabischen Fluechtlinge zu repatriieren”. DTE BEDEUTUNG dieser fuer einen arabischen Staatsmann ganz n e u e n Stellungnahme zu praezisicren, ist keine leiclue Aufgabe. Damit, sie sensationell oder revolutionärzu nennen, ist ebenso wenig ge leistet, wie sie in ihre einzelne Bestandteile zu zerpfluecken. Dass sie prinzipiell viel Richtiges enthaelt, sagt noch nichts ueber ihre politische Wirksamkeit aus: die Wird erst durch die Zeit und viele strategische und taktische Umstaende erprobt wer- CHABIB BOURGIBA Ein Auswegdurch Verhandlungen... den. Worin darf man also in diesem ersten Moment das Wesentliche sehen? Doch sicher darin, dass hier zum ersten Mal in der offiziellen arabischen Welt von .sehr autorisierter Seite aus ganz neue, andere, C-edank en geaeussert werden. Und so gar mehr als Gedanken: ein ganz anderes Denken ist das. Ein neues Denken, das sich von Tatsachen statt von Wuenschen —die obendrein blutruenslige Wuensche sindleiten laesst, das Ziele abs:.eciiü, ueber die anstaendici Menschen sich anstaenüig unterhalten koennsn, selbst wenn sic verschiedener Meinung sind; das an Stelle destruktiver Konzepte konstruktive setzt:, das irgendwie in Einklang zu kommen ’-ersucht mit den Prinzipien von Frieden and international Kooperation. ~„j waere deshalb bestimmt falsch, sich in diesem ganzen Wald neuer Vorstellungen zu sehr an diesem oder jenem Baum zu stossen. Dass die Bedingungen von 1965 radikal verschieden sind von jenen, unter denen 1947 in der UNO der Teilungsbeschluss ausgetueftelt wurde und dass noch nicht einmal die Fluechtlinge von 1965 dieselben sind wie jene von 1948, sowie dass die Loesur.fr ihres Problems nicht in einer massiven Ansiedlung in Israel gefunden weiden kann, das wteiss Bourgiba wahrscheinlich genau so gut wie wir. Aber erstens darf man in seinen diesbezueglichen Vorschiaegen keine sine qua non Bedingungen sehen, und wenn er sie auch noch so imperativ formuliert: sie sollen Verhandlungsgrundlagen darstellcn. Das heisst, dies ist jetzt', nicht der Moment, um. zu .sagen, dass die Verhandlungen so nicht ausgehen duerfen, sondern um sich zu fragen, cb sie so anfangen koennen! Und dagegen sollte von israelischer Seite gewiss nichts einzuwerden sein. Selbst der kampflustige Ben Gurion hatte in seiner Eigenschaft als Premier wiederholt erklaert, jederzeit bereit zu sein, sich mit Nasser ohne' vorherige Bedingungen zum Zwecke von Verhandlungen ueberall zu treffen: und sei es in Kairo. Bourgibas Verhandlungsziele heute schon bis ins letzte zu analysieren, hiesse das Pferd vom Schwänze her aufzaeumen. Denn erstens werden die Verhandlungen mit den Arabern,. wenn sie einmal stattfinden, ohnehin sehr sehr lange da.uern und sehr schwierig sein und zweitens... ist die arabische Welt als Ganzes natuerlich noch nicht reif zu diesen ' Verhandlungen. Zu lange hat die Siedehitze der Drohungen und Kriegshetze die Wueste ausgedorrt, als dass das zarte Pflaenzlein der Verstaendigung auf das bisschen Regen von Tunis hin nun schon aufbluehen koennte. eine solche Einstellung die Gefahr in sich birgt, feine Version von “israelischem Nasserismus” zu schaffen. Zwischen diesen beiden Extremen steht die Regierung, jedoch nicht in der arithmetischen Mitte, sondern mit einer klaren Neigung zur positiven Seite der Verstaendigung, die sie ja seit 17 Jahren Immer konsequent gefordert hat. Wenn trotzdem beispielsweise der von Dr. Nechuschtan uns uebermittelten Version der Debatte ■ Golda Meir-Barzilai eine gewisse Reserviertheit zu entnehmen ist, so mag dies zum grossen Teil darauf .zuruecksufuehren sein, dass man Bourgiba im Moment keinen Gefallen tun wuerde, dieselbe. aufzugeben. Vom taktischen MONATSSPIEGEL DIE REAKTION AUF BEIDEN SEITEN Einen Silberstreifen am Horizont aber stellt Bourgibas Initiative dar: wer das fuer wenig haeit, soll daran denken, dass die Nacht nun schon 17 Jahre dauert. Ob er anhaelt, ob er ein Morgengrauen ankuendigt oder. ob er wieder fuer eine iange Zeit verschwinden wird, kann heute niemand prophezeien. Man muss sich darauf beschraenken, den Widerhall zu studieren, den diese Initiative auf beiden Seiten ge funden hat und kann hoechstens daraus einige ebenso vorsichtige wie vorlaeufige Rueckschluesse ziehen. Die ersten israelischen Stellungnahmen lassen sich auf den Nenner “vorsichtig” oder “abwartend” zusammenfassen. So ist die Presse im grossen Ganzen recht reserviert, wenn auch der relativ kuehle Ton, den unsere Leser an anderer Stelle dieser Ausgabe in der Kolumne “Die israelische Presse schreibt” beobachten koeninen, groesstenteils das Echo iauf die ersten Erklaerungen vorstellt. Ueber die Parlaments-Debatte liegt uns der Bericht unseres Israel-Mitarbeiters Dr. Abner Nechuschtan vor. In beiden Sphaeren —Presse und Knesset— spiegelt sich naturgemaess die Einstellung der Parteien wieder: von Mapiam, die stets die Verstatndigung mit den Arabern zum Primat ihrer aussenpolitischen Einstellung gemacht hat und naturgemaess grosse Hoffnungen an diese neue Etappe der Entwicklung knuepft, bis Cheruth, deren unversoehnlichsr Nationalismus darin seinen Ausdruck fand, vor der “Falle” zu warnen, die Bourgiba angeblich gestellt habe. Ueberfluessig zu sagen, dass Gesichtspunkt aus waere hier ein Maximum kein Optimum und wenn wir ihm sozusagen “um den Hals fallen wuerden”, so waere eine solche Liebesbezeugung nicht nur unverdient sondern koennte sein Prestige in der arabischen Welt, an dem uns nur liegen kann, im Moment schwerlich heben. Andererseits liegen aber z. B. Erklaerungen vor, die ein Mann von der Autoritaet des Vize- Premiers Abba Eban in London abgegeben hat und welche die staendige israelische Bereitschaft zu Verhandlungen erneut dokumentieren. Keine dieser regierungsoffizieilen Stellungnahmen gehen auf die an Israel adress i e r t en Forderungen von Bourgiba im Einzelnen ein. Man ist also ganz offensichtlich auch an verantwortlichster Stelle davon ueberzeugt, dass mar. die Einfahrt in die Z w i s chenstation der Verhandlungen nicht deswegen versperren darf, weil es auf dem weiteren Weg zur Endstation des Friedens noch riesige Felsbloecke zu sprengen gilt. Vor allem nicht heute, da es noch mehr als zweifelhaft ist, ob diese ersten Signale genuegen, um aus dem mit Dynamit geladenen Bahnhof des Kriegszustandes loszukommen. Werden sie genuegen? Um diese Frage zu beantworten, ist es natuerlich wichtiger, die Reaktion ln den arabischen Hauptstaedten zu studieren. Und dabei ist es frappant festzustellen, dass im Moment, da diese Zeilen geschrieben werden —10 Tage nach Bourgibas voriaeufig letzten Erklaerungen— noch keine arabische Regierung eine offizielle Stellung- (Fortsetzung Seite 8)