Mannheim
Compact Memory

Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1965-05-01 · 5 (Mayo, 1965) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXVII (1965)
Issue
5 (Mayo, 1965)
Date
1965-05-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/8553624-8559342-9194626--4497-8559440
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

4 BOLETIN INFORMATIVO MAYO 1965 BAUEN FUER DIE ZUKUNFT ihnen nicht zumuten, naemlich, sie einmal in der Woche fuer 2 Stunden sich mit juedischen Dingen befassen zu lassen. Wie sollen wir eine der Hauptaufgaben einer juedischen Gemeinde erfuellen, unseren Kindern Kenntnisse der iuedischen Religion, ties Wesens des Judentums zu vermitteln, wenn diejenigen uns nicht hierbei unterstuetzen, die in erster Linie hierzu berufen und verantwortlich sind? Wir wissen alle, das unsere Kinder durch ihre Schule, durch Schulaufgaben, Privatunterricht, Sport und dergleichen ausserordentlich in Anspruch genommen sind. Diese Beschaeftigung, diese Belastung darf aber nicht dazu fuehren, dass man gerade all das vernachlaessigt, was unsere Kinder unbe dingt brauchen, wenn wir wollen, dass sie als Juden leben. Wie in den vergangenen Jahren bitte ich auch heute alle die Eltern, die es angeht, diese kleine zusaetzliche Belastung ihrer Kinder von 1 bis 2 Stunden woechentlichen Unterrichts in unserer Religionsschule nicht als so schwerwiegend anzusehen, dass sie darauf verzichten, ihren Kindern auch nur diese ganz bescheidenen Grundlagen juedischen Wissens, mehr als dies kann ja in zwei Wochenstunden nicht vermittelt werden, zu geben. Wir haben an den Hohen Feiertagen besondere Jugendgottesdienste sowoh 1 i m Gemeindehaus, wie im Teatro Marconi veranstaltet. Auch dieses Mal wurde wiederum ein Gottesdienst fuer Kinder und ein zweiter fuer Jugendliche nach der Barmizwa abgehalten mit besonders hierfuer vorbereiteten Gottesdienstordnungen. Ich kann mit berechtigtem Stolz sagen, dass diese Gottesdienste an den Hohen Feiertagen, an denen junge Menschen unter Aufsicht von Funktionaeren unserer Gemeinde fuer ihre Altersgenossen vorbeteten, Schofar bliesen, aus der Thora vorlasen und ihnen den tiefen Sinn und den inneren Gehalt unserer Feiertage erklaerten, ein grosser Erfolg waren. Sie haben bestimmt viel dazu beigetragen, die jugendlichen Teilnehmer unserem religioesen Leben naeher zu bringen und ihnen einen Begriff dessen zu vermitteln, was unsere juedi- ■sche Tradition bedeutet. MITEINANDER LEBEN ERLEBEN, LERNEN UND SICH FREUEN Meine lieben Freunde: - Die Arbeit unserer Gemeinde erschoepft sich nicht in dem, was ich Ihnen soeben berichtet habe. Jugendarbeit in Suedamerika, wie ueberall in der Welt, besteht heute auch in der Arbeit von Jugendverbaenden, die unsere Jungen und Maedchen zusammenfassen, in denen sie ausserhalb des Elternhauses und der Schule mit ihren Altersgenossen zusaimmenkommen, miteinander leben, erleben, lernen und sich freuen koennen. Entsprechend dieser Auffassung haben wir auch in diesem Geschaeftsjahre, wie alljaehrlich, die Sommerlager aller Jugendorganisationen grosszuegig unterstuetzt, ganz besonders aber die Organisation, die wir als Schoepfung unserer Gemein schaft betrachten, den “Barcai”. Der “Barcai* zaehlt z. Zt. 120 Mitglieder, von denen ueber 70 Kinder von Angehörigen unserer . Gemeinschaft sind. Die stets ausserordentlich gut besuchten Veranstaltungen des Barcai finden in unserem Jugend heim in der Calle Sta. lsabel statt, in dem trotz des beschraenkten Raumes regstes Leben herrscht. Auch in diesem Jahre fuehrte der Barcai ein Winterlager mit 35 Teilnehmern durch und ebenso ein Sommerlager, an dem 70 Jugendliche teilnahmen. An dem internationalen Fuehrerlagef des Jazit, dem Barcai angeschlossen ist, und das unter dem Protektorat der Centra im Februar in Lima unter Leitung der Herren Rabbiner Loewenstein und Abraham Maguenzo stattfand, nahmen 5 Mitglieder des Barcai teil. Wie uns mitgeteilt wurde, haben diese junge Menschen sich in hervorragender Weise an den Arbeiten des Seminars beteiligt und einen glaenzenden Eindruck gemacht, sodass wir ueberzeugt sind, dass sie in der Lage sein werden, diejenigen Jugendlichen zu ersetzen, die infolge ihres Berufes oder fortgeschrittener Studien sich von der Leitung zurueckziehen muesserv Ich glaube, meine Freunde, wir koennen mit dem Aufschwung, den der Barcai genommen hat, zufrieden sein, ein Aufschwung der uns vertrauensvoll in die Zukunft blicken laesst. TRADITION UND LEBEN — VERGANGENHEIT UND ZUKUNFT Meine sehr geehrten Damen und Herren: Die Arbeit einer Gemeinde besteht aus zwei Grundpfeilern; Tradition und' Leben; Vergangenheit und Zukunft. Fu6r die Zukunft bauen wir, wenn wir fuer unsere Jugend arbeiten. Wir wissen aber, dass diese Zukunft nur dann gesichert ist, wenn sie auf der festen Grundlage unserer Tradition, unserer religioesen Ueberliefer u n g beruht. Dafuer zu sorgen, diese Tradition lebendig zu halten, ist Aufgabe einer unserer wichtigsten Kommissionen, der Kultus- Kommission. Die Arbeit dieser Kommission ist ganz besonders schwer, sie hat die Verantwortung fuer unser religioeses Leben, sie muss einen Weg finden, der den heiligen Werten unserer Vergangenheit gerecht wird und auch gleichzeitig den Bedürfnissen unserer Zeit und unseres Kontinent es Rechnung traegt. Wir alle wissen, dass die Arbeit^ der Kultus-Kommission sich nicht etwa lediglich auf die Vorbereitung der Hohen Feiertage und die Durchfuehrung der Gottesdienste an diesen heiligsten Tagen unseres juedischen Jahres beschraenkt. Alle anderen Feiertage, jeder Schabbat, ja vielleicht a m allermeisten die Aufrechterhaltung des taeglichen Minjan, sind Probleme, die sie tief beschaeftigen und deren Loesung in ihren Haenden liegt. Unsere Kultus — Kommission hat sich im abgelaufenen Geschaeftsjahr ausserordentlich und, wie w i r glauben sagen zu koennen, erfolgreich bemueht, alle diese ihre Aufgaben in wuerdiger Form zu erfuellen. Son fanden an den Hohen Feiertagen wiederum drei Gottesdienste statt, und zwar wie immer in unserer Synagoge, im 3. Stock des Gemeindehauses und im Teatro Marconi. Bei den Gottesdiensten im Teatro Marconi wurden die Herren Kantoren, wie alljaehrlich von unserem Damenchor unterstuetzt. Ich moechte von dieser Stelle aus, den Damen aufs Herzlichste dafuer danken, dass sie mh nie ermuedender Aufmerksamkeit und Opferwilligkeit weder Muehe und Zeit gescheut haben zu uns zu kommen und bei der Verschoenerung unserer Gottesdienste mitzuwirken. Ebenso moechte ich den Herren des Maennerchors danken, dass sie mit so viel Hingabe und Liebe zur Sache unseren Feiertags Gottesdiensten Im Gemeindehaus einen schoenen und wuerdigen Rahmen gaben. Im abge laufenen Gejschaeftsjahr haben wir einmal im Monat einen zweiten Freitag — Abendgottesdienst mit gemischtem Chor abgehalten. Bei , diesen Gottesdiensten wurde in gesteigertem Maasse die’ Landessprache benutzt und somit einer Anzahl von Menschen auf diese Weise das Verstaendnis fuer den Sinn und die Bedeutung des Schabbat naeher gebracht. Die Gebets Ordnung entsprach dem Siddur, der vom Consejo Mundial de Sinagogas in Buenos Aires herausgegeben worden ist, und der eine besonders schoene spanische Uebersetzung unserer heiligen Gebete bringt. Leider waren diese Gottesdienste nicht so besucht, wie wir erwartet haben. Das ist wohl d a r a uf zurueckzufuehren, dass gerade am Freitag Abend die Geschaefte spaeter schliessen als sonst und daher so mancher, der gern mit seinen Kindern an diesen Gottesdiensten teilnehmen wuerde, am Erscheinen verhindert ist. . Wir werden diese Freitag — Abendgottesdienste trotz alledem auch im kommenden Geschaeftsjahr weiter fortsetzen. Wir hoffen. dass, wenn tatsaechlich, wie geplant, ab Mai die durchgehende Arbeitszeit eingefuehrt werden wird, fuer zahlreiche unserer Freunde jeglicher Hinderungsgrund zum Besuche dieser schoenen und wuerdigen zweiten Abend-Gottesdienste wegfallen wird, und diese dann vielleicht sogar zu einer frueheren Stunde unter grosser Beteiligung stattfinden koennen. Auch der traditionelle Gemeindeseder ist in diesem Jahre wieder, geleitet von Herrn Rabbiner Loewenstein, in Anwesenheit von 118 Personen, abgehalten , worden. Dies beweist, dass der Wunsch nach dem Erleben unserer traditionellen Werte stark und lebendig ist. Meine Damen und Herren: Am 31. Dezember 1964 hat Herr Kantor Baruch sich wieder nach Buenos Aires begeben und unser lieber Kantor Oscar Ruschin sich in den Ruhestand zurueckgezcgen.15 Jahre lang hat Herr Ruschin seine besten Kraefte und sein ganzes Koennen unserer Gemeinde gewidmet. Er war uns allen stets ein lieber Freund und Mitarbeiter, dem wir von ganzem Herzen fuer seine unermuedliche Arbeit dankbar sind. Wir wuenschen ihm, dass es ihm vergoennt sein moege an der Seite seiner Frau Gemahlin noch viele, viele Jahre seinen wohlverdienten Ruhesta n d zu geniessen. Ich bin ueberzeugt, dass Herr Ruschin auch im Ruhestand immer dann uns zur Verfuegung stehen wird, wenn wir ihn brauchen, sowie auch wir stets fuer ihn da sein werden, wenn er uns benoetigt. Die Frage des Nachfolgers unseres Herrn Ruschin ist noch nicht geklaert. Im Monat Maerz hat ein Herr bei uns zur Probe vorgebetet, der zwar eine sehr schoene Stimme hatte, dessen Kenntnisse aber unseren Anforderungen nicht genuegten. Am 9. und 10. April sollte ein weiterer Herr vorbeten. Dieser hat uns jedoch mit einem Brief, einen Tag nach dem Erdbeben abgesagt. Offensichtlich hatte er Angst vor derartigen Naturereignissen. Zunaechst ist vorgesehen, dass im Monat Mai wiederum ein Kantor aus Buenos Aires bei uns zur Probe Vorsingen wird und hoffen wir, dass spaetestens im Laufe des Juni ein geeigneter Kantor gefunden werden wird. Bis zur endgueltigen Besetzung dieses Postens hat Herr Leo Horenczyk sich uns zur Verfuegung gestellt. NEUORIENTIERUNG DER KULTURARBEIT Unsere Kulturveranst a 1tungen bestanden im vergangenen Geschaeftsjahre aus zwei Vortragsabenden. An dem ersten sprach Herr Rabbiner Lubliner ueber “Das Gebet", leider war dieser so interessante Vortrag, abgesehen von den Mitgliedern der Kultus-Kommission die diesen Abend organisiert hatte, nur von' sehr wenigen Damen und Herren besucht Auch der Vortrag von Herrn Prof. Dr. Fritz Bamberger ueber “Fragen juedischer Erziehung” war sehr schwach besucht, obwohl es sich bei dem Vortragenden um einen der bedeutendsten juedischen Gelehrten unseres Sprachkreises handelt. Herr Prof. Dr. Bamberger hatte Suedamerika und dabei auch unsere Gemeinde im Aufträge der Centra besucht. Mit Ruecksicht auf den geringen Anklang, den sein Vortrag fand, habe ich beim Centra-Kongress im Oktober in Sao Paulo und ebenso bei der Sitzung des Direktoriums der Centra am 23. Maerz in Buenos Aires angeregt, dass in Zukunft von der Entsendung lediglich deutschsprachiger Redner Abstand genommen wird, die sowohl der Centra wie auch den Gemeinden ausserordentliche Kosten machen und nicht den erstrebten Erfolg haben. Ich habe statt dessen angeregt, dass die Centra Vortragsreisen von auf unserem Kontinent wohnhaften Persoenlichkeiten organisi e r t, die in der Landessprache zu uns sprechen und dadurch die zweite Generation anziehen, die zwar deutsch versteht, der aber selbstverstaendlich besondere Feinheiten verloren gehen mue.ssen, sodass sie erst garnicht zu diesen Vortraegen kommt Diese Anregung ist aufgenommen worden und ich kann Ihnen zu meiner Freude mitteilen, dass bereits am 27. Juli Herr Dr. Hardi S/warsensky, der bekannte Schriftsteller und Herausgeber der “Semana Israelita', hier bei uns sprechen wird Wir sind ueberzeugt, dass der Vortrag dieses ausgezeichneten Redners, der schon anlaesslich des Centra-Kongresses im Jahre 1962 in diesem Saale groessten Beifall der zahlreichen Zuhoerer gefunden hat, eine grosse Anzahl Besucher anziehen wird. Unserer Gemeindebibliothek konnten wir auch in diesem Jahre wieder eine Anzahl wertvoller Werke zufuehren, leider haben auch im vergangenen Jahre nur wenig Mitglieder von unserer Gemeinde davon Gebrauch gemacht. DAS “B. I.” — UNSER STOLZ Die wichtigste Kulturarbeit unserer Gemeinde wurde auch in diesem Jahre wiederum von unserem Boletín Informativo geleistet. Wir koennen stolz auf unser Gemeindeblatt sein, das allenthalben als das beste Gemeindeblatt Suedameri k a s angesehen wird. Unsere Presse-Kommission war auch in diesem Jahre bestrebt, unser Blatt so aktuell wie moeglich zu gestalten. Sie war sich in jeder Weise der ausserordentlichen Verantwortung bewusst, die das Organ unserer Gemeinschaft gegenueber unseren Mitgliedern und gegpnueber dem Auslande hat. Besonders moechte ich die Kinderbeilage, die “Voz Infantil” erwaehnen, die von Frau Marianne Tobias redigiert wird. Frau Tobias hat es verstanden, die ausserordentlich grosse Zahl von 48 Kindern als Mitarbeiter zu gewinnen, denen wir saemtlich im Verlaufe einer wohlgelungenen Feier anlaesslich Purim Praemien fuer ihre Arbeit ueberreicht haben. Ich danke allen meinen Mitarbeitern der Presse — Kommission, Frau Marianne Tobias, Herrn Hans Engel, der mit grossem Fleiss und Geschicklichkeit die einzelnen Nummern zusammenstellte, vor allem aber unserem Chefredakteur Herrn Hans Kaufmann, dessen Monatsspiegel von allen Lesern mit Spannung erwartet wird und der in diesem allmonatlich zu den wichtigsten Tagesproblemen mit hervorragender ■ Sachkenntnis und unuebertrefflichem Stil Stellung nimmt, zwei Eigenschaften, die ihn in die erste Reihe der Redakteure unseres Sprachkreises stellen. Seien Sie alle der vollsten Dankbarkeit und Anerkennung unseres Direktoriums versichert. Eine weitere wichtige Einrichtung unserer Gemeinde ist das Schiedsgericht. Auch im vergangenen Jahre ist dieses in einer Anzahl von Faellen taetig geworden, und zwar ist es wiederum auch von Nichtmitgliedern unserer Gemeinde in Anspruch genommen w'orden. Den Herren Vorsitzenden und den Herren Schiedsrichtern danke ich ebenfalls von dieser Stelle aus fuer ihre hingebungsvolle Taetigkeit, durch die sie es erreicht haben, dass Streitigkeiten auf guetlichem Wege beigelegt wurden, ohne dass sich die Ordentlichen Gerichte mit ihnen beschaeftigen mussten. (Fortsetzung Seite 5)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.