Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXVII (1965)
- Issue
- 4 (Abril, 1965)
- Date
- 1965-04-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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12 BOLETIN INFORMATIVO ABRIL 1965 GERMANIA JUDAICA Seit sechs Jahren besteht in Koeln diese -Bibliothek zur Geschichte des deutschen Judentums". Den Anstoss zu ihrer Gruendung gaben Gespraeche des damaligen Leiters der Buchhandlung an der Universitaet, Karl Keller, der durch seine taeglichen Unterhaltungen mit Studenten zu dem Schluss kam, dass die Jugend in Deutschland nur sehr unzureichend ueber die Geschichte des deutschen Judentums unterrichtet sei und es daher von groesster Wichtigkeit waere, eine Bibliothek zu gruenden, die sich der Sammlung”und Auswertung von Material zu diesem Thema widmet. Zusammen mit den Schriftstellern Heinrich Boell und Paul Schallueck gewann Kellers Plan Form und verwirklichte sich allmaehlich. Heute bilden Lehrer, Schueler oder Studenten 60% der Leser der Germania Judaica. Die Publikationen finden wachsendes Interesse; doch der Vorstand sieht die Entwicklung als noch laengst nicht abgeschlossen an. Der Buchbestand betraegt etwa 5000 Baende. Wenn man weiss, dass sich darunter vor allem Werke der historischen Darstellung des deutsch-juedischen Verhaeltnisses befinden, nicht aber Buecher juedischer Autoren ohne Beziehung zum Thema, dann erkennt man die Sorgfalt, mit der hier gearbeitet wird. Wie umfassend das Betaetigungsfeld der Bibliothek ist, ergibt sich daraus, dass regelmaessig 15 Zeitschriften und Zeitungen ausgewertet und registriert werden. So entsteht ein Bild der deutsch-juedischen Fragen im Spiegel der Publizistik. Daneben enthaelt die Dokumentationsabteilung historische Kostbarkeiten, die der Geschichtsforschung dienen. Gegen eine geringe Lesegebuehr werden Buecher an I n te ressenten, ausgegeben, auswaertige Leser koennen durch Vermittlung ihrer oertlichen Bibliotheken an der Ausleihe teilnehmen. Die ‘‘Germania Judaica” begnuegt sich nicht mit der Sammlung von Schriften zu juedischen Themen, sie steht vielmehr ganz in der Gegenwart. -Ueber die deutschen Jude n”, “Geduldet oder gleichberechtigt”, “Die juedische Frage im Deutschunterricht” sind nur einige Titel aus der Publikation, aber sie vermoegen eine geistige Haltung, Tendenzen, zu zeigen. Die Taetigkeit der Bibliothek erschoepft sich nicht im Sammeln und Katalogisieren jener Veroeffentlichungen, die in einem Verhaeitnis zu ihrem Aufgabenbereich stehen. Erzieherkonferenzen und die Zeitschrift “Germania Judaica” sind Beitraege zu einem fortwaehrenden Gespraech zwischen Nichtjuden und Juden in Deutschland. Joachim Hemmerle GEDANKEN ZWISCHEN 2 UND 3 SELBST-ERLEBTES VERBRECHEN UND VERMEHRUNG Kritisch aeusserte sich der Berliner c D U-Abgeordnete Ferdinand Friedensburgzu Ausführungen des Bundesjustizministers. Er vermisse, so meinte Friedensburg, “konstruktive Vorschlaege” der Bundesregierung zur Loesung des anstehenden Problems. Nach dem Bericht der Bundesregierung und den ergaenzenden Worten des Ministers haette das Parlament erwarten koennen, dass die Regierung ihre angekündigte Unterstützung bereits praezisiert haette, dem Bundestag beim “Auffinden eines rechtsstaalichen Weges” behilflich zu sein. “Diese Unterstützung sind Sie dem Haus bisher schuldig geblieben”, sagte Friedensburg, zum Bundesjustizminister gewandt. Friedensburg wandte sich scharf gegen die Forderung, die NS-Prozesse in Deutschland zu beenden. Diejenigen, die diese Forderung erhoben haetten, gaeben sich der Illusion hin, dass man diese Dinge mit der verjaehrung beenden koenne und verwechselten Verjaehrung mit Amnestie. Der Bundestag stehe in dieser Debatte vor einem Problem, für das es eine Patentlösung nicht gebe, sagte Friedensburg. Alle wüssten, dass nur ein Teil dieses Problems geregelt und geordnet werden könnte und dass dazu die Unterstützung der Bundesregierung und der Einsatz aller notwendig seien. “MANCHE URTEILE SIND BESCHAEMEND” Vor dem “Tick der Rechtsgleichheit’’ warnte der SPD- Abgeordnete Ludwig Metzger und erinnerte daran, dass die Weimarer Republik daran zugrunde gegangen sei, dass sie Staatsfeinde und staatserhaltende Kraefte vor Gericht gleich behandelt habe. Metzger war der Meinung, dass man ohne eine Verfassungsaenderung die Verjaehrungsf r i s t verlaengem könne (Schluss von Seite 10) erklaerte sich aber zur Verfassungsaenderung b e r e it, wenn so die Bedenken andersdenkender ausgeraeumt wuerden. Dem Justizminister hielt Metzger vor, er haette "das Gewissen der Richter schaerfen müssen”, die in der letzten Zeit Prozesse gegen Nazi-Verbrecher geführt haben, denn manche der gefaellten Urteile seien einfach als “beschaemend zu bezeichnen”. Metzger vertrat weiter die Auffassung, dass, in den Beratungen im Ausschuss das Problem der Haupttaeter und ihrer Gehilfen gelöst werden müsse, damit, wie es in jüngster Zeit immer wieder vorkomme, "Haupttaeter sich xncht hinter der Behauptung verschanzen können, sie seien nur ausführende Organe gewesen”. Der CSU-Abgeordnete Linus Memmel erklaerte sich bereit, der Verlaengerung der Verjaehrungsfrist auf 3 0 Jahre zuzustimmen, vorausgesetzt, dass sie nicht rückwirkend wirksam wird. Eine gerierelle Aufhebung der Verjaehrung für Mord lehnte der Abgeordnete nachdrücklich ab. Memmel begründete seine Haltung vor allem damit, dass die Justiz in einem solchen Fall überfordert würde, weil es kaum möglich sei, nach 30 oder mehr Jahren die Tatbestaende eines Verbrechens exakt zu rekonstruieren. Der FDP-Abgeordnete Hermann Busse setzte sich dafür ein, “die strengste Verfassungsmaessigkeit lebendige Wirklichkeit werden zu lassen”. Die Freien Demokraten haetten sich nie von einer Volksstimmung beeinflussen lassen, auch nicht zu einer Zeit, als einer Volksbefragung “wahrscheinlich eine Mehrheit für die Wiedereinführung der Todesstrafe ergeben haette”. Seit eh und je, fuhr Busse fort, habe das Vorhandensein der Verjaehrung bewirkt, dass Morde ungesühnt geblieben seien. Er glaube nicht, dass dadurch das Recht an sich korrumpiert würde. Eine Korrumpierung des Rechts sei auf gar^z andere Weise geschehen. Es gebe aus all diesen Gründen für seine Partei nur eins, sagte Busse: Alle gestellten Antraege abzulehnen. Sie seien für die Freien Demokraten nicht diskutabel. ERLEB BETONT VERSTAENDNIS Als letzter Debattenredner nahm Fritz Erler (SPD) das Wort. Er erklaerte: “Ich verstehe sehr wohl die Bedenken all derer, die aus Sorge um das Recht einen anderen Standpunkt vertreten”. Doch solle man sich nicht schon festschwören, sondern gemeinsam nach eiiiem Weg suchen. Erler stellte fest: “Es handelt sich ausschliesslich um Untersuchung und Verfolgung von bisher unbekannt gebliebenen Mordtaten und Taetern”. “Sollen” so fragte Erler, “Maenner, die andere in den Befehlsnotstand gebracht haben, frei ausgehen?” Mit Nachdruck sagte er anschliess e n d : “Bei sadistischen Mordtaten ging es nicht um missbrauchte Idealisten”. Unter Berufung auf Barzel lehnte auch Erler die kollektive Schuld ab. “Was bleibt, ist Verantwortung, all der aelteren, Verantwortung auch derer, die im Widerstand standen aber nicht stark genug waren, Verantwortung auch derer in Weimar, die nicht faehig waren, die Demokratie zu schützen. Wir alle gehören zur ganzen deutsche Geschichte, und wir bemühen uns darum, dass dieses unser Volk mit sich selbst ins reine kommt”. Erler sprach abschliessend von der Absicht, “zu einer breiten, eindringlichen Mehrheit zu kommen”, und schloss mit einem Wort aus der Antrittsrede von Bundespraesident Heuss: “Gerechtigkeit erhöht ein Volk”. Schnell nahm ,ich ein Taxi, um zeitig zu einer Verabredung in der Stadt zu sein. Der Chauffeur, sauber und gepflegt aussehend, ein aelterer Mann mit schlohweisser Maehne, begruesste mich liebenswuerdig; ein Gespraech war schnell im Gange. “Señora”, laechelte er mich durch den , Rueckspiegel an, “heute morgen habe ich Ihren Sohn als Fahrgast bedient”. “Das ist leider nicht gut moeglich, da ¿nein Sohn nicht hier lebt”. “Denken Sie mal an, ich fand den Herrn Ihnen sehr aehnlich und auch —welcher Zufall— meinem aeltesten Sohn”. “Schade, dass ich ihn nicht kenne. Haben Sie noch mehr Kinder?”. “Ja —kratzte sich der Mann etwas verlegen am Hinterkopf— “eigentlich habe ich garkeine und andererseits Fuenf, seit vorgestern sogar Sechs”. Die Sache klang leicht misterioes und interessierte Frage und Antwort ergab folgende Geschichte. Rodolfo Gaete, heute 59 Jahre alt, hatte mit 20 Jahren ein lebhaftes, huebsches Maedchen, franzoesisch-chilenischer Abstammung geheiratet. Er war Sportler, seinerzeit Meister im Kunstspringen und Brust-Schwimmen und Amanda, seine junge Frau, half ihm in den ersten Jahren tapfer mitverdienen. Sie arbeitete in einer “Tiendecita” als Verkaeuferin, bis sie, hochschwanger, durch einen Sturz von der Leiter ihr ¡Baby verlor und auf den Tod krank lag. Alle Hoffnungen, jemals Kinder zu haben, mussten definitiv aufgegeben werden —das Leben bekam fuer dieses junge, spruehende, kinderliebe Paar ein neues Gesicht. Aber sie gaben sich nicht geschlagen. Rodolfo wurde (und ist seitdem) Taxichauffeur, Amanda arbeitete in einem Bureau, durch ihre geschwaechte Gesundheit an eine sitzende Taetigkeit gebunden. Und nun begann das, was sie zu aussergewoehnlichen Menschen machte. Sie “sammelten” im Laufe der Jahre arme, verlorene, ja, verlotterte Kinder von der Strasse und zogen sie wie ihre eigenen auf. Ihr aeltester “Sohn”, heute 34 Jahre alt, ist ,Pfleger im Hospital José Joaquín Aguirre, 2 “Toechter” wurden Stenotypistinnen, ein 13-jaehriger geht noch zur Schule (er will Mechaniker werden! und das juengste ein Maedelchen, ist 16 Tage alt und wurde von der sterbenden Mutter dem neuen Elterpaar vor einigen Tagen uebergeben. Sie nahmen es voll Liebe auf. Das Ehepaar lebt, umgeben von kindlicher Verehrung und Dankbarkeit, gluecklich im Kreise “ihrer” Kinder —und sie wollen noch mehr— in ihrer ersten bescheidenen Wohnung, Catedral 3018, wo ich sie besuchte und geruehrte Freude an der warmherzigen, harmonischen Atmosphaere dieses Musterheimes hatte. Sie hoffen, bald Grosseltern zu werden. Die ungarische Haushaelterin hatte ihre Not und Last mit dem traegen neuen Mozo, der in “Zeitlupen- Geschwindigkeit” den Besen ueber den Boden kriechen liess und nach zwei, drei Zuegen erschoepft ausruhen musste. Energisch nahm sie ihm das Werkzeug aus der Hand, flitzte es ueber das Parkett und versuchte, ihn damit zu einem schnelleren Rhythmus zu bewegen. Hoffnungslos; der Junge troedelte ungeruehrt weiter. Mit Haenden und Fuessen und vielen ungarischen Woertern bestuermte ihn die energiegeladene Dame — er sah sie stumpf und verstaendnislos an. “Rápido, rápido” erinnerte sie sich endlich des (ungarisch betonten) spanischen Wortes. Ein Laecheln des Verstehens erhellte das duemmliche Bubengesicht: “¿Y por qué rápido?, si lento se logra lo mismo”. Ein Philosoph. —O— Der Name Gertrudis ist — besonders fuer ein Kinderohr — etwas ungewoehnlich und schwer zu erinnern. Ein kleines Maedelchen, einer Gruppe Fuersorge-Kindern angehoerend, hatte damit b e sondere Schwierigkeiten. Von Woche zu Woche vergass sie den sonderbaren Namen. “Rosita” versprach ich ihr, “Wenn Du naechsten Montag weisst wie ich heisse, bekommst Du eine Extra- Tuete mit Bonbons”. Aufgeregt kam mir eine Woche spaeter das Kind entgegengelaufen. “Tía, tía”, rief sie, —und stoppte verwirrt, “tía... tía... eh, eh”— ein Strahlen ging ueber das Gesichtchen, “tía... avestruz” — und das blieb ich fuer alle Kinder des Heimes fortan. K...S Kleiderbuegel Staubwedel, Ausklopfer fuer Teppiche, Haarbesen fuer die Kueche, Fensterleder, Waeschetrockner, Schleifstein fuer Scheren, Messer, Rasierklingen, etc. O. MASSA Monjitas 685 — Pono 30938 Fordern Sie 10% Rabatt fuer Gemeindemitglieder