Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXVII (1965)
- Issue
- 4 (Abril, 1965)
- Date
- 1965-04-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 BOLETIN INFORMATIVO ABRIL 1965 DR. ABNER NECHUSCHTAN (TEL-AVIV): Jerusalem im Einverstaendnis mit Bonn fl SONDER-BERICHT FÜR DAS B. I. Mit dem Ziel, seine Verhandlungen ueber einen Austausch von Botschaftern zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Israel jetzt unter Dach und Fach zu bringen, sichtete Dr. JCurt Birrenbach, Prof. Erhards Beauftragter, in Bonn am Vortage seines zweiten Fluges nach Jerusalem vermutlich nochmals seine Denkschriften, ' Aufzeichnungen, Instruktionen — vielleicht zu eben der Nachmittagsstunde des 16. Maerz, da das israelische Parlament, die Knesseth, in Jerusalem zur Bestaetigung des Beschlusses zusammentrat, den die Regierung Eschkol zwei Tage vorher fast einstimmig gefasst hatte. An ihrem grundsaetzlichen Einverstaendnis mit dem Vorschlag des Bundeskanzlers, diplomatische Beziehungen aufzunehmen, war p,n sich selbstredend nicht zu zweifeln gewesen, seitdem ihn der westdeutsche Emissaer am 8. Maerz xiem Ministerpraesidenten und Frau Golda Meir, der Aussenministerin des juedischen Staates, formell uebermittelt hatte. Auch besteht Grund pur Annahme, dass sie mit dem Erhardschen Beschluss auf Grund mancher, Anfang des Monats aus Nordamerika hierher gekabelten Meldungen gerechnet, und sich auf das Gespraech mit seinem Vertreter entsprechend vorbereitet hatten. Ferner verstand es sich von selbst, dass in dieser ersten Serie der B e s p r e c hungen mit Herrn Birrenbach beispielhalber eine Wiederaufnahme der Abwicklung des seinerzeit von Dr. Adenauer und Ben Gurion geschlossenen deutschen Waffenliefervertrages eroertert wurde, ausserdem das Wie des Diplomaten-Austauschs, und in diesem Zusammenhang u. a. die Frage, ob sich die bundesrepublikanische Botschaft in Tel-Aviv oder nicht vielmehr in der Hauptstadt Jerusalem niederlassen werde. Aber von beiden Seiten wurden die hier und da in der Presse des In —und Auslands aufgetauchten Behauptungen, dass die Israelis ihre Zustimmung rigoros von der Erfuellung solcher und aehnlicher Wuensche abhaengig gemacht haetten, entschieden als Torpedierungsversuche irgendwelcher, am Misserfolg der Verhandlungen zum d e u t sch-israelischen Einverstaendnis interessierter Drahtzieher zurueckgewiesen. Und in der Tat, weder im Beschluss, mit dem Esch kols Regierung dem d e u t s chen Vorschlag zustimmte, war von derartigen “Vorbedingungen” die Rede, noch in der ebenso zustimmenden Erklaerung, die die Knesseth nach fuenfstuendiger Debatte in namentlicher Abstimmung, mit 66 Jastimmen gegen 29, bei 10 Stimme nthaltungen beschlossen hat. Eine deutsch-israelische “Vernunftehe” Genugtuung darueber, dass es endlich so weit war, hatte seinen Ausdruck in Israel Tag fuer Tag in den Zeitungen der Koalition, des massvoll gesinnten Gros der Arbeiterschaft und der verstaendigungsbereiten Mehrheit des Buergertums gefunden. Zugleich aber sprachen saemtliche Leitartikler nicht nur von .ihrem Bedauern darueber, dass der deutsche Kanzler den Staat Israel statt in einem echten SPontanakt vielmehr aus verwickelten taktisch - politischen Erwaegungen zum Nutzniesser dieser Entscheidung gemacht hatte. Regelmaessig fuegten sie hinzu, dass die Etablierung diplomatischer Beziehungen —eine reine, wenn auch noch so bedeutsame Formalitaet des Voelkerrechts — juedischerseits nicht als Bereitschaft zu verstehen sei, einen Schlusstrich des Vergebens und Vergessens unter die Tragoedie der Millionen von Opfern des Nationalsozialismus zu ziehen. Zunaechst jedenfalls sei es keine “Liebesehe”, die die zwei Staaten miteinander schliessen, sondern eine Vernunftehe in genauer Kenntnis der beiderseitigen Erfordernisse und Vorteile; und der Zukunft bleibe es ueberlassen, ob und wie sie sich bei gutem Willen, der hueben wie drueben gleich wuenschenswert sei, nach und nach erwaermen werde. Quer durch ¡alle Parteien Das hatte sich im seelischen Zwiespalt der schrecklichen Erinnerungen an das “Dritte Reich”, die die Gefuehle Abertausender hier im Lande unvermindert belasten, und ihrer nuechtern waegenden Vernunft als die Generallinie der Stellungnahme zur Initiative Ludwig Erhards herauskristallisiert. Rundweg war die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit den Deutschen unverzoegert nur von der “Cheruth”, der “Freiheitspartei” Menachim Begins auf dem rechtesten Fluegel abgelehnt worden, und —es versteht sich— am anderen Extrem von den Kommunisten und der “Mapam”, der radikalsozialistischen “Vereinigten Arbeiterpartei”. Allerdings aber hatte sich auch die “Achduth Ha’awodaj’, die “Partei der Arbeitseinheit” zu keinem Ja aufraffen koennen, obwohl sie der Koalition im Gegensatz zu der links an sie grenzenden “Mapam” angehoert. (In der Knesseth enthielten sich ihre Abgeordneten der Stimme.) Andererseits Hessen sich die zwei, zum Oppositionslager gehoerenden bürgerlichen Parteien der “rechten Mitte” das Gesetz des Handelns nicht von der “Cheruth” .vorschreiben, die “Liberalen” ebensowenig wie die “Unabhaengigen Liberalen” von denen sich die “Liberalen” kuerzlich getrennt hatten, um im Kielwasser Begins zu segeln. .Beide Gruppen entschieden sich im vorliegenden Falle fuer die von der Regierung ausgegebene Parole. Die Knesseth auf der Hoehe ihrer Aufgabe Auf den Jerusalemer Strassen, die an das Parlamentsgebaeude grenzen, verteilten einige Dutzend Mitglieder des Landesverbandes der juedischen Partisanenkaempfer des Zweiten Weltkrieges, Menschen einer begreiflicherweise unversoehnlichen Deutschfeindlichkeit, Flugblaetter gegen “Das Paktieren mit 4ern Volk der Moerder”, bis die Polizei dazwischentrat. Im uebervoll bes e t z ten Sitzungssaal der Knesseth trat gleichzeitig der —influenzakranke, .gegen aerztlichen Rat erschienene— Levi Eschkol in einer kurzen, nur 15 Minuten waehrenden Ansprache zur Eroeffnung der Debatte und Abstimmung etwa so, wie es vorher hier skizziert wurde, dafuer ein, nicht Sentiments, sondern Logik voranzustellen, nicht die unbeglichene und —jedenfalls In dieser Generation— unbegleichbare “historische Abrechnung mit dem deutschen Volk”, sondern “die Aufgabe, Israels nationale Sicherheit zu foerdern”. Der ¡Botschafter- Austausch mit Bonn werde unter den gegebenen Umstaenden erheblich dazu beitragen. Nach ihm zog Menachim Begin als Wortfuehrer der “Cheruth”, der staerksten Oppositionspartei, eine geschlagene Stunde lang wieder einmal alle Register seiner fulminanten Beredsamkeit — gefuehlsbetont bis zur Leidenschaft, und mit einem “J’accuse” (so nannte er’s woertlich), das selbst vor dem Bundeskanzler nicht halt machte. Erhard habe “als persoenlicher Ratgeber des beruechtigten Saar-Gauleiters Buerckel und als Direktor des Hitlerschen Instituts .fuer Wirtschaftsforschung” (?) ein fuer allemal das Recht auf Achtung und Vertrauen verwirkt. Zum Schluss verlangte der Vorsitzende der “Freiheitspartei”, dass eine .Volksabstimmung ueber diese so komplizierte Frage der Hohen Politik entscheiden sollte, ein Plebiszit, selbstverstaendlich mit der Teilnahme der Neueinwanderermassen aus dem Orient und Nordafrika, des ahnungslosen und von Demagogen entsprechend leicht entflammbaren “Zweiten Israel”, wie diese sozial und staatsbuergerlich leider noch abseits stehenden Hunderttausende hierzulande genannt werden... Auf nicht so hinreissende Rhetorik, aber desto verantwortungsvollere , Abgewogenheit waren die meisten weiteren Reden abgestellt. Das ganze Fuer und Wider wurde in ihnen auch mit manchen, keineswegs immer leicht zu nehmenden Argumenten gegen Eschkols These abgehandelt, dass die diplomatische Verbindung mit Westdeutschland unmittelbar zur Verbesserung der i s r a elischen Sicherheitslage fuehren ¿muesse. Doch wird sie, wie schluessig nachgewiesen wurde, dazu mittelbar beitragen, weil diese Wendung der Dinge dem Prestige des aegyptischen Staatsfuehrers und damit seiner Vormachtstellung in der .arabischen Welt schon jetzt einen empfindlichen Stoss versetzt hat und demzufolge seine Chancen, den juedischen Staat militaerisch ,zu ueberrennen, also seine Neigung zu diesem Angriffskrieg, im gleichen Mass vermindert haben duerfte. Zwei Deutsche: ein “Mistvieh” und ein Achtundvierziger Demokrat Wie sehr sich das Haus des Ernstes der .ihm auferlegten Entscheidung bewusst war, zeigte sich nicht zuletzt daran, dass die Aussprache nur zweimal von Zwischenfaellen gestoert ( wurde, und nicht dauernd, wie es in den Redekaempfen der einhundertzwanzig zumeist zungengewandten und fast ausnahmslos reichlich temperamentvollen Abgeordneten die Regel ist. Zum ersten Male ereiferte sich die ganz oder halb kommunistische Linke, als David Hacohen von der mehrheitssozialistischen Mapai, seit Jahren ein “enfant terrible” der Knesseth mit seiner Neigung, sich kein Blatt vor den Mund zu nehmen, den ostdeutschen Staatschef Walter Ulbricht als “antisemitisches Mistvieh” bezeichnete. “Wie koennen Sie sich erlauben”, entruestete sich Dr. M. Sneh, der fuehrende Intellektuelle der hiesigen K. P., “jemanden, der gegen die Nazis gekaempft hat, so zu beleidigen?”. Er aber — unbeirrt wiederholte er das Wort, die drei Silben des hebraeischen “Me-nu-wal” liess er geniesserisch auf der Zunge zergehen. Zum zweiten Zwischenfall kam es, als der Vizepremier Aba Eban, der an Stelle des durch seine Krankheit behinderten Levi Eschkol das Schlusswort sprach, zur .Einwand dagegen Stellung nahm, dass eine israelische Bedeutende Investitionen muessen vom Staat vorgenommen werden, um das Flugwesen in Israel auszubauen und den Bedürfnissen einer staendig steigenden Touristik anzupassenerklaerte Verkehrsminister Bar Jehuda, als er in Tel— Aviv die 7. Konferenz fuer Luftfahrt und Astronautik eroeffnete. Der Minister wies darauf hin, dass u. a. IL 15 Millionen zur Erichtung des Blind- Lande - Svstem investiert wurden, welches schon im F r u e htling funktionieren wird. Weiter muesse der Bau eines zweiten Rollfeldes in Lod vorgenommen und das Binnenflugnetz wesentlich ausgebaut werden. Der Minister wies darauf hin, dass im vergangenen Jahre 450 000 Reisende ueber den Flugplatz Lod ins Land kamen oder Militaerkapelle, den Formvorschriften entsprechend, die Deutsehlandhymme spielen muesse, wenn der bundesrepublikanische Botschafter sein Beglaubigungsschreiben dem Staatspraesidenten Schazar ueberreichen werde, “Deutschland, Deutschland ueber alles” in Jerusalem, der Heiligen Stadt des juedischen Glaubens, der Hauptstadt . des juedischen Staats Volkes! Der Text, fuehrte Herr Eban in seiner ruhig dozierenden Art aus, stamme von Hoffmann von Fallersleben, einem untadeligen “Achtundvierziger-Demokraten”, und sei in der alles andere als nazistischen Weimarer Republik als Nationalhymne gesungen worden. Er wollte, schien es mir mit Recht, noch hinzufuegen, dass statt der ersten vielkritisierten Strophe, in der Bundesrepublik heute die gewiss einwandfreie dritte gesungen wird, “Einigkeit und Recht und Freiheit”; aber so hoch gingen die Wogen der Erregung, dass er sich minutenlang nicht mehr verstaendlich machen konnte. Die Spannung loeste sich erst zu allgemeinem befreienden Gelaechter, als ein mit gluecklichem Mutterwitz versehener Abgeordneter — sogar von Begins Gefolgsleuten, man denke— mit Stentorstimme vorschlug: “Also, lasst uns jetzt alle zusammen mal “Deutsc hland, Deutschland ueber alles” anstimmen!”. Dann wurde der Antrag der Regierung angenommen, ihren Beschluss, , den Vorschlag Prof. Erhards zu akzeptieren, i“zustimmend zur Kenntnis zu nehmen”. Und so begann, soweit es am Staat Israel liegt, ein neues .Kapitel in seinen Beziehungen zur Bundesrepublik Deutschland. Vivant sequentes1 abfubren und die Zahl der Auslandstouristen im Jahre 1970 ca. eine Million betragen wird, sodass wir uns schon heute, durch Bau eines neuen modernen Flughafens den Beduerfnissen der kommenden Jahre werden anpassen muessen. Der Minister erwaehnte in diesem Zusammenhang den Masterplan fuer die Entwicklung des Flugwesens in Israel, der im Laufe von 18 Monaten fertiggestellt sein und die Richtlinien fuer die Tnvestionen und Bemuehun- "en auf diesem Gebiet festigen wird. Die Verwirklichung dieses Programmes muesse so schnell als moeprlich erfolgen. Angesichts der raschen Fortschritte der Technik sei damit zu rechnen, dass alle, selbst die kuehnsten Plaene. im Laufe von 10 Jahren ueberholt sein werden. (“Canfit”) 200 MILLIONEN FUER NEUEN FLUGPLATZ