Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXVII (1965)
- Issue
- 4 (Abril, 1965)
- Date
- 1965-04-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/8553624-8559342-9194621--4467-8559411- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
BOLETIN INFORMATIVO ABRIL 1965 5 Von Pessach zum Jom Von Rabbiner Haazmant Eg,on Israel Loewenstein Wm «s mm mm uv.»»: liti Pi! WM wmsm mmmWrnm In jeder Generation wandte man sich gegen uns. ¡Aber der Heilige, gelobt sei Er, befreite uns aus der Hand der Feinde”. Von Pessach Mizrajim, dem Ausgang aus Aegypten, bis zum Jom Haazmaut, dem Tag der Wiedergeburt des Staates Israel, fuehrt ein langer Weg. Er ist voll der Schmerzen und Leiden, aber auch des sich stets erneuernden Ringens um die Freiheit. Zeitlich liegen Pessach und Jom Haazmaut nahe beieinander. Aber auch die Ideen beider Feste entstammen derselben geistigen Quelle. Mit Recht begann der englisch-] uedische Gelehrte Dr. Israel Abrahams sein Buch ‘‘Feststudien” mit einem Essay ueber “die Fuelle der Hoffnung des Seder”. Die Tradition kennt Pessach auch mit dem Namen “Seman Cherutenu” das ist die Zeit unserer Freiheit. Man koennte aber auch — nach Abrahams — von “der Zeit unserer Hoffnung” sprechen. In diesem Jahr fallen die beiden ersten Pessachtage mit Ostern, dem Fest des Gedenkens an den Leidensweg des Gruenders des Christentums zusammen. Das erinnert uns mit besonderer Intensitaet an die Leiden und Verfolgungen, che Juden gerade Yi diesen Tagen des Jahre erlitten hüben. Aber die Feier von Pessach gab ihnen stets erneute Hoffnung und moralische Kraft zum Ueberdauern. Cecil Roth erinnert in dem bedeutendeii Sammelwerk “Grosse Zeitalter und Ideen des juedischen Volkes” an eine im Mittelalter recht vertraute Episodie. Wieder einmal wurde im Jahre 1255 in der englischen Stadt Lincoln die Ritualmordanklage erhoben. In der kleinen juedischen Gemeinde, die hoechstens 200 Seelen umfasste, wurden ueber 90 Personen verhaftet und 19 zum Tode verurteilt. Dennoch wurde das Gemeindeleben fortgesetet. Die Ueberlebenden kehrten in ihre frueheren Heime zurueck. Sie bauten sich ein neues Leben auf. Jedes Gesicht, das die Juden in der Strasse sahen, war das eines moeglichen Moerders. Jedes Geraeusch konnte eine neue Pogromwelle ankuendigen. Ein Wort zu einem Priester und sie konnten fuer immer von dieser dauernden Furcht frei sein. Aber niemand unterlag dem Druck. Diese Situation bedrohte die Juden nicht nur in der Stadt Lincoln des 13. Jahrhunderts, sondern in jeder Stadt Europas von der Nordsee bis zur Weichsel und vom Baltischen Meer bis zum Mittelmeer des langen Mittelalters. Wer in unseren Tagen mit Jugend zu tun hat, wer. mit ihnen ueber die Geschichte unseres Volkes spricht, hoert oft die Frage: “Wie war es moeglich, dass Juden diese Leiden so geduldig auf sich nahmen”? Waren sie wirklich so geduldig? War es nicht ein gewaltiger geistiger Kampf, den sie ohne materielle Mittel fuehrten?”. Cecil Roth spricht vom “Passiven Widerstand” der das juedische Mittelalter charakterisiert. Er hat Juden und Judentum in jenen Jahrhunderten, die hoffentlich mit dem Jahr 1948 fuer immer zu Ende sind, gekennzeichnet. Das Geheimnis lag darin, dass das juedische Volk nicht bereit war, Niederlagen anzunehmen. Das ist ihr hoechster Dienst in jener Epoche unserer Geschichte. Er war so heroisch wie der aktive Widerstand unserer Tage. Woher nahmen sie die Kraft, diese Niederlagen immer wieder zu ueberdauern? Was hat verhindert, dass sie in den Jahrhunderten des Leidens nachgaben? Es war jene Hoffnung, die zu den Wurzeln des Pessachfestes gehoert. Sie wurden von der Ueberzeugung getragen, dass ihre Leiden als Individuen und als Volk enden werden. Ihre innere Sicherheit war mit dem Vertrauen an das Kommen des Messias verbunden. Im Laufe der Jahrhunderte wurde diese Gestalt mit umfassenden mystischen und theologischen Vorstellungen verknuepft. Aber im Grunde war das Konzept sehr einfach: In unseren Tagen — und nicht in einer fernen Zukunft — werden die Daseinsbedin g u n g e n sich zum Guten aendern. Frieden und Gerechtigkeit werden Israel bestimmt sein und in der vanzen Menschheit herrschen, wenn sie ihren Weg des Boesen aufgibt. Diese Hoffnung sah der Jude immer wieder am Pessach bestaetigt. Ein Blick in die Hagada des Pessachfestes, in den Machsor, in die Auswahl der aus der Thora und den Propheten zur Vorlesung gelangenden Kanitel, befestigten das Vertrauen in die verheissene Befreiung. Er las von Pessach Mizrajim, der Vergangenheit und Pessach der Zukunft. Da bestaetigte sich ihm, “dass das Vertrauen in Gott und die Erfuellung des goettlichen Versprechens unseren Vaetern und uns beigestanden hat. Denn nicht einer allein ist gegen uns aufgestanden, um uns zu vernichten, sondern in jeder Generation wandte man sich gegen uns; aber der Heilige, gelobt sei er, befreite uns aus ihrer Hand. “Und am letzten Tag Pessach hoerte er vom Kommen des Messias, der voller Ehrfurcht vor Gott mit Recht und Gerechtigkeit in der Welt herrschen wird. Diese Belohnung wird den Juden “in dieser Welt” zuteil werden. In ihr wird schliesslich die Vollkommenheit erreicht. Dieser Optimismus - “trotz allem” - hat dem Juden die Kraft zum Ueberdauern gegeben. Er lehnte es ab, den Messias als eine Gestalt der Vergangenheit zu sehen. Weil Israel auf das Kommen des Messias in der Zukunft vertraute, konnte sich diese Idee als eine Quelle der sich stets erneuernden Hoffnung und Kraft erweisen. Auch in unseren Tagen hat dieses Vertrauen in eine bessere Zukunft uns aus der Finsternis zum Licht, aus der Katastrophe zur Wiedergeburt unseres Staates Israel gefuehrt. Wer Israel kennt, weiss, dass alle — religioese und nichtreligioese Juden — von der Idee getragen sind, im Staat Israel einen Schritt vorwaerts in der Fortentwicklung der Menschheit, zur messianischen Zeit hin, zu sehen. Um dieses Vertrauens in die Zukunft willen darf die Erinnerung an den Auszug aus Aefvnten auch in unserer Mitte niemals verblassen. Mit den Gedenken an die Befreiung aus Aegypten ringen wir um die Freiheit des Juden in der Welt und in Medinat Israel. Dieses Gedenken soll in unseren Gemeinden und in Medinat Israel die Quelle staendigen Fortschritts und Ringens um Vervollkommnung sein. Am Jom Haazmaut feiern wir die Befreiung des juedischen Volkes in unseren Tagen. Sie waere nicht moeglich gewesen ohne jene Generationen, die sich aeusserlich als Sklaven, innerlich als Diener Gottes fuehlten. Sie traeumten von einer Welt freier Menschen So fuehrt der Weg von Pessach zum Jom Haazmaut. JOM HAAZMAUT >* Ts *> ** V** ' A li: : '3* * Parade des Isra»nSrHen Verteidigungsheeres—Garant der Freiheit unseres Volkes. #