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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1965-03-01 · 3 (Marzo, 1965) · p. Seite 9

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXVII (1965)
Issue
3 (Marzo, 1965)
Date
1965-03-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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BOLETIN INFORMATIVO MARZO 1965 9 Totentanz um Kaethe Gold Von Dr. AJ?ner Nechushtan, Tel-Aviv Mit einer — uebrigens stark gekuerzten Fassung des “Totentanz” August iStrindberg traten Walter Richter, Kaethe Gold, Gert Westphal und Regina Mueller vom Zuercher “Schauspielhaus” soeben im Haifaer Stadttheater auf, dessen Direktor Joseph Milo sie hierher nach Israel gebracht hatte, und danach in Tel- Aviv und Jerusalem. Zum ersten Male erschlossen sich die hebraeischen Buehnen dieses Landes damit der deutschen Sprache, und zunaechst schien der Erfolg dem Wagnis durchaus Recht zu geben. So gut wie nichts anachte es den Besucherscharen aus, die die Theatersaele an jedem der Abende bis zum letzten Platz fueliten, dass das Trauerspiel des genialen schwedischen Frauen — und Menschenhassers in den letzten sechseinhalb Jahrzehnten reichlich angestaubt ist. Wie den Kuenstlern applaudierten viele von ihnen sich gleichsam selber voller Ruehrung ueber die Wiederbegegnung mit ihrer “Welt von gestern” — und stritten sich (ich ueberhoerte es) waehrend der Pause in der Tel-Aviver Habiman, dem Nationaltheater des Staates, bezeichnenderweise darueber, ob unter Reinhardt, lang ist's her, Elisabeth Bergner als Partnerin Paul Wegeners die Frau des Kapitaens, Alice, gegeben hatte, oder nicht vielmehr Irene Triesch, wie es der Fall war. Diesmal also war es Kaethe Gold, kuenstlerisch keineswegs auf der Hoehe Walter Richters, ihres ehelichen Widerparts, eines hervorragenden Charakterdarstellers, keine Bergner, keine Triesch, aber eine gute Schauspielerin, gewiss. Doch wie nicht alles Gold ist was glaenzt, so glaenzt nicht alles, was Gold - heisst. Sowohl von Herrn Milo, dem Haifaer Theaterchef, wie wahrscheinlich auch von dem interministeriellen Ausschuss, der ueber solche Gastspiele zu befinden hat, waren vorher Erkundigungen ueber die Vergangenheit dieser Gaeste eingezogen worden. Frau Gold, hatte man dabei erfahren, eine gebuertige Wienerin, sei bis 1943 oder 1944 allerdings im Berliner Staatstheater auf getreten. Doch bevor sie nach Kriegsende dann vom “Schauspielhaus” in Zuerich engagiert wurde, haetten zwei Schweizer Untersuchungs-Ausschuesse sie von jedem Verdacht prohitlerischer Gesinnung oder auch nur oes nazistischen Mitlaeuf ertums losgesprochen. In ihrer Berliner Zeit sei sie mit einem Deutschen verehelicht gewesen, von dem sie sich spaeter scheiden liess; danach heiratete sie einen Schweizer und sei jetzt also Schweizer Buergerin. Da sich die Fragesteller damit zufrieden gaben, war das Placet auch fuer Kaethe Golds Teilnahme an der Tournee gegeben worden. Allein der “Maariv”, eine Tel-Aviver Boulevardzeitung, die mit ihren Auflagerekorden alle uebrigen hebraeischen Blaetter bei weitem schlaegt, recherchierte auf eigene Faust weiter, als sie von der Sache Wind bekommen hatte. Und der Reporter des “Maariv” trieb Frau Gold so in die Enge, dass sie in betraechtlicher Nervositaet gestand: freilich, an der Hochzeit ihrer damaligen Kollegin und Freundin Emmi Sonnemann mit Hermann Goering, dem "KeichSmarschall” habe sie teilgenommen. Ohne ihre Stellung zu gefaehrden, haette sie sich dem umso weniger entziehen koennen, als sie vorher so und so vielen Einladungen von prominenter Seite mit Fug und Fleiss ausgewichen waere. “In jenen Tagen war es gefaehrlich, dauernd Nein zu sagen... Ich war damals ja deutsche Staatsbuergerin, keine Auslaenderin... Aber in antisemitischen Stuecken bin ich nie aufgetreten, und wer behauptet, dass ich von Hitler favorisiert worden sei, spricht die Unwahrheit”. Um '“Politik” habe sie sich in Berlin ueberhaupt nicht gekuemmert. Wie heute sei sie auch damals eben einfach eine Schauspielerin gewesen. “Nichts sonst”. Nach der kalten Dusche dieses Interviews kam es, wie es in einem Lande kommen musste, in dem bis heute keines der Werke eines Richard Strauss aufgefuehrt wird, obwohl auch er nach dem Zusammenbruch des “Dritten Reiches” ebenso glaubhaft versichert hat, nur um seiner Kunst willen den brauen Judenhassern voruebergehend als Praesident ihrer “Reichsmusikkammer” Vorspanndienste geleistet zu haben. Im Haifaer Stadtrat versahen sich die Vertreter der “Cheruth”-Partei der Gelegenheit ihrer Feindschaft gegen alles Deutsche ebenso wie ihrer Gegnerschaft gegen die sozialistische Fuehrung der Kommune die Zuegel schiessen zu lassen: erregt machten sie den Buergermeister, als den “Hausherrn” des Theaters, dessen Direktor die Zuercher Gruppe eingeladen hatte, fuer das Kommen Kaethe Golds verantwortlich, wie ueberhaupt fuer das ganze Experiment, das ihnen als Gastspiel “in der Sprache des Volkes der Moerder” von vornherein zuwider gewesen war. Eine Massendemonstration, die vor dem Habimah- Gebaeude in Tel-Aviv stattfinden sollte, wurde vom “Landesverband der Naziopfer” zwar wieder abgesagt; aber Polizisten nahmen von nun an, um etwaige Ruhestoerungen zu verhindern, an den Auffuehrungen teil, und mussten tatsaechlich gegen Gruppen von Jugendlichen einsc'hreiten, die sich in Jerusalem vor den “Bauten der Nation” eingefunden hatten, um der von der “Cheruth” ausgegebenen Boykottparole Nachdruck zu verleihen. Diese Parole blieb unbeachtet . Die Zuercher spielten auch an den letzten Abenden vor vollen Haeusern. Aber darob ging ihr Gatspiel nicht weniger peinlich mit einem Missklang zuende. Auch wer sich hier im Lande vom Versuch fernhielt, den ‘Fall Kaethe Gold” zu einer Haupt — und Staatsaktion hochzuspielen, wird ebenso wie dem uebereifrigen Leiter des Haifaer Stadttheaters ,auch den Direktoren des “Schauspielhauses” ABKOMMEN MIT ELFENBEINKUESTE Ein Abkommen über wirtschaftliche und technische Kooperation zwischen Israel und der Elfenbeinküste wurde in Abidjan unterzeichnet. Im Namen Israels unterschrieb das Abkommen Finanzminister Pinchas Sapir, und für die Elfenbeinküste wurde es von dem dortigen Finanzminister Seiler unterzeichnet. U. a. wird die Teilnahme Israels bei der Erichtung einer Reihe von Industrieunternehmen in der Elfenbeinküste vorgesehen, darunter eine Papierfabrik, Lager raeume und mehrere Unternehmen der leichten Industrie. Weiter wurde eine Erweiterung des Handels zwischen beiden Staaten für die naechsten fünf Jahre in Aussicht gestellt. Im ersten Jahr nach Unterzeichnung d. Abkommens soll der Handel zwischen beiden Staaten IL 3 Millionen in beiden Richtungen betragen. Israel wird hauptsaechlich Holz, Zellulose, Kakao und Kaffee aus der Elfenbeinküste beziehen und Dünger, landwirtschaftliche Einrichtungen, Baumaterialien und Konsumgüter dorthin exportieren. Bei einer Feier, die nach der Unterzeichnung des Vertrages stattfand, wies Finanzminister Sapir auf den regelmaessigen Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Staaten hin und drückte seine Ueberzeugung aus, dass sich die Verbindungen zwischen Israel und der Elfenbeiküste noch enger gestalten werden. Finanzminster Seiler unterstrich, dass der Vertrag mehr als ein übliches Abkommen über die Zusammenarbeit zwischen zwei Staaten darstelle. Er wies auf die wirtschaftliche und technische Unterstützung hin, die Israel der Elfenbeinkueste gewaehrt. Herren-Schneiderei RODOLFO LEESER Feinste Massarbeit Grosse Auswahl erstklassiger Stoffe TENDERINI 85 2 Stock Of. 23 Telefon: 392549 SONDER-BERKHI FÜR DAS B. I. einen hochbedauerlichen Mangel an Fingerspitzengefühl vorwerfen muessen. In einer Verlautbarung, zu der sich der in Israel amtierende Schweizer Botschafter im Wunsch gedraengt sah, den Zwischenfall beizulegen, erinnerte er an die Hilfe, die gerade dieses Zuercher Theater seinerzeit “Nichtariern” geboten habe, die im nationalsozialistischen Deutschland ausgeschaltet worden und gefluechtet waren, Kuenstlern wie dem juengst verstorbenen Kurt Hirschfeld, der noch das Arrangement mit dem Haifaer J. Milo getroffen hatte, und seinem jetzigen Nachfolger Leopold Lindtberg, der oft als hochgeschaetzter Gast an der Habimah Regie fuehrt. Als Juden haetten sie jedoch umso mehr Verstaendnis dafuer haben sollen, dass eidgenoessische “Persilscheine” fuer Israel nicht ausreichen. Mit Recht aeusserte sich der Leitartikler des “Haaretz”, der fuehrenden Tagezeitung der bürgerlichen Mitte, wie folgt: “Wer in jenen Jahren als Kuenstler i n Deutschland wirkte, staerkte das internationale Ansehen der Hitler —.Regierung. Er trug sein Teil zur Behauptung der nationalsozialistischen Propaganda bei, dass das deutsche Kulturleben von der Eliminierung der Juden nicht in Mitleidenschaft gezogen sei. Auslaendische Kuenster, die sich dazu hergaben, waren Nazi-Kollaborateure, selbst wenn sie es vermeiden zu koennen glaubten, sich in den Maschen dieses Netzes zu verfangen”. In diesem Sinne hat sich Frau Gold belastet, mag es auch ohne ihr Wissen und sogar ohne ihren Willen geschehen sein, und egal, ob sie zu jener Zeit Auslaendrerin war oder als Frau eines Reichsbuergers Deutsche und deshalb ausserstande, das Land zu verlassen. Und als sie jetzt in diesem Strindberg auftrat, war es, als versammelten sich um sie zu einem unheimlichen “Danse macabre” die Schemen der Opfer das blutigen Regimes, zu dessen Paladinen Hermann Goering gehoerte, dessen Hochzeit sie als Busenfreundin seiner Erkorenen mitgefeiert hatte. Zu einem Totentanz um Kaethe Gold. KAMPF GEGEN ANALPHABETENTUM In einer kleinen landwirtschaftlichen Siedlung in der Gegend von Lachisch fand vor kurzem eine Feier statt, bei der 306 Maenner und Frauen, die aus 47 Dörfern zusammengekommen waren, vom Erziehungministerium das Zeugnis erhielten, jetzt lesen und schreiben zu können und imstande zu sein, einfache Rechnungen zu machen. An der Feier nahmen 65 weibliche Soldaten teil, die in den Dörfern zehn Monate lang unterrichtet hatten, jetzt aber aus dem Militaerdienst entlassen werden, sowie 30 weibliche Rekruten, die Lehrarbeit in den Dörfern beginnen. ¡Diese Aktion ist ein Teil der Anstrengung zur Bekaempfung des Analphabetentums, das vom Erziehungsministerium in Israel geführt wird und bei dem die weiblichen Soldaten eine wichtige Rolle spielen. Es gibt nach den vorliegenden Zahlen 162.000 Vollanalphabeten und 90.000 Teilanalphabeten in Israel. Der grössere Teil sind Einwanderer aus moslemischen Laendern, in denen der Schulunterricht fuer Maedchen nicht üblich war und in denen die sozial schwaechste Schicht überhaupt nicht geschult wurde. Dazu kommen noch Einwanderer aus Europa, die als Kinder den Zweiten Weltkrieg in den verschiedensten Lagern überlebten und auf diese Weise nie die Möglichkeit einer normalen Schulung hatten und den Mangel auch spaeter nicht ausgleichen konnten. Man hat in Israel ebenso wie in anderen Laendern die Beobachtung gemacht, dass das Bildungsniveau des Elternhauses einen .Einfluss auf die Leistung der Kinder in der Schule ausübt. Da von den Eltern in Israel verlangt wird, dass sie den Kindern bei den Hausaufgaben helfen, müssen auch die Eitern geschult werden. Dies ist vor allem notwendig, um die Kluft zwischen den Alteingesessenen und den Neueinwanderern zu verkleinern. Es soll verhindert werden, dass sich aus den Einwanderern aus orientalischen Laendern eine sozial benachteiligte Schicht entwikkelt. Wenn Klagen über soziale Nöte sich mit Beschwerden über die Zurücksetzung ganze etnischer Gruppen verbinden, so entsteht die Gefahr von Spannungen auf politisch-gesellschaftlichem Gebiet. Der Charakter der israelischen Gesellschaft wird in hohem Masse davon abhaengen, auf welchem Wege und mit welchem Erfolg die Einwanderer aus moslemischen Laendern und ihre Kinder in die Gemeinschaft eingefügt werden. (Neue Zuercher Zeitung) (“Canfit”)

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