Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXVII (1965)
- Issue
- 3 (Marzo, 1965)
- Date
- 1965-03-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 BOLETIN INFORMATIVO MARZO 1965 Weitere Presse ■ Stimmen BEKLEMMENDE BLAMAGE ‘Die deutsche Diplomatie, der man nie besondere Geschicklichkeit nachzusagen hatte, schaut zwar schon auf manche peinliche Fehlgriffe zurück. Aber mit keinem davon hat sie sich auf eine solche Weise zum Gespött der deutschen wie der internationalen Oeffentlichkeit gemacht wie mit ihrem erbaermlich hilflosen Herumfuhrwerken in dieser Angelegenheit. Man muss schon auf den boesesten innenpolitischen Sündenfall des absteigenden Adenauer-Regimes zurüekgreifen, um auf eine für die Freunde des demokratischen Deutschland aehnlich beklemmende Biamage zu stossen- .Nur die Spiegel-Affaere hat soviel Betroffenheit, Entrüstung und Scham ausgelöst wie das bisherige Ergebnis des diplomatischen Kuhhandels, durch den Bonn dem Diktator am Nil, statt ihm ruhig und energisch die Konsequenzen seines Handelns vor Augen zu führen, zu einem billigen und höhnisch ausgekosteten Triumph verholten, das ohnehin angespannte Verhaeltnis zu Israel schwer belastet, seine eigene Glaubwürdigkeit selbstzerstörerisch untergraben und sich würdelos von Drohungen In die Knie hat zwingen lassen. Und das schlimmste ist, dass jeder neue Schritt, mit dem man die vorher begangenen Fehler zu korrigieren sucht, das Bild der fahrigen Unentschlossenheit noch um einige Grade trübseliger erscheinen laesst”. (Die Tat”, Zuerich) WINDELWEICHE KAPITULATION “Wider Willen am Nimbus Nassers mitwebend, hat uns die Bundesregierung mit ihrem blitzschnellen Umfall, vom stolzen Aufbegehren zur windelweichen Kapitulation bei den Arabern den Ruf eingetragen, wir seien, schlicht gesagt, eben dumm. Sieht man auf das Ergebnis einer Politik, die zuerst wie verrückt darauf aus war, diesen Ulbricht von Kairo fernzuhalten, und die doch nur erreichte, dass nun erst recht die Augen aller Welt auf seinen Besuch sich richten werden, dann kann man jenem Urteil der Orientalen schwerlich widersprechen. Die in der Vergangenheit gerühmten Erfolge unserer Aussenpolitik bleiben uns nur treu, solange fremde Staatsmaenner wohlmeinend und hilfreich sozusagen das Haendchen führten, ob es Schumann war oder Dulles oder wer sonst. Seitdem wir auf uns selbst gestellt sind, und ach so souveraen uns gebaerden, geht es meistens schief. Da wir nicht gar so schwach sind, wie wir zuweilen waehnen, muss es an etwas anderem liegen. Wahrscheinlich doch an schier unheilbarer politischer Dummheit”. (“Sueddeutsche Zeitung”, Muenchen) EINE KAEGLICCHE ANTWORT “Wenn die Blamage ein Ziel der Aussenpolitik ist, dann hat die Nahost-Politik Bonns dieses Ziel erreicht. Trozt aller flexiblen Eleganz, die man sich im Auswaertigen Amt so gern bescheinigen laesst, wurde die deutsche Bundesregierung von der Einladung Ulbrichts nach Kairo buchstaebUch überrannt. Unser Protest gegen die Kairo-Reise des SBD- Chefs führte nicht etwa zur Ausladung Ulbrichts, sondern zum Stop unserer Waffenlieferungen an Israel. Wir bezahlen die feindselige Offerte Nassers an Ulbricht mit der Bestrafung Israels. Wenn wir jetzt, wo das Kind in den Brunnen gefallen ist, Zugestaendnisse Kairos bei der protokollarischen Abwicklung der Ulbricht-Visite erhoffen, um unser Gesicht wahren zu können, so ist das reine Augenauswischerei. Die Gretchen-Frage an die Bundesregerung ist nicht wie, sondern ob Ulbricht am Nii empfangen wird. Wir haben auf diese Frage bisher eine klaegliche Antwort gegeben”. (“Berliner Morgenpost”) WARNUNG VOR DEN "WELTWEITEN BEZIEHUNGEN DES JUDENTUMS" “Israel wie die arabischen Laender bekamen Hilfe von Westdeutschland — dennoch haben beide Laender meist keine Gelegenheit Vorbeigehen lassen, über Bonn herzuziehen — wegen der Hilfe, die es dem anderen gewaehrte. Das zeigt, man kommt um einen gelinderen Ausdruck nicht herum — die Unverfrorenheit mancher Laender, die es als eine selbstverstaend liehe Pflicht mancher Völker ansehen, für sie mitzuschaffen. Denn jede Mark die nach Kairo oder Tel Aviv geht, muss in Deutschland erst erarbeitet werden — dafür Undank und Brüskierung einzuhandeln, grenzt schon an Unverschaemtheit — die leider heute in der Welt vielfach anzutreffen ist... In Israel ist man über die Deutschen wütend und dank der weltweiten Beziehungen des Judentums wird Deutschland das noch zu spueren bekommen”. (“Condor”, Santiago) Moskau - Kairo... (Fortsetzung von Seite 7) Partie war die BRD. Sie hat einen ungeheuren Prestigeverlust erlitten, sie hat eine gewaltige Einbusse in ihrem Alleinvertretungsan s p r u c h Deutschlands erlitten. Sie hat ein Versprechen uneingeloest gelassen, weil dies ein drittes Land so wollte, und damit ihre eigene Souveraenitaet geschmaelert. Ihr Ansehen ist in der Achtung des juedischen Volkes und darueber hinaus, aller demokratisch und anstaendig denkenden Menschen unvorstellbar gesunken. Teils hat man das in Bonn, ohne es offen zuzugeben, bereits eingesehen, teils ahnt man es dumpf, aber frueher oder spaeter muss sich die Erkenntnis dieser katastrophalen Verkettung von Fehlern, Taeuschungen und Verrat durchsetzen. So hat zum Beispiel gerade jetzt die Regierung sich endlich dazu durchgerungen, dem Bundesrat die Verlaengerung der ominoesen Verjaehrungsfrist f u e r Nazi-Verbrechen zu empfehlen. Wenn man auch ueber die stets “gut informierten Kreise” verlauten liess, dass das zeitliche Zusammentreffen zwischen der unglaublichen Brueskierung Israels und diesem laengst faelligen Zugestaendnis an das Gewissen der freien Menschheit “nur ein Zufall” sei, soll man zugunsten der Regierung der BRD ruhig unterstellen, dass dem vielleicht nicht so ist. Vielleicht beginnen sie, sich wirklich zu schaemen. Vielleicht ist das schon der erste zaghafte Ansatzpunkt fuer eine Bereinigung und Umkehr. Gewiss wird nichts von heute auf morgen in Ordnung kommen. Wenn Nasser nur so weit vordringt, wie er glaubt, nicht auf Widerstand zu stossen — und alles deutet daraufhin, dass er das immer sehr genau zu kalkulieren versteht—, wird Bonn vorerst noch nicht mit Kairo brechen. Frueher oder spaeter mag das unvermeidlich sein, aber selbst dann wuerde das noch nicht ipso facto die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu Israel nach sich ziehen. Doch unter der Oberflaeche muss sich zwangs laeufig eilig neue Entwicklung anbahnen. Mit einer amputierten Halletein-Doktrin, mit Appeasement-Politik und dem Verrat an Israel und dem juedischen Volk wird man nicht mehr weit kommen: diese Politik hat endgueltig Schiffbruch erlitten. Es ist an Bonn, eine neue, klare, scuveraene, westlichdemokratische und verantwortliche Politik zu formulieren. Bis es soweit ist, wird sich Israel an erprobtere Freunde halten. Wenn es soweit sein wird, darf auch Bonn darauf rechnen, auf das “Verstaendnis” zu stossen, dass es in den letzten Wochen vergeblich forderte und mit seinem Zickzackkurs der Halbheiten, des Nachgebens und des Vertrauensbruchs kein Recht hatte zu erwarten. Bis dahin liegt die Initiative bei Bonn. Wie und wann man sie ergreifen wird: das ist die Frage. ATSCHEKA Die Israel ■ Presse zur Westdeutschen Kapitulation “Haaretz” sieht in der vollstaendigen Kapitulation Bonns vor den Forderungen des aegyptischen Diktators einen moralischen Sieg für Nasser, der sich auf allen möglichen Fronten ausdrücken wird. Die Zeitung ist davon ueberzeugt dass Nasser damit infetande sein wird, weiteren Einfluss in der arabischen Welt zu gewinnen und seine Kraft zu verstaerken. Da nunmehr, durch die Entscheidung der westdeutschen Regierung ja das Lieferungsgleichgewicht im Mittleren Osten gestört worden ist, müsste, nach Ansicht |der Zeitung jemand einspringen, um dieses Gleichgewicht wieder herzustellen und das waere richtigerweise die Angelegenheit der Vereinigten Staaten. “Dawar” sieht in der Unterwerfung Bonns unter das Diktat Nassers nicht nur eine politische Kapitulation, sondern in demselben Masse auch eine moralische Besondere Enttaeuschung hat nach Meinung dieser Zeitung die Haltung der Sozialdemokraten bei uns hervorgerufen, da wir glaubten annehmen zu dürfen, sie wuerden anders reagieren. Allerdings wird diese Kapitulation Bonns nicht das geringste nützen, da jetzt viele Laender glauben werden, sie brauchten nur Ulbricht einzuladen, um damit Bonn völlig so weit zu bekommen, wie sie es haben wollen. “Cheruth” betrachtet diese ganze Angelegenheit als einen neuerlichen Beweis für die völlige Unfaehigkeit der Regierung, eine anstaendige Aussenpolitik zu führen. Die Zeitung weist darauf hin, dass es die Absicht der Regierung gewesen sei, ihre Misserfolge noch zu vertuschen, indem sie die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit auf andere Dinge lenkt, denn nur so ist es zu erklaeren, dass ausgerechnet in diesen Tagen davon gesprochen wird, die Hawk- Raketen seien an ihre Standorte in Israel gelangt. “Hazofe” gibt nicht nur dem aegyptischen Diktator, sondern, auch unserer Politik Schuld an dem, was jetzt in den Beziehungen Bonns zu uns und zu Aegypten geschehen ist. Die Ueberraschung des israelischen Vertreters in Köln, Dr. Schinar, über den Gang der Ereignisse sieht die Zeitung als Beweis dafür an, dass man eben in unseren verantwortlichen Stellen mit einer solchen Entwicklung überhaupt nicht gerechnet habe und das ist kaum als Erfolg zu buchen. Die Zeitung gibt abe»r ihrem Erstaunen darüber Ausdruck, wie schwierigkeitslos doch die Deutschen ein Gesetz gegen die Waffenlieferung an explosive Zonen beschlossen können, waehrend es ihnen so furchtbar schwer faellt, ein Gesetz gegen die Arbeit ihrer Wissenschaftler in Aegypten zu erlassen oder das Verjaehrungsgesetz zu verlaengern. “Schearim” steht auf dem Standpunkt, Bonn habe geradezu Kairo dazu aufgefordert, die Erpressung vorzunehmen, die Nasser nunmehr vorgenommen hat. Man war sehr erleichtert in Westdeutschland über diesen Druck, da er einen von Problemen befreite, die man loswerden wollte. Die Zeitung ist der Meinung, wir sollten uns nicht weiter um Deutschland bemühen, da der Verrat, der hierbei mit uns getrieben wurde, recht weitgehender Natur ist. Wir sollten die Welt mobilisieren, um überall das peinliche Doppelspiel aufzudecken, das Bonn in diesem Falle gespielt hat. , Al Hamischmar weist darauf hin. dass Westdeutschland sich beeilt, den erpresserischen Forderungen Nassers nachzugeben ohne irgendwie auf Israel Rücksicht zu nehmen. Aeusserlich wird der Plan in die unschuldige Form des Verbotes der Lieferung von Waffen in Spannungszonen gekleidet, tatsaechlich richtet sich das Ganze gegen Israel. Diejenigen, die auf Hilfe bei Deutschland in schwierigen Zeiten gehofft hatten, müssen jetzt einsehen, dass sie sich geirrt haben. Hamodia geht auf dasselbe Thema ein und stellt fest dass die deutsche Haltung Nasser gegenüber nur als negativ bezeichnet werden kann, da sie dazu geeignet ist, die Spannung im Mittleren Osten zu erhöhen. Nasser hat es ausgezeichnet verstanden, die in der deutschen politischen Linie vorhandenen Faktoren auszunutzen und damit will er nun eine Entscheidung erzwingen.' Sein einziges Ziel wird dabei stets dasselbe sein, Unruhe im Mittleren Osten zu schaffen so wie er es eigentlich seit jeher getan hat. Jerusalem Post stellt fest, dass Doktrinen, wie die Hallstein-Doktrin nur dann völlig und kompromisslos durchzuführen sind, wenn sie von einem Regime angewendet werden, das jede Elastizitaet beiseite laesst, welches starr und zielbewusst, unter Opferung jedem Vorteiles, bereit ist, für seine Prinzipien einzustehen. Da solches aber im Falle Bonns nicht angenommen werden kann, schliesslich handelt es sich hier um eine Regierung, die in nicht geringem Masse nach den Interessen der grossen Industrie und der Geschaeftswelt ihres Landes handelt, ist es auch kaum möglich, die Hallstein-Doktrin in ihrer Totalitaet zur Anwendung zu bringen und folgerichtig durchzuführen. Diese Form der Politik kommt Erpressern, wie es Nasser ist, natürlich zugute und gibt ihnen die Möglichkeit, ihr politisches Kapital aus einer solchen Situation zu schlagen, wie es ja zur Zeit geschieht.