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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1965-02-01 · 2 (Febrero, 1965) · p. Seite 6

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXVII (1965)
Issue
2 (Febrero, 1965)
Date
1965-02-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 FEBRERO 1965 BOLETIN INFORMATIVO NAHUM GOLDMANN kritisiert seinen Kongress Von Dr. Abrtei* NecHuschtan (Tel-Aviv) “Herr Vorsitzender.,.’’ Doch der sympathische junge Mann auf der Rednertribüne unterbrach sich verdutzt. Vor den fahnengeschmückten Portalen der nach Jahren schliesslich befriedigend fertiggestellten “Bauten der Nationen” am westlichen Stadtrand Jerusalems, an der von “Strassenkreuzern’’ und Autodroschken belebten Auffahrt, und drinnen in den Ausstellungsraeumen mit ihren Verkaufsstaenden, Informationsschaltern, Buff ets, auf den breiten Treppen draengten sich die Menschen. Damen von der Eleganz der Pariser und New Yorker Haute Couture, Herren mit genauso kostspieligen, 1 e g er umgehaengten Photoapparaten, und begrüssten sich in einem wahren Sprachenbabel auf englisch, deutsch, französisch, hebraeisch, jiddisch, spanisch. Aber der grosse Sitzungssaal, in dem die Generaldebatte des Zionistenkongresses an diesem Vormittag ihren Fortgang nahm, war mindestens zur Haelfte leer. “Herr Vorsitzender, sehr geehrte —Sessel... “Man lachte, applaudierte. Aber nicht nach billig geerntetem Beifall stand der Sinn dem Redner, einem der 72 “Jugend-Delegierten’’. die zum ersten Mal als eigene Gruppe an einer solchen Tagung teilnahmen. Er fuhr fort: welchen Sinn habe eine Generaldebatte überhaupt, “wenn uns Jungen der Weg zur Einflussnahme, ja zum Mitmachen von den Alten versperrt wird, die sich in wer weiss wie vielen Landesverbaenden, national jüdischen Parteien, O r t s g ruppen, Ausschüssen an ihre Ehrenpöstchen klammern!”. Jeder Satz, jedes Wort das hier gesprochen wird, sei laengst vorher ja in London, Chicago, Rio, Buenos Aires bis auf den letzten “programmatischen I-Punkt” ausgetüftelt worden. Um ein Mandat mehr, ein Mandat weniger habe der Zank der Delegierten h i n t er den Kulissen schon begonnen, statt dass sie sich hier, im Plenum, mit den grundsaetzlichen Forderungen auseinandersetzen, die Nahum Goldmann als Praesident der Organisition der Aussprache vorangestellt hatte. ALTERSSCHWACHER ZIONISMUS Der junge Mann verliess die Tribüne. Dr. Goldmann, der neben dem Rednerpult sass, nickte beifaellig. Und als er sich am Abend des gleichen Tages, in der ersten Januarwoche, zum Schlusswort erhob, liess seine Kritik noch weniger zu wünschen übrig: “Unsere Bewegung ist in solchem Masse verkalkt, dass ich künftig die Verantwortung nur bei einer durchgreifenden Reform an Haupt und Gliedern zu übernehmen bereit bin”. “Die Bewegung”: der heute 70-jaehrige Nahum Goldmann meint die zionistische Weltorga nisation, deren Praesidentschaft er vor Jahren in der Nachfolge des beruehmten Judenstaatlers und Chemikers Chaim Weizmann uebernommen hatte, waehrend er mit dem Arbeitsergebnis der “Vollstrekkungs-Instanz” dieses internationalen Verbandes, der Jewish Agency, zufrieden sein kann. So hat die “Agency” mit einem Kostenaufwand von mehr als 500 Millionen Dollar allein in den letzten vier Jahren, seit dem vorigen, dem 25. Zionstenkongress, etwa 250.000 Juden hierhergebracht, von denen 52,4% den sog. “Entwicklungsgebieten” des Landes (Negew usw.) zugeleitet wurden; immer im Verein mit den zustaendigen staatlichen Behörden gründete sie in dieser Zeit zehn neue landwirtschaftliche Siedlungen; sie sorgt jetzt für insgesamt 478 solcher Siedlungsdörfer. So weit funktioniert alles. Aber die aus der Ferne der grossen westlichen Welt mit ihrer “Volksheimat” sympathisierenden “eingetragenen Zionisten” können sich das Verdienst an diesen Erfolgen eines relativ kleinen, gut eingespielten, zaeh in Israel arbeitenden Beamtenapparats nicht zugute halten, und lassen sich von den offiziell abseits stehenden jüdischen Spenderscharen in ihren Wohnlaendern beschaemen. Zionismus ist für sie förmlich eine Sache des Feiertags, ein Gesellschaftsspiel geworden, und der alle vier Jahre stattfindende Kongress kaum mehr als ein Vorwand für einige hundert Delegierte zur Reise ins Heilige Land. In der Tat, bedenklich ueoeraltert scheint demgemaess die Form solcher Kongresse zu sein, deren ersten Theodor Herzl vor 68 Jahren in Basel zusammengerufen hatte. Der Wahl der Delegierten — diesmal wieder über 500 gehen heute “Gegenseitigkeitsgeschaefte” zwis c h e n den zionistischen Auslandsparteien voraus, die irgendwann als mechanischer Abklatsch der innenpolitischen Gruppen Israels in der jüdischen Diaspora ohne wirkliche Existenzberechtigung entstanden waren... NAHUM GOLDMANNS PROGRAMM Vor allem, um das Monopol dieser Auslandszionistischen Parteiclicquen zu brechen stellt Herr Dr. Goldmann dem Kongress die Ver-, trauensfrage: ultimativ forderte er die Ernennung einer aus P e r s önlichkeiten von überragender Autoritaet zusammengesetzten “Royal Commission”, wie er sagte, die das organisatorische Gefüge des Zionismus in aller Welt umbauen soll. Sein Ultimatum wurde schon deshalb angenommen, weil sich j edermann con den Kongressteilnehmern darüber klar war, dass' ausser ihm niemand in der Lage und willens ist, die zionistische Bewegung aus ihrer jetzigen Strukturkris'e herauszusteuern. So waren es eher vielleicht Rückzugsgefechte, die die Wortführer der zahlreichen Fraktionen so erbittert austrugen, dass die Tagung statt mit der Wahl einer neuen Exekutive mit einem neuen Missklang endete. Doch drückte diese Spannung in solchem Masse schon auf die Sitzungen, die eine Woche lang gedauert hatten, dass es fast zu keiner schlüssigen Erörterung der zwei Grundsatzfragen kam, mit denen Goldmann sein Verlangen nach der organisatorischen Reform begleietet hatte. Nachdem es die Aufgabe des vorigen Kongresses gewesen war, der im Winter 1960-61 gleichfalls in Jerusalem tagte, der Masseneinwanderung von Juden aus den westlichen L a e n dern hierher neue Impulse zu geben, sollte sich der jetzige vornehmlich damit beschäftigen, wie die Erziehung des jüdischen Nachwuchses in eben diesen Laendern von Israel aus —durch die Entsendung geschulter Lehrkraefte und Jugendführer befruchtet werden könne. Das war die eine These des zionistischen Presidenten; und wenn über ihr Für und Wider auch gesprochen wurde, blieb sie letzten Endes doch auf dem Papier. Ebensowenig kam es zu einer aufschlussreichen Klaerung seines zweiten prinzipiell gemeinten Wunsches, die in Vielem prekaeren Beziehungen zwischen der strikt religioesen Minderheit und den liberalen, bezw. reformfreudigen Kreisen hierzulande wie in der gesamt jüdischen Gegenwart zu untersuchen. Dieses heisse Elisen anzufassen, hütete sich der der Kongress —wahrscheinlich mit Recht— ebenso, wie man es in Israel all die Jahre hindurch bisher vermieden hat, eine Entscheidung zwischen dem theokratischen Anspruch des Landesrabbinats und den ‘•weltlichen” Bedürfnissen der Staatsführung zu erzwingen. Die persönliche Tragödie eines Siegers Der Zionismus als Weltorganisation ist kein eswegs dasselbe wie der Staat, der aus dieser Idee hervorgegangen ist. Israel lebt unter anderen Gesetzen als die kongresszionistische Bewegung, die Dr. Nahum Goldmann als ihr einziger Bannertraeger von wahrhaft führerischem Charisma, ihr höchster Repraesentant mit all dem Nachdruck seines Ansehens, seiner Willenskraft, Begabung und Erfahrung vor dem Niedergang * bewahren will. Diesem Ziel galt sein Ringen auf dem letzten, soeben durchgeführten K o n gress, aus dessen Redeschlachten und Parteienhader er siegreich wieder als unbestrittener Herr der Lage hervorgegangen ist. Aber dass es mit dem Zionismus überhaupt so weit kommen konnte, umschattet das halbe Jahrhundert seines grossen, unausgesetzt der Sache seines Volkes dienenden Lebenswerkes tragisch. CHURCHILL... (Fortsetzung von Seite 5) Stil, in denen er die Weissbuch-Politik seine Vorgaenger fortfuehrte, nachdem er sie als Oppositioneller im Unterhaus kritisiert hatte, in wenigen Worten erklaeren. Aber man kann getrost behaupten, dass er beim Zusammenprall der britischen mit den juedischen Interessen nicht nur ohne Feindseligkeit war, sondern konzilianter als dies ihm im allgemeinen entsprach. Seine Behauptung, er “persoenlich sei ein Zionist”, deckte sich nicht immer mit allen seinen Taten, dass er aber der Schaffung des juedischen Nationalheims im Sinne der Balfour-Deklaration immer positiv und freundschaftlich gegenueberstand, kann keinem Zweifel unterliegen. DER GEWONNENE KRIEG So bleibt noch die Antwort, die uns zum Ausgangspunkt dieser Betrachtung zurueckfuehrt: nur eine Persoenlichkeit wie Winston Churchill konnte 1940 den verlorenen Krieg in einen siegreichen verwandeln. Nur ein Mann, dem Parlament und Volk zujubelte, als er —nein, weil er— Blut, Schweiss und Traenen versprach, nur ein Mann, der unter dem deutschen Bombenregen in London den Mut zur Verantwortung und die weltweite strategische Perspektive hatte, einen Teil seiner Luftflotte nach Aegypten zu senden, nur ein Mann, der erst dem besiegten Frankreich und dann dem amerikanischen Alliierten eine Verschmelzung ihrer Staaten vorschlug, nur ein solcher Mann konnte das Primat des Menschen sowohl ueber das Untermenschentum wie ueber den blinden Glauben an die deterministischen K r a e fte der Historie Luegen strafen. Vielleicht ist mit ihm viel mehr untergegangen als die post-victorianische Epoche, als das Erbe des 19., als die ersten zwei Drittel des 20. Jahrhunderts. Da es keine globalen Kriege mit Siegern und Besiegten mehr geben kann, ist mit ihm wahrscheinlich auch der letzte grosse Feldherr, der letzte Alexander, Caesar und Wellington unthrgegangen. Die Unsterblichkeit aber, deren Bewusstsein ihm bei Lebzeiten bereits vergoennt war, ist ihm zuteil geworden als Feldherr der Freiheit und wenn die Freiheit und Menschenwuerde auf dieser Erde erhalten bleiben, wird auch sein Name genannt werden, “fuer die Zeiten aller Zeiten”. ATSCHEKA il s>i ) i i

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