Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXVII (1965)
- Issue
- 2 (Febrero, 1965)
- Date
- 1965-02-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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I FEBRERO 1965 BOLETIN INFORMATIVO o DER MANN, DER HITLER BESIEGTE MONATSSPIEGEL “In den schwarzen Tagen und den schwaerzeren Naech- und im Unterhaus dienen ten, da Grossbritannien allein stand und in der die Mehrwollte, nur im Rahmen seiheit der Menschen, mit Ausnahme der Englaender selbst, ner Zeit verstehen koennen. bereits verzweifelten, mobilisierte er die englische Sprache In dieser seiner Zeit aber, und ftuehrte si aufs Schlachtfeld. Und die Glut seiner Worin unserer Zeit, gab es einen te entbrannte den Mut seiner Mitbuerger. Moment, eine “Sternstunde Sie erteilten ihm unbeschraenkte Machtbefugnisse, aber der Menschheit”, in dem die _ _ _ von da an war er mehr als je wachsamer Beschuetzer ihrer momentanen Interessen Unterwelt entzog?. Rechte. Grossbritanniens identisch Die Spur seines triumphalen Schrittes wird die Herwurden mit den ewigen Be- Mit Recht hatte sich der zen aller freien Menschen entflammen, fuer die Zeiten aller langen der menschlichen Irre von Braunau im Kreis Zeiten. Mit seinem Leben hat er bewiesen, dass freie Menschen, die ihre Freiheit verteidigen, von keinem Feind besiegt und von keiner Furcht aufgehalten werden koennen, seine Taten haben mit unvergleichlichem Mut und seine Worte mit unuebertrefflichem Glanz die Freiheit und Wuerde aller Voelker zum Ausdruck gebracht”. Kein Geringerer als Kennisator, Redner und Schrift- Wuerde und Freiheit. Es gab seiner Vertrauten oft darueeinen Moment, da nicht nur ber lustig gemacht, dass eine Epoche zum Untergang seine Gegner nur “Hansverurteilt schien, sondern wuerste” seien. Von dem alle ihre Werte und die Zivi- Moment an, da Churchill, lisation, die sie als Versein aeltester, erbitterter ermaechtnis verwaltete. Es gab barmungsloser und genialeinen Moment, da die Korueberlegener Widersacher _...... ruption der herrschenden auf der anderen Seite des nedy sprach so von dem steiler, Parlamentarier und Klassen und Kliquen einen Kanals das Steuer ergriff, groessten Staatsmann unse- Historiker, Maler und Bau- Quisling und einen Laval, zu hatte sich das geaendert. rer Zeit, als er ihm 1863 im meister, Erfinder und Jour- “typischen” Repraesentanten Und der bereits unaufhalt- Namen der Vereinigten Staanalist, mit Energie, Humor, einer Welt gemacht ,hatte sam scheinende Zerfall würfen die Ehrenbuergersohaft Widerstandskraft und Origidie dazu bestimmt schien, de aufgehalten und in Wiverlieh. Und er fuegte hinzu: nalitaet ohnegleichen ausgestattet, Sympathie und Auto- “Indem wir seinen Namen ritaet ausstrahlend, mit eiin unsere Reihen aufnehmen, nem Intellekt begnadet, der wollen wir ihn ehren, aber ihn Entwicklungen vorausseseine Zustimmung ehrt uns hen liess, ¡die seine Zeitgenoch viel mehr. Denn keine nossen kaum ertraeumten Erklaerung, keine Proklama- und von einer Entschiossention kann seinen Namen heit beseelt, die den Mut seimehr bereichern. Der Namen ner Mitmenschen zu heben von Sir , Winston Churchill und den Verlauf der Schlachist heute schon legendaer”. ten zu wenden vermochte: vermessen waere jeder Ver- Heute schon, das hiess: zu such, kongeniale Gedanken Lebzeiten. Denn Churchill und Worte der Wuerdigung war es', wie nur wenigen Ausfuer diese pinmalige Persoenerlesenen des Schicksals, lichkeit zu suchen, vergoennt gewesen, sein gewaltiges Lebenswerk nicht Im Bewusstsein der Unnur zu vollenden, sondern moeglichkeit, auch nur in den suessen Kelch des Gedanken , dem Biographen Ruhms bis zum letzten TroPvorzugreifen, der dieser grosfen auszukosten. sen Aufgabe sich einst unterziehen wird, sollen an die- Wenn der juedische ser Stelle nur ganz beschei- Wunsch, der fuer die Liebden —im Sinne: “ohne ihn sten unserer Mitmenschen waren wir heute nicht, wo die ansonsten recht zweifeiwir sind”— eine Frage und hafte Segnung von 120 Ledrei Antworten angeschnitbensjahren ersehnt, eine Beten werden. Die Frage ist die gruendung haben kann, dann nach der Rolle der ist es nur diese: sich an einem langen, ruhigen, ungetruebten Lebensabend an den in den Zeiten der Fuelle geernteten Fruechte laben zu duerfen. In diesem Sinne Ist Churchill 120 Jahre alt geworden: erfuellt von Müsse und umrauscht von Ruhm schaute er auf ein titanisches Leben zurueck, s’ein Name war zu Lebzeiten schon le- PERSOENLICHKEIT IN DER GESCHICHTE und bei ihrer Diskussion wird wohl das Leben und Wirken dieses Mannes fuer alle Zeiten als Schulbeispiel fuer den Einfluss des Menschen auf den Lauf seiner Geschicke und gegen gendaer. keine Erklaerung jeden .mechanischen Deter- und keine Proklamation minismus zitiert werden. Es konnte ihn mehr bereichern, genuegt, sich auszumalen, wenn man 1940 nur auf Oh, wenn es ein Nachruf Chamberlain haette zurueckkoennte! Welche Versuchung, greifen koennen oder selbst Superlativ auf Superlativ zu auf Eden, der damals noch haeufen! Aber ach, welche in hohem Ruf stand und von der Weit dem Zugriff der verstehen, muss man sich zwei Dinge in Erinnerung rufen. Erstens, dass seine politische Gravitation nach dem Eintritt Russlands und s p a e t e r der Vereinigten Staaten in die Grosse Koalit i o n naturgemaess nicht mehr so exklusiv sein konnte wie dies in dem Moment der Fall war, da von dem duennen Faden England das Schicksal der ganzen Welt abhing. Zieht man im Gegenteil die Tatsache in Betracht, dass er bei den Alliierten dann den an Territorium, Menschen und Macht bei weitem schwaechsten Partner repraesentierte, so bestaetigt die paritaetische Position, die er bewahrte, nur seine starke Persoenlichkeit. Und zweitens genuegt es, die Diskrepanzen politischer und militaerischer Art, die ihn von Roosevelt und Eisenhower distanzierten, eine nach der anderen zu analysieren, um festzustellen, dass Churchill in jeder einzelnen mehr staatsmaennische Klugheit, mehr Vision und mehr Sinn fuer die zukünftige Entwicklung unter Beweis stellte. WINSTON CHURCHILL widerstand, Gegenangriff und dann ..... der sieg. Aufgabe auch, da noch etdem niemand ahnte, dass er was hinzuzufuegen, wo ein einige Jahre spaeter nicht sich in nazistische Unterwelt Kennedy gesprochen hat, wo faehig sein wuerde, einen zu verwandeln, der Erzbischof von Canterbu- Nasser zu erledigen. Das war die Sternstunde Natuerlich werden d i e von Winston Spencer Chur- Glaeubigen des zwangsweichill, “seine groesste Stunsen Ablaufs der Historie, an de”, da er -die englische gemacht, dass Churchill erster Stelle die Kommuni- Sprache mobilisierte und zwar den Krieg gewonnen sten, versuchen, seine Beaufs Schlachtfeld ijuehrte”. aber den " -- , . deutung auf die eines her- Er konnte das Imperium phen und Kuenstier sich m vorragenden — wenn schon nicht retten, aber was be- Ehrfurcht verneigen, wo die “typischen” — Re.praedeutet das vor der Tatsache, Veteranen der weitpresse sentanten eines zerfallenden dass er die Freiheit rettete? ihrer unzuiaengucnKeit De- Imperiums, einer unterge- Er konnte den Untergang Sieg verwandelt. DER VERLORENE FRIEDEN Viel Aufhebens wird davon dass Churchill Krieg gewonnen Frieden verloren habe. So vor allem die unverbesserlichen Ehemaligen, die ihm den gewonnenen Krieg nicht verzeihen koen- . jcu nen, wenn es auch heute Trauerrand6 v Trauerrand Wenden Epoche und einer seiner Epoche nicht aufhalnicht opportun scheint, dies Wenn die Rote Armee ganz Osteuropa von den Vorteilen des Kommunismus “ueberzeugen” konnte, so ist dies in erster Linie eine Konsequenz des nazi-faschistischen Angriffskrieges. Nicht i n letzter Instanz trifft Roosevelt, der Stalin grundfalsch einschaetzte, ein geruettelt Mass Verantwortung. Aber Churchill tat, was in'seiner Macht stand, um Eisenhower zum Vormarsch auf Wien, Prag und Berlin, statt auf Marseille und Muenchen zu bewegen und er tat weit mehr, als ihm zukam, um beispielsweise Griechenland zu retten. CHURCHILL, DER “ZIONIST” Eine weitere Antwort ist am Platz auf seine fuer uns interessante Stellung zum Zionismus. Ein Politiker, der im England der Mandatszeit nicht nur Premierminister, sondern auch Erster Lord der Admiralitaet, Fiderstand, Gegenangriff und nanzminister und schliesslich ry in des Toten eigenen Worten daran erinnert hat, dass “niemals in der Geschichte der menschlichen Kaempfe, so viele so viel nur einem zu verdanken hatten”, wo Koenige, Praesidenten, Philosonur zoegernd fuellen und wo eine Frau aus dem Volk mit jenem unbestechlichen Gefuehl fuer der Wahrheit einfachste Formel nur sagt: “Ohne ihn waeren wir heute nicht, wo wir sind”. Staatsmann und Krieger, Menschenfuehrer und Orgazur Bedeutungslosigkeit veten, aber was bedeutet das so klar auszusprechen, rurteiten aristokratischen vor der Tatsache, dass die Klasse zu reduzieren. Gewiss, Zivilisation nicht mit ihr Gewiss ist die Antwort auf man wird diesen Aristokraunter ging? Er konnte und dieses Problem ebenso körnten der Politik der den Poliwollte keine Welt des Beichpliziert wie die Probleme des tikern der Aristokratie imtums fu Ir die herrschende Friedens, der immer noch mer ein Dorn im Auge war Klasse verteidigen, aber was mehr als alles andere eine und persoenlich seinem Mobedeutet das vor der Tatsa- Nachkriegszeit ist, es selbst narchen lieber als Plebejer che, dass er den Reichtum sind. Um aber seine Rolle zu Kolonialminister gewesen ist, .muss zwangslaeufig in diesen 25 Jahren Zusammentreffen britischer Weltpolitik mit juedischem Schicksal Stellung bezogen haben. Und Churchill waere nicht Churchill gewesen, wenn er es nicht getan haette und sogar vehement. Es wuerde zu weit fuehren, die ganzen Hintergruende fuer die Abtrennung Transjordaniens vom palaestinensischen Mandatsgebiet, fuer die er 1922 die persoenliche Verantwortung trug, in diesem Zusammenhang zu analysieren. Ebenso wenig lassen sich die Umstaende und der (Schluss auf Seite 6)