Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXVI (1964)
- Issue
- 11 (Noviembre, 1964)
- Date
- 1964-11-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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14 BOLETIN IN Wenn sich der “Monatspiegel” unserer Oktober-Ausgabe mit der Bildung der “Neuen Fronten” in der Weltpolitik befasste, so war dies geschehen, weil die ganz besonders magere informative Ausbeute eine ebenso seltene wie erholsame Gelegenheit bot, den Blick auf zeitlich und raeumlich groessere Einheiten zu wenden. Das Gegenteil ist diesmal der Fall. Die bedeutenden Ereignisse der vergangenen 30 Tage, von denen einige weltweite Resonanz haben und andere mehr fuer uns von besonderer Wichtigkeit sind, erfordern die ganze Aufmerksamkeit fuer das unmittelbar Aktuelle. Der sensationelle Sturz Nikita Kruschews. Wahlsieg der Labour-Party in England. Goldwater unter einer Lawine der Vernunft begraben. Eduardo Frei zieht in die Moneda ein. Waere das nicht Stoff fuer vier Kommentare statt fuer einen? Und zum Ueberfluss: Festtage fuer unsere Kollektivitaet mit dem Besuch von Golda Meir, die Staat, Regierung und Volk ¡Israels persoenlich bei den Feierlichkeiten des Regierungswechsels in Chile vertrat. DER NEUE HERRSCHER Auch er hat Stalin und Kruschew ueberlebt. EIN NEUER KURS? Zeitlich kam der Regierungswechsel in Moskau als erster. Und wie jedes Ereignis, das unter Ausschluss der Oeffentlichkeit heranreift, wie dies in totalitaeren Staaten ueblich ist, wirkte es einerseits nicht nur durch seine Bedeutung, sondern vor allem durch die Ueberraschung, die es ausloeste. Andererseits bleibt es zum Teil bis heute und wohl noch fuer lange Zeit in seinen Gruenden wie in seinen rnoeglichen Auswirkungen, wenn schon nicht unerklaerlich, so doch weitgehend unerklaert. Bei der dialektischen Einstellung zur Wahrheit, die den Kommunisten eigen ist, darf man als sicher ganz getrost nur eine Tatsache hinnehmen: die offizielle Begruendung von Kruschews “freiwilligem” Abgang aus Alters — und Gesundheitsgruenden ist fuer den internen Konsum eines Landes und einer Partei bestimmt, die ihren chronischen Zustand intellektueller Mangelwirtschaft und Rationierung trotz aller Erfolge auf dem Gebiet der exakten Wissenschaften immer, noch nicht ueberwinden. Wert, sich mit ihr zu befassen, ist diese Begründung nicht. Welche von den unzaehligen Mutmassun- ■gen, die aber in den freien Laendern und —ermunterndes Symptom!— zum Teil bis tief ins linke Lager hinein angestellt wurden, sind jedoch richtig oder zumindest gut fundiert? Kruschew war fuer die Aufspaltung des Weltkommunismus in Kreml-Anhaeng,er und Pekinesen weitgehend verantwortlich. Es war ihm nicht gelungen, die uneingeschraenkte Unterstuetzung des 'Sektors zu erlangen, der seine Linie im Prinzip akzeptierte. Je mehr* er versuchte, die alten Satellitenstaaten in seinem Machtkampf mit den Chinesen zu engagieren, desto mehr nutzten diese seine entbloesste Rueckendeckung aus, sich Schritt fuer Schritt eine wachsende Unabhaengigkeit zu sichern, wie dies am klarsten das Beispiel Rumaenien illustriert. Selbst Jugoslawien, ideologisch der aeusserste Gegenpol des chinesischen Konzepts innerhalb des Weltkommunismus, hatte sich geweigert, der von Kruschew einberufenen Weltkonferenz, die das Schisma vollziehen sollte, beizuwohnen. Der gleiche Trend zur Unabhaengigkeit —im kommunistischen Jargon : “Polizen trismus”— machte sich nicht nur in den roten Regierungen, sondern auch in den Parteien breit: siehe Togliattis Testament.! Die chinesische Atombombe, die als Instrument einen Tag danach, als Nachricht aber bereits zehn Tage vor seinem Sturz explodiert war, hatte Nikitas Po- LYNDON B. JOHNSON Erst ein Seufzer der Erleichterung... sition auf diesem internationalen Gebiet weiter entscheidend geschwaecht. Wahrscheinlich haben viele dieser Tatsachen, noch wahrscheinlicher sie alle zusammen, seine Position untergraben; am wahrscheinlichsten ist es, dass auch viele inner-russische Probleme politischer und vor allem wirtschaftlicher Art, wie sein Fiasko in dem kritischen Agrar-Sektor eine grosse Rolle dabei spielten. Darauf deuten manche der Vorwuerfe, die mit zitternder Hand und Tropfenzaehler in die kommunistische Presse getraeufelt wurden. Sie aufzuzaehlen und gar unter die Lupe zu nehmen, wuerde hier zu weit fuehren; einer aber ist von Interesse speziell fuer uns. Er geht von der “eigenmaechtigen” Art aus, in der “Kamerad” Nikita gehandelt habe und zitiert als ein Beispiel den neuen Kredit von 300 Millionen Rubel, den er Nasser bei seinem theatralisch aufgezogenen Besuch in Aegypten gemacht hatte, “ohne das Zentralkomitee vorher zu befragen”. Nun heisst das weder, dass besagtes Zentralkomitee diesen Kredit nicht “nachtraeglich” gutgeheissen hat und noch viel weniger, dass man ihn zu stornieren gedenkt, aber es weist in die Richtung der Frage, die uns ohnehin bei der ganzen .Angelegenheit am meisten interessiert. Werden die neuen Leute einen neuen Kurs einschlagen? Wird er zu einer Annaeherung mit Peking oder mit Washington fuehren? Oder gar mit Paris? Und, was Juden und Israel anbetrifft: mit Kruschew war einfach nicht mehr zu re- HAROLD WILSON Noch eine Revolution in Freiheit. J den, so sehr hatte er sich in seine antisemitische, antiisraelische und pro-arabische Rage verrannt. Werden die neuen Leute einen neuen Kurs einschlagen? Golda Meir nahm zu dieser Frage Stellung: “Wir sehen als Barometer ihrer Politik uns gegenueber, ob die russischen Juden nach Israel werden auswandern koennen. Es ist auch eine der entscheidenden politischen Fragen, die zwischen ihnen und uns bestehen. Und wir haben darin eine volle Zuversicht in einen Wechsel zum Guten. Noch kann man nicht wissen, wann er kommen wird, aber frueher oder spaeter wird er kommen. Die Juden der Sowjet-Union haben Stalin ueberlebt und sie haben Kruschew ueberlebt. Geblieben sind sie, ihre Liebe zum juedischen Volk und zum juedischen Land”. EIN NEUER KURS Ihr Haupt gekroent mit der Krone aus Gold und Edelsteinen, verkuendete die britische Koenigin ihren Untertanen, dass sie nunmehr den Vorsatz hege, die Stahlindustrie zu nationalisieren. Also geschehen vor dem aeltesten Parlament der Welt im Rahmen der Thronrede, in welcher der Herrscher laut Verfassung und Tradition die Plaene der vom Volke gewaehlten Regierung kundgibt. Und das Volk hatte —mit knapper Mehrheit— fuer die Labour-Party gestimmt, ¡am gleichen Tage, da in Russland hinter einer Tuer mit sieben Riegeln ein Mann mit mehr Macht, als ihn eine Krone je symbolisieren konnte, seinen Platz aufgeben musste, um ihn zwei anderen Maennern —fuer wie lange?— zu ueberlasyn. Unter den unzaehligen Beispielen, die sich fuer die Segnungen der Demokratie und gegen die Schrecken einer Diktatur aufzaehlen lassen, hat sich hur selten eines so Vier iRe£ierungswec, spontan und so plastisch ereignet. Hier ein Volk, das in freier Willensaeusserung die Regierung waehlt, dort ein Kluengel, der ueber die Ergebnisse seiner Machtkaempfe und Intrigen das Volk nachtraeglic.h informiert... und das mit Luegen. Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass der Wechsel von Konservativen zu Laboristen in Grossbritannien auch wirklich einem Kurswechsel gleichkommt und viele Neuerungen sowohl auf internationaler Ebene, wie auch vor allem auf internem wirtschaftlichen vnd sozialen Gebiet mit sich bringen wird. Um nur ein Beispiel zu zitieren, soll daran erinnert werden, dass Harold Wilson und seine Leute waehrend des Wahlkampfs aus der Forderung der —eventuell sogar einseitigen— atomaren Abruestung eine wahre “Kernfrage” ihrer Aussenpolitik gemacht hatten. Ob sich diese Forderung aber mit den neuen politischen Gegebenheiten der chinesischen Bombe und der Gefahr einer Versoehnung zwischen Moskau und Peking1 vereinbaren laesst, wird die rauhe Wirklichkeit zeigen. kau begleitet, noch beinhaltet es eine neue politische Richtung, wie diese als Ergebnis des Umschwungs in England sich ankuendigt. So galt auch der beruehmte “Seufzer der Erleichterung”, den die oeffentliche Meinung der ganzen Welt mehr oder weniger hoerbar von sich gab, nicht so sehr dem laengst vora us gesagten berwaeltigender Wahlsiegs. Das er sich in Z' fuehlen wird, n als Erbe Kenn in Funktion s Fersoenlichkeit, und Plaene zu kann sich sd neuen Initiativ an neuen Mit: gen, von d e Alles, was in England unted der Aegide seiner Arbeiterpartei geschieht, wird naturgemaess die Aufmerksamkeit der gesamten Welt verdienen. Wenn es auch heute weit davon entfernt ist, die Gravitation auszuueben, die einst dem British Empire eigen war, so hat doch die Erfahrung, Bedeutung und Anziehungskraft Englands fuer den interessierten Zeitungsleser proportioneil weit weniger Einbusse erlitten, zumal die Resultate dieses 'seines zweiten Experiments einer —um es mit einem uns gelauefigen ßchlagwort zu sagen— “Revolution in Freiheit” von groesster Wichtigkeit fuer eine Welt ist, die tagtaeglich von Revolutionen erschuettert und in ihrer Freiheit bedroht wird. Fuer Israel trifft natürlich ganz besonders zu, dass England heute nicht mehr die Wichtigkeit von einst hat. Der Groll gegen die einstige Mandatarmacht ist vergessen und die Erinnerung an die bittere Erfahrung mit der vorigen Labour-Regierung Attlee-Bevin ist begraben. Im Gegenteil: wenn ideologische und prinzipielle Affinitaeten in der Politik eine, wenn auch noch so bescheidene, Rolle spielen, so sollten die freundschaftlichen Beziehungen, die sich zwischen London und Jerusalem zu Zeiten der konservativen Regierungen herangebildet haben, zwischen ihren Nachfolgern von der Labour-Party und der von der Arbeiter-Mehrheitspartei gefuehrten israelischen Regierung ganz bestimmt weiter vertiefen. PRAESIDENT FREI Ul “Israel ,und Judaea haben mehr 1 Triumph des Praesidenten Johnson wie dessen Ausmass. Nach der Blamage vom 3. November koennten sich Ex-Senator Goldwater und seine Extremisten eigentlich begraben lassen und da man nicht annehmen darf, dass sie einsichtig genug sein werden, dagegen keinen Widerstand anzuwenden, muss man hoffen, dass sie wenigstens genuegend geschwaecht dazu sind. Humphrey, die; gende Vorkaer freiheitlichen das Amt des 1 ten bekleiden der bedeutends' DAMIT ALLES SO BLEIBT... Das Resultat der U.S.A. — Wahlen war weder von den sensationellen und ueberraschenden Umstaenden des Regierungswechsels in Mos- Der offizielle Regierungswechsel im Weissen Haus wird also in erster Linie darin bestehen, dass Praesident Johnson die Macht an Praesident Johnson uebergeben wird. Darueber hinaus aber geschieht doch noch einiges mehr. Denn der Praesident Johnson, der die Regierungsgeschaefte abgibt, war es kraft der Nachfolge, die er an jenem tragischen 22. November 1963 antreten musste. Der Praesident Johnson aber, der sie uebernimmt, tut dies aufgrund eines ue- Nun besteht politischen Lini dy verkoerper Johnsons gewis; fe Diskrepanz. S praesentierten : Partei und bild gemeinsame I auch der als I tierte Kennedy servativen Tex nenen Johnson Beruhigung jen ner Waehlersi waehlt hatte, d tionaeren Neue interessiert ist. ber die Unter Eigenart und schon zu viel worden, um es len: der gen und der erfahr der Mann, der fessoren und a