Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXVI (1964)
- Issue
- 11 (Noviembre, 1964)
- Date
- 1964-11-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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NOVIEMBRE 1964 BOLETIN INFORMATIVO 13 Bonn &e^wtaellrt Militaerhilfe Regierungssprecher verweigerte Auskunft schungsprojekte am Weiz- Bonn, im Oktober. Zwischen der Bundesrepublik und Israel bestehen seit Jahren Abmachungen über eine deutsche militaerische Ausbildungs - und Ausrü stungshilfe. Entsprechenden Vereinbarungen sind noch zwischen dem früheren Bundeskanzler Konrad Adenauer und dem damaligen Ministerpraesidenten Ben Gurion getroffen worden. Der Sprecher der Bundesregierung, staatssekretaer Karl-Günther von Hase, verweigerte jedoch vor der Presse jede Auskunft über die Zusammenarbeit zwischen Bonn und Tel Aviv. "Ich bin nicht in der Lage, ohne Rückfrage bei dem vom Parlament bestimmten Beratungsgremium die Frage nach einer deutschen Militaerhilfe für Israel zu beantworten", erklaerte er. Bei dem Gremium handelt es sich um je drei Vertrauensleute der drei Bundestagsfraktionen, die vom Verteidigungsministerium und vom Auswaertigen Amt staendig über die Vereinbarungen über eine deutsche militaerische Ausbildungs und Ausrüstungshilfe informiert werden und die diese Vereinbarungen sanktionieren, ohne dass sie dem Parlament offiziell bekanntgegeben werden. Einer dieser Vertrauensleute, der CDU - Abgeordnete Georg Kliesing, reiste am 26 Oktober nach Israel. Die deutsche Hilfe für Israel hat in den letzten Jahren einen Umfang von mehr als 200 Millionen DM angenommen. In diesem Rahmen sind von der Bundesrepublik Waffen, Flugzeu ge und Schiffe verschiedener Art gekauft und nach Israel verschifft worden. Ausserdem werden israelische Soldaten in bestimmten Einheiten der Bundeswehr ausgebildet. Es gibt jedoch keine deutschen Ausbilder in Israel. Darüber hinaus hat die Bundeswehr bereits seit vielen Jahren in Israel militaeris c h e Ausrüstungsgegenstaende, darunter Handfeuerwaffen und Munition, gekauft. Für die Errichtung der Produktionsstaetten hat die Bundesregierung einen finanziellen Beitrag an Israel geleistet. . Neben der rein militaerischen Ausbildung und Ausrüstungshilfe arbeiten Bonn und Tel Aviv auch eng auf dem Gebiet der Kernenergie- Forschung sowie der biologischen und chemischen Forschung zusammen. Diese Arbeit liegt, wie Staatssekretaer von Hase mitteilte, im Rahmen des Weizmann-Instituts. Füur sie ist aus dem Haushalt des Auswaertigen Amtes bis 1863 ein Betrag von 12 Millionen DM und für das Haushaltsjahr 1964 ein Betrag von 3,5 Millionen DM zur Verfügung gestellt worden. Gegenwaertig befi n d e n sich zwei namhafte deutsche Wissenschaftler, der Nobelpreistraeger Prof Hans Jensen und Prof. Wolfgang Gentner, in Israel, um, wie es in Bonn heisst, den Fortgang der gemeinsamen For- Der “Golem” ist ein Wunderkind Israelische Forscher entwickelten sensationellen Rechen-Roboter mann-Institut in Rehovot gemeinsam mit ihren israelischen Kollegen zu inspizieren. Beide Professoren wirken an der Heidelberger Universitaet als Kernphysiker. Dde imilitaerische Zusammenarbeit zwischen Israel und der Bundesrepublik ist bisher von allen Stellen als ein streng gehütetes Staatsgeheimnis behandelt worden Es wird jedoch angenommen dass die arabischen Laender insbesondere die Regierung in Kairo, eingehende Informationen über diese Art der Zusammenarbeit zwis c h e n Israel und der Bundesrepublik besitzen. Vorsorglich wird daher in Bonn darauf hingewiesen, dass die Taetigkeit deutscher Kernphysiker nichts mit den israelischen Projekten zur Konstruktion einer Atombombe zu tun habe. (“Die Welt") Der Rehovother Golem wurde kürzlich der internationalen Presse vorgestellt. Dieser elektronische Rechenautomat mit dem seltsamen Namen hatte soeben in der Abteilung für angewandte Mathematik beim israelisehen Weizmann-Institut der Wissenschaften in Rehovoth seine Arbeit zur vollen Zufriedenheit aller Beteiligten aufgenommen. Golem ist eine stille Sensation auf dem Gebiete der automatischen Datenverarbeitung; Konstruktionsplaene und alle Schaltungen des Automaten entstanden in knapp zweijaehriger Bastelarbeit beim Weizmann-Institut. Ein Elektronengehirn nach dem Do it-yourself-Verfahren zusammenzubauen erschien kaum mehr sinnvoll nachdem die grossen Firmen dieser Branche mit bald zwanzig! aehriger Erfahrung ganze Typen-Kollektionen fuer die verschiedenartigsten Zwecke anbieten und zwar in Serienpro duktionen deren Stueckzahlen zum Teil in die Tausende gehen. Trotzdem waren die iRehovother Mathematiker mit dem Angebot der Industrie nicht zufrieden; die Maschinen die sie fuer ihre Probleme brauchten waren sehr teuer und die Kapazitaet der billigeren reichte nicht aus. Im Sommer 1961 regte daher Professor Ghaim Pekeris, Leiter der Abteilung fuer angewandte Mathematik am Weizmann-Institut den Bau eines ueberschnellen Rechenautomaten im eigenen Hause an, und im darauffolgenden Jahr machten sich Professor S. Ruhman und die WIEDERUM DEUTSCHLAND... auch Bundesinnenminister Hoecherl erklaerten, “keine juristische Moeglichkeit besteht, diese Aktivitaeten zu verhindern”, und es bleibt zu erwarten, dass die schon vorher erwaehnten Beratungen im Bundestag bald dazu fuehren werden, dass auch legal diesem Treiben ein Ende gesetzt werden kann. Ein weiteres positives Faktum, welches in diesem Zusammenhang Erwaehnung finden sollte, ist die seit mehreren Jahren von der Bundesrepublik geleistete militaerische Hilfe fuer Israel (Siehe: “Bonn gewaehrt Israel Militaerhilfe”). WIE GEHT ES WEITER? Alle diese seitens der Bundesrepublik ergriffenen Ini- (SCHLUSS VON SEITE 10) tiativen sind ohne Zweifel, ein Schritt vorwaerts. Dennoch ist aber damit die Sorge, um das was in Deutschland vorgeht, noch nicht behoben. Das juedische Volk hat betroffen zur Kenntnis genommen, das bei einer Meinungsumfrage 39 % der befragten und informierten Deutschen den Auschwitz-Prozess in Frankfunrt ablehnten und dass die Bundesregierung bisher keine Neigung zeigte, die Verjaehrungsfrist fuer Naziverbrechen ueber den 8. Mai 1965 hinaus zu verlaengern, dass eine rechtsstehende deutsche Zeitung ein Interview mit Nasser mit der gewalttaetigen Schlagzeile “Krieg mit Israel unvermeidbar” aufmachte und dass die Bundesregierung die Annahme diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und Bonn nach wie vor dilatorisch behandelt. Es bleibt zu hoffen, dass die Massnahmen, die — wie wir zuversichtlich erwarten — dem in Kuerze stattfindenden Treffen Eschkol Erhard folgen werden, dazu beitragen die Atmosphaere von den Wolken zu befreien, welche das Verhaeltnis aller Kreise des juedischen Volkes gegenueber der Bundesrepublik ueberschattet haben, und so der Weg frei wird, damit diejenigen, die guten Willens sind, weiter fortfahren koennen, die Truemmer der Vergangenheit fortzuraeumen und das Fundament fuer eine einstmalige Ueberbrueckung des Unueberbrueckbaren zu legen. H. E. ISRAEL HOFFT AUF ANLEIHEN Finanzminister Sapir, der nach einem Besuch in Japan, den USA und Südamerika nach Israel zurueckkehrte, gab bekannt, er habe im Auslande u. a. fuer die Errichtung eines Fonds zur Hebung des Erziehungsniveaus in Israel gewirkt. Aus den Geldern dieses Fonds sollen in den naechsten fuenf Jahren 60 neue Mittelschulen errichtet werden. Der Finanzminister sprach sich lobend ueber das Interesse der Judenheit im Auslande fuer diesen wichtigen Zweck aus. In Argentinien, Brasilien, Uruguay und Perú habe er Besprechungen ueber Erweiterung der gegenseitigen Handelsbeziehungen und technische Hilfe seitens Israel gefuehrt. Der Praesident von Perú hat diese Hilfe Israels als sehr bedeutsam fuer Perú bezeichnet. Der Antisemitismus in den suedamerikanischen Staaten wird durch die arabische Hetzpropaganda genaehrt. Sapir berichtete, dass er waehrend seiner Reise mit 16 Ministern aus Asien und Afrika zusammengetroffen ist, welche die israelische Hilfe lobten. Die Weltbank zeigte sich prinzipiell bereit, Israel eine Anleihe in Hoehe von ca. 40 Millionen Dollar fuer die Entwicklung der israelischen Industrie zu erteilen. Ausserdem fanden Besprechungen mit Banken und Investoren zur Aufbringung von weiteren 60 Mili. Dollar statt. Diese Summe sollte genuegen um die Erteilung von Entwicklungsanleihen durch die Regierung an die lokale Industrie einzustellen. Im Oktober werden in Israel zwei Delegation der Weltbank eintreffen, um die Bedingungen fuer die Erteilung dieser Anleihe zu pruefen. Es ist zu hoffen, dass Israel auch in diesem Jahre amerikanische Nahrungsmittelueberschuesse im Werte von 27 Mill. Dollar erhalten wird. Finanzminister Sapir erklaerte in einem Interview in der “New York Herald Tribune”, die Israel- Regierung sei daran interessiert, ihren Anteil an israelischen Industriebetrieben zu verkaufen. Der Finanzminister fuegte hinzu, die Entwicklung der Industrie in Israel gebe der Regierung die Sicherheit, dass sie einen solchen Schritt unternehmen kann, um die dadurch frei gewordenen Gelder in der Errichtung neuer Industriebetriebe zu investieren. (“Canfit”) Von RAINER MAELZIG Ingenieure M. Melmann und Z. Ziesel an die Arbeit. Gegen Ende des vergangenen Jahres war Golem bereits mit der Aufstellung umfangreicher astronomlscher Tabellen beschaeftigt, die einen immensen Rechenaufwand erforderten. Es handelt sich dabei um Forschungsvorhaben, an die sich wegen ihrer Kompliziertheit vorher kein Wissenschaftler wagen konnte und deren Bewaeltigung ueberhaupt erst mit Hilfe der Rechenkapazitaet derartiger Maschinen moeglich wurde. Golem ist eine Weiterentwicklung neuester Rechenautomaten der Universitaet von Illinois, weist jedoch gegenueber seinem Vorbild eine Reihe wesentlicher Verbesserungen auf. Eine der wichtigsten: er arbeitet eine millionmal praeziser. naemlich auf 19 Dezimalstellen genau: der Automat i n Illinois bringt es nur auf 13 Stellen. Er tut dies, ohne an Rechengeschwindigkeit einzubuessen — das bedeutet einen relativ groesseren Aufwand an Schaltwerk; trotzdem ist Golem kleiner und aus weniger Bauteilen zusammengesetzt als sein Bruder in Illinois: nur 20.000 Transistoren wurden gebraucht. Industrielle Rechner mit vergleichbarer Leistung dagegen enthalten einige hunderttausend Transistoren, also etwa zehnmal soviel. Sie sind auch ungefaehr zehnmal teuerer als Golem, in den nur 800.000 Dollar investiert werden mussten. Doch nicht nur im Preise macht sich die Sparsamkeit in den Bauteilen bezahlt, auch in der Zuverlaessigkeit der Arbeit. Je komplizierter eine elektronische Schaltung, desto groesser ist die Wahrscheinlichkeit ihres Versagens. Waehrend Golem mit der Arbeit beginnt wird Weizac, sein Vorgaenger, verschrottet. Er wurde im Jahre 1954 von G. Estrin gebaut und hat in den neun Jahren seiner Taetigkeit in Tag- und Nachtschichten 50.000 Rechenstunden hinter sich gebracht. Wenn man jetzt den Golem einsetzen wuerde, um die gesamte Rechenarbeit von Weizac nachzupruefen und jeden Schritt noch einmal zu tun, dann wuerde er fuer dessen Neunjahrespensum nur ein paar Wochen benoetigen. Allerdings: auch dem “Wunderkind” Golem sind Grenzen gesetzt. Wissenschaftler wuenschen immer Antwort auf Probleme, die ihre derzeitigen Moeglichkeiten gerade uebersteigen. Die Bestimmung der Kristallstruktur der Eiweissstoffe beispielsweise ist auch fuer Golem zu schwer, und fuer vernuenftige Wettervoraussagen taugt er ebenfalls nicht. (“Die Welt”)