Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXVI (1964)
- Issue
- 11 (Noviembre, 1964)
- Date
- 1964-11-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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5 NOVIEMBRE 1964 BOLETIN INFORMATIVO Chaim Hfeiimann waere 90 Jahre ZLJM 90 (27.11.1874 — 9.11.1952) Alljaehrlich, am Jahrzeitstage, dem 21. Marchesehwan, wird des ersten Staatspraesidenten Israels, Dr. Chaim Weizmanns, in der gesamten juedischen Welt gedacht, des Staatsmannes, Forschers, Wissenschaftlers, des hervorragenden Juden und Weltbuergers, der in den ersten vier Jahren der jungen Republik Medinat Jisrael an ihrer Spitze stehen durfte und der im Gedaechtnis des juedischen Volkes fortlebt als einer der Grossen, die durch ihr Leben und ihr Wirken, durch Sendung und Leistung, den juedischen Staat entscheidend mitgeschaffen und damit die Renaissance des juedischen Volkes verwirklicht haben. An dem Tage, an welchem Chaim Weizmann 90 Jahre geworden waere, soll abermals am einige der grossen Augenblicke in diesem an Arbeit und Erfolgen so reichen Leben gedacht werden. Bereits mit der Erlangung der historischen “Balfour- Deklaration” vom 2. November 1917 war 'Chaim Weizmann in die ruhmreiche Geschichte des juedischen Volkes eingegangen. Doch es ist ein langer Weg gewesen, den der Sohn eines schlichten Juden aus dem kleinen russischen Staedtchen zurueckgelegt hatte, bis er in die Kultur — und Gesellschaftskreise Westeuropas eintreten, mit Koenigen; Ministern und Botschaftern verhandeln, mit den Grossen der Welt ueber das Schicksal seines juedischen Volkes sprechen konnte als ein Gleicher unter Gleichen. In seinen Lebenserinnerungen heisst es: “Motol lag in einem der dunkelsten Winkel des Ansiedlungs-Rayons, jenes grossen Gefaengnisses, das die zaristische Regierung fuer den groessten Teil der juedischen Bevoelkerung geschaffen hatte. Der Vater war ein “Tr ansportier er” von Holz, das er faellte, und fuer dessen Verfloessung nach Danzig er sorgte, ein stiller, wissenschaftlicher Geist, verloren in die Welt des Geschaeftes, aber beseelt von tiefen Ambitionen fuer seine Kinder”. Der aeussere Ablauf dieses Lebens ist bekannt: Das Studium in Deutschland und in der Schweiz — schon die Gymnasialau s b i 1 d u n g in Pinsk hatten sich die Eltern vom Munde abringen muessen —, der Beginn der Universitaetskarriere in Manchester (1901), die Vermaehlung mit der Medizinstudentin Vera Kazmann, die eine wunderbare Lebensgefaehrtin und wissenschaftliche Mitarbeiterin werden sollte, die sehr wichtige Gewinnung von Azeton (im 1. Weltkriege fuer den Munitionsbedari der Entente), die Anerkennung durch die dankbarp britische Regierung von Lloyd George und Balfour Daneben geht, vom 2. Zionistenkongress (1898) an die zionistische Aktivitaet, die ihn zwar in der Epoche vor 1914 noch nicht an die Spitze brachte, wohl aber seine Persoenlichkeit von Kongress zu Kongress staerker in den Mittelpunkt der Probleme des praktischen Palaestinaaufbaus und der geistigen Erneuerung — Hebraeische Universitaet — stellte. GEBURTSTAGE DES STAATSMANNES 111 CHURCHILL Ul WIR JUDEN Von CURT WILK und Gewissen seines Volkes es zu dem traurigen Kapitel und der Verbuendeten, enerder “illegalen Einwandegiegeladen und mutig genug, rung” kommen musste, ihnen die zu ihm Vertrauens- Auch muss man wahrheitsvoll auf blickten, auf Jahre gemaess zugeben, dass nichts anderes als “Blut, Churchill laengere Zeit hin- Schweiss und Traenen” zu durch den Bestrebungen zur versprechen, und nur so konn- Schaffung einer “Juedischen te er die Alliierten durch Brigade” widerstand, die unendliche Hindernisse hinerst relativ-spaet in die durch zum Siege fuehren. Kriegshandlungen eingreifen Dieser Sieg brachte auch dem konnte. Dagegen kritisierte juedischen Volke die Rettung er heftig und ueberaus ermoeglichte das Ueberleben scharf die Arbeiterregierung eines Teils der besonders ge- Attlee-Bevin, die er fuer die faehrdeten Judenheiten und Unruhen in Erez Jisrael den Neuaufbau juedischen zwischen 1946 und 48 ver- Lebens ueberall dort, wo antwortlich machte, womit dies in freiheitlicher und er die juedische Sache indiruhiger Entwicklung moerekt unterstuetzte. Zwar glich ist. Aber man ueberfand er keine ermutigenden triebe, wenn man sagen Worte fuer die juedischen wollte, dass Sir Winston, bei Unabhaengigkeitskaempfe r, allem Mitgefuehl und aller aoch brachte er wiederholt Sympathie fuer das so sein absolutes Festhalten an schwer leidende juedische der Idee der Juedischen Volk, dessen Schicksal tiefer Heimstaette zum Ausdruck, empfunden haette als dasjenige anderer unterdrueck- (Dass Churchill als der ter Laender und Voelker. Staat Israel proklamiert wurde, diesem die herzlich- Churchill hat sich immer ste Sympathie engegengern als Zionisten bezeichbrachte, ist ebenso bekannt net, und er ist ein ehrlicher wie sein Bekenntnis zur christlicher Zionsfreund, zionistischen Idee, die er Dem Kabinett von 1917, das restlos bejahte, solange juedie ¡historische 'I‘BaJfourdedisch-zionistische und briklaration” beschloss, hatte tische Interessen nicht initer als “Erster Lord der Adeinander in Konflikt gemiralitaet” angehoert, um rieten. Aber gern haette die bei Kriegsende ins Kolonialjuedische Welt waehrend ministerium hinueberzuder schlimmsten Judenauswechseln. Damit wurde er rottungen zwischen 1942 leider mitverantwortlich und 45 staerkere Worte gefuer das seinen Namen trahoert, als in seinen damaligende Statement von 1921, gen offiziellen Erklaerungen durch welches Transjordazum Ausdruck kam. Nicht nien vom eigentlichen Paklar1 genug ist von ihm gelaestina, auf dessen Boden sagt worden, dass die jueclas “Juedische Nationaldische Lage noch weit verheim” errichtet werden sollzweifelter war als diejenige te, abgetrennt worden ist. anderer unterdrueckter Diesem Beschluss Englands Voelker, wie der Hollaenwar eine Reise Churchills der, Norweger, etc. Fuer nach Jerusalem in Beglei- Churchill hing damals alles tung des beruehmten Oberst ausschliesslich von dem zu Lawrence vorangegangen, erwartenden Endsiege ab wo auf einer Konferenz mit und die Frage, ob dann noch den Arabern eine Entschliesin der Europaeischen Hoelle sung angenommen wurde, ueberlebende Juden vordie zwar einer konfusen Sihanden sein wuerden, duerftuation im Mittleren Orient te zu jenem frueheren Zeitein Ende bereiten sollte, punkt seine politischen Entfuer uns Juden aber von Scheidungen nicht wesensehr nachteiliger Wirkung tlich beeinflusst haben, geworden ist, denn waehrend des Krieges war stets Gewiss verstand dieser daran gedacht worden, dass grosse Staatsmann unsere die kuenftige juedische Heim juedischen Sorgen weitgestaette auf beiden Seiten des hend und er liess uns Ge- Jordan entstehen muesse rechtigkeit widerfahren, oh- und nicht nur im westlichen ne dass dies gefuehlsmaessig Palaestina. sehr stark zum Ausdruck gekommen waere. Sicherlich Freilich aenderte dies muss ein solcher Mensch mit nichts an der freundlichen der einmaligen Vielheit von Haltung von Sir Winston Interessen und Begabungen gegenueber dem juedischen mit einem besonderen Mass- , Aufbauwerke. Er hat die stab gemessen werden. Dass beiden folgenden britischen er die Faehigkeiten juedi- “Weissbuecher” von 1930 scher Menschen immer hoch und 39 entschieden abgezu werten wusste, hat er lehnt, das letztere, Chambewiesen. Da er der gesamberlains Machwerk, als ten zivilisierten Welt un- “Schandfleek” bezeichnet schaetzbare Dienste leistete, und als Oppositionsfuehrer kamen diese naturgemaess im Unterhaus der damaligen auch uns Juden zugute. Da- Regierung fortgesetzte Verrueber hinaus blieb und letzungen der Mandatsbebleibt Churchill der Befuerstimmungen ueber Palaestiworter jeder grossen und na vorgeworfen, was freilich erhabenen Sache, somit auch nicht verhinderte, dass die des Zionismus. Dem Dank der iverhaengnisvollen Abaendefreiheitlich — gesinnten rungen betreffend Einwan- Menschen und Voelker derung und Bodenkauf schliessen sich die Juden durch Juden in Kraft blieder ganzen Welt an, wenn ben, als er selbst, im Mai sie Sir Winston am Tage sei- 194Q, die Regierung uebernes 90. Geburtstages, zehn nahm. Churchill bemuehte Jahre nach seinem Abschied sich vielmehr, die Gesamtvom Amte, ihre guten behandlung des Palaestina- Wuensche und Hoffnungen Problems bis nach dem Kriefuer einen gesegneten Lege hinauszuschieben, sodass bensabend aussprechen. Prof. Weizmann, de jure Praesident der Zionistischen Weltorganisation von 1920 bis 1931 und von 1935 bis 1948, hat dieser von ihm so bewunderten Organisation, dem Erbe Theodor Herzls, den besten Teil seiner Zeit und Muehen geopfert. Er hatte die unendlich schwierige Aufgabe zu bewaeltigen, der englischen Regierung gegenueber die Ungeduld und Unzufriedenheit der Zionistenkongresse zu vertreten und die zionistische sowie die juedische Oeffentlichkeit darauf hinzuweisen, dass uns Juden nichts geschenkt werde, sondern jeder Fortschritt von uns schwer zu erkaempfen sei, dass wir Grossbritann i e n durch konstruktive Leist ungen beeindrucken muessten. Weizmanns juedisches Herz und Gewissen zwangen ihn oftmals dazu, nachzugeben, Forderungen zurueckzustellen, wenn politische Klugheit dies ratsam erscheinen liess, auf einen guenstigeren Augenblick zu warten. Doch mit geradezu prophetischem Weitblick erkannte er, dass die juedischen Anstrengungen in aller Welt zugunsten der nationalen Fonds in einem solchen Umfange zunehmen muessten, dass die Heranziehung weitester Kreise ausserhalb der ¡zionistischen Bewegung sich als notwendig ergeben muesste, weil die Zeit gegen uns arbeite. So erklaert sich Weizm a n n s leidenschaftlicher Kampf um die Erweiterung der “Jewish Agency", den er 1929 gluecklich beendete, wozu ihm seine erfolgreichen Schritte vor allem in Amerika und in Deutschland halfen. Es darf daran erinnert werden, dass es einige grosse juedische Organisationen im vorhitleristischen Deutschland waren, wie der “Hilfsverein der deutschen Juden”, die Grossloge “Bene Berith”, der “Allgemeine deutsche Rabbinerverband “und die juedischen Jugendbuende, sowie einige hervorragende Persoenlichkeiten wie Direktor Oscar Wassermann, Rabb. Dr. Leo Baeck, Generalkonsul Eugen Landau. Dr. Friedrich Brodnitz, Dr. Ludwig Tietz, Justizrat Dr. Blau, die begeisterte Mitarbeiter Weizmanns bei der Schaffung jenes Buendnisses zwischen Zionisten und Freunden von Erez Israel wurden. Sein Leben lang hatte Weizmann Wissenschaft und Politik in sich vereinigt. Der gelehrte Chemiker machte sich nichts aus materiellen Vorteilen, die ihm seine wissenschaftlichen Entdeckungen einbrachten: Er stellte alles in den Dienst der nationalen Sache. Er wurde ein bochgeschaetzter Diplomat, ohne diesen Beruf erlernt zu haben. Der Staat Israel ist zu einem lebendigen Denkmal fuer ihn geworden, und das Weizmann-Institut zu Rechowot verewigt seinen wissenschaftlichen Ruhm fuer alle Zeiten. Er trug, so sagte Ben Gurion einmal von Weizmann, beid» Kronen, die das juedische Volk zu vergeben hat. die Krone der Gelehrsamkeit und diejenige der Herrschaft. Sein Name wird in seinem Volke verankert bleiben; vielleicht wird es niemals wieder seinesgleichen geben. Curt Wilk Wenn Sir Winston Churchill am 30. November das 90. Lebensjahr vollendet, so wird dieser Tag nicht nur in seinem Lande gefeiert werden. Aus der gesamten freiheitsliebenden und demokratisch — gesinnten Welt werden diesem Manne, den David Ben Gurion wahrscheinlich mit Recht den “bedeutendsten Menschen unseres Jahrhunderts” nannte, Huldigungen zuteil werden. Diese gelten zweifellos in erster Linie dem Premierminister En g 1 a n d s waehrend des Zweiten Weltkrieges, dessen Name und Leistung fuer alle Zeiten mit dem Sieg der Alliierten ueber Nazi-Deutschland und das mit diesem verbuendet-gewesene Japan verbunden bleiben wird. Ohne Grossbritanniens heroischen Widerstand und sein eisernes Durchhalten in den besonders kritischen Jahren 1940 und 41, als diese Nation allein einem militaerisch weitueberlegen e n Feinde gegenueberstand, waere der Kampf auf Leben und Tod, den die freien Voelker fuehren mussten, kaum je zum guten Ende gebracht worden. Churchill war Seele WOHIN GEHT ES,,, (Fortsetzung von Seite 4) i sind und von unsereren Rechten Gebrauch zu machen. Wir wenden uns allerdings gegen die Atomisierung des juedischen Menschen. Wir ringen um unseren Bestand als Kollektiv. Als Mitglieder dieser Gemeinschaft wollen wir unseren Beitrag leisten. Wir wollen uns nicht an die Umwelt als Individuen verlieren. Wir wollen unseren Charakter bewahren. Nur wer Charakter beweist, gewinnt sich die Achtung seiner Mitmenschen. Mit Recht wurde auf der 5. Tagung der Centra von Oberrabbiner Dr F. Pincus ein Wort zitiert: “Die Welt kennt uns als Nobelpreistraeger, als Wissenschaftler, als Schriftsteller, aber nicht als das Volk der Propheten”. Darum geht °s und das ist die Aufgabe, die allen Juden in der Welt gemeinsam ist. Als B’ne Newiim — Soehne der Propheten — wollen wir unseren Beitrag zur gerechten Loesung der Probleme leisten, mit denen die Voelker ringen, in deren Mitte wir leben. Als Juden tragen wir eine Verantwortung fuer die soziale Gerechtigkeit. Das ist nicht Assimilation sondern die Erfuellung einer Mizwa — einer juedischen Pflicht. Diese Mizwa ist nicht von unserem geographischen Wohnsitz abhaengig. Im Gegenteil, sie eint uns mit den Juden >n Medinat-Israel. Wir wollen kein Judentum, dessen Bestand von Katastrophen abhaengig ist, sondern von seinem positiven Wert. Darum rang die Generation der Mftkkabaeer. Sie wollten als Juden leben koennen. Darum geht es auch uns. Die Menora steht fuer das Licht, das vom Judentum ausgehen soll — fuer uns und die Welt. Mit den Worten des Psalmisten sagen wir: In ihrem Licht wollen wir das Licht, das Licht des Judentums, schauen. i