Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXVI (1964)
- Issue
- 9 (Septiembre, 1964)
- Date
- 1964-09-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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BOLETIN INFORMATIVO SEPTIEMBRE 1964 WIEDERSEHEN MIT GALILAEA Von Herbert Freeden (Jerusalem) AUS BONN WEHT »Hl Ich war seit ein paar Monaten nicht im Galil gewesen. In einem anderen Lande duerfte diese Unterlas. sung (des Besuches in einer Provinz noch kein Mangel an Bildung sein. In Israel ist man nicht auf dem Laufenden, wenn man nicht mit eigenen Augen immer wieder sieht, wie sich das Land staendig veraendert. Die (Veraenderung wird nicht etwa durch den Wechsel der Jahreszeiten bewirkt, die in Europa eine dauernde Transformation der Landschaft mit sich bringt. Genau so wie die Waelder Israels kein “Geschenk” der Natur sind, sondern von Menschen gemacht werden, ist die Veraenderung des Gesichtes des Landes das Resultat harter Arbeit. Nehmen wir zum Beispiel Yodfat. Es hat wie alles in Israel seine Geschichte. Es war hier, dass eine kleine Gruppe von juedischen Soldaten unter Joseph Ben Mathias ein letztes Gefecht gegen die Uebermacht der roemischen Legionen unter Vespasian kaempften. Als die Situation hoffnungslos wurde, erging der Befehl, dass sich die Verteidiger das Leben nehmen sollten, um nicht lebendig in die Haende des Feindes zu fallen. Aile fuehrten den Befehl aus bis auf den, der ihn selbst erteilt hatte, der Kommandeur, der spaeter unter dem Namen Josephus Flavius bekannt wurde. Diesem Umstand haben wir seine Geschichte ¡ueber den juedischen Krieg zu verdanken. Aber nicht davon wollte ich sprechen, nicht einmal von der kleinen Siedlung, die heute gegenueber dem historischen Felsen steht und, selbst wie eine Festung aus roemischer Zeit aussieht. Eine kleine Gruppe {junger Menschen aus Tel - Aviv, Haifa und Jerusalem beweisen dort, dass es auch unter der israelischen Jugend der heutigen Staedte Pionieve gibt, wie in den grossen Zeiten der Chalutzim. In Yodfat stiegen wir vom Auto in einen Jeep um, und fuhren eine Strasse entlang, die vor ein paar Wochen noch nicht existierte. Dieses kleine Erlebnis allein haette genuegt, um den Ausflug nach Galilaea zu rechtfertigen. Man muss dort gewesen sein, um zu wissen, was hier eine neue Strasse bedeutet. Eben war alles noch unwirtliches Bergland, von Lavagestein ueberzogen, unnahbar und unpassierbar, und ploetzlich oeffnet sich diese Berglandschaft und man spuert das riesige Potential des Landes, das noch kaum ausgenuetzt ist. Von der Strasse oben im Gebirge sieht man auf das Tal hinab, in dem ueber viele Meilen hinweg sich die Kanaele des Nationalen Wasserprojektes winden. Man braucht kein Stratege zu sein, um zu ahnen, dass diese Strasse nicht nur zu neuen Feldern, Gaerten, und Doerfern fuehren wird, sondern dass sie auch ihren Platz in der Verteidigung des Landes hat. Das zweite der drei Entwicklungsgebiete im Galil, das jetzt vom Keren Kajemeth erschlossen wird, hat Biranit zum Zentrum. Biranit gehoerte vor einer Reihe von Jahren nicht zu den erfolgreichsten Versuchen in dieser Gegend. Ich erinnere mich, wenn man die noerdiiche Grenzstrasse von Naharia .nach Sassa entlang fuhr, an eine Stelle zu kommen, wo es mitten in der Wildnis ein paar Strassen und ein Schild gab — Biranit — mehr existierte nicht. Es war nicht gelungen, Menschen zu ¡bewegen, dieser Siedlungspunkt zu uebernehmen. Den einzigen Fortschritt, den es im Laufe der Jahre gab, war die Errichtung eines Aussichtsturms, auf dem, einsam und verloren, eine Feuerwache stand, um Waldbraende zu verhueten. Die historische Assoziation des Namen Biranit geht auf die Zeit Alexander Janais zurueck, des hasmonaeischen Koenigs, der dort eine Festung errichtet hatte. Als wir jetzt nach Biranit kamen, war es schwer den Ort wieder zu erkennen. Das Surren von Traktoren, die Stimmen von Arbeitern, das Schlagen von Bauhaemmern Hessen uns schon von weitem erkennen, das hier etwas geschieht. Und tatsaechlieh, der Bau der Haeuser naehert .sich dem Ende, und bald wird eine Gruppe der Nachal (Pionier Siedlerkorps der israelischen xvmee) dort einziehen und das Gelaende das vom Keren Kajemeth urbar gemacht worden ist, bestellen. Am 29. November, dem Tag an dem die Vereinten Nationen fuer die ' juedische Staatsgruendung stimmten, wird aus Biranit eine lebendige Siedlung werden, und die feierliche Uebergabe an die jungen Menschen erfolgen. Das ist der vierte Siedlungspunkt, den der Keren Kajemeth im Laufe der letzten Jahre fuer die Nachaljugend errichtet hat, nach Almagor (im Koraimgebiet). Mei Ami (Irrontal) und Maale Hagilboa. Nicht weit von Biranit gibt es eine der merkwuerdigsten Strassen des Landes, ebenfalls vom KKL erbaut. Sie fuehrt unmittelbar an den Grenzsteinen entlang, die sie vom Libanon trennen ein paar Meter entfernt, grasen d i e libanesischen Hirten mit ihrem Vieh, ihre Bauern bestellen die Felder und lassen sich nicht vom Kommen unserer Autos auch nur einen Augenblick in ihrer Arbeit unterbrechen. Das dritte Entwicklungsgebiet in Galilaea hat den Chasonberg zum Mittelpunkt Auf der Karte hat es ihn zwar immer gegeben, aber ausser professionellen Geographen war er niemandem bekannt. Vor ein paar Monaten war ich zum ersten Mal da, als der erste Kilometer einer Strasse in den Berg gesprengt wurde. Heute fuhren wir 14 Kilometer hinauf, bis zum Gipfel, an Parzellen von tiefer, brauner Erde vorbei, die hinter einer Schicht von Steinen bervoreezaubert worden äst. Hier gibt es fruchtbare Boeden, die imstande sein werden, dem Dorf eine Lebensbasis zu geben, das in naechster Zeit auf dem Berg entstehen soll. Alles hier spielt sich auf dem Hintergrund einer menschenleeren (Landschaft ab. Die wenigen menschlivor den hypothetischen Gegenmassnahmen Dritter zur Schau getragen? Denn dass diese zu allem Ueberfluss wirklich nur sehr hypothetisch sind, kommt noch hinzu: ebenso wenig wie Kairo —o h n e deutsch-israelische Beziehungen— die staendige “Handelsmission” der DDR vor die Tuer setzt, wuerde es —im Falle der Aufnahme solcher Beziehungen— auf die fetten westdeutschen Kredite verzichten. Dies ist nur einer der vielen Gruende, aus denen heraus man weder solche noch andere arabische Drohungen allzu ernst nehmen duerfte. Das wahrscheinlich staerkste Motiv in dem empfindlichen Rueckfall im Prozess der Annaeherung mit Deutschland ist das der •deutschen Wissenschaftler und Techniker in Aegypten. Seit mehr als zwei Jahren arbeiten nun Buerger der Bundesrepublik im Dienste des Landes und des Mannes, dessen erklaerter Versatz es ist, mit ihrer Hilfe Israel zu vernichten. Und nichts Positives ist geschehen, um ihrem Treiben, das der Voelkervernichtung dient, ein Ende zu setzen. Gegen jeden — meist von sozialdemokratischer Seite her unteirnommenen-Versuichsie zur Rueckkehr zu zwingen oder ihre staatsbürgerlichen Rechte ¡abzuerkennen, tuermen sich Berge von Skrupel und Zweifel juristischer Natur, wie man sie sich bei der Behandlung von Problemen der Nazi-Opfer nur wuenschen koennte Und der Ausrede, dass es sich hierbei um die Langsamkeit der parlamentarischen Maschine handle, seien zwei Dinge entgegengehalten: In Fragen der nackten Existenz eines Volkes, wie sie in diesem Falle bedroht ist, ist es moeglich, schnelle Wege zu finden. Dafuer gibt es Exempel. Und: Woran es mangelt, ist der Wille etwas zu tun. Der Beweis dafuer ist die Tatsache, ¡dass die Bundesregierung nicht nur bis heute kein Gesetz gegen die Landsknechte des Todes verabschieden konnte, sondern nicht einmal eine einfache Erklaerung zu diesem Thema abgeben wollte. Der Verdacht liegt nahe, dass sie deren Taetigkeit vielleicht garnicht so ungern sieht, wie man annehmen sollte. Ist doch Deutschland durch die Abkommen von Potsdam bis heute noch im Interdikt in Bezug auf die Erforschung und den Bau moderner Ver- -Eh M0NATSSPIE6EI I BJHHUMHIMHMMn—IWIH—HIHimHUBTII Mil III if* nichtungswaffen der Art, von Diplomaten, welche die •wie sie hier, unter Um,ge- Forderungen zu schroff, und hung dieser Vertragsklausel, von Finanzleuten, die sie von deutschen Staatsbuer- —trotz Wirtschaftswundergern —wenn auch im Auszu teuer finden. mav~alsoeldirektWeine11 eehel- Es ist wahr. dass Kanzler Hp ernnlT seitens des Erhard> soweit wir richtig informiert sind, auch bevor « sein Amt antrat, in diebestehen, aehnlich der t, gen uns betreffenden Fragen mit der nach dem 1. Weltnicht:s versprochen hatte, krieg das Verbot eines deut- Wenn aiso, Enttaeuschung sehen Heeres durch die um sicdl greift kann sie sich Schaffung der “Reichswehr” ««r wuK%A1,ei?(lbf 5“ Ä Är Ä"3: F?!',! was versprochen hat. Aber es ,darf niemanden Wunder nehmen, wenn alle die ein- , ... . gangs erwaehnten positiven den Vermchtungsplaenen ge- ^nsaetze langsam verblassen gen unser Volk fuehrena An- und ¿je vielen negativen teil nehmen, unentschuldbar Symptome mehr und mehr unannehmbar und ein nicht Erwaehnung finden: Die zu ueberbrueckendes Hinder- Kriegsverbrecher, die so oft ms fuer eine fortschreitende nachsichtig behandelt wer- Normahsierung unseres Verden oder |enen man nich.t haeltnisses zu Deutschland. nur den weg in den Freitod, Schliesslich ist in den letzdje ten Monaten noch ein Mo- Freiheit eroeffnet. Die grossment hinzugekommen, dem Fu,egli°e. Pensionierung so in diesem Zusammenhang HFerKH>,Jier Wuerdentraeger nur noch eine zusaetzliohe des braunen Regimes Die negative Bedeutung beige- $azu H?n,irasJjerende’ Heln" messen werden kann. Es han- (F^e Behandlung so vieler delt sich dabei um das dem Ihrer Opfer Die akademi- Bundestag vorliegende achel>. Erejsedenen Schlussgesetz zur Wiedergut-, Geschieh tsfaelscher , ausgemaohunazeichnet werden, die den Unhold von Braunau entweder Es entspricht nur ,der Lozum kleinbuergerliehen gik, von einem solchen Spiesser verniedlichen oder Schlussgesetz die Korrektur ihn von der Schuld am Kriebegangener Fehler und Unge freisprechen wollen, gerechtigkeiten, sowie eine „ , . , , , , allgemeine positive Abrun- Gerade beim letzten aer düng zu erwarten. Allen vorgenannten Themen, deren liegenden Nachrichten zu- Llst,e sich noch betraechtlich folge scheint das Gegenteil yerlaengern Hesse, hat Kanzder Fall zu sein. Insbeson- ^er Erhard eine Chance vertiere werden Verfolgte, die sPuerh die Atmosphaere etsich erst nach Oktober 1953 was zu reinigen Laut , AP. aus dem Osten retten konn- — rueckuebersetzt aus dem ten, aus druecklich ausge- Spanischen— sprach er anschlossen. Vorstellungen, Ltesslich des 25. Jahrestages welche diesbezueglich von der Invasion von Polen: Verfolgten-Verbaenden und •'waehrend die grosse leitenden juedischen Insti- Mehrheit der ernsten Getutionen gemacht wurden, Schichtsschreiber der westlisollen auf geringes Interesse chen .Welt behaupten, dass gestossen sein, wie ueberkeine Regierung die aushaupt die gesamte Gesetzes-- schliesslich« ¡Schuld am 2. Vorlage, laut “Aufbau”, nicht Weltkrieg traegt, besteht viel mehr Anteilnahme als die absolute Gewissheit, dass die Lesung eines Gesetzes Uhler die Hauptschuld zum Bau einer neuen Landtrifft”. Und er bezichtige ihn Strasse gefunden haben soll, des “Machthungers, des hy- Die Schaffung eines “Haersterischen Fanatismus, und tefonds”, als Ausgleich fuer des Willens, die bewaffnete den willkuerlichen Aus- Macht zu gebrauchen, um Schluss der genannten Verfuer Deutschland Lebensfolgtengruppe angefooten, ist raum zu erobern”. Glaubt mit Recht als Almosen aber, mit “Hauptschuld” und gelehnt worden, mit Hinweis mit den drei letztgenannten darauf, dass es sich hier Attributen das Wesentliche nicht um .eine Bitte um Hilerfasst zu haben? Es waere fe, sondern um einen Rechtsbedauerlich. Bedau erlich anspruch handelt. fuer uns, die wir eine Bereinigung der Atmosphaere Als im Mai 1952 die Ver- Und gehe sie noch so behuthandlungen zwischen der sam und langsam vor sich, deutschen und der juedischen so wie sie sich im 50er De- Delegation in eine 'aehnliche zennium anbahnte, weiter Sackgasse geraten waren, wuenschen. Bedauerlich vor griff Adenauer ein * und allem fuer Deutschland, um eroeffnete durch die Erteieinen klaren Weg aus der lung neuer Richtlinien die Nacht der Vergangenheit zu Perspektiven die schliesslich finden. Bedauerlich schliessden Vertrag von Luxemburg ¡ich fuer den Mann, der —im September des gleichen seine schwierige Aufgabe mit Jahres— moeglich machten. soich unzulaenglichen histo- Erhard hat bisher nichts rischen Perspektiven misst, dergleichen getan. Er laesst die Verhandlungen in Hand ATSCHEKA bleibt die Tatsache, dass nur zwanzig Jahre spaeter es wieder Deutsche sind, die an chen Behausungen, die man findet, sind arabische Doerfer. Juedische Siedlungen gibt es so gut wie keine. Man braucht nicht zu so sensationellen Behauptungen zu greifen, wie es neulich der Londoner “Jewish Chronicle” tat, als er von der Gefahr sprach, dass Mittlere Galil koenne. zu einem “Zypern” oder “Algerien” werden. Aber die bevoelkerungslpolitische Bedeutung dieses Projektes darf nicht unterschaetzt werden. Nicht umsonst nannte Ministerpraesident Eschkol bei seinem kuerzlichen Besuch 4m Norden des Landes die Besiedlung Galilaeas eine der dringlichsten Aufgaben unserer Generation.