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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1964-09-01 · 9 (Septiembre, 1964) · p. Seite 5

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o SEPTIEMBRE 1964 BOLETIN INFORMATIVO ZU IHREM 200. GEBURTSTAGE. DER RERHTE SAU DER MIETTE HERZ Von Curt Wilk Am 5. September sind zweihundert Jahre vergangen seit der Geburt von Henriette Herz, deren beruehmter “Salon” zu Ende des 18. Jahrhunderts Sammel — und Treffpunkt des künstlerischen und literarischen Berlin gewesen ist. Ueber die Entstehung jener eigentuem liehen deutschen Gesellschaftskultur in diesen Salons der Berliner Romantik /praegte Karl August Varnhagen, der Gatte der Rahel Levin, das Wort: “Der Geist des 18. Jahrhunderts, die Regierung Friedrichs des Grossen, der Boden Berlins und die durchgreifende Wirksamkeit Moses Mendelssohns und Lessings waren insgesamt erforderlich, um eine solche Blu-ete hervorrufen und gedeihen zu lassen”. Um Leben und Bedeutung dieser einst sehr gefeierten Frau wuerdigen zu koennen, ist es notwendig, in knappen Umrissen das Bild des Berliner Judentums zu zeichnen wie es sich zur Zeit des Ablebens Friedrichs II., also um 1786, darstellte, d. h.„ einer Gruppe von 3-4000 Personen, die ein “Ghetto” im ursprünglichen Sinne des Wortes nicht mehr kannten und freie Religionsuebung genossen. Wir wissen von diesen Berliner Juden, dass sie meist vom Handel lebten, denn die Ausuebung eines Handwerks war ihnen damals noch untersagt. Doch gab es unter ihnen freie Kuenstler (Maler), Gelehrte und Liebhaber der schoenen Literatur. Eine gewisse Angleichung an die Umwelt hatte sich dank der Lebensarbeit Moses Mendelssohns verhaeltnismaessig rasch vollzogen. Die Gedanken der Aufklaerung und Humanitaet hatten bei ihnen in dei 2. Haelfte des 18. Jahrhun-' derfcs eine starke Resonanz gefunden und dann schliesslich zur Emanzipation gefuehrt. Nur hat das Judentum jener Epoche die neupn Kultureinfluesse nicht mit der Bewahrung echter juedischer Werte zu verbinden verstanden; am allerwenigsten war die juedische Frau von damals auf eine sprunghafte Geistesentwicklung vorbereitet gewesen. Die um diese Zeit entstandene “Mission!’!juedischer Menschen, zu Vermittlern ethischer und Kuenstlerischer Einfl.uesse von Goethezeit und Romantik zu werden, hat den inner Juedischen Aufloesungsprozess geradezu gefoerdert. Hierzu kam die durch Goethe geformte Weimarer Geselligkeit, die in den Berliner Salons, wo die Goethe- Verehrung heimisch war, nachgeahmt wurde, deren Keimzelle der sogenannte “Nathan-Geist“ bildete, wie man die von Mendelssohn geschaffene Stimmung zu nennen pflegte. Es waren vor allem juedische Frauen, die durch ihren ausgepraegten Verstand und ihre gesellschaftlichen Gaben gewirkt haben die “Salons”, besonders diejenigen von Rahel Varnhagen van Ense geb. Levin, orohtea Veits, der aeltesten Tochter Moses Mendelssohns und spaeteren Gattin Friedrich Schlegels, von Marianne Meyer seien hier nervorgehoben—, in denen relativ wenige Juden als Besucher auzutreffen waren, da.fuer aber fast das gesamte geistige und diplomatische Berlin. Diese Ueberlegenheit der Berliner juedischen Kreise wurde allgemein anerkannt. Zu dem juedischen Element trat, neben der internationalen Diplomatie, ¡der preussische Adel, was umso bemerkenswerter erscheint, also die Juden, in deren Haeusern man verkehrte, noch nicht einmal das Bürgerrecht besassen. In diese Reihe gehoert das Heim der schoene!n flenriette Herz, /ueber deren Geselligkeit wir durch Briefe von Zeitgenossen und biographische Darstellungen gut unterrichtet sind. Sie selbst, .Henriette, wurde am 5. September 1764 zu Berlin als Tochter des aus Hamburg ¡stammenden juedischen Arztes portugiesischer Herkunft De Lemos geboren und heiratete, noch nicht ganz 16-jaehrig, . den hochangesehenen fluedischen Arzt und Philosophen Marcus Herz (1747 bis 1803). welcher, ein Lieblingsschueler Kants, Freund Moses Mendelssohns, Leiter des Berliner Juedischen Krankenhauses gewesen ist. Seine fast öreissigjaehrige Praxis hatte er in der Spandauerstrasse, dann, nach der Eheschliessung in der Neuen Friedrichstrasse, und dieses Heim, bis zum Tode von Marcus ¡Herz, war einer der erwaehnten geistigen und gesellschaftlichen Mittelpunkte der preussischen Hauptstadt. Durch seine Vorlesungen (er war Titularprofessor! ueber Philosophie und Experimental - Physik brachte er Juden mit Personen hoechster Staende zusammen,- auch des Koenigs juengere Brueder fanden sich hierzu ein und diesen Vorlesungen verdankte Henriette die ihr ganzes langes Leben fortdauernde Freundschaft mit den Bruedern Humboldt. In ihren “Erinnerungen“ sagt sie, “dass es damals in Berlin keinen Mann und keine Frau gab, die sich spaeter irgendwie auszeichneten, welche nicht kuerzere oder laengere Zeit diesen Kreisen angeboert haetten”. Da sind vor allem ausser dem erwaehnten Schlegel und den Humboldts, Prinz, Louis Ferdinand von IPreussen, Sehadow, Fichte, Boerne, Alexander von Dohne, der spaetere Innenminister und David Friedlaender. der ¡ Befuerwortef radikaler Reform, zu nennen; in diesem gastlichen Hause kam der oft bespoettelte Freundschaftsbund der “Hofraetln Herz” mit dem beruehmten Prediger Friedrich Schleiermacher zustande, der volle vierzig Jahre bis zu dessen Tode waehrte. Mit Mendelssohns Tochter Dorothea gruendete Henriette den “Tugendbund“, dessen ¡Zweck; “gegenseitige sittliche und geistige Heranbildung sowie Uebung werktaetiger Liebe” war. Das Herzsche Haus stand im Zeichen der “Aufklaerung’'. Wie auch in den anderen “Salons“ galt alles Juedische als “duester, veraltet, unzeitgemaess“, alles Christliche dagegen , als “strahlend, anziehend, ueiberzeugend“. Im Gegensatz zu den meisten anderen “aufgeklaerten Juedinnen und Juden” hielt das Ehepaar Herz aeusserlich am Judentum fest. Der gelehrte Gatte liess die ¡junge, bezaubernde. Frau gewaehren, die sich allen künstlerischen und literarischen Schwaermereien der Zeit zuwandte. Sie war eine “kalte Schoenheit”, (wie ein Biograph sie nennt, welche die Verliebtheit der Maenner in kameradschaftliche Freundschaft zu verwandeln ¡wusste. Der Zaub°r den sie auf unzaehllge Menschen aller Klassen ausuebte, war ein ausgleichender, der Geist hervorlockte, selbst dann, wenn die Betreffenden nicht allzu viel hiervon besassen. Doch mit ¡zunehmenden Jahren konnte Henriette eine innere Leere, das Gefuehl der Unbefriedigtseins nicht ganz loswerden. Sie ist aber auch ohne den seelischen Gewinn geblieben, den schmerzliche Erlebnisse zu geben vermoegen ¡und hat nicht, gleich Rahel, die Lebenserfuellung in leidenschaftlicher Hingebung, in Gipfelpunkten des Daseins, erblickt Doch sie besass Geist, Charakterfestigkeit, Belesenheit und ihre unvergleichliche Anmut erhoehte die Beliebtheit ihres Salons. Beim (Tode des Gatten blieb die "Hofraetln“, wie man sie allgemein nannte, in misslicher Vermoegenslage zurueck, und damals bewaehrte sich die Hilfsbereitschaft weitester (Kreise. Sie uebersiedelte in eine kleine Wohnung in der Markgrafenstrasse, und hier an Stelle des “Salons”, sah sie! allwoechentlich einige arme Studenten als “Freitischler” hei sich. Die Zeitgenossen bewunderten nunmehr ihre Faehigkeit, mit geringen Mitteln tauszukommen und dennoch ihren Bildungstrieb durch Reisen, u. a. nach Rom, zu befriedigen, In Dresden, 1810, ging ein alter Traum in lErfuellung, Sie lernte Goethe persoenlich kennen, hoerte “manches gute [Wort“ von ihm und bannte spaeterhin diese Begegnung* einen seltenen Punkt in meinem Leben” Aus Henriettes letzten drei Jahrzehnten welss ¡man noch von ihrem Zusammentreffen mit Ludwig Uhland und Jean Paul; die Freundschaft mit Rahel Varnhagen sollte all die ¡Zelten ueberdauem. Dagegen stand sie mit einem der in den Dreissiger Jahren neu — aufkommenden “Salons”. wie demjenigen des Abraham Mendelssohn-Bartholdy (Leipzigerstrasse 3, wo 'sich spaeter das “Herren-1 haus“ erhob), in (nur loser Verbindung. Ein Jahr vor ihrem Tode liess ihr Koenig Friedrich Wilhelm IV. ' eine Jahrespension von 800 Talern bewilligen. Schliesslich war sie eine Art Wahrzeichen des “alten Berlin“ geworden, das nicht mehr existierte. Sie starb hm 22. Oktober 1847 im Alter von 83 'Jahren Auch heute, zweihundert Jahre nach ihrer Geburt, ist es nicht reizlos, (jene Epoche zu ‘betrachten, in der die Juden den Versuch -machten, in die ihnen damals erschlossene christlich — deutsche Umwelt einzudringen, wobei ihr Judentum an Substanz bedenklich ver- Zum 30. Todestag des Barons Edmond 4® Rothschild Dem Vater des juedischen Palestina An einem trueben Oktobermorgen des Jahres 1934 starb zu Paris im gleichen Palais, in welchem er im Jahre 1846 das Licht der Welt erblickt hatte, Baron Edmond de Rothschild. Damit war der letzte Enkel des Mayer Amschel aus Frankfurt a.M. und Sohn von James Jaakow dahingegangen, der, als einziger der fuenf Brueder, den Fuenf Frankfurtern” nach Paris uebersiedelt war. Dies geschah zu Anfang des 19. Jahrhunderts, und mit ihm nahm die franzoesische Linie des weltberuehmten Bankhauses ihren Anfang. Edmond de Rothschild, wuchs in der freieren Luft Frankreichs auf, ¡ganz gewiss in einer aristokratischen Atmosphaere, aber -doch inmitten juedischen Lebens, und juedische Lehre, juediäch-religioese Tradition, blieben sein ganzes Leben hindurch sein unverlierbarer Besitz. Schon in jungen Jahren uebernahm er die Leitung vielseitiger Finanzoperationen, die in Paris durchgefuehrt werden mussten, und der Ueberlieferung der Familie gemaess wirkte er in philantropischen Institutionen, betaetigte sich als Kunstsammler, foerderte Wissenschaftler und Kuenstler und fuehrte ein ruhiges, vornehmes Dasein, ln das seine Kousine als treue und verstaendnisvolle Lebensgefaehrtin eintrat. Dann, 1883, als der Baron 38 Jahre alt war, geschah etwas unerwartetes: Er hoerte zum ersten Mal von juedischen Siedlungsmoeglichkeiten im Lande der Vaeter, als man ihn bat, einige erst kuerzlich errichtete bescheidene Kolonien, die schwer zu kaempfen hatten, in seine schuetzende Obhut zu nehmen. Die “Chowewe Zion Bewegung’ besass nur sehr bescheidene Mittel, und deshalb fand einer ihrer Besten, der Rabbi Mohilewer, ein gluehender Zionsfreund, den Weg zum beruehmten Pariser Baron Rothschild, der sich nach kurzem, verstaendlichen, Zoegern, fuer die Sache zu erwaermen begann. Die neugegruendeten Siedlungen R i s c h o n-Le-Zion, iSichron Jaacow und Rosch Pina wurden fortan von ihm wirksam unterstuetzt, und damit setzte eine entscheidende Etappe ein in der Entwicklung der vorzionistischen Palaestinakolonisation. Baron Edmond half den juedischen Pionieren der achziger Jahre nicht nur mit allem was zur Siedlungsarbeit noetig war, er sine darueber hinaus indem er Synagogen, Schulen, Hosoitaeler errichten liess und den Familien der schwer ringenden Siedler seinen Beistand lieh. Die beruehmtgewordenen Weinkellor. Zum Unterschied von Rahel, Dorothea und anderen nahm Henriette nicht die Taufe, besass aber keine innere Bindungen zum Judentum imehr. Jemand nannte sie einen “Menschen — Magnet”, der, mehr passiv als aktiv, bedeutende Menschen mit sinnlich - uebeisinnlicher Magie anzog und durch treue Freundschaft und herzliche Guete festhielt. So, als sehr; wichtige Zeiterscheinung, wird Henriette Herz in der juedischen Kulturgeschichte den Wende (vom 18. zum 19. Jahrhundert fortleben. lereien von Rischon Le-Zion sind sein ureigenstes Werk. Ueber fuenf Jahrzehnte diente der Baron dem Lande der Vaeter, wobei er enorme finanzielle Mittel investierte die auf annaehrend hundert Millionen Goldfranken geschaetzt werden; doch die moralische Hilfe durch die Liebe zu Erez Israel ist nicht abzuschaetzen. Bekanntlich hat sich Theodor Herzl dann um ein Zusammenarbeiten mit dem auf rein philantropischer Basis errichteten Werke des Barons bemueht, doch leider vergeblich. Die politischen Gesichtspunkte Herzls lagen Rothschild fern. Dennoch muss betont werden, dass die Siedlungstaetigkeit des Barons der zionistischen Sache eine nuetzliche Basis geschaffen hat. Und nach dem Weltkriege, unter neuen politischen Bedingungen, bekannte sich Rothschild zu der Meinung, dass ein enges Zusammengehen zwischen seinen Unternehmungen und der zionistischen Bewegung notwendig sei. Die fuehrenden Politiker im Weltzionismus, Weizmann, Sokolow ua. fanden nunmehr bei diesem alten Vorkaempfer fuer das juedische Palaestina tieferes Verstaendnis fuer die nationalen Zielsetzungen. Anlaesslich der Begruendung ler “Erweiterten Jewish Agency” im Jahre 1929 wurde Rothschild in Anerkennung seiner fast fuenfzigjaehrigen Taetigkeit fuer Erez Israel zum Ehrenpraesidenten dieses neuen Organismus gewaehlt. Fuenf Male hat Edmond de Rothschild das Land besucht, das letzte Mal als 80. Jaehriger im Jahre 1925. Man verehrte ihn dort als “Vater der Kolonisation”, deren Anfaenge spaeter in der PI¬ CA (Palaestina Jewish Colonization Association) zusammengefasst worden sind. Sein Sohn James, an den die britische Balfour-Deklaration von 1917 ergangen war, setzte das Werk des Vaters fort und war mit der spaeteren Uebernahme der Rothschild-Siedlungen durch den Keren Kajemeth Leisrael einverstanden. Baron James starb allzufrueh im Jahre 1957. Baron Edmond de Rothschild, auf dem alten Friedhof “Pere Lachaise’” zu Paris beigesetzt, ist inzwischen nach Israel ueberfuehrt worden. Nun ruhen seine Irdischen Reste und die seiner Lebensgefaehrtin in der von ihm so geliebten Heimaterde auf einem gruenen Huegel bei Sichron Jaacow. Im juedischen Volk lebt sein Andenken fort als des grossen Juden und Fhilantropen, als des “Vater des juedischen Palaestina”. CURT WILK ADRESSEN -TAFfl Dr. Hans Reich AV. Irajrázaval 028; Dep. 8; Tel. 35567 Rabbiner Egon Loewenstein ,Av. Vicuña Mackenna 265; Dep. 31; Tel. 391116 Rabbiner Manfred Lubliner Av. Vicuña Mackenna 81; Dep. 504; Tel. 398716 Kantor Alfredo Baruch Av. Irarrázaval 3236; Dep. E Kantor Oskar Rusebin Constitución 248; Tel. 398415 j

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