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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1964-09-01 · 9 (Septiembre, 1964) · p. Seite 4

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXVI (1964)
Issue
9 (Septiembre, 1964)
Date
1964-09-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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BOLETIN INFOR M y4 T I V O SEPTIEMBRE 1964 4 Jüdisch - Nordamerikanische Persoenfichkeiten in Santiago Im Verlauf einer “Good- Will-Tour” durch Lateinamerika besuchte eine zahlreiche Delegation des American Jewish Committee unseren Jischuw. Die Abordnung, der Herr Munk, Vertreter des AJC in Buenos Aires zur Seite stand, wurde von Herrn Dr. Morris Abram, Praesident des AJC geleitet, der auch ausserhalb* der juedischen Sphaere einen grossen Namen hat. Er ist Vertreter der Vereinigten Staaten vor der Subkommission fuer Minderheiten der Vereinten Nationen. Als juristischer Berater des verstorbenen Praesidenten Kennedy hat er grossen Anteil an der Gruendung des “Peace- Corps” gehabt, dem er anfangs zur Seite stand. Auch mit anderen wichtigen Initiativen ist sein Name engstens verknueptft. Weiter konnten wir bei dieser Gelegenheit Herrn Theodore Tannenwald begruessen, den Vize-Praesidenten des Verwaltungsrates des Hebrew Union College und Vorsitzenden der Kommission Pro-Israel der AJC, wie auch Herrn Harris Berlak, Vorsitzenden der Kommission fuer auswaer t i g e Angelegenheiten dieser Organisation. Herr Berlak ist Mitglied des Direktoriums der juristischen Zeitschrift der Harvard University. Weitere Teilnehmer waren Herr Joseph Ross, Vize-Praesident des AJC. Herr Richard Maas Mitglied der Anti-Diskriminierungs-Kommission des Staates New York sowie der Vize-Praesident des AJC, Herr Dr. Martin Gang, ebenso wie auch der ex-Praesident des Komitees fuer israelische Staatsanleihen in Nordamerika, Herr Philipp i. Berman, Mitglied des Verwaltungsrates des AJC; Herr Dr. Simon Segal, Direktor der Kommission fuer Auslandsbeziehungen der Institution und seine Assistentin, Frau Hanna F. Desser. Die Delegierten besuchten die wichtigsten allgemeinen Institutionen der Kollektive taet, wie die Federación Sionista, den Vaad Hajinuj, den Maccabi und das Estadio Israelita. In der “B’ne Jisroel” wurden sie vom Direktorium und dem Vorsitzenden des Repraesentanten-Kolle giums, so wie den beiden Rabbinern empfangen. Der israelische Botschafter, Herr Dr. Uri Naor, veranstaltete einen Empfang zu Ehren der Besucher, an dem prominente Angehoerige des Jischuw teilnahmen. DIE PRESSEKONFERENZ Die Vertreter der juedischen Presse hatten Gelegenheit, im Verlauf einer Pressekonferenz mit den uns Besuchenden Vertretern dieser Organisation, einer der repraesentativen Institutionen des nordamerikanischen Judentums, Kontakt zu nehmen. Vor Beginn der Zusammenkunft gab der Leiter der Delegation seiner Freude darueber Ausdruck, im Laufe dieses Besuches Konnex mit der juedischen Bevoelkerung Chiles bekommen zu haben, eines Landes, welches fuer seine demokratischen und liberalen Traditionen bekannt ist. Er betonte besonders die ausserordentlich freunschaftliche und verstaendnisvolie Haltung des Kardinals, Monsenor Raul Silva, dem die Abordnung an demselben Nachmittag ihre Aufwartung machen wuerde. Im Verlauf der Konferenz wurden Probleme allgemein juedischen Interesses behandelt, so u.A. auch die Frage der eventuellen Auswirkungen der Praesidentschafts- Wahlen in den USA auf diedort lebenden Juden. Obwohl unsere Gaeste naturgemaess betonten, dass sie sich nicht auf einer politischen Mission befaenden und ausserhalb der USA keinerlei Stellung zu dort igen innenpolitischen Problemen nehmen wollten, konnten wjr ihren Worten entnehmen, dass keiner der beiden Kandidaten in irgendeiner Weise als von antijuedischen Vorurteilen befangen betrachtet werden koenne, wiewohl ein grosser Teil der juedischen Oeffentlichkeit besonders in der Frage der Bürgerrechte von dem Standpunkt des republikanischen Kandidaten, Senator Barry Goldwater, abweiche. Die Delegation brachte klar zum Ausruck, dass keine irgendwie gearteten antisemitischen Ideen in einer der beiden Parteien bestuenden, und dass die juedischen Buerger daher absolut frei und ohne alle Probleme den jenigen Kandidaten waehlen wuerden, der ihnen als fuer die Interessen der USA am meisten geeignet erschiene. EINHEITSFRONT FUER BUERGERRECHTE In einer Unterhaltung mit prominenten nordamerikanischen Gaesten konnte das Thema der Rassenkonflikte nicht aushleiben, die, weit ueber die Grenzen der Vereinigten Staaten hinaus, die Gemueter aller freiheitsliebenden Menschen erregen. Die Mitglieder der Abordnung brachten klar zum Ausdruck, dass die ueberwaeltigende Mehrheit des nordamerikanischen Judentums, insbesondere aber saemtliche repraesentativen juedische Organisationen einstimmig das Gesetz zur Sicherung der Buergerrechte fuer die farbige Bevoelkerung —das kuerzlich vom Bundesparlament verabschiedet wurde— begruesst haben, und fuer volle und tatsaechliche Gleichheit aller Buerger, nicht nur vor dem Gesetz, sondern auch im sozialen und wirtschaftlichen Sektor «eintreten. Ein weiteres Gebiet, welches im Verlauf der Pressekonferenz beruehrt wurde, war die Taetigkeit des “Peace-Corps”, was besonders dadurch interessant wurde, als ja einer unserer Besucher, Herr Dr. Abram, hervorragenden Anteil an dem Entstehen dieser Organisation genommen hat. Herr Dr. Abram wies darauf hin, dass diese Bewegung —vielleicht eine der erfreulichsten und positivsten Erscheinungen des nordamerikanischen oeffentlichen Lebens der letzten Jahre— starken Widerhall in allen Kreisen der USA gefunden hat, und es absolut moeglich erscheint, dass auch im Rahmen juedischer Organisationen der USA aehnliche Projekte zur Durchfuehrung gelangen koennten, die dann auf Ersuchen interessierter Gemeinden —etwa in Latein Amerika— wirksame Unterstützung, besonders auf kulturellem und erzieherischem Gebiet leisten koennten. In diesem Zusammenhang wurde besonders darauf hingewiesen, dass eine solche Hilfeleistung, in Anbetracht der schweren Probleme, die sich den lateinamerikanischen Jischuwim besonders in der Frage der Heranbildung geeigneter Fuehrerkraefte, wie Lehrer und Rabbiner stellen, nicht nur wuenschenswert, sondern ueberhaupt dies moeglicherweise ein Gebiet sei, auf dem sich das American Jewish Committee aktiv betaetigen koennte. BEZIEHUNGEN MIT ISRAEL AUSGEZEICHNET Auf die Frage eines der anwesenden Pressevertreters bezueglich der Beziehungen zwischen dem AJC und -dem Staate Israel, betonten die Delegierten, das diese ausgezeichnet seien. Einer Einladung der israelischen Regierung folgend, hat die Organisation ein Bureau im Lande eroeffnet, welches die Unterstuetzungsarbeit des Komitees im juedischen Staat koordiniert und eine regelmaessig erscheinende Publikation herausgibt. Etwas, worueber keine Uebereinstimmung besteht, ist die Frage des Einflusses bestimmter orthodoxer Kreise auf das Leben des Staates, der nicht nur das AJC, sondern weite juedische Kreise in Nordamerika mit Sorge erfuellt. Aus diesem Grunde haben AJC, gemeinsam mit der Bene Berith, der United Synagogue, dem Verband der Reformgemeinden und dem American Jewish Congress, ein Schreiben am Ministerpraesident Levi Eschkol gerichtet, in dem sie diesen Standpunkt zum Ausdruck bringen. In diesem Zusammenhang und in Beantwortung weiterer Fragen aus dem Hoererkreis, erlaeuterten die Herren der Abordnung, dass das nordamerikanische Judentum in verschiedenen grossen Verbaenden organisiert ist, jedoch keine “Dachorganisation” hat. Einer dieser Verbaende ist das AJ,C, welches freundschaftliche Beziehungen zu allen anderen Organisationen unterhaelt, ganz besonders zu den Bene Berith Logen, von deren Mitgliedern viele auch dem AJC angehoeren. Abschliessend fasste der Vorsitzende seine Auszehrungen dahingehend zusammen, dass die jetzige Reise in erster Linie informativen Charakter habe, um alsdann ein konkretes Programm der Zusammenarbeit zwischen dem AJC und den verschiedenen juedischen Institutionen unseres Kontinents auszuarbeiten. Er wies besonders darauf hin, dass eine solche Zusammenarbeit nur dann fruchtbar sein koenne, wenn sie auf Gegenseitigkeit beruhe. So kann vielleicht in gemeinsamer Anstrengung der paradoxen Situation ein Ende bereitet werden, dass das Weltjudentum dafuer kaempft, den Juden der UDSSR die Moeglichkeit zu verschaffen, frei als Juden leben zu duerfen, waehrend andere Gemeinschaften, welche diese Moeglichkeit haben, sie nicht ausnutzen koennen, da oftmals die geistigen und materiellen Voraussetzungen dafuer fehlen. BESUCH BEIM AUSSENMINISTER Im Verlaufe ihres Besuches wurde die Delegation auch von dem Botschafter der Vereinigten Staaten empfangen ebenso wie vom Aussenminister der Republik, señor Julio Philippi, mit welchem die Delegierten eine laengere freundschaftliche Unterredung hatten, in deren Verlauf eine Anzahl von Themen gemeinsamen Interesses behandelt wurden. H. E. RABBINER-SEMINAR IN BUENOS AIRES In der Augustnummer teilten wir unseren Lesern mit, dass Ende Juli in Buenos Aires das erste Rabbinerseminar auf diesem Kontinent eingeweiht worden ist, Diese Ausbildungsstaette e x i stiert zwar schon im dritten Jahr, aber erst jetzt konnte das Gebaeude eingeweiht werden das vom Welt-Synagogenrat. der Centra und der Congregación Bet-El in Buenos Aires gemeinsam erworben worden ist. Es ist ohne Zweifel das historische Verdienst des jungen nordamerikanischen Rabbiner Marshall T. Meyer, die Gruendung dieses Seminars entscheidend in die Wege geleitet und gefoerdert zu haben. Ich konnte mich auch im Laufe der Einweihungsfeierlichkeiten von dem Ernst ueberzeugen, mit dem die 22 Studenten (18 aus Argentinien, 4 aus anderen suedamerikanisohen Laendern, leider keiner aus Chile) ihren sicherlich nicht leichten Studien obliegen. Alle Studenten muessen neben ihren rabbinischen Studien in den Abendstunden, tagsueber an der Universitaet Buenos Aires ein akademisches Lehrfach belegen und die entsprechenden Pruefungen ablegen. Es sind 5 Studienjahre in Buenos Aires vorgesehen. Die Dozenten sind zum groessten Teil in Buenos Aires ansaessig. Es haben sich erfreulicherweise auch Dozenten des Jewish Theological Seminary in New York zur Verfuegung gestellt. Es werden auch zwei Jahre Studium an diesem Rabbinerseminar selbst verlangt werden und abschliessend ein Jahr an der Hebraeischen Universitaet in Jerusalem. Man hofft auf diese Weise junge Rabbiner zu erziehen, die aus diesem Kontinent stammen und seine Gemeinden aus persoenlichem Kontakt kennen. Es ist ohne Zweifel eine grosse Leistung, die von unseren Freunden in Buenos Air es , mit unser aller Hilfe vollbracht worden ist. Die Einweihung selbst vollzog sich in mehreren Feierlichkeiten. Am Freitag, den 31. Juli fand in der Congregación Bet El ein Festgottesdienst statt, der von Rabbiner Marshall T. Meyer mit tiefer Ergriffenheit geleitet wurde. Mehr als 700 Personen hoerten die schoene Ansprache des Gastes aus USA, Herrn Rabbi Dr. Isaac Klein (Buffalo). Im Anschluss .daran konnten die Gaeste aus dem Ausland zusammen mit den Studenten des Rabbinerseminars in froehlicher Stimmung den Schabbat feiern. Fuer Schabbat-Morgen hatte die Nueva Comunidad Israelita zu einem Festgottesdienst eingeladen, in dem Herr Rabbiner Hanns Harf die Festpredigt hielt und Herr Kantor Blum mit seinem Chor den Gottesdienst feierlich ausgestaltete. Am Sonnabend nachmittag leitete Herr Rabbiner Dr. Nathan Blum einen Oneg Schabbat in der Leo- Baeck-Synagoge. Am Abend fahd in der “Hebraica” ein gfosses Festessen statt, an dem etwa 400 Personen in bester Stimmung teilnahmen. Unter den fuer einen solchen Anlass nicht zu vermeidenden Reden, sind die Ansprachen von Rabbiner Dr. Lothar Goldstein (Lima), Rabbiner Dr. Klein, Rabbiner Marshall T. Meyer, Oberrabbiner Prof. Dr. F. Pincus (Sao Paulo), Rudolf Hirschfeld (Centra), Rabbiner Prof. Dr. Seymour Siegel (New York) Ulli Lewinski (Kuratorium) und eines Schuelers des Seminars hervorzuheben. Sonntag frueh fand schliesslich der eigentliche Einweihungsakt bei herrlichstem Wetter im neuen Gebaeude —Calle 11 de Septiembre 1969 — statt. In Gegenwart des Vizepraesidenten der argentinischen Nation, Herrn Perette, sowie Herrn Dr. Ricardo Illia in Vertretung seines Bruders, des Praesidenten von Argentinien, des Intendenten von Buenos Aires, Herrn Francisco Rabanal, des Botschafters Israels in Argentinien, des Monseñor Ernesto Segura in Vertretung des Kardinals Gaggiano wurde die Feier von dem Berichterstatter eroeffnet. U. a. zeigte Rabbiner M. T. Meyer die Ziele auf, die in und durch das Rabbinerseminar verwirklicht werden sollen, die er in der Hauptsache in der zu verwirklichenden Harmonie zwischen Judentum und Weltkultur sieht. Dann wurde von Herrn Adolf Weil das Wort Mons. Segura erteilt, sowie dem Vizepraesidenten Argentiniens. Herr Perette hielt leidenschaftlich bewegt eine ausgezeichnete Rede, die in dem Wunsche gipfelte, dass dieses Seminar in einer schoepferischen Zukunft fuer Freiheit und Demokratie arbeiten und damit im Geiste der Bibel wirken moege. Dieses Seminar ist ein Mittel, um Lateinamerika zu einen, das jetzt mehr als jemals Botschafter des Friedens und der Gerechtigkeit braucht. Die Reden, wurden durch ausgezeichnete V o r f u ehrungen religioesen Charakters durch die Hoerer des Seminars abwechslungsreich u n t e r b rochen. Abschliessend b r a c ht e Herr Rabbiner Dr. F. Winter seine Segenswuensche zum Ausdruck. Fuer den Schreiber dieser Zeilen waren diese Tage besonders bewegte Erinnerungsstunden an unser einstiges graues Haus in der Wallstrasse in Breslau, am seine Lehrer und Hoerer. In Anschluss an diese Einweihung blieben die anwesenden Rabbiner noch drei Tage zusammen und behandelten Probleme ihrer Arbeit. Loewenstein

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