Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXVI (1964)
- Issue
- 8 (Agosto, 1964)
- Date
- 1964-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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AGOSTO 1964 JBOLETIN INFORMATIVO 11 Ein iimkaempfter Volksheld kehrt heim Von Dr. Abner Nechuschian, Tel-Aviv Staerker noch als die Flamder Araber im zionistisch-arakanischen Exil verwandelte men der Kandelaber zwischen den sieben haushohen Pylonen beleuchteten die Ste.rne des suedlichen Nachthimmels die beiden am Strand aufgebahrten Saerge mit den sterblichen Resten Wladimir — Seew Jabotinsky’s und seiner Ehefrau Johanna, an denen unuebersehbare Scharen von Tel-Avivern vorbeidefilierten. Hinter mir suchte einer von ihnen seinen Nebenmann darueber aufzuklaeren, wer dieser Jabotinsky eigentlich gewesen sei: aber genau wusste er ebensowenig Bescheid wie der Fragesteller. Er machte ihn auf den, etwas aus der Mode gekommenen, auf dem Sarg liegenden Offiziersdegen aufmerksam. “Vielleicht, hum, ein juedischer General — jedenfalls wohl so ein Zionist von frueher, wissen Sie, wie ¡unser grosser Herzl, ein Freund Weizmanns, glaube ich...”. Ein Freund? Nun ja, mehr als die Haelfte der Bevoelkerung wanderte hierher erst ein, als sich das' “juedische Nationalheim”, Prof. Chaim Weizmann’s Schoepfung, vor nun bald 17 Jahren in den Staat Israel verwandelt hatte. Hunderttausende kamen, ohne je davon gehoert zu haben, dass ihr “Grosser Alter Mann”, David Ben Gurion, den Staat, den sie als selbstverstaendlich gegeben annehmen, den Herren der Welt im Fruehjahr 1948 genau so abgetrotzt hat, wie jener Weidmann den Englaendern die beruehmte “Balfour-Deklaration” im Herbst 1917. Wie koennen sie ahnen, dass’ Jabotinsky im Lager der Zionisten vorher, waehrend der ganzen zwanziger und dreissiger Jahre, vielmehr Weizmanns prominentester Widersacher gewesen, und als —angeblicher— “Sozialistenfresser” nicht weniger von der unter Ben Gurions Fuehrerschaft stehenden Arbeiterschaft befehdet wurde, die schon damals, wie ¡heute, hier im Lande vorherrschte. Weizmann, dem Aussenpolitiker des Zionismus, warf Jabotinsky den Kurs der Loyalitaet zu den Englaendern, an dem er so lange wie irgend moeglich festhielt, in diesen alten Tagen wieder und wieder so ergrimmt vor, dass er schliesslich eine rivalisierende zionistische Weltorganisation aufzubauen versuchte. Und hierzulande musste er sich gefallen lassen, von seinen juedischen Gegnern eine Zeitlang als Faschist bezeichnet zu werden. VOM LINKSLIBERALEN ZUM RECHTSNATIONALISTEN Allein, ein Faschist irgendeiner Art war dieser Mann genau so wenig, wie, sein grosser Antipode Weizmann, dem Grossbritannien laengst zum zweiten Vaterland geworden war, und der in den entscheidenden Jahren seiner politischen Laufbahn davor, scheute die englische Mandatsverwaltung in Palaestina entschieden zu bekaempfen, als sie sich den Standpunkt bischen Konflikt nach und nach immer einseitiger zu eigen machte. Auch der 1880 in Odessa geborene Jabotinsky entstammte, wie Weizmann, der schmalen, schon in der zweiten Haelfte des vorigen Jahrhunderts hochassimilierten Oberschicht des russischen Judentums. Erfuellt von “westlerischem” Liberalismus, brillierte er, kaum dem Gymnasium entwachsen, als Mitarbeiter der paar fortschrittlichen Tageszeitungen, die das zaristische Regime gestattete und sogar als (russischer) Dichter. In Rom, wo er um die Wende des Jahrhunderts Jura studierte, wurde er Sozialist unter dem Einfluss de§ edelmarxistischen Antonio Labriola. An ¡dieser Gesinnung hielt er zunaechst auch fest, als er sich der zionistischen Idee zugewandt und sich, wieder in Russland, mit dem ungewoehnlichen Charme seiner Rhetorik und der bestechenden Logik seiner schrifts'tellernden Feder einen Namen als beliebter Propagandist gemacht hatte. Seine Sternenstunde aber sah er gekommen, als ihm in Suedeuropa und Aegypten, wohin ihn die Moskauer “Ruskaja Wjedomosti” beim Ausbruch des ersten Weltkrieges als Korrespondenten geschickt hatte, der Einfall kam, eine juedische Legion als Hilf struppe der Alliierten im Kampf gegen Deutschland, Oesterreich und die Tuerkei aufzustellen. An widerstaenden fehlte es anfangs nicht in der weltzionistischen Fuehrung, die es fuer opportun hielt, in diesem Krieg neutral zu bleiben. Aber als dann die Amerikaner gegen die Zentralmaechte eingriffen, setzte sich Jabotinsky — nun in den Vereinigten Staaten — im Verein vor allem mit Ben Gurion durch, der sich ebenfalls dorthin begeben (hatte. Wieder in Aegypten, bildete er, dem die Englaender inzwischen Offiziersrang verliehen hatten, aus den mehreren tausend palaestinensischen Juden, die vor der tuerkischen Gewaltherrschaft gefluechtet waren, in der Tat ein Korps, das wirksam an der Eroberung des Heiligen Landes durch General Allenby teilnahm. Die offizielle zionistische Fuehrung in London .aber anfangs auch die britische Mandatsverwaltung Palaestinas Sah in ihm eine, wenn nicht die Fuehrernersoenlichkeit der Juden des befreiten Landes. Aber schon kurze Zeit spaeter. als der arabische Mab mit Ueberfaellen auf juedische Wohnviertel in den Staedten einsetzte, wurde er den Englaendern als Organisator einer gegen ihren Widerspruch errichteten Selbstwehr suspekt. Sic verurteilten ihn zu 15 Jahren Gefaengnis', die dann allerdings auf ein halbes Jahr herabgesetzt wurden, und wiesen ihn aus. Ihm blieb es versagt, den Boden des Landes seiner Sehnsucht noch einmal zu betreten. Im selbstgewaehlten amerisich der von den Werten der abendlaendis'chen Kultur ueberzeugte Liberale, der er gewesen war, unter der Wirkung dieser Erlebnisse nun zum denkbar streitbarsten zionistischen “Philosophen mit dem Hammer”, Da ¡von den Nichtjuden sogar die Englaender versagten, die Unterzeichner besagter Balfourdeklaration, die Nutzniesser des Genfer Voelkerbundmandats, das die Rueckkehr des Volkes in das Land der Bibel ebenfalls versprochen hatte, sei es das gute Recht der Juden, ihren Staat “zu beiden Seiten des Jordan” ¡(Unter militaerischer Ueberwaeltigung also des von Grossbritannien geschaffenen und gestützten Emirats, des spaeteren Koenigreich.es Transjordanien) ohne jeden Verzug selbst zu gruenden... und als Chaim Weizmann dies Programm u.a. mit dem Hinweis auf die faktische Schwaeche des palaestinensich-,juedischen Aufbauwerkes von 1925 — etwa 70.000 Juden gegen anderthalb Millionen Araber — als utopisch ablehnte, ueberflutete Jabotinsky als Oppositions'fuehrer mit dem Schlagwort das “Endziel” sei preisgegeben, den halben Erdball in dem dutzend Sprachen die er gleich meisterhaft beherrschte, und mit dem phaenomenalen persoenlichen Magnetismus, der ganze Scharen von “Zionsglaeubigen” verzauberte, mit seinem anklaeigerisehen “J’accuse” gegen die “kompromisslerische Leitung”. Zugleich bekaempften hier im Lande die Revisionisten, seine Anhaenger, die Arbeiterschaft, die mit den linksbuergerlichen “W e i zmannisten” gemeinsame Sache machte, als klassenkaempiferische Verraeter an den heiligsten Guetern der Nation, Als er 1940 im Alter von 60 Jahren in New York starb, schien die beiderseitige Verbitterung zum Hoehepunfct gediehen. Doch steigerte sie sich noch, als seine Parteigaenger unter der Fuehrung Menachem Begin’s waehrend der letzten unruhigen Jahre des’ Mandats-Regimes, zum Kampf gegen die englische Landesverwaltung uebergingen, den die fuehtungstreue juedische Bevoelkerungsmehrheit ablehnte. JABOTINSKY’S LETZTER WILLE In seinem Testament hatte W. S. Jabotinsky angeordnet, dass seine Gebeine erst von der Regierung1 eines juedischen Staates heimgeholt werden sollten wenn er entstanden sein werde. So trafen jetzt denn die sterblichen Reste dieses Mannes hier ein, wo ihm auch d.ie alten Gegner mit dem Staatspraesidenten voran — mit alleiniger Ausnahme David Ben Gurions, des unversoehnlichen— ihre Reverenz erwiesen, als er mit militaerischen Ehren und all dem feierlichen Genraenge. das ein\m Volkshelöen gebuehrt auf dem Herzl-Berg in Jerusalem zur letzten Ruhe bestattet wurde. m SONDER-BERICHT FÜR DAS B. I. DIE SPRACHEN ISRAELS Von Herbert Freeden — Jerusalem Erst jetzt werden die Re* sultate des allgemeinen Zensus, der vom Zentralamt fuer Statistik im Mai-Juni 1961 durchgefuehrt worden war nach und nach veroeffentlicht. U. a. wurden interessante Tatsachen ueber die linguistische Zusammensetzung der israelischen Bevoel kerung festgesteHt. 80% aller Einwohner des Landes, vom 2. Lebensjahr an, bedienen sich des Hebraeischen als ihrer tagtaeglichen Sprache. Fuer Juden betraegt die Zahl 87% fuer Nichtjuden 14%. Es ergab sich ferner, dass der Gebrauch des Hebraeischen ¡durchwegs haeufiger bei maennlichen Personen ist, bei jungen Leuten und natuerlieh bei solchen, die schon lange im Lande sind. Die Unterschiede; zwischen diesen drei Kategorien sind betraechtlich: wa ehrend 99% aller maennlichen “Sabras” zwischen 15 und 39 Hebraeisch als ihre erste oder einzige Sprache sprechen, ist die entsprechende Proportion fuer Frauen von 65 und ueber, die 1955 oder spaeter einwanderten, nur 3%. Zur Zeit des ersten Weltkrieges Waren Jiddisch und Arabisch die Hauptsprachen fuer jene Juden Palaestinas, deren tagtaegliche Sprache nicht Hebraeisch war. In der Mandatszeit nahm der Gebrauch des .Arabischen ab, da die Mehrzahl der Einwanderer aus Europa kam, waehrend Jiddisch nach wie vor seine Sonderstellung bewahrte 1— wenn auch auf dem Hintergrund mehrerer anderer Sprachen. In den Jahren 1948 — 1961 fand eine starke Verminderung des Gebrauchs von Jiddisch und Deutsch statt, und ein entsprechendes Anwachsen der Verwendung von Arabisch, Persisch, Rumaenisch und Franzoesisch. Die am haeufigsten gesprochene Sprache der juedischen Bevoelkerung Israels — neben dem Hebraeischen — ist ¡heutzutage das Arabische, dessen sich 31% aller jener bedienen, die eine Fremdsprache sprechen. Jiddisch ist auf den zweiten Platz gesunken, von 23% aller nicht Hebraeisch Sprechender gebraucht. Sein Niedergang im . Lande spiegelt die Verlagerung des Schwerpunktes vom Aschkenasischen auf das Sephardische Element der Bevoelkerung; 1919 war die entsprechende Zahl 59,1%, im Jahre 1948 fiel sie auf 46,89J und ging 1950 auf 33,3% zurueck. Jiddisch ¡ist irr Israel nur noch die Sprache der aelteren Generation, waehrend Arabisch und Persisch besonders von Kindern kinderreicher Einwandererfamilien aus asioafrikanischen Laendern gesprochen werden. Keine andere Sprache hat noch eine ¡wesentliche Rolle als Verstaendigungsmittel. A»m krassesten ist der Rueckgang des Deutschen, das von 16,9% im Jahre 1948 auf 6,2% gefallen ist und meistens von Erwachsenen gesp rochen wird. Von der nichtjuedischen ¡Bevoelkerung Israels sprechen 90% Arabisch fuer den taegliehen Bedarf. Das Anwachsen der Popularitaet des Hebraeischen nahm keineswegs eine ununterbrochene Entwick 1 u n g. Kurze Zeit nach der Gruendung des Staates, im November 1948, wurde es weit und breit von der juedischen Bevoelkerung gesprochen. Mit der Masseneinwanderung jedoch kam ein rapides Absinken, und erst 1961 hatte der Gebrauch des ¡ Hebraeischen wieder seine proportioneile Ausdehnung von 1948 erreicht. Ein anderes Problem stellt das Analphabetentum dar. Im. Jahre 1961 waren 12% der juedischen Bevoelkerung von 14 Jahren und darueber, Analphabeten — insgesamt 156.000 juedische Menschen. Waehrend Israels ¡Schulsystem praktisch den Analphabetismus unter der Jugend ausgemerzt hat, ' haben wenig erwachsene Analphabeten i sich di® ¡Kunst des Schreibens und Lesens ln irgendeiner Sprache nach ihrer Einwanderung aus asiatischen und (afrikanischen Laendern angeeignet. Ein wichtiger Faktor ist der staendige Fortschritt auf diesem Gebiet unter der nicht I—■ juedischen Bevoelkerung des Landes. Nach dem Zensus von Jahre 1931 rvaren von der Gesamtbevoelkerung Palaestinas unter dem Mandat 81% Analphabeten. 1961 ist diese Zahl unter den nichtjuedischen Buergern Israels auf 52% zurueckgegangen. Dieses Vtrhaeltnis ist wesentlich besser als das in all jenen Moslem-Staaten, fuer die ueberhaupt Zahlen vorliegen (Irak — 89% Analphabeten,- Irán — 85%, Aegypten — 80%). Das Verliaeltnis von Anainhabeten zur Gesamtbevoelkerung Israels ist viel niedriger ¡ais das tn jenen Laeu dern Asiens und Afrikas, aus denen ungefaehr die Haelfte aller juedischen Einwanderer seit cTer Staatsgruendung kam. Fuer “Sabras” und Juden, die in Europa und Amerika geboren sind, ist der Prozentsatz der Analphabeten aehnlich dem in den fortgeschrittensten Laendern (5% und darunter). Nichtsdestoweniger ist wegen des relativ verbreiteten Analphabetentums unter der nichtjuedischen Bevoelkerung sowie unter den ' juedischen Einwanderern aus Asien ¡und Afrika die Gesamtzahl der Analphabeten i m Lande noch recht hoch — 10% der Gesamtbevoelkerung, was allerdings noch Immer den Vergleich mit einigen europaeischen Laendern aushaelt — Tuerkei 61%, Jugoslawien 33%, Griechenland 30%. Erst in der naechsten ¡Generation wird dieses Problem in Israel wirklich geloest sein.