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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1964-08-01 · 8 (Agosto, 1964) · p. [Seite]

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXVI (1964)
Issue
8 (Agosto, 1964)
Date
1964-08-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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10 BOLETIN informativo AGOSTO 1964 NASSER’S SCHATTEN UEBER NAZARETH Von Dr. Abner Neekuschtan - Tel Aviv Orientalische Volksmusik, zugleich aufpeitschend und monoton, schrillte aus der recht versteckt in einer Seitenstrasse Nazareths liegenden Cafeteria. Im Gastzimmer, dessen hauptsaechlicher Schmuck neben einem Buntdruck Abdel Nasser’s ein Fernsehapparat von mittlerer Groesse war, hatten sich einige dutzend Besucher auf Veranlassung des Vorsitzenden ihres Stammtisches, des Eisfabrikanten Mansour Kard o s ch zusammengefunden. Aber nur geteilte Aufmerksamkeit widmeten sie dem Bildschirm, obwohl er gerade die riesenlangen Raketengeschosse der diesjaehrigen Kairoer Militaerparade zeigte, den Clou der aegyptischen Revolutionsfeiern. Zu sehr wirkte noch in ihnen nach, was ihnen ihr Vorsitzender, vor wenigen Minuten mitgeteilt hatte. Sein Antrag, die “Bewegung El Ard” (Die Erde) als politische Partei zuzulassen, sei von den Behoerden abgelehnt, und er sei kurz und buendig von ihnen aufgefordert worden, “El Ard” ohne Verzug aufzuloesen. “Um zu begruenden, dass unsere Gruppe gesetzwidrig ist, haben die Zionisten, man denke, ein ottomanisches Gesetz ausgegraben, einen sultanischen Ferman aus dem Jahre 1909”, hatte er unter ironischem Huesteln hinzugefuegt. “Aber ich werde das Verbot bis zum Obersten Gerichtshof der Juden in Jerusalem durchfechten. Auch an den General-Sekretaer der Vereinten Nationen habe ich mich schon gewandt. Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Inschallah, wenn Allah will...” MIT OFFENEM VISIER Mansour Kardosch gehoert, so wie seine Freunde, zu den a r a bischen Intelligenzlern. Die zahlenmaessig duenne Schicht dieser Absolventen von Mittelschulen, Seminaren usw. hat bisher noch nicht so, wie es ihnen nach ihrer (an sich richtigen) Meinung gebuehrt, am Prozess des wirtschaftlichen und sozialen Aufstiegs ihrer Bevoelkerungsgruppe seit der juedischen Staatsgruendung teilgenommen. So konnte es nicht ausbleiben, dass sie im Lager dieser Minoritaet die eigentlichen, ja fast die einzigen Traeger israelfeindlicher Gedanken und Schlagworte wurden; sie zu beruhigen, ist dem staatlichen Apparat trotz betraechtlicher wahrscheinlich aber nicht systematisch genug verfolgter Bemuehungen, bis zur Stunde nicht gelungen. Vor einige Jahren hatte Kardoschs Gruppe mit der Herausgabe der Zeitschrift “El Ard” begonnen. Vermutlich war er der Finanzier, und nach aller Wahrscheinlichkeit auch redaktionell die treibende Kraft. War es sein geschaeftlicher Erfolg, der diesem Intellektuellen zu viel Selbstbewusstsein gab, als dass er aus seinem Herzen eine Moer der grübe machte? Genug, da das Blatt, so oft es —unregelmaessig— erschien, dem Staat in einer immer herausfordernder zugespitzten Sprache den Kampf ansagte, wurde es von den zustaendigen Behoerden schliesslich verboten. Um die Agitation nicht versanden zu lassen, rief M. Kardosch daraufhin zur Gruendung einer Partei des gleichen Namens auf. Sie tritt, jedenfalls scheint es auf den ersten Blick, ebenfalls mit offenem Visier auf den Plan. Mit fast entwaffnender Unverfrorenheit identifiziert sie sich in ihrem Sechspunkte-Programm mit allem, was die panarabischen Feinde Israels seit Jahren anstreben. In den ersten zwei Abschnitten ist einleitend zwar nur klischeehaft von “staatsbuergerlicher Gleichstellung”, “sozialer Gerechtigkeit” u. dgl. die Rede, vom Erforderniss verbesserter Lebensbedingungen fuer die arabische Bevoelkerungsminderheit des Landes und eines besseren Lern-Niveaus ihrer Schulen, bann jedoch folgen die politisch entscheidenden Saetze: “Da die Araber Palaestinas aus ihrem Lande vertrieben worden sind, und die Palaestinafrage ein unteilbares Ganzes bildet, das die uebrige arabische Welt genau so wie die Palaestinenser angeht, ist fuer diese Araber ein eigener Staat unter einer Regierung der palaestinensischen Nation zu errichten... Das Gebiet dieses Staates hat aus dem Kuestenstreifen von Gaza und aus den westlich des Jordanflusses liegenden Gebieten des Koenigreiches Jordanien zu bestehen. An der Gruendung haben sich der Staat Israel, die Vereinten Nationen und die benachbarten mitteloestlichen Staaten aktiv zu beteiligen...” “El Ard”, heisst es weiter, trete fuer “gesamtarabische Einheit und Sozialismus” ein und habe deshalb “Anspruch auf eine vers t a e ndnisvolle Hilfsbereitschaft Israels”. Die Partei sei “fuer Frieden”. Sie unterstuetze “alle demokratischen Stroemungen der Welt, die den Imperialismus bekaempfen und ihre Voelker vom fremden Joch befreien wollen”. Wie gesagt, im Kern laesst Mansour Kardosch’s politisch e s Glaubensbekenntnis nichts an Deutlichkeit zu wuenschen uebrig. Eine andere Frage ist es, ob er es wirklich fuer moeglich haelt, Abdel Nasser zum Verzicht auf die Kueste von Gaza zwingen zu koennen, die seit 1949 unter aegyptischer Gebietshoheit steht, und Koenig Hussein zur Aufgabe jener frueher palaestinensischen Landstriche, die sein Grossvater Abdallah vor etwa anderthalb Jahrzehnten zur transjordanischen Monarchie geschlagen hatte. Aber gesetzt, das gelaenge ihm wider alle Logik sogar; wie stellt er es sich vor, zur “verstaendnisvollen Hilfsbereitschaft’- des juedischen Staates zu gelangen, den er vom Gazastreifen im Suedwesten wie andererseits vom Nordosten her mit dem Monstrum eines arabischen Staatsgebildes umklammern will, das geographisch zweigeteilt, und irredentistischen Loesungen schon deshalb unweigerlich verfallen waere? Da auch in Israel die Regel glit, dass unr die allergroessten Kaelber ihre Schlaechter selber waehlen, war mit dem behoerdlichen Einschreiten gegen die Partei “El Ard” natuerlich von Beginn an zu rechnen. Und das sollte ein Mann wie dieser, kein jugendlicher Phantast, sondern ein heute 42-jaehriger Gewerbetreibender, nicht von vornherein bedacht haben? ODER ABER... EIN “KAI¬ ROER BRUECKENKOPF”? Sollte er es nicht vielmehr darauf angelegt haben, das israelische Innenministerium zur Ablehnung seines Antrages foermlich herauszufordern, um die “Zionisten” als “imperialistische Rassisten” blossteilen zu koennen? Ist das zu weit hergeholt? Nun, das Zitat entstammt dem am 29. Juli erschienenen Leitartikel des Kairoer “El Gumhourria” ueber diese (woertlich) “neueste Diskriminierung aller arabischen Bewegungen, die sich weigern, den Israelis servil zu dienen”. Im Fortgang begruesst das Blatt die an den Generalsekretaer U Thant gegangene Eingabe des Herrn Kardosch und ruft — in immer dem gleichen phrasenreichen schwülstigen Stil — die Mitglieder der Arabischen Liga zu konzentriertem Vorgehen in den United Nations auf. Wuerde die Regierungspresse Nasser’s diese Affaire so hochspielen, wenn der Speiseeis-Erzeuger von Nazareht nicht “ferngelenkt” worden waere? Hierzulande stellt man sich die Frage nicht zuletzt im Zusammenhang damit, dass es dem aegyptischen Presidenten vor kurzem, auf der zweiten afrikanischen Spitzenkonferenz, in Kairo, im Grunde ebenso wenig gelungen war wie auf der ersten panafrikanischen Tagung, die im Mai vorigen Jahres in Addis Abeba stattgefunden hatte, eine gegen Israel gerichtete Beschlussfassung durchzusetzen. Zwar war es diesmal zu entsprechenden, augenscheinlich mit ihm vorher abgestimmten Brandreden des Algerier Achmed Ben Bella und des tunesischen Staatsfuehrers Habib Bourguiba gekommen; aber Nasser selbst hatte den Teilnehmern in seiner Eroeffnungsrede von der Behandlung der “arabischen Palaestinatragoedie” geradezu abgeraten. Es schien ihm —wie schon im Sommer 1963 — offenbar geraten, sich keinem Refus bei den Staats und Regierungschefs von Abbessinien, Kenya, Tanganyka, Malawi, Mali, Chad, Zanzibar zu holen — um nur einige der vielen zentralafrikanischen Laender zu nennen, mit denen Israel durch seine Hilfsleistungen und sonstige gemeinsame Interessen bis zu freundschaftlicher Intimitaet verbunden ist. Ohne Zweifel, deshalb verhielt sich Abdel Nasser auf der letztem Spitzenkonferenz reserviert, was uns Israelis betraf, seine Erzfeinde. Aber; er ist nicht der Mann, von weiteren Versuchen abzulassen, die Afrikaner von uns “abzuwerben”. Und da ihnen allen, wie uneinig sie sonst unter sich sein moegen, der Abscheu vor besagten “imperialistischen Rassisten” bekanntlich gemeinsam ist, waere es nach der von gutinformierten hiesigen Kreisen erwogenen Lesaxt tatsaechlich durchaus denkbar, dass er Nazareth jetzt als Bruekkenkopf benutzt, und Mansour Kardosch vom den “El Ard” als Strohmann, um den afrikanischen Volksfuehrern ad oculus zu demostrieren, wes Ungeistes Kind ihre israelischen Freunde in Wahrheit sind... 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