Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXVI (1964)
- Issue
- 8 (Agosto, 1964)
- Date
- 1964-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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AGOSTO 1964 BOLETIN INFORMATIVO 7 WIEDERSEHEN MIT ISRAEL: WALLFAHRT AUF DEN ZIONSBERG Von Rabbiner E^on Loewenstein ilStlf mm - SSSvi**1: 'i-fetjÄ-i-j; ¿8*$* mm SO NAH UND DOCH SO FERN... Von Davids Grab auf dem Zionsberg schweift der Blick ueber die Daecher der Altstadt Jerusalems zu unseren heiligsten Staetten. Ich will in der Fortsetzung meines Reiseiberichtes versuchen, den 3. Tag Pessach in Jerusalem festzuhalten. Das Religionsministerium proklamierte fuer diesen Tag eine Wallfahrt nach dem Zionsberg in Erinnerung an die einstigen Wallfahrten zur Zeit des Bestehens des Tempels in Jerusalem. Damals zogen aus dem ganzen Land die Wallfahrer, um ihr Festopfer im Beth Hamikdasch darbringen zu koennen. Der im westlichen Europa erzogene Skeptiker mag wohl manchen Vorbehalt gegen viele der vom israelischen Religionsministerium geschaffenen neuen heiligen Orte mitbringen. Aber an diesem Tage konnten wir uns nicht der magischen Kraft entziehen, die von diesem Berg auf tausende von Menschen ausgeht. Es ist die Naehe zur Klagemauer und zum heiligen Tempelberg, die viele in ihren Bann zieht Aber vor allem ist es das Davidsgrab auf der Spitze des Zionsberges, das zum Ziel der Wallfahrt geworden ist. Wiederum mag der Historiker seine Zweifel darueber hegen, wer an dieser Stelle seine letzte Ruhestaette gefunden hat; aber die Glaeubigen ziehen mit "Hitjahawut”, mit Begeisterung und Hingabe zu seinem Grabe. Vielleicht sind sie gluecklicher und erfuellter als der in den Kategorien des XX. Jahrhunderts denkende Zweifler. Schon vor acht Jahren ging ich den ¡Weg hinauf zum Zionsberg. Es hat sich hier nicht viel geaendert. Dieselben Drahtzaeune ziehen sich am Weg entlang und warnen vor der Ueberschreitung der israelischen Grenze. Sie erinnern uns auch waehrend dieser Wallfahrt daran dass die grenzpolitischen Probleme leider noch immer nicht geloest werden konnten. Von den benachbarten Kirehentuermen sehen arabische Soldaten mit ihren Fernglaesern auf die auf — und abwo g e n d e Menschenmenge, Frauen und Maenner, Jung und Alt, ziehen singend und betend ihres Weges. Auffallend ist die Buntheit der Trachten und Gewaender. Man spuert, wie so oft, die Schwere des Problems, aus diesen verschiedenen Staemmen ein einheitliches Volk werden zu lassen — ein Israel. Es ist ein herrlicher Fruehlingstag. Am Wegrand sitzen ganze Familien mit ihren Mazzot-Paketen. Fuer sie ist es sicher ein Ganztagsausflug. Man fuehlt sie sind alle in ihrem Land ‘zu Haus. Es ist nicht leicht, zum Davidsgrab zu gelangen. Man muss sich durch viele enge Tore und Gaesschen hindurchdruecken. Sie fuehren an Gedenkkammern vorbei, die zur Erinnerung an unsere Maertyrer errichtet worden» sind. Mit Wehmut lesen wir auf den Gedenktafeln die Namen all der Ortschaften in Osteuropa, die einstmals die Kraftquelle juedischen Lebens waren. Mit Schmerz stehen wir vor zerrissenen und angebrannten ToraJhrollen und anderen Erinne- ¡rungsresten. Inmitten einer sich gegenseitig drueckenden und quetschenden Menschenroasse gelangen wir schliesslich zum Davidsgrab. Hunderte von Menschen wollen durch eine enge Tuer in einen kleinen Räum. Ich weiss heute noch nicht, wie ich hinein und wieder hinaus kam. Andachtsvoll stehen sie vor dem Grab. Es werden Psalmen gesungen, die die Tradition dem koeniglichen Saenger zuschreibt. Jeder sucht an das Grab heranzukommen. Mit Hingabe werden ganze Buendel von Geldscheinen hineingeworfen. (Freunde sagen mir spaeter, dass das Religionsministerium dieses Geld sehr gut zu verwenden weiss). Auf einer Rampe oberhalb des Grabes stehen die Torahkronen, die das Symbol fuer “Malchut Israel”, die neue UnaJbhaengigkeit Israel sind. 15. Kronen stehen fuer 15 Jahre unseres Staates. Wie schnell doch die Zeit vergangen ist. “Ken jirbu”, sagen die Juden — sie moegen sich vervielfachen. Dann geht es weiter zur Spitze des Zionsberges. Von dort aus haben wir einen herrlichen Bück ueber das ganze Jerusalem hinweg. Manchmal kann man sogar das Tote Meer und das Mittelmeer mit einem Blick erfassen. Eine Ecke der Klagemauer wird sichtbar. Dort haben Jahrhunderte lang Juden ihr schweres Schicksal beklagt und ihre Seele vor dem Allmaechtigen ausgegossen. Heute sollen dort Kinder Fussball spielen .Man sieht die Omar Moschee, an deren Stelle einst der Tempel in seiner Herrlichkeit stand. In ihm sah unser Volk die Einheit von Gott, Volk und Land symbolisiert, weiter rechts ist das Gehinnomtal. Da lebten die Aussaetzigen, die als unrein betrachtet wurden Man sieht viele Orte, die aus dem Neuen Testament bekannt sind. Aber in der Ferne winkt der Skopusberg (Har Hazofim). Er ruft viele .Erinnerungen an unsere Vergang e n h e i t und Gegenwart wach. Im Jahre 70 u.Z. wurde vom Skopusberg aus Jerusalem von den roemischen Legionen des Generals Titus belagert. Dort standen im Jahre 1099 die Kreuzfahrer. 1917 ruhten die englischen Streitkraefte des General Allenby nach der Eroberung Jerusalems aus. Am 1. April 1925 wurde auf ihm in einer glanzvollen Feier die hebraeische Universitaet mit der Bestimmung eingeweiht, ein geistiges Zentrum fuer das Juedische Volk zu werden. An diesem Tage erfuellte sich ein Traum unseres verewigten Chaim Weizmann. Schliesslich hat dieser strategische Punkt auch eine wichtige Rolle im Befreiungskrieg unserer Tage gespielt. Unsere lange Geschichte zieht in der Erinnerung vorueber, waehrend ich wieder die enge Wendeltreppe vom Zionsberg heruntersteige. Da waren noch einmal die Tourist e n mit ihrem “Baedeker” in der Hand, die Chassidim mit ihren langen Roecken und Schlaefenlocken die dunkelhaeutigen Orientalen mit ihren vielen Kindern — oftmals erinnern sie an biblische Gestalten. In ihnen allen erfuellt sich das Wort des Propheten Jesaias: “Komm’lass, uns hinauf zum Berge des Herrn ziehen”. An den Waenden der vielfachen Grotten sind eine Unzahl von Wachskerzen entzuendet worden, zum Gedenken an unsere Dahingeschiedenen. In Kiosken werden Erinnerungsgegenstaende verkauft. Ueberall wird man um eine Spende gebeten. Ganz geht es eben auch nicht ohne dies, denn es gibt viel Armut. Dieser Tag war ein grosses Erlebnis, er zeigte uns Israel ln seiner Groesse, in seiner Vergangenheit und Gegenwart. Wir waren an David’s Grab und was noch eindrucksvoller ist, wir haben seine Stadt gesehen. Hier lebt unser Volk in seiner Vielfalt und mit seiner Sehnsucht. Salon de Belleza X GERDA WOLFF S, Ahumada 312 — Local 38 ¡Fono 84673 Galería Subterránea Ein herzliches Shana Towah wuenscht allen seinen Freunden £ct\ox M R Galzado para Caballeros AHUMADA 146