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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1964-07-01 · 7 (Julio, 1964) · p. Seite 4

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXVI (1964)
Issue
7 (Julio, 1964)
Date
1964-07-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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BOLETIN INFORMATIVO JULIO 1964 DIE REPRAESENTANZ: Aus dem Protokoll der Sitzung vom S. 5.1964 Protokoll T>as I Protokoll der Sitzung vom. 23. April 1964 wird verlesen und genehmigt. Direktoriumsbericht Herr Dr. .Reich informiert das Repraesentanten Kollegium ueber die General-Versammlung der Gemeinde, die ausserordentlich harmonisch verlief. Er weist darauf hin, dass sich Herr > Dr. Rosenoaum am 1. Juni in den Ruhestand zurueckziehen wird. Als seine Nachfolgerin wurde Frau Edith Baltiansky engagiert, die bereits ihre Taetigkeit aufgenommen hat. Er, Herr Dr. Reich, hat an der Einweihung des Goethe- Instituts teilgenommen und war ferner (zu dem Staats- Bankett, das der Bundespraesident Dr. Luebke dem Praesidenten Alessandri im Palacio Cousiño gab, eingeladen. . Berichte der Kommissionen Herr Hofmann informiert ueber die Arbeit des Comité Representativo. Herr Simonson berichtet ueber ¡die Taetigkeit der Jugendkommission. Es ist geplant, an Stelle der Degania eine neue Gruppe zu bilden,! welche unter der Leitung von Herrn S. Führer arbeiten wird. Die erste Veranstaltung isoll am 20. Mai stattfinden. Was die Arbeit des (Barcai anbetrifft so hat er sich davon ueberzeugt, dass dort gut gearbeitet wird, ganz besonders dank der intensiven Unterstuetzung, welche ¡diese Gruppe vom Centro de Organizaciones Apartidarías in Argentinien erhaelt. Zum Schluss seiner ¡Auszehrungen weist Herr Simonson darauf hin, dass die vordring lichsten Probleme der Jugendarbeit Fuehrer und Lokal, baldigst geloest werden muessen. Bericht ueber die Tagung der Exekutive der Centra Herr Dr. Reich gibt einen Bericht ueber die in Montevideo (abgehaltene Tagung der Exekutive der Centra bei der ausser Vertretern Uruguays, Repraesentanten von Gemeinden aus Argentinien. Perú, Paraguay und Chile anwesend waren. In erster Linie wurde das Engagement eines neuen Jugendfuehrers debattiert, da Herr Amiran nach Israel zurueckgegangen ist. Die ¡Leitung der Centra ist bestrebt, einen Menschen zu finden, der sich gleichzeitig mit der zweiten Generation beschaeftigt. Ein anderer wichtiger Punkt der besprochen wurde, ist di? Frage des Rabbiner-Seminars in Buenos Aires, fuer das eint Haus im ¡Werte von 8 112 Millionen Nactonales gekauft wurde, das gleichzeitig als Internat dient. Von den 21 ©chuelern des Seminars wohnen dort 17. Das Seminar ist bestrebt, einen Freundesverband zu schaffen, der fuer die finanzielle TJnterstuetzung dieses Wer kes Sorge traegt. Es wird Aufgabe der Gemeinde sein, dafuer im ganzen chilenischen ¡Jischuw zu werben. Weiterhin wurden die Beziehungen der Centra zu dem ihr angeschlossenen Rabbinerverband besprochen da sich ¡Meinungsverschiedenheiten ergeben haben. Eine gemischte Kommission, bestehend aus 5 Herren der Centra und den Rabbinern Dr. Lernte, Lubliner und Dr. Winter wird dafuer Sorge tragen, dass die eventuell bestehenden Missverstaendnisse und Differenzen besprochen und geklaert werden. Abschliessend! wurde noch ueber die Frage der Kulturarbeit gesprochen. In diesem Jahr wird Herr Prof. Bamberger die Gemeinden Latein-Amerikas besuchen, wahrscheinlich In Verbindung mit dem im Oktober stattfindenden . Kongress in Sao Paulo. An die Worte von Herrn Dr. Reich schliesst sich eine lebhafte Debatte; an bei welcher insbesondere Herr Rabbiner Lubliner , zu den vom Vorredner aufgeworfenen Problemen bezueglich des Rabinerverbandes Stellung nimmt. Alsdann diskutiert das Repraesentanten Kollegium Fragen des Gottesdienstes. Schluss der Sitzung 22.30 Uhr. DAS TAEGLICHE MINJAN GEWIDMET HERRN HEIMANN ABRAMCZYK, AUS ANLASS SEINER ALIJA Bath-Mizwa Wie in jedem Jahr werden wir auch 1964 einen BATH - MIZWA - KURSUS unter Leitung von Herrn Rabbiner Loewenstein abhalten. Interessenten bitten wir, sich in unserem Sekretariat, Av. Portugal 810, Telephon 398101, einsehreiben zu wollen. S. C. I. “B’nc Jisroel" POST - BARMIZWA - KURSE Kurse fuer Jungen und Maedchen im Post- Barmizwa Alter sind von der Gemeinde eingerichtet worden. Wir bitten die Interessenten sich in unserem Sekretariat, Av. Portugal 810, Telephon 398101 einschreiben zu wollen. SCI. “B'ne Jisroel” Der Mann, dem diese anspruchslosen Zeilen gewidmet sind, versteht, dass die Grundpfeiler des Judentums die Torah und ihr Studium, die Awoda (der Gottesdienst) und Gemilut Cha s a d i m (Menschenliebe) sind. Von seiner Liebe zum Lernen der Torah legt so mancher Artikel Zeugnis ab, der von ihm fuer unser Boletín Informativo geschrieben worden ist und seine steten Bemuehungen um die. Durchfuehrung von Lehrvortraegen Von seiner Menschenliebe, die er mit seiner so geschaetzten Gattin teilt, wissen viele Mitglieder unserer Gemeinde dankbar zu berichten. Im Gottesdienst ist uns Heimann Abramzyk nicht nur an den “Ehrfurchtgebietenden Tagen” der im Schacharitgebet mitreissende Schaliach Zibbur (Vorbeter). Seine ganze Liebe galt und gilt dem taeglichen Minjan. Tag fuer Tag bei Wind und Wetter ist er unter den Wenigen zu finden die durch ihre Anwesenheit die Durchfuehrung unseres taeglichen Gottesdienstes ermoeglichen. In seinem Sinne ist es, wenn wir heute — aus Anlass seiner Alija — ueber ein Thema sprechen, das ihm in den 25 Jahren seiner Arbeit fuer unsere Gemeinde stets ganz bsonders am Herzen gelegen hat und fuer das er der stendige Mahner Ist: Das taegliche Minjan. Der grosse Denker Hermann Cohen schreibt in seinem fuer die juedische Religionsphilosophie grundlegenden Werk: “Die Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums’’. “Das Gebet begruendet die Gemeinde. Daher ist es nicht sowohl das des Individuums als das der Gemeinde. Wiefern es auch das Individuum begruendet, kann diese Begruendung nur dadurch gelingen, dass das Individuum der Gemeinde eingeordnet, dass die Mehrheit der Individuen in die Einheit der Gemeinde vereinigt wird... Das Gebet des Individuums muss demgemaess zum Gebet der Gemeinde werden. Mystik und Pietismus gehen gefaehrliche Wege, wenn sie das Individuum im Gebet isolieren...’' In diesen Worten hat der juedische Philosoph die grundlegende Bedeutung des Gemeindegebets im Judentum formuliert. Das Judentum will das Individuum vor Gott nicht isolieren, sondern in die Gemeinschaft stellen. Eines der Fundamente unseres religioesen Gemeinschaftslebens ist das taegliche Min Jan. In ihm wird der Jude in die Kette der Generationen hineingestellt. Er ist ein Teil des Ganzen und bleibt fuer sein Leben mit Israel in allen seinen Generationen verbunden. Dieses Gemeindegebet mit der erforderlichen Anwesenheit von mindestens zehn Maennem wurde schon in fruehester Zeit als die Voraussetzung fuer die wahre Heiligung des goettlichen Namens betrachtet. Darum blieben die wichtigsten Bestandteile des Gottesdienstes wie Torah Vorlesung, Priestersegen, Keduscha und Kaddisch die sieben Segenssprueche bei der Trauung, das Ausloesen der Erstgeborenen u. s. ¡v. dem oeffentliehen Gebet - das heisst der Anwesenheit zehn erwachsener Maenner — Vorbehalten. Gewiss kennt das Judentum auch das Gebet, der sich in der Einsamkeit ausgiessenden Seele. Aber darin wird nicht das Ideal gesehen. Nach dem Wort der Sprueche Salomons: “In der Fuelle des Volkes besteht der Schmuck des Koenigs “ist es die Gemeinschaft der Beter, die zur Heiligung des goettlichen Namens fuehrt. Der Jude soll sich nicht im Egoismus seiner persoenlichen Wuensche und Hoffnungen verlieren, sondern im Gebet in der Geschichte Israels'und seiner Visionen leben. Nach einem Wort der Torah will Gottes Name inmitten der B’ne Jisroel geheiligt werden (3.B. Moses.22,32). Der Talmud leitet die Zahl 10 des Minjan aus unserer Bibel ab, in der oft von 10 Personen als Mindestmass der Oeffentlichkeifc gesprochen wird. Ausgangspunkt ist das Kapitel von den Kundschaftern, in dem es von den 10 pessimistischen Berichterstattern heisst: “Wie lange soll es dieser schlechten Gemeinde (Eda) gestattet bleiben, Aufruhr wider mich anzustiften?’’ So wurde fuer unsere Weisen die Anwesenheit von 10 Personen die Voraussetzung fuer die Bildung einer Gemeinde.. Und sie nennen eine “grosse Stadt’’ eine solche, in der sich stets zehn Maenner (assara batalnim) geschaefis frei halten koennen, um am Gottesdienst teilzuneh men und sich dem Lernen widmen zu koennen. Zur Begruendung der Zahl 10 wird auch jener dramatische Bericht herangezogen, in dem Abraham mit Gott um die Rettung von Sodom und Gomorrha um 10 gerechter Menschen willen rechtet. Auf einer solchen Gemeinde, die sich zum Lernen und zum Gebet im Minjan versammelt, ruht im Bilde der Tradition dfe Schee h i n a (goettliche Majestaet). Das Minjan verleiht der Gemeinde ihre Wuerde. Ideell steht in jedem Gottesdienst ganz Israel vor seinem Schoepfer. Nur eine juedische Gemeinschaft, in der sich minde - stens ein Minjan juedischer Menschen findet, verdient eine “Eda” (Gemeinde) genannt zu werden. Dieses Minjan war hnd ist Heimat Israels im “Golus” — in der Zerstreuung. Darueber hinaus hat das Minjan auch eine zutiefst individuelle und menschliche Bedeutung. Wieviele juedische Menschen haben in der Stunde des persoenlichen Schmerzes im Minjan die innere Kraft zum Leben wiedergefunden und in ihm eine neue Dimension ihres Daseins entdeckt. Sie erfahren nicht nur Trost in der Teilnahme der ihnen Nahestehenden. Sie fuehlen sich in einen universalen Zusammenhang hineingestellt. Der Jude ist in seinem Schmerz nicht allein, er steht in der Gemeinschaft der Lebenden. Sie finden in der juedischen Haltung gegenueber dem Tod Kraft, wenn sie im Kaddisch den goettlichen Namen heiligen. Darueber hinaus verleiht uns das Kaddisch das Gefuehl, dass .die uns Teuren mit uns weiterleben. Wer zum Kaddisch in der Gemeinde Israels steht, gibt denen, die nach uns kommen, ein Beispiel fuer die Sicherung der juedischen Kette der Generationen. Aber das Kaddisch darf nicht die einzige Kraftquelle des Minjan bilden. Judentum will nicht Totenkult sein. Wer den Tag mit dem Morgengebet im Minjan beginnt, geht gestaerkt und vertrauensvoll in die Welt der taeglichen Arbeit. Wer am Abend zum Minjan zurueckkehrt, dankt dem Schoepfer fuer den Erfolg und findet Kraft in schweren Stunden. Durch das alltaegliche Gebet im Minjan erhaelt der juedische Alltag seinen Ryth mus. So ¡haben wir Juden die Bedeutung des Minjan verstanden. In. ihm wird jede ¡Gemeinde zum Repraesentanten ganz Israels. Der Lebenskampf unserer Zeit macht es dem Juden schwer, regelmaessig im Minjan sein Morgen — und Abendgebet zu verrichten. Auch viele unter denen, die die religioese Ueberzeugung besitzen, koennen sich nur schwer frei machen. Aber wer in unserer Gemeinde den verantwortlichen Tra eger fuer die Aufrechterhaltung juedischen Lebens sieht muss uns bef der Durchfuehrung des taeglichen Minjan helfen. Wer selbst erwartet in Tagen des Schmerzes und auch der Freude immer ein Minjan vorzufinden, muss selbst bereit sein, durch seine Anwesenheit — mehr oder weniger regelmaessig, wann immer es moeglich ist — das taegliche Minjan unserer Gemeinde zu sichern. In dem Abschnitt des Talmuds, der von den Segenspruechen handelt, heisst es: Wenn die Kinder Israels die Synagogen und Lehrhaeuser verlassen, um wieder heim zu gehen, ertoent eine Himmelsstimme: “Geh’ und iss in Freuden Dein. Brot, denn Gott hat an Deinem Tun Gefallen gefunden”. Dieses Wort moege ueber unserer Gemeinde stehen. Mit diesem Wunsch verabschieden wir auch unseren Freund Heimann Abramczyk, mit dem uns tiefe menschliche Wertschaetzung und die Gemeinsamkeit vieler Bestrebungen und ideeller Hoffnungen verbindet. Waehrend 25 Jahren war er einer der Traeger unseres taeglichen Minjan. Er stand da, nicht, weil er viele Ehren aemter in unserer Gemeinde bekleidet, sondern weil er ein Jude ist. Moege ihn und seine geschaetzte Gattin der Segen des Allmaechtigen in vielen gluecklichen Jahren in unserer Medinat Israel begleiten. Wir aber bleiben. Es wird der vereinten Kraefte Vieler beduerfen, um die Luecke zu schliessen, d i e Heimann Abramczyk und seine Gattin bei uns hinterlassen. Egon Israel Loewenstein.

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