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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1964-03-01 · 5 (Mayo, 1964) · p. Seite 8

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXVI (1964)
Issue
5 (Mayo, 1964)
Date
1964-03-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 BOLETIN INFORMATIVO MAYO 1964 Die grosse unid die kleine Thora (Eine SchaJw'uoth Betrachtung,) Unser Schawuoth— oder Wochenfest wird ln der Thora das Fest des Schnittes oder auch Fest der Erstlinge genannt, weil zur Zeit des Tempels an diesem Feste zwei Weizenbrote der neuen Ernte als Erstlingsopfer dargebracht wurden. Doch Wochenfest heisst es deshalb, weil es das einzige Fest ist, das ursprünglich an kein bestimmtes Monatsdatum geknuapft war; vielmehr wurden sieben Wochen vom Tage der Darbringung des Omers, dem 16. Nissan, gezaehlt und am darauffolgenden Tage, dem fuenzigsten das Wochenfest gefeiert. Seit der Einfuehrung des Kalenders steht sein Datum aber fest. Am 6. und 7. ,Siwan (in Israel nur an einem Tage) begehen wir Schawuoth Doch die talmudische Ueberlieferung belehrt uns darueber, dass am 6. Siwan nach dem Auszuge aus Mizrajim die Offenbarung des Zehnwortes am Sinai erfolgt sei; daher bezeichnen zahlreiche Gebetstellen diesen Tag als die Zeit, da uns die Lehre er teilt wurde. Im Laufe der Jahrtausende, seit das juedische Volk fern von der eigenen Scholle lebte, ging der Erntecharakter des Festes mehr und mehr verloren, um in der Gegenwart freilich neu entdeckt zu wenden, und es blieb vorwiegend die Erinnerung an das gewaltige religioese Erlebnis der Sinaioffenbarung erhalten. Propheten, Dichter und Weise verherrlichten in grossartigen, erhabenen, Bildern jenen groessten Augenblick in der Entwicklungsgeschichte Israels und vielleicht der ganzen Menschheit. Einer der Gelehrten fand die folgenden schoenen Worte: Als Gott die Thora offenbarte, da ward unterbrochen der Gesang in den Lueften, gehemmt der Flug der Voegel, die Tiere verstummten, und das Meer hielt inne in seinem Rauschen; der menschlichen Zunge erstarb das Wort. Nur ein Ruf wurde a'af der ganzen Erde vernommen; Ich, der Ewige bin Dein Gott. V Und an diesem Tage der Weltgesetzgebung, da wir auch, als Haftaroth, die von Glanz und Lichtesfuelle umgebenen Visionen der Propheten Exechiel und Habakuk vernehmen, sollen wir eine kleine anmutige Erzaehlung aus der Zeit der Richter lesen, das Buch Ruth, desen Hintergrund die vollen, reifen Aehren der Felder bilden, und das uns in das Alltagsleben der Schnitter hineinversetzt. Was soll dieses kleine Buechlein, so ist oftmals gefragt worden, am Tage der Verkuendigung der Gotteslehre? Was sollen Aehrenfelder und Sichelklang, der muntere Gesang der Landleute in einer solchen Atmosphaere, die erfuellt ist vom Donnerrollen, vom Leuchten der Blitze, vom Beben der Huegel und vom Erzittern gewaltiger Baumstaemme? Die Antwort lautet: Dieses Buch Ruth, diese kleine Thora, ergaenzt in wunderbarer weis|e das Werk der grossen. Thora, weil es eines der herrlichsten Denkmaeler juedisoher Familientreue, religioeser Toleranz und echter Menschenliebe ist. Goethe, bekanntlich ein grosser Bibelkenner, nennt Ruth. Das lieblichste kleine Ganze, das uns episch und idyllisch erhalten wurde. Schlicht wird uns in dieser Erzaehlung das Schicksal einer israelischen Familie im Lande geschildert. Wir lernen Elimelech kennen und seine Soehne Machion und Kiljon, die einst zu den angesehensten und Wohlhabensten Buergern in Er©z Israel gehoerten. Da entsteht eine Hungersnot, und es darben vor allem die aermeren Volksschichten; es jammern Witwen und Waisen, was die reiche Familie des Elimelech wenig gekuemmert zu haben scheint. Statt mit vollen Haenden Mildtaetigkeit zu ueben, emigrieren sie nach Moab. Dort sterben der Vater und die beiden kinderlosen Soehne. und es ueberleben die Witwe Noemi und beide Schwiegertoechter. Die eine von ihnen, Ruth, steht nun vor uns als eine der anmutigsten und edeldenbensten Frauengestalten des gesamten biblischen Schrifttums. wie reagiert sie auf die neue Lage? Ruth weiss, dass die Schwiegermutter ihr nicht einmal ein Existenzminimum bieten kann, doch sie vermag von der Mutter ihres verewigten Gatten nicht zu lassen. Bereit, sich von Heimat und Haeuslichkeit zu trennen, gelobt sie feierlich: Der Tod allein koennte uns voneinander reissen. Ruth, die Moabitin, die Nichtjuedin, fuehlt als Israelitin, und diese Liebe vergilt ihr das juedische Volk, indem es einer seiner heiligen Schriften ihren Namen gibt, ihrer Treue ein bleibendes Denkmal setzt. Am Feste der Thora, Jahr um Jahr .soll ihre Lebensgeschichte wiedergegeben werden. Gleichzeitig entwirft das Buch Ruth, diese kleine Thora, eine feine Charakteristik von Boas, einem Buerger Israels, den Menschenliebe und soziale Gerechtigkeit auszeichnen. Gemaess der Lehre Moses hemueht er sich, das Besitztum seines Anverwandten Elimelech der Familie zu erhalten. Er, der wohlhabende Grundbesitzer, will die arme Witwe (Ruth heiraten, auf dass der Name des Verstorbenen nicht aufhoere unter seinen Bruedem. Und so finden sich zwei reife, lebenserfahrene, Menschen in Liebe zum Bunde fuer das Leben. Hatte die Erzaehlungen mit Unglueck und Strafe begonnen, so schliesst sie damit, zu berichten, dass Ruth und Boas die Urgrosseltern von David. Israels grossem Koenige wurden, von David, an dessen Namen sich die grossen juedisch—messianischen Z ukunftshoffnungen knuepfen. So duerfen wir im Buche Ruth eines der erhabensten Denkmaeler des juedischen Geistes erblicken, das Hohelied der Toleranz. Indem wir diese kleine Thora am Feste der Offenbarung der grossen Thora vom Sinai lesen, bekennen wir, dass wir Juden nicht auf Bekehrungsversuche ausgehen, dass wir die taetige, selbstlose, Liebe als die glaenzendste Ausstrahlung des juedisch-religioesen Geistes ansehen. Ruth, das Hohelied der Treue will uns an die ewigen sittlichen Forderungen des Judentums erinnern, Deshalb gehoert diese Schrift zu Schawuoth, dem Feste des juedischen Geistes. Curt Wilk Maletería City - Momitas 827 Maletería Master- Estado 377 Koffer - Reiseartihel - Handschuhe Desmeintaschen - Sportartihel (Fussball-Baskefball-Volleyball-Tennisariikel) BACHNER Y CÍA, LIPA. COMUNIDAD ISRAELITA DE VALPARAISO GEMEINDESEDER IN VIÑA DEL MAR Vor mir liegt ein Heftchen, herausgegeben von der S. C. I. “B’ne Jisroel” im Jahre 1944, anlaes'slich des Sederabends. Der damalige Praesident der S. C. I., Herr Dr. Joseph Hirschberg S. A. brachte uns Trost und Zuversicht, indem er schrieb: “Viel Moraur, bittere Kraeuter, haben wir schon gegessen und viel Knechtschaft erlitten, aber die Geschichte bewies, dass die Grausamkeiten der Pharaonen der Welt Israel nie vernichten konnten und dass die bittere Not auch in unseren Zeiten ein Ende nehmen wird, so Gott will. Und es geschah so. Und Dr. Moritz Rosenfeld S. A. schrieb in demselben Heftchen; “Pessach ist das Fest der Freiheit. Erst die Freiheit, die individuelle und die nationale, wirkt als Humusschicht fuer das Wachstum der edelsten Menschlichkeit, die nun einmal das Hochziel der praktischen Religiositaet ist und bleibt”. Und heute? Immer mehr Brueder und Schwestern haben eingesehen, wie wahr diese Worte sind und bleiben. Viele kommen zum Gemeinschaftsseder, um an der Tafel der Freude und Freunde zu sitzen, um das Geheim nis der Verbundenheit zu verspueren, Verbundenheit mit Eltern, Grosseltern Urahnen, bis hinauf zum Erzvater Jakob, um den Strom zu verspueren, der der juedischen Gemeinschaft die Kraft zum Leben und Ueberleben gegeben hat. “Ma Nischtano” frug der Juengste — “Warum unterscheidet sich diese Nacht von allen anderen Naechten?” Und Rabbiner Friedlaender beantwortete sie meisterhaft waehrend des ganzen Verlaufs des Seders. Wir erlebten mit ihm die Leiden und Pruefungen unseres Volkes, wir erfuhren von den Zweifeln und Fragen der Zaudernden und sahen mit eigenen Augen die EWuellung aller Traeume unserer Vorfahren, denn mitten unter uns sass der Gesandte Zions, Dr. Uri Naor. Und er erhob sich und sprach: “Zwei Sedernaechte werde ich nie vergessen koennen. Eine, als ich als juedischen Soldat am Seniofluesschen in Italien lag und die Offensive erwartete, die die letzte sein sollte. Da erhielt ich ein kleines Liebespaketchen, von einem unbekannten, kleinen Schulmaedchen aus Tel-Aviv. Es enthielt nur einige wenige Suessigkeiten und ein Briefchen. Das Kind schrieb mir: “Mein lieber juedischer Soldat. Ich bin so stolz auf Dich und wuensche uns beiden, Dir und mir, dass wir beide bald mit allen Juden zusammen Pessach in unserem eigenen Staate feiern koennen...”. Wie oft habe ich diese, mir so lieb gewordenen Zeilen ueberlesen. Die andere Sedernacht erlebte ich in einem Konzentrationslager Deutschlands nach dem Zusammenbruch der Hitlerhorden, Ich sprach zu den verbitterten Ueberlebenden, die an einer blumengeschmueckten Sedertafel Platz genommen hatten. Ich erzaehlte ihnen vom Mut und den Leiden der Vorfahren. Und dann von der Kraft zum Weiterleben, die sie fanden in den einfachen Zeilen der Haggadah, weil sie verstanden sich selbst mit dieser Geschichte zu identifizieren. Und dann las ich ihnen das Briefchen vor, das ich von dem kleinen Schulmaedchen ein Jahr zuvor erhalten hatte. Da erhoben sich die ausgemergelten Gestalten und sie erhoben auch die Glaeser- und ich hoerte den schoensten TrinkSpruch meines Lebens: “Lechaim, Lehitraot in der idischen Medine“. Dann sprach Rabbiner Friedlaender weiter und er sagte: “Ich glaube, der Prophet Elia weilt jetzt unter uns” und fast sichtbar verspuerten wir ihn alle. Fast fuehlten wir tatsaechlich das Herannahen des Messias. Er wird kommen, wenn wir bereit sind, das Unsrige dazu beizutragen. Und jetzt erhoben wir unser viertes Glas und sprachen die alte Broche, um das Glas leeren zu koennen, zu Ehren der Freiheit und der Zukunft Israels'. Freie Menschen eines' freien Landes tranken auf das Wohl eines immer freien und stolzen Israels. Wir koennen den Herren Rabbiner Friedlaender und Kultusleiter Leo Weglein fuer die viele Muehe und Arbeit nur danken und hoffen auch naechstes Jahr, s. G. w. wieder gemeinsam einen so schoenen Sederabend verbringen zu duerfen. Erich Kaufmann FUER ALLE FREUNDE AUS SANTIAGO l Wir freuen uns sehr, Sie alle waehrend eines Aufenthaltes in Viña in unserer Synagoge, calle Alvarez 490 begruessen zu duerfen. Gottesdienst jeden Freitagabend um 19 Uhr und jeden Schabbatmorgen um 9 Uhr. Fono 398258 Casilla 9357 Santiago ANZEIGENSCHLUSS am 29

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