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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1964-03-01 · 5 (Mayo, 1964) · p. Seite 9

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXVI (1964)
Issue
5 (Mayo, 1964)
Date
1964-03-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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MAYO 1964 BOLETIN INFORMATIVO DR. ABNER NECHUSCHTAN, TEL-AVIV, SCHREIBT: ISRAEL: Das Wirtsehaftsw'under mit einem Fragezeichen Seit ueber einem Jahrzehnt erfreut sich dieses’ Entwicklungsland zumindest nach dem aeusseren Schein einer d e r a rtigen Dauerprosperitaet, das man im In- und Ausland haeufig fast von einem “israelischen Wirtschaftswunder” spricht, das wie das westdeutsche, laengst sprichwoertlich geworden ist. Dennoch hat es besonders nach der vor zwei Jahren v o r g e n o mmenen zweiten Kursabwertung des Israel- Pfundes (I. P.) nicht an ernsten Warnungen zumal vor einem weiteren Auftrieb der Loehne und damit auch der Preise gefehlt. Dass diese Entwicklung gebremst werden muesse, betont der Handels und Industrie-Minister P. Sapir nachdruecklich in einem Sechsjahresplan, den er gleichsam als seinen Beitrag zu den nationalen Unabhaengigkeitsfeiern vorlegte, die , —16 Jahre nach der Staats gruendung— ihren Hoehepunkt mit einer glanzvollen Militaerparade in der “Hauptstadt des N e ge w”, Beer Scheba erreichten. Die Voraussagen des Minister - Verdoppelung der industriellen Produktion Verdreifachung ihrer Ausfuhren bis 1970 —sind darum nicht weniger auf amtlichen' Optimis-• mus abgestellt. Aber es war vermutlich kein Zufall dass er seinen Plan zeitlich, nicht nur mit dem israelischen Staatsfeiertag abgestimmt hatte, sondern auch mit den/ kurz vorher publizierten Gutachten des Vizepraesidenten der Federal Reserve Bank von San Francisco, David L. Grave. Dem Schreckschuss wollte er die Ermunterung moeglichst auf dem Fusse folgen lassen. DIE WARNUNG EINES AMERIKANISCHEN EXPERTEN In diesem Gutachten zollte Mr. Grove der israelischen Wirtschaft alle Bewunderung fuer ihre Erfolge in den, letz ten anderthalb Jahrzehnten. Er macht aber darauf aufmerksam, dass sich der dauernd gestiegene Inlandsverbrauch mit dem “allgemeinen Gefuehl des Wohlstands” als seiner verstaendllchen Folge auf Devisen- Zufluesse stuetze, die kuenftig nicht mehr in diesem Ausmass zu erwarten sind. Wenn sich das Niveau, der Preise dann trotzdem weiter erhoehen sollte, wuerde nicht allein der Export leiden, sondern ebenso die Kreditfaehigkeit der Wirtschaft fuer auslaendische Anleihen und Investitionen. Schon, um endlich zu einer echten Etat-Reserve zu gelangen, muesse die Regierung auf der Ausgabenseite ihres Staatshaushaltes die “Dringlichkeits-Skala (Priori tae ten”) der Verwendungs ziele” radikal umbauen. Zugleich sollte sie entschiedener als bisher fuer eine Drosselung der marktgängigen Nachfragen sorgen, soweit sie andere Gueter als die des elementaren Konsumbedarfs betrifft. Zu diesem Zweck habe sie weit mehr Zins-Einkuenfte und Arbeits-Einnahmen äbzuschoepfen, als es heute geschieht. Waehrend der Kreditgewährung der Banken enge Grenzen gesetzt werden sollen, sei ihnen andererseits zu gestatten, ueber den Jetzigen Hoechstsatz von H Prozent hinauszugehen, um den Spar trieb anzuregen und den “grauen” und “schwarzen” Kreditmarkt auszutrocknen. Auch durch die Ausgabe hinreichend attraktiver Wertpapiere habe der Staat die Sparbewegung anzukurbeln. Doch muesse er diese Emissiönserloese “sterilisieren”, statt seine heutigen, vorhin erwaehnten “Prioritaeten” damit anzureichern. Und zuletzt, nicht aber in letzter Linie: die Gewaehrung von Teuerungszulagen an Arbeiter und Angestellte duerfe unter keinen Umstaen den mehr an den amtlichen Index def Verbraucherpreise gekoppelt werden, wenn der Gefahr begegnet werden soll, dass' der z. Zt. noch nicht alarmierende, aber stetige Auftrieb dieser Preise zu einem verheerenden Verfall der Waehrung entartet. ZIFFERN, DIE ZU DENKEN GEBEN Soweit Dr. Grove. Es mag angebracht sein .einige Ziffern aus dem reichhaltigen Material der Jerusalemer Regierungs - Statistiker anzufuehren, auf das er sich zwei fellos gestuetzt hat: Waehrend die Landesbe voelkerung in den Jahren 1962 und 63 um 4,47 bezw. 4,46% stieg .steigerte sich das Volumen der umlaufenden ' Zahlungsmittel, zusammen mit den Bankguthaben, in diesen beiden Jahren um 36 bezw. 27%. Das Defizit der Handelsbilanz hatte im Jahre 1963 aus der Wert-Differenz zwischen der Einfuhr von Guetern (ca. 643 Mill. Dollar) und ihrer Ausfuhr (ca. 343 Min. Dollar) etwa 300 Millionen Dollar betragen, und weitere 120 Mill. Dollar aus dem Unterschied “exportierter” und “importierter” Dienstleistungen. Zusammen also war im Vorjahr ein handelswirtschaftliches Minus von 420 Mill. Dollar entstanden, dem nach der Schaetzung fuer 1964 insgesamt ein Defizit von 460 Mill. $ gegenueberstehen wird. (Das Gesamt-Defizit der Handelsbilanz hatte ln den vier Jahren von 1959 bis 1962 Jeweils 304, 339, 402 und 454 Mill. Dollar betragen.) Die weitere Verschlechterung wird sich an sich also in ziemlich engen Grenzen halten. Doch sollte auch sie fuer die Regierung schon ausreichen, um die Guetei- Einfuhr nach Moeglichkeit zu entmutigen. Statt dessen stellten sich das Finanz- und das Handelsministerium Anfang des Jahres anscheinend auf den Standpunkt, dass eine Drosselung dieser Importe die nun einmal entstandene Kaufkraft — mangels hinreichenden Angebots — unbefriedigt lassen und dadurch zum Auftrieb der Marktpreise fuehren muesse, und in der Folge mithin zur Inflation .So sieht denn das von den Beamten des Finanzministeriums und der Staatsbank fuer das laufende Jahr aufgestellte 'sog. National— Budget bei einer Steigerung des Sozialprodukts um 9,2% zugleich eine Erhoehung des .privaten Konsums in fast der gleichen Hoehe vor, um 8,8%. In diesem Zusammenhang: weitgehend wird die kuenftige Entwicklung der israelischen ' Warenausfuhr vom Ausgang der nun schon drei Jahre lang dauernden Bemuehungen um eine “assoziative” Verbindung mit den Mitgliedsstaaten der Europaeisehen Wirtschafts' - Gemeinschaft abhaengen. Die in Bruessel gefuehrten Verhandlungen scheinen in ein Stadium getreten zu sein, dass zur Hoffnung auf guenstige Teilergebnisse berechtigt. Die Zufluesse auslaendischer Kapitalien, die sich im vorigen Jahr zu 500 Mill. Dollar summiert hatten, werden fuer 1964 zwar auf etwas mehr geschaetzt, 515 Millionen. Aber sie drohen diesmal unguenstiger zusammengesetzt zu sein. So wird sich das Volumen langfristiger Anlagen wahrscheinlich um ca. 20 Mill. Dollar verkleinern. Der Voranschlag fuer das Etatjahr 1964165 erreicht die eindrucksvolle H o e he von 3.465 Millionen I. Pfund bei Zusammenrechnung des regulaeren und des sog. Entwicklungsbudgets (und ohne das strikt geheim gehaltene Ruestungsbudget). Der vorveranschlagte Etat ist damit um fast 20 Prozent hoeher, als die Einnahmen des* jetzt noch laufenden Finanzjahres 1963164 ausmachen. Im regulaeren Budget — natuerlich dem entscheidenden — balanziert er formell mit 2.249 Mill. I. Pfund Faktisch aber uebersteigen die Schaetzungen fuer die Einnahmen dieses Budgets die der Ausgaben nicht derart, dass von einer Reserve die Rede sein kann, wie David L. Grove sie fordert. Und schliesslich •— der Index der Verbraucherpreise (Januar 1959 100), der sich Ende 1961 auf 114,6 gestellt hatte, wurde im Maerz mit 133,4 Punkten errechnet — und oft ist hierzulande ueberdies behauptet worden, er werde "manipuliert”, schon weil die jeweiligen Forderungen der Arbeiterschaft nach Teuerungszulagen von seiner Hoehe abhaengen. Nach einer anderen, gleichfalls offiziellen Statistik stiegen die durchschnittlichen Ausgaben der “Normalfamilie” eines staedtischen Arbeitnehmers innerhalb von 41 Monaten, bis zum Herbst 1963, um 56 Prozent. Und dass diese Teuerungswelle nicht abgeflaut ist, bezeugen die zahlreichen Streiks der letzten Monate Die Streikbewegung erfasste kuerzlich beispielsweise 5 — 6000 Beamte der Steuer— und Zollaemter, zum schweren Schaden der vital wichtigen, hochempfindlichen Apparaturen dieser Behoerden. Und wie es in nicht wenigen analogen Faellen geschah und weiter geschieht, verschlossen die Beamten sich weitgehend dem Appell ihrer Gewerkschaft, der Histadrut, den Streik unverzueglich abzubrechen. Sie nahmen die Arbeit erst wieder nach einem regierungsseitig vorge- ■-schlagenen Kompromiss, der (Fortsetiung Seite 10) SONDER-BERICHT FÜR DAS B. I. David Ben Gurion im Unruhestand. Zehn jMonate sind nun vergangen, seit sich David Ben - Gurion zur Ueberraschung selbst der meisten seiner Minister und der Prominenz seiner Partei, der gemaesigt - sozialistischen Mapei, von der Regierungsfuebrung dieses Staates zurückgezogen hat, der vor allem ihm, vor sechzehn Jahren, sein Entstehen verdankte, Die Frage, was ihn am 16. Juni 1963 zu seiner Demission veranlasst hat, wurde bisher nie geklaert. Aber sie steht schon deshalb weiter auf der Tagesordnung, weil der so unvermutet in den Ruhestand getretene “Mister Israel” seitdem eher vielmehr in einem permanenten Unruhestand zu leben scheint. Nun, er hat nicht etwa eine Nebenregierung in seinem Ruhesitz Sde Boker etabliert, dem abseits von den hiesigen Staedten und dem Hochbetrieb ihrer behoerdlichen und ' parteipolitischen Maschinerien idyllisch im Landessueden des Negew gelegenen Arbeiterdorf. Nicht der mindeste Zweifel ist daran erlaubt, dass sich “der Alte mit der silbernen Loewenmaehne” nach besten Kraeften durchaus loyal zu seinem Nachfolger Levy Eschkol bezieht, der als eigentlicher “Wirtschaftszar” des Landes im Laufe der Zeit immer mehr zu seinem intimsten M i t a r b e iter aufgestiegen war, und zu Eschkols Ministerium, das im wesentlichen das gleiche ist wie vorher sein eigenes, letztes. Dennoch hat er sich mit dem ihm eigenen ungestuemen Temperament in wichtigen aussenwie innenpolitischen Tagesfragen waehrend dieses Dreivierteljahres mehr als einmal oeffentlieber Kritik durch Meinungsaeusserungen ausgesetzt, die besser wohl unterblieben waeren. Ueber einige dieser Erklaerungen Ben Gurions sei hier zunaechst berichtet. DREI PROBLEMATISCHE INTERVIEWS Im vorigen November gab er C. L. Sulzberger von der “New York Times” ein Interview. Kurz nach der Veröffentlichung nahm er in einer Depesche dagegen Stellung, dass ihm Mr. Sulzberger etwa folgenden Satz in den Mund gelegt habe: der im tNegew errichtete israelische Atom-Meiler koenne irgendwann spaeter “vielleicht zu militaerischen Versuchen mit der Atomkraft” verwendet werden, die in diesem Reaktor erzeugt werden soll. Zwar ist einerseits nicht anzunehmen, dass Ben Gurion selbst in einer “aufgelocke rten Privatunterhaltung”, die dem offiziellen Teil des Gespraechs moeglicherweise, voranging oder folgte, derartiges gesagt oder auch nur impliziert hat. Die M o e g 1 ichkeit eines Missbrauchs der beiden hier im Land a r b e itenden Atom- Reaktoren fuer andere als rein friedliche Zwecke hat er —gerade er— waehrend seiner Amtszeit immer wieder so emphatisch wie glaubwuerdig von der Parlamentstribuene in Jerusalem aus bestritten, und ebenso auch wie ich selber es mehrfach erlebt habe, in vertraulichen Besprechungen mit Schriftleitern und politischen ,Kc>rrespo ndenten, auf deren Diskretion er sich hundertprozentig verlassen konnte. Andererseits faesst sich ein Publizist von noch penibler auf jede Silbe bedachter Sorgfalt als Cyrus Sulzberger nicht denken, der als Star- Reporter der fuehrenden Zeitung von Weltruf —und als einer ihrer Herausgeber — dutzende von Staatsoberhaeuptern, Politikern usw. interviewt hat, ohne dass es jemals zu Beanstandungen dieser Art. gekommen ist. Selbstredend ist, wie hinzugefuegt sei, David Ben Gurion auch und, wenn man will, gerade als Privatmann mindestens so wie jedermann in diesem Staat hier, der im besten, westlichen, Sinn eine Demokratie ist, grundsaetzlich berechtigt, seine Meinung zu Fragen gleich welcher Art laut werden zu lassen. Aber sollte ihn der besondere Widerhall, jder jedem seiner Worte von vornherein gewiss ist, nicht zu entsprechender Zurueckhaltung veranlassen? i Anfang Maerz tat er in einem anderen Interview, mit dem Korrespondenten eines weitverbreiteten nordamerik a n Ischen Femseh-Netzes, den zu Jahresbeginn erfolgten Besuch des Papstes in Israel als “belanglos” ab. An sich vielleicht mit Recht. Aber der Staatspraesident Schasar und Ministerpraesident Eschkol waren mindestens ¡So im Recht gewesen, als sie “diplomatisch” ueber manches hinwegsahen, was Paul VI. bei dieser Gelegenheit gesagt oder verschwiegen hatte, weil sie die delikaten Beziehungen zum V a tikan verbessern und nicht belasten w o 11 ten. Der Staatsraison waere besser gedient gewesen, waere “Mister Israel” mit Stillschweigen ueber die paepstliche Visite hinweggegangen. Ein drittes Interview gab “der Alte” etwa zur gleichen Zeit dem Parteiorgan der gegen die Regierung Eschkol in Opposition stehenden buerg e r liehen Liberalen. Zum Aufsehen, das diese Tatsache erregte, trat Befremden, als in der Veroeffentlichung behauptet wurde, er habe isich auch ueber den israelischen Unabhaengigkeitskrieg von 1948 ausgelassen und im Zusammenhang damit nicht mehr und nicht weniger als dem nach folgendes geaeussert: wuerde die oberste Kommandofuehrung damals (Fortsetzung Seite 12)

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