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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1964-04-01 · 4 (Abril, 1964) · p. Seite 6

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXVI (1964)
Issue
4 (Abril, 1964)
Date
1964-04-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 ABRIL 1964 BOLETIN INFORMATIVO Paepste Koenige und christliche Gelehrte verurteilen Anschuldigungen gegen Juden Nachstehend veroeffentlichen wir einen Artikel eines der aeltesten Mitglieder unserer Gemeinde, Herrn Adolf Seidemann, der kuerzlich in geistiger und koerperlicher Frische seinen öl Geburtstag begehen konnte. DIE REDAKTION Das oekumenische Konzil ist beendet, doch hat es die erwartete Behandlung der Judenfrage bis zur naechsten Sitzungsperiode aufgeschcrben. Hoffentlich nicht aufgehoben. Zwei Dinge sind es, die als die Wichtigsten zur Verhandlung kommen sollen. Die Kreuzigung Christi und die Ritualmordluege. Die Behauptung, dass Jesus von den Juden gekreuzigt wurde, entspricht nicht den Tatsachen und ist ein Widerspruch an sich. Nach juedischem Recht gibt es fuer Verbrechen 4 Todesarten. Kreuzigung ist eine roemische Todesart, die in Israel unbekannt war. Ja, es gibt lm alten Hebraeisch nicht einmal eine Vokabel fuer aas Wort Kreuzigung. Der Statthalter der Roemer, Pontius Pilatus, war an der Beseitigung Jesu interessiert, weil er ihn fuer einen Revolutionaer und Intriganten gegen das roemische Imperium gehalten hat. Von einem zeitgenoessischen roemischen Historiker wird Pontius Pilatus als grausam und ruedksichtslos geschildert. Unter anderem hat er nach Jesu Tode einen Propheten und seinen Anhang unschuldig hinrichten lassen, wurde deshalb abberufen und wegen Missbrauch der Amtsgewalt angeklagt. Die zweite, ungerechtfertigte Beschuldigung ist die Ritualmordluege. Gegen diese hat der evangelische Professor Strack gesagt: “Die Behauptung, dasä die Juden Christenblut brauchen, ist noch nicht 700 Jahre alt. Im 2. und 3. Jahrhundert waren es die Christen, die unter der gleichen Beschuldigung schwer gelitten haben, sodass der Kirchenschriftsteller Tertullian sich veranlasst sah, die Christen gegen die Blutbeschuldigung zu verteidigen. Johannes Pfefferkorn, wohl einer der teuflischsten Antisemiten der je gelebt hat, sagt: “Man sagt gemeinhin, dass' die Juden Christenblut brauchen und Christenkinder toeten. Teure Christen, glaubt das nicht“. Der Priester an der Stephanskirche in Wien, Johann Veit, leistete 1840 auf der Kanzel mit dem Kruzifix in der Hand einen heiligen Eid, dass an der Blutbeschuldigung kein wahres Wort sei. Im vorigen Jahrhundert war die Hauptstuetze fuer die Blutbeschuldigung Professor August Rohling in Prag. Der bereits erwaehnte Professor Strack sagte ueber ihn; “Seine Polemik und seine Beweise sind derartig, dass mar* nur im Zweifel sein kann, ob Wegen seiner Boeswilligkelfc der Strafrichter oder dei Irrenarzt einzuschreiten habe”. Im September 1892 schrieb Strack: “Oeffentlieh klage ich Professor Rohling an, wegen geleisteter Meineide und grober Faelschungen'’. Rohling sah sich daraufhin gezwungen, die Ehrenbelei-, digungsklage einzureichen, aber vor dem Termin nahm er sie zurueck. Im Jahre 1256 wurden in Fulda Juden beraubt und erchlagen, we gen angeblicher Toetung von Christenkindern. Aus diesem Anlass berief Kaiser Friedrich II. viele Gelehrte ein, um die Beschuldigung zu pruefen. Das Ergebnis dieser Pruefuiv gen lautete: “Dass Juden Menschenblut gemessen, sogar auch Blut von den zum Genus's erlaubten Tieren, ist strengstes Verbot. Das geht aus Genesis 9, 5-6 und Exodus 12, 14, 17, 18, 24 sowie Numeri 31, 34 und vielen anderen Stellen hervor. Wir haben daher mit Zustimmung aller Fuersten, die Juden von der so schweren Anschuldigung fuer immer freiges’prochen. Dieses Gesetz wurde von Koenig Wenzel, Karl iv, auch von Rudolf von Habsburg, Karl VI, Maximilian II, Ferdinand II und Kaiser Leopold bestaetigt. Ueber die Stellung der Paepste gegenueber den Juden hat Moritz Stern das ganze Material zusammengetragen, das aufzeigt, dass seit den Tagen des Papstes Alexander III im Jahre 1159 in ununterbrochener Reihenfolge bis zu Clemens XII im Jahre 1763 immer wieder die Paepste die Juden gegen die infame Blutluege in Schutz genommen haben. Martin Luther, bekanntlich kein Freund der Juden, erklaerte die Blutbeschuldigung fuer Luege und Torheit. Im Jahre 1714 fragte Kurfuerst August II von Sachsen die theologische Fakultaet in Leipzig an, ob die Juden Christenblut verwenden. Die Universitaet erklaerte in einem von allen Professoren Unterzeichneten Protok oll diese Beschuldigungen fuer Luege und Fabel. Aus Anlass des Ritualmordprozesses in Dam a s k u s schrieb Professor Petermann in Berlin; “Ich habe lieber die Blutbeschuldigung mit dem preussischen Konsul Wetzstein, hochgeachtet bei Christen wie Mohammedanern gesprochen. Er ist empoert und hat mir wiederholt dass die Belastungszeugen durch allerhand unerlaubte Mittel; Bestechungen, Drohungen, ja sogar durch Folter, zu falschen Aussagen gezwungen wurden“. Nun ist zu hoffen, dass das oekumenische Konzil, das ja bekanntlich den besteh Willen hat, sobald es wieder Zusammentritt die Frage des Antisemitismus eroertern, und Anschuldigungen wie die geschilderten, fuer alle Zukunft unmoeglich machen wird. RUECKBLICK AUF 25 JAHRE von Norbert Herz'og, Ja, ist das ein Vierteljahrhundert schon, her? Mir ist’s, als ob’s gestern 'gewesen waer. Der Hafen Italiens, das Schiff und die See, Die angstvoll verstoerten Gesichter am Kai, Die Furcht um das armsel’ge letzte Gepaeck, Die Massenkajueten, das schweigende Deck, Der Zwiesprache Stummheit, der letztmal’ge Kuss, Das blutleere Gruessen, das Winken am Schluss, Und dann dieses stille Beiseite sich dreh’n, Dass etwa die Andern nicht weinen uns seh’n. Dazu all der Laerm und der Wellen Gebraus — Und die Angst, >die Angst um die Menschen zuhaus.. Und schliesslich am Ende der Fahrt ueber’s Meer, (Ja, ist denn das wirklich so lange schon her?) Das taegliche Warten voll Bangen und Gram, Auf Nachricht die, ach, immer seltener kam, Bis ¡schliesslich das Brieffach fuer immer blieb leer, Und toedliches Schweigen nur kam ueber’s Meer. Der blindwuet’gen Furie : zerstoerender Wahn Hat grausige, gruendliche Arbeit getan. Jedoch aus dem Morden erwuchs eine Kraft, Die stark und heroisch zum Tat sich errafft’, Zu jener gewalt’gen befreienden Tat, Aus der unter Traenen der juediseijes Staat — und juedisches Leben im juedischen Land Auf Israels Boden beglueckend erstand. LATEINAMERIKANISCHE OLIM Von besonderem Interesse fuer unseren Jischuw ist das Leben und die Eingliederung der Olim aus Latein-Amerika in Israel. Dies ist eine Frage, welche zur Zeit, in dej israelischen Presse oft mals ercertert wird, so z. B. in einem Artikel der Jedioth Chadaschot, von Herrn E. Jacob, der darin u. a. ausfuehrt: “1963 kamen bis Ende August 4.000 Olim aus' Südamerika ins Land. Bemerkenswert an dieser Alij ah ist der starke Anteil der Jugendbuende und der Chalutzim. Typen, wie sie Israel schon fast ein Jahrzehnt nicht mehr gekannt hatte, kommen wieder her. Die Arbeitersiedlungen bekommen Zuwachs; an erster Stelle der Kibbuz Arzi. ihm folg sn Ichud Hakibbuzim und Kibbuz Meuchad. Die Kibbuz- Verbaende haben sich mit wahrer Begeisterung der Aufnahme der neuen Olim gewidmet und in manchen Kibbuzim, die schon angesichts der Stagnation verzweifelten, herrscht neues Leben und frischer Mut. Es laesst sich nicht sagen, ob alle im Kibbuz bleiben werden, aber ein gewisser Zuwachs fuer die Siedlungen wird sich sicher ergeben. Nach sehr vorsichtigen Berechnungen befinden sich unter den Olim 25 — 30 Prozent Chalutzim, 20 Prozent, freie Berufe, 10 Prozent Industrielle und Facharbeiter, der Rest sind Mittalstaendlet und Handwerker”. Nach verschiedenen, sehr eingehenden Ausführungen ueber die Formalitaeten welche die Neueinwanderer zu erfuellen haben, weist der Autor besonders darauf hin, dass es sich bei der lateinamerikanischen Alijah um besonders ANPASSUNGSF AEHIGE ELEMENTE handelt. Er schreibt in diesem Zusammenhang: “Die Olim aus Südamerika haben im Lande einen guten Namen, sie erweisen sich als besonders anpassungsfaehig und sind sehr arbeitswillig. Bei der ©ochnut laufen Anfragen von Orten ein, die gern suedamerikanische Einwanderer haben moechten. Die Eingliederungsabteilung der Sochnut stand vor der Frage, ob sie die Ankoemmlinge die nicht in Arbeiter Siedlungen gehen ueberall zerstreut oder in groesseren Grupen beieinander lassen soll. Sie hat sich auf Grund der Erfahrungen der Vergangenheit, fuer den zweiten Weg entschieden. Daher hat die Eingliederungsabteilung folgende Orte als Zentren fuer diese Alijah vorgesehen: Rischon Lezion, Ramleh, Aschdod, Kirjath Jam, Pardes Chanah, Nathanya, Kiriat Gath, Dimona, eine kleine Anzahl soll nach Jerusalem geschickt werden. WIRTSCHAFTLICHE INITIATIVE Bei den Zusammenkünften mit den Olim gab es am wenigsten Beschwerden ueber Arbeitslosigkeit. Die Konjunktur im Land traegt zur leichteren Absorbierung dieser Einwanderungswelle bei. Aber dennoch mus's die Sochnut wirtschaftliche Initiativen fuer die Eingliederung entfalten. So werden jetzt 2 5 0 Handwerkstaetten in groesseren Gebaeuden gebaut. Die Taetigkeit soll fortgesetzt werden und die Sochnut will durch Bau von Laeden und Hilfe bei Klein— Existenzen die Unterbringung der Mittelstaendler im Dienstleistungssektor erleichtern. Ein ausgesprochener Erfolg war die Verpflanzung von Aerzten aus* Suedamenrika nach dem Negew. von 30 jungen Aerzten die gekommen waren sind 28 im Negew geblieben, und dieser Einsatz hat fuer die gesundheitliche Betreuung idies'es Bezirks groesste Bedeutung. NUR EIN PROZENT RUECKWANDERER Die Rueckwanderung ist ganz minimal, sie geht nicht ueber ein Prozent hinaus. Meistens handelt es sich dabei um Menschen mit besonderen persoenlichen Problemen, und eine kleine Rueckwanderung ist eigentlich normal. Herr Jacob bezieht sich in diesem Zusammenhang auf ein Interview mit Herrn Reuwen Golan der Eingliederungsabteilung der Scichnut, welchem er diese Daten verdankt und der zum Problem der Eingliederung folgendes bemerkt: “Die Einordnung seitens der Sochnut hat einen hohen Standard ereicht und die Olim finden zumeist ihre fertige Wohnung vor. Aber eine wesentliche Rolle spielt die gesellschaftliche Einordnung und hier hat die Hi* tachduth Olei Drom Amerika (Vereinigung der Einwanderer aus Suedamerika) sehr wesentliche Aufgaben zu erfuellen. Gelingt die gesellschaftliche E i n g 1 iederung dann werden sich Eltern und Kinder aus der neuen Alijah im Lande wohl fuehlen’’. Soweit der Artikel aus “Jedioth - Chadashoth“ aus dem wir zu unserer Freude, gerade in diesen Tagen des Jom Haazmaut ersehen, dass die suedamerikanische Ein* Wanderung bereits begonnen hat. eine positive Rolle im Aufbau des juedischen Landes zu spielen. Fuer Ortopaedische Schuhe sowie Einlagen " E k a " Merced 753 - Local 11 Fono 36134 VIELE JUNGE MENSCHEN UNTER DEN OLIM! AUS SUEDAMERIKA Die jüngeren Jahrgaenge ueberwiegen unter den Ein- ' ■ wardrrern aus Suedamerika. Im Alter von 1—16 Jahren waren 30% . . Im Alter von 16—18 Jahren waren 6% 1 . Im Alter von 18—35 Jahren waren 35% ' Im Alter von 35—50 Jahren waren 18% ' ■ über 53 Jahre waren 11% . Wohin gingen die Einwanderer? Kibbuzim 25% ’ ■ Ulpanim in Kibbuzim 20% . Ulpanim in Staedten 9% . In Staedten niedergelassen 22% Tu Entwicklungsorten 14% Verschiedene (Uebergangswohnungen usw.) 10%

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