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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1964-04-01 · 4 (Abril, 1964) · p. Seite 5

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXVI (1964)
Issue
4 (Abril, 1964)
Date
1964-04-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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ABRIL 1964 BOLETIN INFORMATIVO 5 EIN KLEINER EITERPICKEL Einen Haeuserblock hatte die verhaftete Gruppe bereits auf dem Weg zum Polizeiquartier zurueckgelegt. Sie schickte sich an, Morandé in Richtung Huérfanos weiterzumarschieren. Da kam der Befehl: “Marsch, umkehren”. Der Offizier und seine Truppe fuehrten sie zum Tatort Zurueck: hinauf in die oberen Stockwerke des Hochhauses des “Seguro Obligatorio” (heute “Servicio de Seguro Social”), von wo aus sie mit Maschinengewehren und Bomben den schraeg gegenueber liegenden Praesidentenpalast bedroht hatten. Hinauf, hinauf. Herunter kam keiner mehr. Eine halbe Stunde spaeter lagen 57 Tote auf der Treppe. Wer hatte den Befehl zum Schiessen gegeben? Ein Polizeioffizier? Der Innenminister? Hatte ein solcher ueberhaupt bestanden oder lag ein Missverstaendnis vor? Ein tatsaechliches oder gar ein boeswilliges? Mehr als zehn Jahre sollten vergehen, bevor der Zweifel zerstreut wurde. Aber die Nazibewegung in Chile war erledigt. Sie war an jenem 5. September 1938 ihres Stos'strupps, ihrer Aktivisten, ihrer Fanatiker beraubt worden. Uebrig blieb ein eins'amer Hetzer, Jorge Gonzalez von Marées. Seine intellektuelle Degradation sollte von dem Dr. Leonardo Guzmán, einem Innenminister der Regierung Aguirre Cerda, illustriert werden; er liess ihn im Irrenhaus internieren. Seine moralische Degradation stellte er selber zur Schau, indem er 1952 akzeptierte, als Propagandachef der Praesidents'chaftskandidatur Matte zu fungieren. Arturo Matte Larrain, Schwager des Presidenten Jorge Alessandrl, war Schwiegersohn des Ex-Praesidenten Arturo Alessandri Palma. Und Arturo Alessandri, dessen zweite Praesidents’chaftsperiode von 1932|1938 ihn wie sonst niemanden befugte, das Raetsel des 5. September aufzuklaeren, hatte das gegen Ende der 40er. Jahre auch getan. Das Interview war in “El Mercurio” erschienen. “Ich selbst”, hatte er gesagt, “nur ich”. Die unzaehligen Bewunderer, die der alte Alessandri unter seinen Zeitgenossen hatte und nach seinem Tod hinterlassen hat, bezeichnen ihn als den bedeutendsten Staatsmann, den Chile in diesem Jahrhundert bisher aufzuweisen hat. Sie belegen diese Ueberzeugung mit einer eindrucksvollen Reihe von Taten und Werken, durch die Chile zu einem modernen Land wurde, das den Tatsachen —vor allen den sozialen Tatsachen— Rechnung traegt. Ueber den 5. September 1938 aber sprechen sie im allgemeinen nicht gerne. Seine gezaehlten Kritiker und Feinde dagegen kommen immer wieder auf dieses Thema zu sprechen. Jedes Jahr am 5. September treffen sie sich an der Ecke Morandé mit Moneda, heben die rechte Hand zum ominoesen Gruss und hoeren sich eine Rede an ueber die Bluete der chilenischen Jugend, die hoffnungsvollen S t u denten und die weinenden Muetter. Und ab und zu gruenden sie dann auch, mit gleichem Datum. eine neue Nazi-Partei. So zum Beispiel im vergangenen Jahre, wie dies ihr Kommandant, der mit dem von ihm als “Genie” bezeichneten Fuehrer den Schnurrbart und die unausgegorene Vorstellungswelt gemeinsam hat, der Zeitung “La Unión’ erlaeuterte. Aber dazwischen liegen doch immerhin 25 Jahre, in denen man in Chile keine Braunhemden und keine Hakenkreuze auf der Strasse sehen musste. Ein Vierteljahrhundert historischen Abstands’ sollte also genuegen, um Alessandri, dem alten, dem “Loewen von Tarapacá”, auch in diesem Aspekt seiner Taetigkeit als Praesident Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Und die kann ihren Ausdruck nur darin finden, dass man als Demokrat und als' Patriot die Entscheidung vom 5. September 1938 als eine grosse und mutige staatsmaennische Tat aner kennt. Vielleicht die groesste seiner Laufbahn. Mit dieser Behauptung soll nicht der Gewaltanwendung um ihrer selbst willen das Wort geredet werden. Wenn heute, 1964, wieder Braunhemden in Arrayán, in Santiago und in Valparaiso haken-aufkreuzen, so gibt es Moeglichkeiten, sie zu erledigen, ohne Maertyrer zu fabrizieren. Aber man muss sich das Jahr 1938 in Erinnerung rufen und die Tatsache, dass es damals keine andere Alternative gab als diese einzige, grausige, blutige: erschiessen oder erschossen werden. Wobei die zahlenmaessige Proportion zwischen der aggressiven Nazi-Minderheit und) der verschlafenen demokratischen Mehrheit den Tod von 57 Fanatikern a priori zu einer moralischen, humanen und heilsamen Tat macht. Denn, haetten die 57 sich der Gewalt bemaechtigt. wieviele haetten sie nicht nur erschossen, sondern auch g e p e i nigt, erniedrigt, goquaelt? 5.700? 57.000? Damit aber, dass Praesident Arturo Alessandri damals den fuer ihn sehr bequemen Weg eines Prozesses, allein mit seinem Gewissen, verwarf und den von schwerster Verantwortung beladenen dier aussergesetzlichen der persoenlichen Entscheidung beschritt, gewann er in einer hektischen, qualvollen Stunde, die Statur eines unsterblichen Demokraten. Wie leicht waere es fuer ihn gewesen, einen Monat nur vor den Neuwahlen und Ablauf seines Mandats, die Entscheidung weit von sich zu schieben auf die Gleise der Justiz! Wie genau wusste er, dass er inmitten der politischen Agitation jener Tage damit die Kandidatur seines Favoriten Gustavo Ross aufs schwerste gefaehrdete! Aber weder persoenliche noch politische Ueberlegungen konnten die zwei grossen Leitbilder seines Lebens trueben; seine Liebe zu Chile und sei" ne. Leidenschaft fuer die Demokratie. Und als wachsamer Patriot, als intelligenter Demokrat, hatte er beobachtet, wie eine verfas'sungsmaessig regierte Republik nach der anderen zum wehrlosen Opfer der braunen Bestie nicht nur durch ihre Unfaehigkeit wurde, sich zu verteidigen .sondern wie die einseitige Beachtung der demokratischen Spielregeln sie geradezu zwangslaeufig dazu machte. “Ich selbst”, sagte er zehn Jahre spaeter, ‘nur ich habe den Befehl gegeben”. Es ist ein bitteres Unrecht, dass ihm dafuer nie oeffentlich Dank gezollt wurde. Das sollte nachgeholt werden. Die erfreulich lange Ruhepause, die ihm das Land aber auf diesem Gebiet zu verdanken hat, ist nun vorueber. Zufall oder nicht, stehen wieder Neuwahlen vor der Tuer und wieder spielen die Nazis leime zahlenmaessig laecher lieh unbedeutende Rolle. Ihre Beziehung zu den wirklichen Problemen des Landes und seinen p o 1 i t i s c hen Kaempfen ist so irreal, so w a h n w itzig wirklichkeitsfremd, dass die Versuchung, ihnen keine Beachtung zu schenken, allzu gross ist Wenn jemand drauf und dran ist, sich einer grossen Operation zu unterziehen, vergeudet er im, allgemeinen keine Aufmerksamkeit fuer, den kleinen Eiter ickel auf der Nase. Aber aus dem Eiterpikkel kann ein Furunkel, aus dem Furunkel eine Furunkulose entstehen. Unsere Narben beweisen das und wir haben die Pflicht, diejenigen unserer Mitbuerger, die das nicht sehen wollen, aufzuklaeren und diejenigen, die sich anschicken, den Eiter auszudruecken, aktiv zu unterstuetzen. Die Demokratie hat in der ganzen Welt in den letzten 25 Jahren eine gewaltige Entwicklung mitgemacht. Haette sie das nicht, es gaebe heute keine demokratischen Staaten mehr. Die Einbeziehung der breiten Massen des Volkes in ihr System, die Loesung der sozialen Probleme, die Regulierung der wirtschaftlichen Dynamik, die Modernisierung der Regierungsfunktionen sind nur einige der wichtigen Aspekte dieser Entwicklung. Dazu gehoert aber auch die Konsolidierung der juristischen Struktur, soweit sie den Verfassungsschutz und die Verteidigung von Staat und Volk gegen Faschismus und Nazismus anbetrifft. Die Verfolgung nazistischen Unrechts, von der Charter der Vereinten Nationen 1945 versprochen, vor den offenen Massengraebern der Vernichtungslager vom Gewissen der freien Menschheit gefordert, in Nuernberg und zahllosen Kriegsverbrecher -Prozessen kodifiziert, in Chapultepec von den Staaten Amerikas als internationale Verpflichtung frei akzeptiert, ist heute eine konkrete juristische Moeglichkeit in allen freien Laendern. Wenn man sagt, dass nicht der Gewalt um der Gewalt willen das Wort geredet werden soll, so, weil 1964 die Dinge anders liegen als 1938. Damals war die Alternative unausweichlich blutig. Heute ist sie blutig nur fuer die Demokraten, fuer uns Juden und fuer die anstaendigen Menschen. Pfeiffers Franz aber und Genossen kann man heute vor sich selbst, vor den Folgen ihrer Borniertheit und ihrer uniformierten und bewaffneten MONATSSPIEGEL Illegalitaet schuetzen: mit rein legalen Handhaben. Es kann nicht Aufgabe dieses Kommentars sein, bis in die letzten Details hinein zu analysieren, ob bestehende Gesetze wie das fuer Verfassungsschutz (“Ley de Seguridad Interior del Estado”) explizit und engmaschig genug sind, um die braunen Fische darin zu fangen. Das sollen die Recht sanwaelte tun. von denen ja eine ganz stattliche Anzahl mit unserer Leitung beauftragt ist. Aber eines steht jedenfalls fest: wenn die bestehenden Gesetze nicht ausreichen, so kann und muss man neue schaffen. Weder die Regierung des Presidenten Jorge Alessandri noch irgendein Sektor des Parlaments, von Konservativen bis Kommunisten, wuerde seine Mitarbeit bei dem Entwurf, Debatte und Promulgation eines solchen GeSetzeskoerpers versagen. So denunziert “La Unión”, Organ der Konservativen Partei in Valparaiso, die bisherige Passivitaet der Behoerden mit folgenden Worten (25. Maerz 1964): “Pese a quo “La Unión” denunció las actividades de esta secta internacional, aún no Se toman medidas drásticas para impedir ahora las provocaciones que a diario está realizando este grupo de ilusos en las calles de Valparaíso. Und eine Gruppe von neun Rechtsanwaelten unter j Fuehrung des ex-Praesidenten der Corte de Apelaciones von Valparaiso und bekannt fuer ihre Zugehoerigkeit zum FRAP, also vom anderen Extrem der hier vorherrschenden * Meinungstroemungen, ist beim Intendanten der Provinz vorstellig geworden: “ la ciudad está expuesta a la acción de estos jóvenes irresponsables, manejados por alguien que, naturalmente los financia, les paga los locales, los uniformes, los laques y las armas. ¿Para qué, señor Intendente? Nuestro Estado tiene sus fuerzas' armadas y sus fuerzas de orden público bien equipadas, científicamente preparadas y cuya imparcialidad y respeto por la constitución y las leyes son orgullo nacional. El nazismo está proscrito en el mundo entero. Incluso en Alemania. En Chile desataron la violencia, se armaron y se alzaron contra el Gobierno. Comprendemos que la juventud tenga inquietudes, pero no aceptamos que estas inquietudes se desvíen al nazismo, a la violencia, a la diaria provocación al desorden, a trastornar diariamente la tranquilidad pública con milicias uniformadas y armadas, generando la reacción violenta en su contra. En estas condiciones, en nuestra calidad de ciudadanos, pedimos a US. que investigue estos hechoS: Lugar en que se reúnen, quiénes los dirigen, quiénes militan en este movimiento, quienes los financian y, aplicando la Ley N.o 12.927, sobre Seguridad Interior del Estado, proceda a ordenar la disolución de esta secta ilícita, en uso del derecho que le da el Art. 26 de dicha ley”. Und, damit niemand glaube, dass der Entschluss, die braunen Verbrecher los zu werden, Privileg der Rechten oder der Linken ist, drucken wir in anderen Spalten dieser gleichen Ausgabe einen Redaktionsartikel aus “La Estrella” vom 4. ds. Mts. ab (“Nacismo sin raíces en Chile pasea la Svástika”) “La Estrella” gehoert bekanntlich zum Konzern von “El Mercurio”, dem man manches, nur keinen politischen Extremismus vorwerfen kann. Die Situation ist also ohne Zweifel reif fuers Handeln. Sowohl die Frechheit der Provokateure, wie aber auch die gesunde Reaktion, die im Ansatz aus den gewaehlten Zitaten in allen Kreisen zu erkennen ist, weisen darauf hin, das' man jetzt Vorgehen muss und nicht spaeter, energisch und nicht zoegernd, Ein Schlag und der Pfeiffer steht im Hemd da, im braunen, bezw er pfeifft auf dem letzten Loch. Aber “der Worte sind genug gewechselt”... ATSCHEKA En V CARTERAS 9 i A - al Aniversario del Estado de Israel Fábrica de Carteras Ernesto Nathan Merced 719* 2.o piso i

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