Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXVI (1964)
- Issue
- 1 (Enero, 1964)
- Date
- 1964-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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ENERO 1964 BOLETIN INFORMATIVO 5 DAS CHRISMllllSÜ “Df JUDAEIS’ I MDISCIR Siliií Von Dr. Abner Nechushtan (Tel-Aviv) So hat sich das Oekumenische Konzil am 4. Dezember zu einer weiteren, dritten Sitzungsperiode auf den naechstj aehrigen September vertagt, ohne dass es zui Aussprache oder gar zur Abstimmung ueber die von dem aus ¿Deutschland stammenden Kardinal Augustin Bea seit izwei Jahren vorbereitete Erklaerung “De Catholicarum habitudine Ad Non— Christianos Maxime Juda eos’’ gekommen waere, ueber die “katholische Stellung zu Nichtchristen und insbesondere zu Juden’’, den Abschnitt Vier des “Schemas der Oekumene”, In diesem Abschnitt “wendet sich das Konzil... den Juden zu, nicht als einer Rasse oder einer Nation, sondern als dem auserwaehlten Volk des Alten Testaments”. Sie, die Kirche, habe “ihre Wurzeln in dem Bunde, den Gott mit Abraham und seinen Nachfahren schloss”; der Gottessohn des christlichen Glaubens, Jesus, sei “im Fleische Davids Sohn und Abrahams Nachkomme. Und die Verantwortung fuer seinen Tod, zu dem er sich “freiwillig bereitgefunden” habe, “um die Suenden aller Menschen zu tilgen”, falle demzufolge “auf die gesamt e suendige Menschheit”, ohne dass ihre Kollektivschuld desalb geringer sei, weil “zu seiner Zeit auch juedische Beamte an der Kreuzigung beteiligt waren”. Das jedoch koenne “nicht dem gesamten juedischen Volk, weder dem damaligen noch dem heutigen, zur Last gelegt werden”. ZWEI LAIENTHEOLOGISCHE RANDBEMERKUNGEN Schon die wenigen Saetze, die aus dem Text dieser Deklaration , hier erwaehnt wurden, weisen in juedischer Sicht —wie auch in christlicher— auf ihre ueberragende Bedeutung in solchem Masse hin, dass die in beiden folgenden Fragen enthaltene Kritik nicht a 1 s Mangel an Ehrerbietung missverstanden werden moege. Heisst es dort, dass sich Jesus “fuer die gesamte Menschheit” geopfert habe, um sie gleichsam von ihrer Erbschuld zu befreien, so ist es rein vernunftsgemaess schwer verstaendlich, warum es erst dieses Abschnitts Vier des vorgesehenen Dekrets bedarf, um unter christkatholischen Gesichtspun k t e n auch die Juden nicht zu “Verdammten” zu erklaeren, wie das die Kirche zwei Jahrtausende lang staendig getan hat. Die Juden seien samt und sonders “als die, die Christus gekreuzigt haben” zur Knechtschaft des ewigen Exils verurteilt; so hatte es einer der mittelalterlichen Paepste, Innocenz III, im Jahre 1215 dekretiert, Bedurfte es indessen erst der Feststellung des Theologen Bea, dass sich der Nazarener "freiwillig” am Kreuz geopfert hat, also der Schlussfolgerung dass dieser Tod nicht auf das Schuldkonto des Jerusalemer Synhedrions von damals oder gar des gesamten Volkes der Juden zu schreiben sei — sofern sie daran ueberhaupt massge- I blichen Anteil gehabt haben,! und nicht einzig und allein der roemische Statthalter l Pontius Pilatus. Ein zweiter offensichtlicher Widerspruch zeigt sich darin, dass der Kardinal zur Erlaeuterung seines Antrages hinzufuegen liess: Dieser “Schuldfreispruch” sei nicht als Absicht des Vatikans zu deuten, zum Staat Israel in diplomatische Beziehungen zu treten. Solange die kirchlichen Autoritaeten an der These vom Fluch der ahasverischen Heimatlosigke i t, die den Juden als den (angeblichen) Kreuzigern Jesu auferlegt sei, obstinat fesfchalten, mag es folgerichtig sein dass sie dem Staat Israel die Anerkennung verweigern, eben weil er dieser kollektiven Heimatlosigk e i t ein Ende setzt. Aber mit besagter These will Kardinal Bea ia gerade aufraeumen. Und so Ist nicht einzus'ehen, warum er dennoch dafuer eintritt, diesem Staat die apostolisehe Anerkennug weiterhin vorzuenthalten. DREI OPPOSITIONSGRUPPEN Allein, selbstredend gibt nicht abstrakte Logik den Auschlag auf einer Kirchenversammlung wie dieser, die unweigerlich nicht nur und vielleicht nicht einmal vor allem theologischen Charakter traegt, sondern auch hochpolitischen. Von drei Seiten ging der Widerstand gegen den “De Judaeis” Antrag des Kardinals Bea aus; Katholische Wuerdentraeger in den ganz oder fast zur Gaenze moslemischen Laendern des Vorderen Orients, so die Patriarchen in Syrien und der Lateinische Patriarch in der —jordanischen— Jerusalemer , Altstadt, bildeten das erste der Oppositionslager. Im wesentlichen machten sie geltend, dass diese kirchliche Revision der heilsgeschichtlichen Ablehnung des Judentums, die Lage der Glaeubigen in ihren Dioezesen erschweren koenne. Zu ihren Bedenken trug natuerlich aber auch die Vorstellung bei, dass die dem juedischen Staat feindlichen arabischen Politiker in Sy rien, Jordanien, Aegypten usw. sich von der Versicherung des Kardinals Bea, dass es sich um “reine Theologie” handele, nicht von ihrem Argwohn abbringen lassen wuerden, sein Dekret wuerde dennoch einen Schritt in der Richtung auf die vatikanische Anerkennung des verhassten Israel bedeuten, und dass sie es die christliche» Minderheiten in ihren Laendern entgelten lassen wuerden. Andere , Konzilsteilnehmer vertraten unter der Wortfuehrung z. B. des Kardinals von Palermo als die betont konservative Gruppe der Kirchenvaeter grundsa e t zlich den Standpunkt, dass am ganzen Gebaeude der christlich — katholischen Dogmatik ueberhaupt nicht geruettelt werden duerf e. Bespielsweise stellten s i e die Frage, warum der Antragsteller. gerade die Juden zum Ziel seines Reformvorschlages gemacht habe, und nicht mindestens so sehr die Anhaenger anderer nichtchristlicher Glaube n s b e - kenntnisse. Und dazu trat, drittens, der Einwand, dass * Bea’s Vorschlag gerade in den innerkirchlichen Zusammenhang seiner Antraege ueber die Erfordernisse eines Gestaltwandels des Katholizismus eingebaut worden war. Dort sei er gewissermassen falsch placiert. Er habe am besten als gesonderte Resolution eingebracht zu werden Diese Widerstaende scheinen es gewesen zu sein, die in ihrer Summierung dazu fuehrten, dass das Oekumenische Konzil diesmal noch nicht zur Behandlung des Dekrets “De Judaeis” gekommen ist. Aber es wurde —so meinen jedenfalls die Optimisten hier— nicht abgesetzt. sondern nur vertagt. Von ihnen wird zur Stuetze dieser Annahme u. a. auf die soeben bekannt gewordene Absicht des Papstes hingewiesen, im Januar ins Heilige Land zu pilgern und aut seiner Wallfahrt auch die den Christen heiligen Staetten in Israel zu besuchen. Wenn es zutrifft, dass die katholische Kirche die Beschlussfassung ueber den Punkt vier des Bea’schen Berichtes nur verschoben und nicht aufgegeben hat, Kennzeichnet das ihren sprichwoertlichen langen Atem zugleich mit der fuer ihre Konzilsvaeter seit jeher charakteristischen Neigung zu Kompromissen. Die Oeffentlichkeit ¡macht hier in Israel keinen Hehl aus ihrer Enttaeuschung dar ueber, dass taktische Erwaegungen zunaechst ueber die Entschlossenheit des verstorbenen^ Papstes Johannes 23 gesiegt haben, den Juden Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Aber man zweifelt nicht an der Bereitschaft des jetzigen Papstes, dem “Ad Judaeis” bekundeten Willen seines Vorgaengers treu zu sein. Wie hier bereits halbamtlich verlautete, versteht es sich, dass er mit respektv oller Hochachtung empfangen werden wird, wenn er im Januar nach Israel kommen sollte. Im uebrigen jedoch; Nach den zwei Jahrtausenden, in denen wir Juden jenem k i rchlichen Verdammungsdogma zuwider fortexistiert haben, soll es uns auf ein Jahr mehr oder weniger nicht ankommen. Auch wir haben einen “langen Atem”... I Daunendecken mit importierten Daunen Steppdecken Fabrik "Marcelo" | j Max Wetzstein i 6c Sohn Av. M. Montt 2656 Fono 43379 Neubeziehen und Umarbeitungen Modernste importierte Bezugsstoffe u. Inletts staendig auf Lager. Schlafsaecke für Ausflügler Komme einmal im Monat nach Viña u. nehme Auftraege entgegen. f-Eh SONDER-BERKHT wt FÜR DAS B.I. DER ZUM FREUND GEWORDENE GAST AUS LEOPOLDVILLE Von Dr. Abner Nechushtan (Tel-Aviv) Vier israelische Duesenflugzeuge hatten dem kongolesischen Staatspraesidenten vom Mittelmeer her das Geleit gegeben, als er in einem Airliner der Sabena-Linie mit seiner Gattin, zwei Ministern und weiteren 16 Begleitern in der ersten Dezemberwoche in Lod eintraf; selbstverstaendlich hatte es weder an den Nationalhymnen der zwei Laender gefehlt noch an einer Ehrenkompagnie neben dem roten Teppich, der von der Landungspiste bis zum exklusiven Salon des Flugplatzes ausgerollt war. Aber vielleicht .gerade, weil dieser ganze “Grosse Bahnhof” den Formvorschriften so korrekt entsprach, war eine gewisse Steifheit sowohl den; hebraeischen Begruessungsworten des Staatspraesidenten Schasar anzumerken gewesen, als der ebenso kurzen, franzoesisch gesprochenen Antwort des Gastes aus Leopoldville. Uebrigens war es auch keineswegs der erste solcher Empfaenge. ■ In rascher Aufeinanderfolge waren waehrend der letzten zwei Jahr* der Koenig Mwambutsa von Burundi, die Staatspraesidenten von Kongo-Brazaville, Liberia, von Ober-Volta. Dahomey, der Malagasisclien Republik, der Elfenbeinkueste, der Central-Afrikanischen Republik, Kabinettsmitglieder aus West-Nigeria, Chad, hier ebenso feierlich empfangen worden, und diese Liste illustrer Besucher aus dem mittleren Afrika ist keineswegs vollstaendig. Noch bevor Jos'eph Kasavubus Staat zur Unabhaengigkeit aufge- ,stiegen war, hatten fuehrende Kongolesen mit Cyrille Adoula mn der Spitze, dem heutigen Ministerpraesidenten und damaligen Gewerkschaftssekretaer, Israel Im Jahre 1960 bereist. EIN STAATSMANN ALS “BESCHNEIDUNGSPATE” Das Eis des “Protokolls” begann indessen schon am Abend des Ankunftstages aufzutauen, beim ersten der offiziellen Bankette. Der Kuechenchef des Jerusalemer King-David-Hotels uebe rraschte die Tafelrunde zu ihrer allgemeinen Heiterkeit mit zwei Fallschirmspringer- Figuren aus Schokolade, in Lebensgroesse, einem mit der kongolesischen und einem mit der israelischen Flagge, um in Erinnerung zu bringen, dass General Mobutu, der Hoechstkommandierende dieses afrikanischen Staates, einige Monate vorher mit 200 seiner Landsleute hier an einem militaerischen Ausbildungskurs fuer Fallschirmjaeger teilgenommen und nach seinem glaenzend gelungenen Probesprung eine Anerkennungsmedaille der israelischen Armee erhalten hatte. Und vollends wurde der Bann der staatspolitischen Foermlichkeit am naechsten Vormittag gebrochen, als das Medizinische Zentrum von Ejn Karem, im Weichbild Jerusalem, dem Gast und seiner Suite gezeigt wurde. Den Saal religioeser Andacht, der zum Krankenhaus gehoert, schmuecken wundervolle, von Mark Chagall geschaffene und gestiftete Glasfenster. Doch, statt sie zu bewundern, fragte Kasavubu ploetzlich, was es mit dem Kinderweinen auf sich habe, das gedaempft an sein Ohr drang. Die vom juedischen Ritual vorgeschriebene Beschneidung eines Neugeborenen finde dort gerade statt, erwiderte man ihm, nicht ohne einige Verlegenheit. Oh —und er verstaendigte sich mit zwei, drei gefluesterten Worten in einem der kongolesischen Dialekte —war es Kiswahili, Kicongo, Lugala oder Chuluba?— mit seiner Ehefrau, ¡die sich ihren herrlichen buntseideneu Shawl brav ueber den Kopf legte, als sei sie von der Familie der Stammutter ¡Rahel, fuer ihn fand sich im ¡Nu ein Kaeppchen aus schoenstem blauen Satin— und im Takt des Singsaflg der altehrwuerdigen Gebete schaukelte er einige Minuten spaeter das Kind auf seinen Armen mit so liebevoller Behutsamkeit, das es sanft einschlummerte. Sein Sekretaer notierte sich den Namen des Kleinen, Eytan Schalom, die Adresse der Eltern, einfacher, ja beduerftiger Leute. “Ihr werdet von mir hoeren”, sagte der Staatspraesident, und seine auffallend sensitiven Lip pen umspielte das Laecheln eines echten “Beschneidungspaten”. War es da ein Wunder, dass ihm in Haifa, Tel-Aviv und anderwaerts waehrend der naechsten Tage Tausende zu jubelt e n? Kinder choere sangen begeistert, buntfarbene Ballons flogen zu vielen hunderten auf, , Fackelzuege wurden in den festlich geflaggten Strassen der Staedte ihm zu Ehren veranstaltet — aus dem Staatsmann war ein Freund geworden. ENTWICKLUNG SHILFE OHNE “KOLONIALISTISCHEN” BEIGESCHMACK Allein, selbstredend wuerde diese Mixtur von wuerdevoller amtlicher Ehrung und froehlichem Trubel ohne den Hintergrund der in nun schon manchen Jahren zaeh aufgebauten Hilfe des “Entwicklungsstaates” Israel fuer die mittelafrikanischen Entwicklungslaender Kasavubu’sf sechs Besuchstage nicht ueberleben. Die “Afrika-Politik”, wie (Fortsetzung Seite 6)