Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXV (1963)
- Issue
- 11 (Noviembre, 1963)
- Date
- 1963-11-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/8553624-8558686-9194545--4032-8558993- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
NOVIEMBRE 1963 BOLETIN INFORMATIVO UM HANNAH ARENDTS “EICHMANN IN JERUSALEM“: NICHT DER MOERDER - C« ERMORDETE IST SCHULDIG Von Frederick R. Laehmanl (New York) Die deutschen Juden, zu- Ereignisse der Hitler-Zeit naechst in den Vereinigten uns vielfach zeitlich noch zu Staaten, dann in England, nahe, uni objektiv behandelt dann in. Israel, befinden sich und analysiert zu werden, in den letzten neun Monaten und die zur Verfuegung stein einem Zustand steigen henden Dokumente sind under Erregung, und zwar inzureichend und oft truegefolge einer Reihe von Auf saetzen, die im Februar und Maerz dieses Jahres in einer New Yorker Zeitschrift erschienen sind, und aus denen inzwischen ein Buch geworden ist.- Dass sich die Zentren der Erregung in den drei genannten Laendern befinden, ist lediglich darauf zurueckzufuehren, dass Auisaetze wie Buch in englischer Selbsthasses. risch. Andererseits offenbart sich in der deutschen Juedin Hannah Arendt, die einst mit jugendlichem Feuer fuer den Zionismus begonnen hat und in eine geradezu antizionistische Einstellung hineingeraten ist, die —ihr naturgemaess nicht bewusste— schlimmste irgend vorstellbare Form juedischen Sprache geschrieben sind. Da in Kuerze in Deutschland Dazu kommt, dass Hannah Arendts Darstellung von eieine deutsche Uebersetzung n,er vollstaendigen Abwesenerschemen wird, steht den heit jeder menschlichen deutschen Juden in anderen waerm-e, von einer Gefuehls- T naMrtnvv» H oi*p,öl ha CnVi/iOL* i « ■ __ , . . » . Laendern derselbe Schock bevor, den die deutsch-juedischen Leser in den angeisaechsischen Laendern und Israel erlitten haben. Es handelt sich um “Eleu kaelte, einer Herzlosigkeit ohnegleichen “beseelt” ist. die aber in ihrer eisigsten Form nur dort in Erscheinung tritt, wo es sich um die Beurteilung (und oft Verurmann in Jerusalem” von teilung) von Juden handelt. Hannah Arendt, einer deut- Was Eichmann angeht, so sehen Juedin, die auf den kann man beobachten, was Gebieten der Philosophie, der bei wissenschaftlichen Ar- Soziologie und der Geschiehbeiten nicht selten ist: dass te einen Namen als ernstnaemlich der zu erforschenhafts Wissenschaftlerin hat. de Gegenstand oder Mensch Sie hat Deutschland zu eidem Forschenden so nahe nem sehr fruehen Zeitpunkt rueckt, dass er unbewusst eiverlassen, ganz am Anfang ne gewisse Sympathie zu des Hitler-Regimes, kennt ihm entwickelt. So ergibt also die weiteren Auswirkunsich ein paradoxes Resultat: gen dieses Terror-Regimes die Juedin Hannah Arendt nicht aus e i g ener Anschreibt eine Reportage, nach schauung, und seit vielen deren Lektuere man fast das -um es krass -, dass im Jahren lebt und schafft sie in Gefuehl hat New York. Die hiesige Zeitauszudrueckenschrift “The New Yorker”, Grunde die deutschen Juden die hochwertig ist, einen etwas snobistisch-feuilletonlstischen Charakter traegt, in der aber des oefteren ernste und fundamentale Reportaan vielem schuld sind, und dass ein Eichmann eigentlich garnicht so schlimm war., Wenn man einmal von den gen erscheinen (“Hiroshima” objektiven Fehlern in dem von John Hersey oder die er- Buch absieht (Dr. Nehemiah sten Artikel ueber die Rollen Robinson vom Juedischen von Toten Meer, die Edmund Weltkongress, einer der pro- Wilson geschrieben hatte), fundesten Kenner des Natiohatte i sie beauftragt, zum nalsoziaiismus und der da- Eichmann-Prozess nach JeruraUs resultierenden Judensalem zu fahren nach Schluss Verfolgungen hat deren uedes Prozesses Ermittlungen ber |co gefunden!), so ist zur Aufdeckung aller nur das was die ausserordentlimoeglichen sachlichen und che Erregung, zunaechst der psychologischen Hinterdeutschen Juden, aber weigruende anzustellen und terhin der amerikanischen dann cue Resultate in einer jud'enbeit als Ganzes und, Reportage darzustellen, die einem gewissen Grade, fuenf Aufsaetze von ausserder amerikanischen Oeffenordentlicher Jj a e n g e umtlichkeit hervorgerufen hat, fasst. Die Tatsache der Ver- ¿as Folgende: zunaechst die oeffentlichung in e 1 ner unglaublich harte und unh a u p t saschlich von New freundlich kritische Haltung Yorks Oberen Zehntausend der Autorin jenen Autoritaegeiesenen Zeitschrift bedeuten Israels gegenueber, die in tet, dass die Leser in erster irgendeiner Form mit dem Linie Nicht-Juden sind, und Prozess zu tun hatten: Ben dass sie, da nur wenige die Gurion, dem Justizminister, Gesamtheit der Aufsaetze dem Staatsanwalt und den gelesen haben duerften, aus Richtern. Diese Haltung wird zusammenhanglosen Teilgeradezu tragikomisch durch stuecken Eindruecke gewind«en , grotesken Schluss deinen mussten, die, müde geveroeffentlichung, in dem sagt, peinlich und bedauer- Hannah Arendt sich selbst lieh sind. zum obersten Richter er- Hannah Arendt hat zweinennt und mit erhobenem fellos viel Arbeit in die Er- Zeigefinger und der Glorie forschung des Nazi-Systems der eignen Bedeutsamkeit und im b e s o n d eren der um ihr Haupt, den Richtern Funktionen Eichmanns inden Richterspruch vortraegt, vestiert, aber aeussere und wie er, nach ihrer hoeheren innere Hindernisse haben sie W e i s h e i t, haette lauten zu Resultaten gefuehrt, die muessen. sie selbst bei jedem anderen Dann aber kommt das Thema als mangelhaft, Wesentlichste: die Juden falsch und tendenzioes empselbst haben sich einfach funden haben wuerde. Auf umbringen lassen, statt sich d’er einen Seite sind die zu wehren. Ja, die Juden haben bei der Organisation der Judenverfolgungen durch ihre eigenen Autoritaeten — Led Baeck unter ihnen— so nachd ruecklich geholfen, dass der “Erfolg” der Massenermordungen sich zum erheblichen Teil nur dank der juedischen Hilfe einstelien konnte. Jeder Versuch einer psychologischen Erklaerung des Verhaltens der Juden — unter denen es selbstverstaendlich auch bedauerliche Elemente gegeben , hat, was niemand bestreitet— unterbleibt: die psychologische Erklaerung ist fuer Eichmann und die Seinen reserviert, die menschlich verstaendlich gemacht werden. Auch die kleinste Spur einer menschlichen Identifizierung, eines Mit-Leidens mit den Millionen Gemarterter und Ermordeter sucht man vergeblich. Nichts ist da von einem Versuch, sich in die Welt Zerbrochener einzufuehlen, die ja mit ganz anderen als den normalen Masstaeben beurteilt werden muss. Und alle diejenigen, Juden und Nicht- Juden, die aus einem Gefuehl von Waerme, Mit-Leiden und Vera ntwortung herzzerreissende Zeugen im Eichmann-Prozess g e wesen sind, —P r o p st Heinrich Grueber z. B. oder der als “Ka - Zetnik” bekannte Schriftsteller in Israel, der, ehemaliger Auschwitz-Insasse, waehrend seiner Aussage z v s a mmengebrochen ist— werden bespoettelt und herabgesetzt. "Eichmann in Jerusalem” ist eine solche Herausforderung, dass Maenner wie Martin Buber. die Professoren Gerhard Scholem, Ernst Simon und viele andere das Wort dagegen ergriffen haben. In den Vereinigten Staaten war der Schreiber dieser Zeilen unter den ersten, die sich in einer Reihe von Artikeln scharf gegen Hannah Arendt stellten. Seitdem hat zunaechst die gesamte juedische Presse immer wieder: gegen sie Stellung genommen, dann die “New York Times” in einer Besprechung des Buches, in der ein amerikanischer Richter, Michael A. Musmanno, den als einer der Nuernberger Richter selbst Zeuge im Eichmann-Prozess g e w esen ist, aus seiner Empoerung keinen Hehl macht. Seitdem ist die Debatte nicht zur Ruhe gekommen und eben jetzt bereitet eine bedeutende New Yorker Zeitschrift, “Look”- Magazine, eine neue Reportage ueber die Ursachen dieser Welle von Erregung vor. Der Council of Jews from Germany hat natuerlich offiziell Stellung genommen, ebenso wie es zahlreiche andere juedische Organisationen getan haben. Und das Publikum selbst hat in einer Sintflut von “Briefen an die Redaktion” aller Zeitungen seinem Groll Luft gemacht, Ob Hannah Arendt die noetige; Selbstkritik haben wird, um fuer die, vom Pi per Verlag in Deutschland vorbereitete Ausgabe notwendige. Korrektur und Aende- (Fortsetzung Seite 8) SONDER-BERKHT FUI DU B.I. BEGEGNUNG IM BLICKFELD Von Dr. Abner Nechusdhtan (Tel-Aviv) “Gott wird saeen”, “Jesreel” nach einem altueberlieferten hebraeischen Wort, heisst die Kwuzah, wie solche Gemeinschaftssiedlungen kleineren Ausmasses, im Unterschied von den Kibbuzim, hier genannt werden. Ihr gehoeren ueber hundert, und mit vorschulpflichtigen und schon schulpflichtigen Kindern, Eltern usw. an die 200 Menschen an; aber nur etwa ein Dutzend gerade fluegge g e w o r dener Jungen und Maedcben waren es vor jetzt anderthalb Jahrzehnten gewesen. Und nun feierte sie dieses, ihr erstes Jubilaeum. Landeseinwaerts liegt sie* auf der Hoehe Haifas, etwa auf halbem Weg zwischen der grossen Hafenstadt und dem idyllischen Tiberias am See Genezareth, auf dem weitraeumigen huegeligen Sattel, an dessen Raendern soeben schon die ersten Nebeischwaden der hereinbrechenden Nacht den Gilboa, die anderen Berge ringsherum verhuellten, und das etwas entfernter liegende Tal von Megiddo, auf dem in biblischen Zeiten ungezaehlte blutige Schlachten geschlagen worden waren. Im Norden der Kwuzah glitzerten die Lichter Nazareths durch den spaeten Abend; suedwaerts, jenseits der Grenze, war das arabische Jennin zu ahnen, ein staedtisches Zentrum feindlicher Drohungen, Daran aber dachte gewiss niemand von den Massen froh gestimmter Menschen auf dem grossen Rasenplatz vor der Buehne, auf der_sich Choere, taenzerisch beschwingte Gruppen, Einzelne und diskutierende Paare alsbald in rasch wechselnder Folge abzuloesen begannen. Nicht von den anderthalb Jahrzehnte langen Erfolgen —und auch Rueckschlaegen— ihrer landwirtschaftlichen Arbeit war in den Szenen dieses Festspiels die Rede, weder von ihren heute 80 milchgebenden Kuehen und den 600 Schafen, noch vom Stand ihrer Getreidefelder, Baumwolle— und Zuckerruebenpflanzungen, weder von ihren hartnaeckigen Bemuehungen um eine Erhoehung der behoerdlichen Wasserquote noch von Umsaetzen, Gewinnen, Verlusten, Krediten, E r w e iterungsplaenen. Nein, sie legten Zeugnis davon ab, was sie hier am Ort geistig und seelisch erlebt hatten, seit die Ersten von ihnen damals voruebergehend in den Ruinen Sar’ins gehaust hatten, des benachbarten, 1948 in “ihrem” Krieg zerstoerten Fellachendorfes, und —was sie anno 1963 fuer sich, ihr Land und ihren Staat erstreben. Was ist es? Den Sketch, den einer von ihnen als getreuer Dolmetscher der Gesinnung all dieser Dreissig —und Fuenfunddr eissig j aehrigen verfasst hatte, durchzog (und man denke, wie "unzeitgemaess”!) der Ruf nach n ,hts geringerem als... der Wahrheit, der absoluten. Um sie zu finden, begibt sich einer aus ihrer Mitte beispielsweise auf die Wanderschaft zum “Schloss der verwunschenen Prinzessin” und erzwingt sich Einlass vom Torhueter, der Kafkas beruehmter Figur aehnelt. Wie ist Dein Name, fragt er dann die Prinzessin, die sich wie das verschleierte Bild von Sais verhuellt bat, “Ich heisse Wahrheit — geh* zurueck in deine Siedlung, sage, du habest die Wahrheit getroffen, und sie werden dich fuer einen Luegner halten”. Denn was sei Wahr he., in dieser verlogenen Gegenwart? i Und auf dem Hoehepunkt des SDiels stoesst einer von ihnen unversehens auf einen der Araber aus besagtem Sar’in, die 1948 waehrend jenes Krieges allesamt ausser Landes gegangen waren. Die beiden koennen sich n'cht darueber verstaendigen, ob diesem Fluechtling, wie er’s behauptet, Felder zusteren, die nun laengst von der Siedlung bearbeitet werden; sie konstatieren lediglich, dass der verstorbene Vater des Juden neben der Kwuzah vermutlich akkurat dort beigesetzt worden ist, wo die Gebeine der Ahnen des anderen ruhen. Sie streiten nicht etwa miteinander und werden noch weniger handgemein. Kopfschuettelnd genen sie auseinander, ohne in ihrer Befangenheit auch nur daran gedacht zu haben, sich gegenseitig vorzustellen. Bitter bereut es der junge Jude dann, dass es zu keiner fruchtbaren Aussprache kam. Aber wie haette das mangels einer echten Ansprache geschehen koennen? EIN BLICK IN DIE ZUKUNFT Auf einer weiten, ganz anderen Buehne nahm fast am selben Tag in New York Frau Golda Meir, die israelische Aussenministerin, das Wort in der Generaldebatte der Vereinten Nationen. Dass ihre Rede keine Sensationen bringen werde, war klag, seit bekannt geworden war, dass sie vorher in einem Gespraech mit Dean Rusk, dem Staatssekretaer Mr. Kennedys, ihre rueckhaltlose Zustimmung zur Absicht der Amerikaner gegeben hatte, den herkoemmlichen Tagesordnungspunkt der “Palaestinafrage” diesmal so bellaeufig wie moeglich zu behandeln. Aus Selbstverstaendlichkeiten bestand, mit einer Ausnahme, im Grunde denn auch ein Sechspunkte- Programm, in dem die Aussenministerin fuer grunasaetzlichen Verzicht auf Gewaltmittel zur Austragung der Israel isch-ayabischeu (Fortsetzung Seit* S)