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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1963-11-01 · 11 (Noviembre, 1963) · p. Seite 6

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXV (1963)
Issue
11 (Noviembre, 1963)
Date
1963-11-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 NOVIEMBRE 1963 BOLETIN INFORMATIVO IM SCHATTEN VON GESTERN Von Sjoerd van Vliet Stunden der Erinnerung... (Fortsetzung von Seite 1) Es war vor ueber zwanzig Jahren, zur Zeit der ersten grossen Treibjagd der Deutschen gegen die hollaendischen Juden. Es war auch das erste Mal, dass eine deutliche hollaendische Antwort gegeben wurde; der Februarstreik. Beides Ereignisse, bei denen man nicht die Jahre zaehlen sollte, die seitdem vergangen sind. Das ist gestern geschehen. Das soll auch fuer alle Zeiten in unserer Erinnerung “Gestern” bleiben. Aber die Zeit ist wie Schnee. Schnee von Vergessenheit, der ueber die Morde von gestern faellt. Wenn wir nicht aufpassen, bleibt bald nur noch das Denkmal des Hafenarbeiters, ein Monument wie viele andere, und was damals geschehen ist, beruehrt uns nicht mehr als der Brand, den Nero in Rom entfachte. Darum dieser Artikel, der ein Bericht ist von Augenzeugen, die! erzaehlen, wie es den Maennern ergangen ist, die im Februar 1941 gepackt wurden. Der Bericht ist entnommen dem Buch von Dr. Eugen Kogon, “Der SS- Staat”. Ich dachte zuerst, dass es zu 'schrecklich waere, um jetzt, anno 1963 darueber zu schreiben. Aber ich erinnere mich, wie wir waehrend des Krieges die ersten Augenzeuf enberichte aus Polen erhielen, wie wir auf die ungeordneten Papiere auf unserem Schreibtisch wie blind starrten, wie die Welt unserer Gedanken und Gefuehle durcheinander geru e 11 e 11 wurde, , wie wir nach zwei schlaflosen Naeohten in unser e m kleinen Kreis abstimmten und den Beschluss fassten; Nicht publizieren. Das geht zu v/eit... Das ging nicht zu weit! Das war immer noch schlimmer, als die Berichte, die wir erhielten. Darum nun der folgende Bericht; Von den Juden, die im Februar 1941 gefangen genommen wurden, kamen 389 nach Buchenwald. Und dann erzaehlt Eugen Kogon weiter: "Das rauhe Klima des Lagers nahm die Hollaender sehr mit. Obendrein war es den Hollaendern verboten, aus den Barracken zu gehen. Alle, die in der Krankenbarracke waren, wurden entweder direkt “abgespritzt”, oder als “gesund entlassen”. Kurz danach lebten nur noch 341. Fuer sie kam der Befehl eum Transport nach Mauthausen. Zwei politische Gefangene aus Mauthausen, die spaeter nach Buchenwald kamen, der Pole Adam Kuczinski und der Deutsche Ludwig Neumaier, gaben den folgenden Bericht ueber das Los der hollaendischen Juden: Der Transport kam um Mitternacht an. die Insassen des KZ Mauthausen durften ihre Barracken nicht verlassen. Fuenfzig der gerade angekommenen Juden wurden aus dem Badehaus nackt in das KZ getrieben und auf den elektrischen Zaun gejagt. Alle uebrigen kamen in einen Block... Am zweiten Tag nach ihrer Ankunft wurden die Juden in den Steinbruch gejagt. Sie durften die 148 Stufen, die in die Tiefe fuehrten, nicht betreten, sondern mussten sich den Abhang, der mit losen Steinen besäet war, nach unten gleiten lassen. Das bedeutete fuer viele den Tod 'oder auf jeden Fall schwere Verwundungen. Dann bekamen sie das schwere Brett, das noetig war, um Steine zu tragen, auf ihre Schulter und zwei Gefangene wurden gezwungen, jedem einen schweren Stein auf das IBrett zu legen. Dann ging es im Laufschritt die 148 Treppen rauf. Einem Teil fielen die Steine herunter und manchem, der hinterher lief, wurden die Fuesse zerschmettert. Jeder der seinen Stein fallen liess, wurde schrecklich geschlagen und der Stein wurde ihm aufs Neue aufgeladen. Aus Verzweiflung begingen viele schon am ersten Tag Selbstmord, indem sie sich von oben in die Tiefe stuerzten. Am dritten Tag oeffnete die SS die “Todestuer”. Man trieb die Juden unter abscheulichen Misshandlungen ueber eine Linie, auf der Posten aufgestellt waren, und dann wurden sie von Wachttuermen aus mit Maschinengewehrfeuer in Haufen niedergeknallt. Am folgenden Tag sprangen die Juden nicht mehr einzeln in die Tiefe, sondern sie gaben einander die Hand und der erste zog 9-12 Kameraden mit in den Tod. Es dauerte keine 6 Wochen, wie der Lagerleiter befohlen hatte, bevor der Block leer war, sondern nur drei Wochen. Alle 340 Maenner fanden durch die Kugel, durch Totschlag oder durch Selbstmord den Tod. Das ist der Bericht von Adam Kuczinski und Ludwig Neumaier, die dabei waren und es gesehen haben. Nicht ein Hollaender hat auch nur durch Zufall ueberlebt. Als es April in Holland war, waren die Februar- Gefangenen alle tot. Es war der Beginn der schrecklichen Zeit fuer Tausende, die nach ihnen dasselbe Schicksal erleiden sollten”. Von den Deutschen, die dies alles organisiert haben, ausgefuehrt haben, gesehen und geduldet haben, ist nur ein kleiner Prozentsatz bestraft worden. Der groesste Teil von ihnen, soweit sie nicht aus ihrer Unterwelt an die russische Front geschickt wurden, um “fuer das Vaterland den Heldentod” zu finden, laeuft frei herum, hat seinen Anteil am Deutschen Wirtschaftswunder, darf an den Wahlen teilnehmen und auch in ihrem Namen —denn Deutschland ist eine Demokratie— wird den hollaendischen Opfern des Nazismus der Betrag von 124 Millionen D-Mark angeboten. Damit, schreibt die “Frankfurter Allgemeine”, ist die Angelegenheit mit Holland ins Reine gebracht und der Weg frei, um die Koenigin Juliana zu einem Besuch in Deutschland einzuladen... Ist es nun der Hass gegen die Moerder, der uns veranlasst, dies alles uns im Jahre 1963 wieder in Erinnerung zu rufen, Ach, welcher Mensch waere zu einem solchen Hass faehig, wie er hier am Platze waere, ohne dass ihm der Atem im Munde abstirbt? Nein, wir schreiben dies, um zu kuenden, an was wir gedacht haben, als vor einiger Zeit i die kleine, nuechterne Feier im Herzen Amsterdams stattfand. Vielleicht habt Ihr darueber schon in den Zeitungen gelesen. Es geschieht soviel Wichtigeres in der Welt, heute im Jahre 1983. Auszugsweise uebersctzt aus “Allgemeen Handelsblad”. BLINDE KINDER IN ISRAEL bedürfen Eurer Freundschaft und Hilfe Neuzeit Juden und Buerger des Wohnlandes zugleich zu sein. Dort wurde um Gleichberechtigung gerungen. Dort suchten sie am Wissen der Welt teilzuhaben, nachdem ihnen jahrhundertelang die Quellen der europaeischen Kultur verschlossen gewesen waren. Man suchte einen Weg zum nicht juedischen Nachbarn zu finden. Nach Jahrhunderten des Wanderns wollte ¡man einmal zu dem Land des Wohnsitzes .“Heimat” sagen duerfen. In diesem Land war man neue, unbekannte Wege gegangen. Rueckblickend muessen wir bekennen, dass Fehler begangen worden sind. Wir irrten, wenn wir die Werte der juedischen Vergangenheit vergassen. Wir fehlten, wenn wir uns mehr dem ¡nic.htjuedischen Nachbarn verbunden fuehlten, als dem juedischen Volk. Unser schwerster Feh- Tanz auf dem... (Schluss von Seite 5) toente das erste Klingelzeichen. Nur wenige Besucher waren gekommen, meistens Frauen und alte Leute; und natuerlich drei Maenner, mit steifen Hueten, Aktenmappen unterm Arm— die unvermeidliche Delegation der Gestapo Schliesslich ging der Vorhang auf und das Rampenlicht zeigte den Salon in einer schottischen Studentenpension, mit einem Kamin, in dem gemuetliches Feuer flackerte. Im Anfang zitterten die Stimmen der Schauspieler ein wenig, als die Scheinwerfer ihre Gesichter erhellten, aber bald erfasste sie d’ie Magie der Buehne und sie spielten herrlich; sie spielten einen Sektrausch nach einer Ballnacht, das Grammophon schnarrte einen Rumba, sie lachten und tanzten — in ihrer Welt des Scheins und Gaukelspiels, eine Woche nach dem Pogrom. Wenn man auf jene Zeit zurueckblickt, so erscheint dieses Theater als ein einzigartiges Phaenomen —eine europaeische Buehne, von Juden fuer Juden, in der Hauptstadt des Judenhasses. Abend fuer Abend strafte sie jene der Luege, die da behaupteten. dass juedische Menschen nicht Traeger der Musik und des dichterischen Wortes sein koennen; Abend fuer Abend bewies sie, falls es eines Beweises bedurfte, dass die Kunst nicht aufgehoert hat juedische Menschen zu erfuellen und zu bewegen, selbst unter der Fuchtel der Gestapo. 1er war, dass wir zu optimistisch waren und an Aufklaerung und Fortschritt glaubten. Wir vermuteten unsere eigene ehrliche Absicht auch bei dem nichtjuedischen Nachbarn. Aber wir waren noch Schueler der Freiheit. Wir hatten noch nicht gelernt, in der Freiheit zu leben. Wir hatten ja keine Lehrmeister, bei denen wir haetten lernen koennen. Wir sind dafuer schwer bestraft worden. Aber wer lernt, macht immer Fehler, Gerade darum sollten wir dafuer sorgen, dass die Geschichte dieses Judentums in Deutschland nicht in Vergessenheit geraet. Dort traten jene Probleme zum ersten Mal in der Neuzeit an uns heran, deren Loesung uns noch heute obliegt. Assimilât ion, Staatsbuergerrecht, Gleichberechtigung, Buergertum in zwei Zivilisationen, Leben in Freiheit, das waren unsere Probleme. Sie sind es geblieben. Ueberall, wo Juden in der demokratischen Welt leben, sollten sie aus den Fehlern jenes Judentums lernen, das am 9. und 10. November 1938 zerstoert worden ist. Aber es soll auch all das festgehalten werden, was an positiven Leistungen von diesem Stamm Israels geschaffen wurde. Die Schueler der Freiheit haben nicht nur Fehler begangen. Die Weltgeschichte des juedische« Volkes wird auch die Werte anerkennen, die in diesen 150 Jahren geschaffen wurden. Sie sind ein unverlierbarer Bestandteil unserer Zukunft. Die Wissenschaft des Judentums hat uns gelehrt, dieses Erbe besser zu verstehen. Die religioese Entwicklung aller Richtungen hat neue und entscheidende Impulse erhalten. Der ideelle Beitrag von Juden aus deutschsprachigen Laendern ist aus der zionistischen ¡Bewegung nicht wegzudenken. Und schliesslich ist es trotz aller Fehler, die die Schueler einer neuen Zeit begangen haben, gelungen, das Streben nach persoenlicher Freiheit mit dem Leben als Jude in Einklang zu bringen. Wir gedenken in diesen Tagen des 9. und 10. November, eines abgeschlossenen Kapitels juedischer Geschichte. Es Iwar ein wichtiger Teil unseres eigenen Lebens. Aber auch die juedische Welt darf dieses Tages gedenken. Sie sollen nicht nur Stunden der Erinnerung bringen, sondern auch des Lernens. Aus den Fehlern und auch aus den Leistungen koennen wir lernen, unsere eigenen Probleme zu loesen. Wir sind keine Schueler der Freiheit mehr. Wir sollen sie meistern. Uoi«Miu«lii das Blindenheim in Jerusalem Asociación de los Amigos de los Ciegos Israelitas "TORMEI - OR" Portugal 810. Casilla 2487 n -Banquetes Becepciones bei Hochzeiten, Geburtstagen, Barmizwahs, etc. Werner Spiegel Iravráxaval 1232 Tel. 460755 514

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